Kapitel 17
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Sechzehntes Kapitel: Das Wiedersehen

Mirjam drehte sich immer wieder zu Éomer um, dessen Pferd sie führte. Vor einer halben Stunde hatten die drei Heiler Lady Galadriels sie erreicht und sich sofort um die Verletzten gekümmert. Man sagte ihnen, dass Legolas und Callaya am frühen Morgen Lórien erreicht hätten, es aber überhaupt nicht gut um die Elbe stand. Mirjam machte sich große Sorgen. Sie mochte die Elbe.
Fjalar trat versehentlich in ein Kaninchenloch, das Mirjam in ihren Gedanken nicht bemerkt hatte, und stolperte. Sein Reiter stöhnte auf und erschrocken fuhr das Mädchen herum.

„Entschuldigt bitte!“ stammelte sie und sah besorgt zu Éomer hinauf. Die Heiler hatten ihm den Pfeil aus der Schulter gezogen. Mirjam wäre beinahe in Ohnmacht gefallen, als das Blut über seinen Oberkörper lief. Nun trug er einen breiten Verband und konnte sich nur noch mit Mühe im Sattel halten. Nach einer erschöpfenden Diskussion mit der aufgebrachten Mirjam erlaubte er es ihr schließlich sein Pferd zu führen.

Entschuldigend strich ihre Hand über Èomers Bein und ihr standen die Tränen in den Augen, als sie sein schmerzverzerrtes und ganz bleiches Gesicht sah. Der König hielt eine Hand auf seine Verletzung gepresst und schwankte leicht im Sattel. Der Elbenheiler, der hinter Fjalar herritt und einen der Diener vor sich im Sattel hatte, brachte sein Tier neben Mirjam zum Stehen.
„Er wird sich nicht mehr lange allein im Sattel halten können. Seine Kräfte schwinden rasch“, stellte er mit einem Blick auf den zusammengekrümmten Mann fest.
„Wir müssen uns auch etwas beeilen, sonst ist er zu entkräftet. Er muss sich ausruhen, damit die Wunde heilen kann.“

Mirjam sah ihn an und dann wanderte ihr Blick wieder zurück zu ihrem verletzten König. ’Er ist viel zu stolz, als dass er erlauben würde, das man ihm hilft. Es war ja schon schwer genug ihm klar zu machen, dass er Fjalar nicht ohne Hilfe lenken könnte.’ Sie dachte nach. Wenn sie ihn weiterhin führen würde, hätte er bald keine Kraft mehr sich zu halten und sie wären länger unterwegs. Doch wenn sie sich mit auf sein Pferd setzen würde, um ihn zu stützen, dann würde sie einen Befehl ihres Königs missachten!
Der königliche Hengst nahm ihr die Entscheidung ab und schubste sie mit seinem schönen Kopf gegen den Rücken.
’Er hat Recht. Éomer muss sich dringend ausruhen.’

Mit einem kräftigen Sprung schwang sie sich hinter ihrem König in den Sattel und legte ihre Arme um seine Seiten, sodass sie ihn seitlich stützte, aber auch noch die Zügel halten konnte. Mit einem leisen Schnalzen trieb sie den Hengst wieder an und folgte den anderen.
Éomer versuchte ihr den Kopf zuzudrehen, doch seine Wunde hielt ihn davon ab. Stattdessen äußerte er sein Missfallen mit doch sehr schwacher Stimme.
„Was tust du da? Ich habe dir doch gesagt, dass ich allein reiten kann!“
„Ja, das habt Ihr mir gesagt. Aber Ihr seid zu schwach und würdet die nächsten Schritte nicht mehr auf Fjalars Rücken allein verweilen! Und jetzt stellt Euch nicht so an.“
„Du nimmst mir meinen Stolz“, murmelte Éomer und ein Zittern durchlief Mirjams Körper.
„Ich nehme Euch Euren Stolz?!“, ereiferte sie sich verletzt.
„Euer Stolz – ist das alles woran Ihr denkt?! Ihr habt mich zu Tode erschreckt, als Ihr mit dem Pfeil in der Schulter neben mir zusammen bracht. Ich hatte Angst, Ihr würdet diesen Kampf nicht mehr überleben! Ich hatte Angst Ihr würdet verbluten! Erst werdet Ihr so schwer verletzt und dann auch noch Callaya! Überall waren diese Monster und wollten uns töten! Ich habe versucht Euch so gut es geht zu versorgen ...“ Mirjam schluchzte auf. Tränen rannen ihr über das wutrote Gesicht, als sie die letzten Worte sprach: „Ich hatte Angst Euch zu verlieren und Euch nie wieder zu sehen! Und alles woran Ihr denkt ist Euer Stolz!“

Verletzt und wütend trieb sie den Hengst noch mehr an und preschte schon bald an der Spitze der Gruppe neben dem Heiler her. Èomer war verwirrt von ihren Worten und die Verletzung schwächte ihn sehr. Eigentlich war er doch ganz froh, dass er nun nicht mehr darauf achten musste sich unter großen Schmerzen krampfhaft auf Fjalars Rücken zu halten. Mirjams Arme umfingen ihn sacht und gaben ihm den nötigen Halt. Èomer fühlte sich plötzlich geborgen und sorgenlos. Hatten ihre wütenden Worte ihm nicht gezeigt, dass er ihr nicht gleichgültig war? Sie hatte sich um ihn gesorgt und dieses Wissen erfreute den König. Es tat ihm leid, dass er sie so grob angefahren hatte, doch nun fand er keine Kraft mehr es ihr zu sagen. Die gleichmäßigen Sprünge seines Hengstes und Mirjams Nähe ließen ihn entkräftet in einen traumlosen Schlaf fallen.


~~~

Als Èomer langsam wieder erwachte, lag er in einem großen Bett. Eine weiche weiße Decke bedeckte seinen nackten Oberkörper und sein Kopf ruhte auf einem dicken Kissen. Es war etwas dunkel im Zimmer, da es vor den hohen Fenstern schon dämmerte und nur ein kleines fröhlich knackendes Feuer etwas Licht und Wärme spendete.
Verwundert sah der Menschenkönig sich um. Der Raum war spärlich aber sehr freundlich eingerichtet. Es gab ein Bett, in dem er lag, so wie einen Schrank und eine kleine Kommode mit Spiegel. Vor dem reich verzierten Kamin saß eine hoch gewachsene Gestalt mit dem Rücken zum Bett und starrte in die Flammen. Das lange Haar schimmerte golden in dem spärlichen Licht. Èomer erkannte seinen Besucher noch bevor dieser auch nur ein Wort gesagt hatte. Er wollte sich gerade bemerkbar machen, da kam ihm die Gestalt zu vor.
„Wie ich feststelle bist du endlich wieder aufgewacht, mellon nîn“, erklang eine weiche Stimme, ohne dass sich die Gestalt auch nur umdrehte. Èomer staunte wieder mal über seinen Freund.
„Wie gut doch deine Wahrnehmungen sind.“ Seine sonst so kräftige Stimme war noch erschreckend schwach und leise, doch die Gestalt hatte die Worte dennoch vernommen. Flink erhob sie sich und mit wenigen Schritten war sie an seinem Bett.
„Du siehst schlecht aus. Wie fühlst du dich?“
„Bis auf die Schmerzen in meiner Brust geht es mir recht gut“, erwiderte Èomer.
„Doch sag, wie lange sitzt du schon hier, Legolas?“
Der Elb sah seinem Freund aufmerksam in die Augen.
„Seit du gestern am frühen Abend hier her gebracht wurdest.“
„Gestern? Hab ich denn so lange geschlafen?“ Èomer wunderte sich. Doch noch brannten ihm andere Fragen auf der Seele, die viel wichtiger waren.
„Sag mein Freund, wie geht es Callaya?“ Bei dem Gedanken an ihre schwere Verwundung und den Worten der Heiler breitete sich ein Schatten über Èomers Herz. Ängstlich sah er dem Elben ins Gesicht und stutzte, als er das selige Lächeln und das Funkeln in seinen Augen sah. Sollte etwa...?
„Ihr geht es, Eru sei Dank, wieder sehr gut. Sie hat das Schlimmste überstanden und muss nur noch ihre Armverletzung ausheilen.“ Legolas Stimme wurde bei diesen Worten noch weicher, fast zärtlich und sein Freund konnte dieses Mal aus seinen sonst immer so kontrollierten Gesichtszügen lesen wie aus einem aufgeschlagenem Buch.

Freudig ergriff Èomer Legolas Hand und drückte sie. „Ihr habt euch also wieder vertragen und wie ich in deinem Gesicht unschwere erkennen kann auch mehr als nur vertragen...“ Bei dem intensiven aber freudigen Blick seines Freundes verfärbten sich Legolas Ohrspitzen verräterisch rot, doch sein Strahlen wurde immer intensiver. Lange sahen sich die beiden einfach nur an, dann zog Legolas Èomer überglücklich in seine Arme. Sie unterhielten sich noch sehr lange und es dämmerte bereits, als der Elb sich erhob.
„Es ist schon spät, mein Freund. Ich merke, dass du zusehendst ermüdest!“
Èomer lächelte schwach und drückte seine Hand.
„Ich danke dir, Legolas. Bitte, sage Callaya, dass ich sehr froh bin zu hören, dass sie sich erholen wird.“
Der Elb nickte und drückte noch ein letztes Mal die Hand des Menschen.
„Mae fuin, mellon nîn!“

Lautlos verließ Legolas den Raum. Èomers Brust schmerzte, was das Atmen erschwerte. Stöhnend strich seine Hand immer wieder über den Verband. Legolas hatte bemerkt, dass sein Freund mehr Schmerzen hatte, als er zugeben wollte und so beauftragte er einen Heiler ihm einen schmerzlindernden Trank zu bringen.
Der Heiler kam dieser Bitte sofort nach. Als er den Raum betrat dämmerte der König leicht vor sich hin, schrak aber bei einer Berührung seiner Hand sofort hoch.
Er erkannte den Heiler und unter größter Anstrengung nuschelte er:
„Ich habe solche Schmerzen... bitte... meine ganze Schulter ist wie taub...“
Behutsam tastete der Elbenheiler die verletzte Schulter ab und horchte in den geschundenen Körper. Èomer war sehr geschwächt und musste schnellstens wieder zu Kräften kommen.
„Ihr habt eine sehr schwere Verwundung, mein Herr. Ihr braucht all Eure Kraft, um wieder gesund zu werden. Mit Eurer Erlaubnis möchte ich Euch gerne in den Heilschlaf versetzen. So kommt Ihr am Schnellsten wieder zu Kräften.“
Èomer nickte schwach und verzog das Gesicht, als diese Bewegung eine erneute Schmerzwelle durch seinen Körper schickte.
Geschickt mischte der Heiler noch ein paar Kräuter in den Trank, der nun sowohl die Schmerzen lindern, als Èomer auch in den Heilschlaf versetzen sollte.
Nachdem der Menschenkönig getrunken hatte, breitete sich eine angenehme Wärme von seinem Magen ausgehend aus, bis hin in die letzte Ecke seines Körpers. Sein Kopf wurde ganz leer und leicht. Dann fielen ihm die Augen zu.

~~~


Leise huschte eine Gestalt durch die dunklen Gänge. Sie verharrte an jeder Ecke und schaute sich immer wieder rasch um. Ihr ganzer Körper und auch das Gesicht wurden von einem langen dunklen Gewand umhüllt und verdeckt. Leise raschelte der Stoff, als die Gestalt sich wieder in Bewegung setzte. Sie hastete durch den nächsten Gang und wäre fast mit einem Diener König Èomers zusammen gestoßen, hätte sie sich nicht geschwind in eine Nische gedrückt. Ihr Brustkorb hob und senkte sich sehr schnell und sie hielt sich eine zierliche Hand auf den Mund gedrückt.

Als die Schritte des Dieners in der Nacht verklungen waren, traute sich die Gestalt wieder hervor. Beinnahe geräuschlos schlich sie zu der Tür, hinter der sich das Gemach des Königs befand. Wieder verharrte sie und blickte sich gehetzt um. Nachdem sie sich überzeugt hatte, nicht gesehen worden zu sein, glitt sie wie ein Schatten in den Raum.


Siebzehntes Kapitel: Heimliche Besuche

Langsam drehte sich die Gestalt um. Mit vorsichtigen Schritten ging sie auf das Bett des Verwundeten zu und blieb direkt davor stehen. Das einzige Geräusch war der schwere Atem der dunklen Gestalt. Zögernd streckte sie die Hand aus und strich behutsam über die von Schweiß feuchte Stirn des schlafenden Königs. Zärtlich wanderten die Finger hinunter über die Lippen. Kaum hatten die Finger die weiche Haut berührt, da zuckten sie erschrocken zurück. Die leicht geöffneten Lippen waren kalt. Verwirrt und erschrocken zu gleich berührten die nun zittrigen Finger erneut die Haut des schlafenden Menschen. Es gab keine Zweifel, die Haut war ungewöhnlich kühl und auch der Atem war sehr flach.

Langsam sank die Gestalt neben dem Körper auf das Bett. Sie griff nach der Hand des Königs, die neben der Bettdecke lag und rieb sie zwischen den eigenen. Ohne es zu merken rutschte der Gestalt das dunkle Tuch vom Kopf und gab den Blick auf weiche braune Haare und ein schmales Gesicht frei.

Turn to me with frozen lips
Your hands are icy cold
Your eyes burn bright against the frost-bit sky
You never seemed more lovely than you do tonight
Pale on the horizon
Like leaves frozen in the snow
Our two shadows merge inseparably
Will time stand still if it’s pierced with cold
The more I live
The more I know
What’s simple is true
I love you


Mirjam saß regungslos auf dem Bett und überlegte fieberhaft. `Was war geschehen? Ging es Èomer wieder schlechter?`
Ein Geräusch vor der Tür ließ sie aufschrecken. Geschwind erhob sie sich und blickte sich wie gehetzt im Zimmer um. Wo konnte sie sich verstecken? Ihr Blick fiel auf das hohe Fenster, vor dem seidene Vorhänge leicht im Wind flatterten. Rasch lief sie hinüber und kletterte hinaus. Èomers Zimmer befand sich auf der zweiten Ebene des Gebäudes. Um nicht gesehen zu werden musste Mirjam sich am Fenster herunterhängen.

Kaum hatte sie ordentlich Halt gefunden, da ging auch schon die Tür auf und zwei Elben betraten das Zimmer. Krampfhaft versuchte Mirjam nicht den Halt zu verlieren und abzurutschen.
„König Èomer ist sehr entkräftet und von starken Schmerzen gepeinigt, meine Herrin“, hörte das Mädchen die Stimme eines Heilers.
„Ich hielt es für richtig ihn in den Heilschlaf zu versetzen, damit er die nötigen Kräfte sammeln kann, um wieder ganz zu genesen.“
Endlich wusste Mirjam, warum seine Haut so kalt und sein Atem so schwach war. Erleichtert atmete sie aus und hätte beinnahe vergessen sich festzuhalten. Im letzten Moment faste sie wieder nach und verhinderte so einen Sturz.
„Der Schlaf scheint ohne Schwierigkeiten zu verlaufen. Ich denke in zwei Tagen können wir ihn wieder erwecken, Navarion.“ Das war eindeutig Lady Galadriels Stimme.
`Verdammt! Wie lange wollen die da noch rumstehen?`, dachte Mirjam ärgerlich, denn ihre Hände glitten immer wieder von der Steinmauer ab. Ihre Kräfte schwanden rasch und ihre Arme hielten ihrem Gewicht nicht mehr lange stand.
`Ihr habt euch doch davon überzeugt, dass es ihm gut geht! Nun geht doch endlich!` Langsam bekam es Mirjam mit der Angst zu tun. Wenn ihre Hände keinen Halt mehr fanden, und sie fiel, dann würde sie sich verletzen und außerdem, was für sie im Moment viel schlimmer wäre, man würde sie entdecken und fragen, warum sie unter dem Fenster gehangen hätte.


There’s a warmth in my heart
It haunts me when you’re gone
Mend me to your side and never let go
Say 'Time knows nothing, we’ll never grow cold'
The more I live
The more I know
What's simple is true
I love you


Mirjam biss die Zähne zusammen und krallte sich am Fenstersims fest. Ihre Fingernägel kratzten über Stein, als ihre Hände wieder abrutschten. Ihre Muskeln zitterten vor Anstrengung. Verzweifelt faste sie wieder nach. Die Elben redeten immer noch leise über diversen Verletzungen des Königs. Leise keuchte Mirjam auf, als ihre Haut einriss und das rohe Fleisch über die Mauer rutschte. Innerlich verfluchte sie die Elben, Èomers Verletzung, die Orks, die sie angegriffen hatten und sich selbst auch, weil sie so dumm war und sich heimlich in sein Gemach geschlichen hatte.

Es schien ihr wie nach einer Ewigkeit, als sie endlich hörte, wie die Elben das Gemach verließen. Erleichtert versuchte sie sich wieder hoch zu ziehen. Ihre aufgerissenen Hände begannen leicht zu bluten und Mirjam fluchte. Mit zusammen gebissenen Zähnen schaffte sie es aber dann doch.

Als sie wieder festen Boden unter den Füßen spürte, sackte sie an die Wand gelehnt zusammen und holte ein paar Mal tief Atem. Ihre Arme schmerzten und ihre Hände brannten. Sie schwankte leicht vor Erschöpfung, als sie sich wieder erhob und zu Èomers Bett hinüberwankte.
Ihr Blick wurde weich und ein letztes Mal strich sie ihm zärtlich über die Lippen.


Twilight descends on our silhouette
How soon spring comes
How soon spring forgets
I wanna hold time, say it’ll never begin
Old man winter be our friend
Old man winter be our friend
'Cause the more I live
The more I know
What's simple is true
What's simple is true
I love, I love you
(Jewel / What’s simple is true)


~~~


Legolas betrat lautlos das Gemach. Er wollte noch kurz nach Lay sehen und ihr eine gute Nacht wünschen. Er lächelte. `Vielleicht bekomme ich dann ja noch einen Gute-Nacht-Kuss?`
Vorsichtig schloss er die Tür hinter sich und blieb stehen. Callaya schien schon zu schlafen. Unter der leichten Decke hob und senkte sich gleichmäßig ihr Brustkorb und ihre Augen waren starr auf die Decke gerichtet. Langsam trat Legolas näher.
Die Elbe war immer noch etwas blass, so dass sie fast schon zerbrechlich aussah. Ein zärtliches Lächeln kroch bei dem Anblick seiner schlafenden Geliebten auf Legolas Lippen. Er wollte sie nicht mehr wecken, auch wenn er so auf seinen Gute-Nacht-Kuss verzichten musste, doch er wusste nur zu gut, dass sie den Schlaf brauchte um wieder ganz gesund zu werden. Vorsichtig, um sie nicht zu wecken, setzte er sich auf die Bettkante und sah die Elbe einfach nur an. Sein Herz wollte zerspringen, so glücklich war er zu wissen, dass sie für immer seins sein würde. Lange saß er einfach nur da und beobachtete die schlafende Elbe. Das silberne Licht des Mondes schien durch das Fenster und ließ Lays Haut leicht schimmern. Legolas vermochte es nicht in Worte zu fassen, was er in diesem Moment empfand. Ein letztes Mal strich er ihr noch zärtlich über das Haar und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen, bevor er sich leise erhob und sich in seinem Gemach schlafen legte.



Achtzehntes Kapitel: Sorgen

Dieses Kapitel widme ich Louise und Corry, die mir während unseren Freistunden so tatkräftig und ernsthaft (????) geholfen haben den Palast des Düsterwaldes zu erbauen und Legolas Lieblingsplatz zuschaffen!!! Das nächste Mal, wenn ich mal wieder Wortfindungsstörungen oder keine Ideen habe, wende ich mich wieder an euch, ok?!

Es war ein wunderschöner Morgen. Das Erste was Callaya mitbekam, war der melodische Gesang der Vögel, der ihr so vertraut vorkam. Sie war etwas verwirrt und konnte sich nicht sofort zu Recht finden. Vorsichtig setzte sie sich in ihrem Bett auf und stützte sich auf ihren Armen ab, als sie einen Schmerz spürte und überrascht aufstöhnte. All ihre Erinnerungen kamen zurück. Natürlich! Wie konnte sie das vergessen. Der Ork hatte sie ja voll erwischt. ’Es war also nicht nur ein schrecklicher Traum. Aber wenn das nicht nur ein Traum gewesen ist, dann war der Rest ja auch keiner... ` Ein breites und glückliches Grinsen breitete sich über ihrem Gesicht aus, als sie an Legolas dachte. Ein wohliger Schauer durchrieselte ihren Körper und überschwänglich vor Glück schwang sie ihre Beine über die Bettkante und sprang auf, als es ihr plötzlich schwarz vor den Augen wurde. Die Elbe taumelte, konnte sich aber gerade noch an einem der Bettpfosten festhalten. Tief durchatmend sank sie nun auf den Fußbodenfliesen und hielt eine Hand vor den Augen. Nach dem sich der Schwindel, eine Ursache des hohen Blutverlustes, wieder gelegt hatte, versuchte sie erneut, aber diesmal langsam aufzustehen. Callaya fühlte sich zwar noch etwas wackelig auf den Beinen, doch sie wankte trotzig zu ihrem Kleiderschrank, um sich ihren Morgenmantel überzuziehen.
Langsam verließ sie ihr Gemach und ging immer dicht bei der Wand bleibend in Richtung Speisesaal. Für gewöhnlich beanspruchte diese Strecke von ihrem Gemach bis zum Saal höchstens drei Minuten, doch diesmal verstrich fast eine Viertelstunde. Immer noch sichtlich geschwächt benötigte Callaya dauernd wieder eine kurze Pause, da ihr immer mal wieder kurzzeitig schwarz vor Augen wurde.
Die Elbe hatte gerade die Tür zum Speisesaal erreicht, als sie hinter sich eilige Schritte vernahm und sich umdrehte. Völlig außer Atem stand Mirjam vor ihr.
„Aber Lady Callaya, dürfen Sie denn Ihr Bett schon wieder verlassen?“, fragte das Mädchen verwundert und ergriff Callayas unverletzten Arm.
„Wieso denn nicht, Mirjam? Mir geht es gut und deshalb möchte ich jetzt frühstücken. Würdest du mir Gesellschaft leisten?“
„Aber Ihr seid doch noch viel zu geschwächt, als dass Ihr schon wieder allein aufstehen dürftet.“ schockierte sich das Mädchen.
„Mir geht es sehr gut und ich bin kein bisschen geschwächt.“, erwiderte die Elbe etwas heftiger als beabsichtigt und unterdrückte den Gedanken an ihre beinahe Ohnmacht. Das Mädchen aus Rohan sah die Elbe abschätzend und besorgt an, sagte aber nichts mehr. Gemeinsam betraten sie nun den Saal und setzten sich an den Tisch. Kaum hatten die beiden platzgenommen, da brachten auch schon zwei Elben das Frühstück. Callaya hatte großen Appetit, doch Mirjam zögerte und sah sich unsicher um.
„Was ist los?“, fragte Callaya und blickte das Mädchen erstaunt an. „Hast du etwa keinen Hunger?“
„Doch, und ob. Aber... ich meine, ich bin ein Dienstmädchen... und ich kann nicht...“ Callaya legte mit einem genervten Seufzer ihr Essen beiseite.
„Was habe ich dir damals in meinem Gemach in Rohan gesagt?! Du sollst mich nicht My Lady nennen und ich brauche keine Dienerin, sondern eine Freundin und als meine Freundin kannst du doch mit mir gemeinsam frühstücken, oder nicht?“
Mirjam nickte und nahm sich schüchtern etwas zu essen. Zufrieden widmete sich nun auch die Elbe wieder ihrem Frühstück. Schweigend verzehrten sie ihre Mahlzeit, nicht ohne dass Mirjam immer wieder verstohlene Blicke zu Callaya hinüberwarf. Die Elbe sah wirklich noch sehr geschwächt aus. Ihre Haut war fahl und bleich und ihre Hände zitterten leicht, was sehr ungewöhnlich für Elben ist. Doch ihre Augen strahlten und ihre Wangen hatten einen leichten rosa Schimmer. Mirjam lächelte, vermutete sie doch den Grund für Callayas neuen Lebenswillen zu kennen. Sie freute sich für das völlig offensichtliche Glück der Elbe. Sie hatte gespürt, dass irgendetwas auf Callayas Seele drückte. Das dieses Etwas sie beinahe in den Tod gezwungen hatte. Zwar hatte sie schon oft die vertrautesten Gespräche mit der Elbe geführt, aber eigentlich immer nur über Mirjams Leben und Wünsche. Nie hatte Callaya auch nur ein Wort über ihre Wünsch und Sorgen verloren. Dennoch hatte Mirjam von Anfang an gespürt, dass Callaya irgendetwas tief bedrückte. Umso mehr freute das Mädchen sich nun für sie.
Beide – Elbe und Mädchen – waren zu sehr in ihre Gedanken vertieft, als dass sie die Tür hätten aufgehen hören. Eine Gestalt stand in der Tür und blickte sie ungläubig an. Es war Legolas. Er wollte Callaya wecken, fand ihr Gemach aber verlassen vor. Er machte sich große Sorgen um sie, war sie doch noch gar nicht in der Lage allein durch das Schloss zu laufen. Eilig suchte er alle infrage kommenden Orte ab, bis er schließlich zum Speisesaal gelangte.
Er lehnte sich gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme vor der Brust. Leicht lächelnd betrachtete er die beiden Frauen am Tisch. Sie hatten sein Eintreten gar nicht bemerkt und der Elbenprinz fragte sich, was ihre Gedanken so einnehmen konnte, dass sie nichts mehr wahrnahmen. Zahlreiche Minuten verstrichen, in denen er sie einfach nur betrachtete, bis er sich schließlich laut räusperte. Gleichzeitig schreckten die beiden hoch und drehten sich überrascht um. Ein freudiges Leuchten trat in Callayas Augen.
„Legolas!“, rief sie und wollte aufspringen, doch auch dieses Mal überkam sie ein Schwindel und sie strauchelte. Doch diesmal konnte Mirjam noch rechtzeitig zupacken und den Sturz verhindern.
Erschrocken war Legolas sofort bei ihnen und stütze sie.
„Du solltest noch gar nicht alleine aufstehen, Lay! Du weißt doch, dass du noch viel zu schwach bist!“, tadelte er sie besorgt, doch Callaya schüttelte nur den Kopf.
„Ich bin gar nicht mehr schwach!“, protestierte sie und sah ihrem Geliebten beleidigt in die Augen.
„Ach nein, und was war das dann gerade eben?“, fragte er ironisch und strich ihr über die Wange. Callaya schloss die Augen und genoss diesen Moment der Zärtlichkeit.
„Es ist glaube ich besser, wenn Sie Lady Callaya wieder in ihr Gemach bringen, mein Prinz. Ich habe sie auch schon vergeblich versucht dazu zubringen im Bett zu bleiben, bis sie wieder bei Kräften ist, doch auf mich hört sie ja nicht.“, wandt sich nun Mirjam an Legolas, der ihr zu nickte und Callaya mit Leichtigkeit hochhob. Callaya wehrte sich kein bisschen, sondern schmiegte sich in seine Arme. Legolas lachte leise. „Du musst wohl ganz schon entkräftet sein, wenn du zulässt, dass ich dich trage, meleth nîn!“ Als Antwort spürte er einen Kuss an seinem Hals.
Mirjam lächelte, als sie die beiden Elben so sah und verließ den Saal.


~~~


Legolas hatte Lay zurück in ihr Gemach gebracht. Jetzt saß er in einem bequemen Sessel und betrachtete sie. Callaya hatte sich entschlossen geweigert wieder zurück ins Bett zu gehen, stattdessen stand sie nun vor ihrem Kleiderschrank und suchte ein Kleid, das sie anziehen wollte.
„Liebling, welches gefällt dir besser?“, fragte sie schließlich und hielt ihm zwei Kleider entgegen. Ein Nachtblaues und ein Mossgrünes. Legolas brauchte gar nicht lange zu überlegen. Er stand auf, nahm ihr das nachtblaue Kleid aus der Hand und hängte es wieder in den Schrank. Dann trat er hinter sie und umfasste leicht ihre Hüfte.
„Wegen mir brauchst du aber gar kein Kleid zu tragen.“, flüsterte er ihr ins Ohr und küsste ihren Nacken. Lay lehnte sich kurz an ihn und löste sich dann aus seinen Armen. Sie schob ihn mit einem verführerischen Lächeln wieder zurück in den Sessel und trat einen Schritt zurück. Langsam streifte sie sich ihren Morgenmantel ab und ließ ihn zu Boden fallen. Dann begannen ihre Finger die Schnüre am Oberteil ihres Nachtgewandes zu lösen und erlaubten Legolas immer mehr Sicht auf ihre nackte Haut. Ein heißer Schauer lief Legolas Wirbelsäule entlang, als Lay sich das Gewand von den Schultern strich und es bis zu ihrer Hüfte hinunter rutschte. Bewundernd strich sein Blick über ihren Körper, als es schließlich ganz zu Boden fiel. Sein Puls beschleunigte sich, denn Callaya kam langsam auf ihn zu und beugte sich zu ihm herunter. Ganz sanft, fast schon unschuldig berührten ihre weichen Lippen die seinen und zogen sich wieder zurück, bevor er noch mehr fordern konnte. Verwirrt sah er sie an, doch Callaya lächelte nur und zog sich das moosgrüne Kleid an.
Legolas sah sie enttäuscht an, konnte sich aber ein anzügliches Grinsen nicht verkneifen, zeigte ihm Lay doch gerade eine völlig andere Seite an sich und Legolas konnte nicht bestreiten, dass das, was er sah, ihm gefiel. Auch Callaya lächelte und setzte sich auf seinen Schoß. Besitzergreifend schlang er seine Arme um sie und küsste sie lange. Callaya rutschte etwas vor, sodass sie ihren Kopf auf seine Schulter legen konnte. Zufrieden schnupperte sie an seinem Hals und sog den Duft tief ein. Sie liebte seinen Duft nach Wind und Wald. Sie fühlte sich frei, aber dennoch geborgen, wenn sie ihn roch. Vor ihren Augen erschien der Düsterwald so, wie sie ihn sich vorstellte, hatte sie ihn doch noch nie erblickt.
Legolas beobachtete seine Geliebte. ’Wie lustig sie ihre kleine Nase kraus zieht, wenn sie über etwas nachdenkt’, dachte er und schmunzelte.
„Woran denkst du, meleth nîn?“
Noch einmal atmete sie seinen Duft ein, dann hob sie ihren Kopf und sah ihn an.
„Erzählst du mir von deiner Heimat, den Düsterwald?“ Legolas Herz tat einen Sprung. Es freute ihn, dass Callaya Interesse für seine geliebte Heimat zeigte. Er küsste sie und Callaya kuschelte sich wieder in seine Arme. Ihre Finger verflochten sich ineinander, als er zu sprechen begann:
„Der Düsterwald ist sowohl Heimat, als auch Gefahr. Die hohen Bäume sind stark und fruchtbar. Sie schützen unser Volk und bieten uns Platz, um unsere Flaten in ihre majestätischen Kronen zu erbauen.
Im Winter glitzern die eingeschneiten Blätter wie tausend Kristalle in der sanften Sonne und der gefrorene Waldboden wird zu einem funkelnden Teppich.
Im Frühling erstrahlt der Wald und die kleinen Lichtungen in den unterschiedlichsten Grüntönen und die Bäche murmeln munter vor sich her. Die Vögel singen ein prächtiges Konzert und man fühlt förmlich die Frische und den Atem der Erde. Überall erwacht der Wald zu neuem Leben.
Der Sommer berauscht mit seinen würzigen Gerüchen und der bunten Farbenpracht der abertausenden Blumen und Blüten. Die hellen Sonnenstrahlen durchbrechen das schattige Blätterdach und lassen Schatten und Lichtreflexe tanzen. Unzählige Tiere beherbergt diese Idylle.
Der Herbst lässt den Wald in einem feurigen Rot aufflammen. Orangetöne verschmelzen zu einem Farbspiel, das mich jedes Jahr aufs Neue in den Bann zieht.“
Fasziniert lauschte Callaya den euphorischen Schilderungen. Die Bilder erschienen deutlich vor ihren Augen und sie fühlte sich an diesen Ort versetzt.
„Inmitten unseres Reiches befindet sich unser Palast in den Wipfeln der stärksten und höchsten Bäume, umgeben von zahlreichen kunstvoll in die Bäume gearbeiteten Flaten. In schier unendlichen Windungen erheben sich Treppen aus massivem Holz die Bäume empor. Das Zedernholz, aus welchem der verwinkelte Palast erbaut wurde, schimmert im Mondlicht und tausend ewigleuchtende Lampen mit dem Licht unseres geliebten Sterns Earendils umsäumen die Hängebrücken, die die Verbindungen der sich ineinander verlierenden Gänge bilden, und dienen gleichzeitig unserem Schutz vor den Riesenspinnen. Wir haben zwar schon einen Großteil vertrieben, dennoch lauern sie noch auf unser Volk. Das gleißend helle Licht des Sterns meiden sie. Die Spinnen sind die Gefahrenseite in unserem Reich, doch unter der Herrschaft meines Vaters haben wir die Gefahr gebannt, nur der dunkelste Teil des Waldes wird noch von ihnen beherrscht.“ Legolas brach kurz ab und lauschte ihren Atemgeräuschen und den Vogelstimmen. Ansonsten war alles still. Er legte seinen Kopf auf Callayas und sprach:
„Wenn du mit mir mitkommst in den Düsterwald, zeige ich dir meinen Lieblingsplatz. Dieser Fleck Erde ist für mich der Schönste in ganz Mittelerde und ich möchte ihn dir zeigen. Die Vollkommene Einheit der Natur in ungestörtem Frieden.“


~~~


Nachdem Mirjam die beiden Elben im Speisesaal verlassen hatte, suchte sie die Hallen der Heiler auf, in denen die verletzten Diener Rohans lagen. Sie wollte sich einen Überblick über ihre Verletzungen schaffen und sich gleichzeitig von ihren Sorgen um Èomer ablenken. Das Mädchen kannte die Kräfte der Elbenheiler nicht und bangte um ihren König. Sie betrat die kühle Halle und sah sich suchend um. Durch die großen Fenster fiel das gleißende Tageslicht und malte Muster auf die Bodenfliesen. Kaum hatte sie das Gebäude betreten, verspürte Mirjam eine Erleichterung und sie wurde innerlich ganz ruhig und entspannt. Langsam durchschritt sie die Halle. Ihre Schritte hallten leise von den Wänden wider. Plötzlich tat sich eine Tür zu ihrer Linken auf und ein Elb erschien. Er war in ein blasssilbernes Gewand gekleidet und um den Hals trug er eine lange Kette, an der ein Medaillon hing. Darauf war ein strahlend weißer Schwan abgebildet. Es war das gleiche Medaillon, das auch die Herrin dieses Waldes trug. Mit lautlosen Schritten kam er auf sie zu und lächelte sie aufmunternd an.
„Kann ich Euch helfen?“, sprach er sie freundlich an.
„Ich wollte mich nach dem Befinden der rohanischen Männer erkundigen, die man hierher gebracht haben soll. Werden sie wieder ganz gesund?“
Der Elbenheiler lächelte beruhigend und legte ihr eine Hand auf die Schultern. Mit leichtem Druck schob er Mirjam vorwärts, während er sprach.
„Ich werde Euch zu ihnen bringen, dann könnt ihr Euch persönlich von ihrem Wohlergehen überzeugen. Sie haben alle Glück gehabt. Keiner von ihnen hat schwere Verletzungen, so dass sie morgen schon wieder diese Hallen verlassen können. Wir wollen nur sicher gehen, dass sie nicht auch etwas von dem Orkgift abbekommen haben. Aber seht selbst.“
Mit diesen Worten öffnete er eine Tür und beide betraten den hellen und freundlichen Raum. Die Tür zur Terrasse stand offen und eine leichte Brise trug lachende Stimmen zu Mirjam und dem Elbenheiler hinüber. Sie atmete erleichtert aus, musste sie sich also nicht auch noch um die Diener des Königs sorgen. Mirjam bedankte sich bei dem Elben neben ihr und betrachtete völlig in Gedanken versunken die scherzenden Männer auf der Terrasse.
`Hoffentlich sehe ich Èomer noch mal so lachen!` Wieder übermannte sie die Sorge um ihren Herrn.
Verwundert betrachtete der Elb das Mädchen neben sich. Er hatte gedacht, dass sich ihre sorgenvolle Miene aufhellen würde, wenn sie sah, dass es ihren Gefährten so gut ging. Doch stattdessen ließ sie nun noch mehr ihre Schultern hängen und seufzte schwer, als ob sich eine schwere Last auf ihrem Herzen niederließ.
„My Lady?“ Mirjam schrak hoch und blickte den Elben fragend an. Er sah so überirdisch schön aus.
`Schön! Ein seltsames Wort für einen Mann, aber diese Elben sind schön. Anders kann man das nicht sagen. Die ebenen Gesichtszüge, diese perfekte Haut, alles stimmt. Doch das atemberaubenste sind ihre Augen. Bei uns Menschen verraten die Augen so viel von uns. Oft kann man den Charakter an den Augen erkennen, doch bei den Elben...
Man kann nicht sagen wie alt sie sind, oder was sie gerade denken oder fühlen. Selbst ihre Augen verraten nichts. Sie blicken einfach so strahlend, weise und verständnisvoll.
Ja, die Augen der Elben sind etwas Besonderes. Sie sind so scharf!`
Mirjam betrachtete nun seine Augen eingehender. Der Elbenheiler runzelte die Stirn. Dieses Mädchen sah ihn an, wie einen seltenen Vogel. Er lächelte, doch Mirjam bemerkte es nicht. Ihre Gedanken kreisten weiter um die Eigenschaften und Fähigkeiten des Schönen Volkes.
`Eigentlich ist es ungerecht. Die Elben sind makellos schön UND unsterblich. Wir Menschen dagegen büßen unsere Frische und makellose Haut mit der Zeit ein und sind doch so verletzlich. Es würde ja schon reichen, wenn wir die elbischen Selbstheilungskräfte besitzen würden. Dann müsste man Èomer jetzt nicht in diesen todähnlichen Heilschlaf versetzten!` Während sie daran dachte, wie ungerecht es doch auf der Welt zuging, konnte der Elb beobachten, wie sich ihre Augen vor Zorn verdunkelten. Er konnte aus ihren Augen lesen, wie aus einem offenen Buch und das amüsierte ihn.
`Wie leicht zu durchschauen die Menschen doch sind. Zwar verstehe ich den Grund ihres Unmuts nicht, aber der Zorn sprüht nur so aus ihren grün gesprenkelten Augen wie kleine Blitze. Noch nie habe ich ein so interessantes Gesicht gesehen.`



Neunzehntes Kapitel: Love to be loved by you

Zur Mittagszeit klopfte es leicht an Callayas Gemach. Fragend sah Legolas auf die Elbe in seine Armen. Sie hatte ihre Nase an seinem Hals vergraben und ihm eine Hand auf die Brust gelegt. Während er ihr mit leiser Stimme von seiner Heimat und seinem bisherigem Leben erzählte, war sie völlig erschöpft eingeschlafen. Vorsichtig versuchte der Elbenprinz sich zu erheben, ohne Lay dabei aufzuwecken. Er hob sie hoch, stand auf und setzte sie vorsichtig wieder in den Sessel. Callaya erwachte nicht, doch grummelte sie etwas unwillig. Zärtlich strich er ihr noch einmal über ihr Haar, dann wandte er sich zur Tür und öffnete sie. In der Tür standen Galadriel mit einem Elben, der eine Schale in der Hand trug.
„Mae govannen Legolas. Navarion und ich wollte kurz nach der Verletzung von Callaya sehen. Auch dachte ich mir, dass Callaya noch zu recht schwach ist, da ihr nicht beim Mahl erschient. Ihr müsst hungrig sein. Deshalb bringen wir euch eine Kleinigkeit zu essen.“
Freundlich lächelnd sah sie dem Elbenprinzen ins Gesicht. Seine Augen wanderten rastlos von Navarion zu ihr und wieder zurück. Eine leichte Röte zierte seine Wangen. Trat er allzeit so selbstsicher und stark auf, doch schien er immer noch unsicher ihr gegenüber zu sein, wenn ihre Worte sich auf ihre Nichte bezogen. Wie anders er mit Gefühlen umging als Callaya.
„Legolas?“ Bei diesem leise gesprochenen Wort fuhr er sofort herum. Callaya saß senkrecht in dem Sessel, schien aber noch nicht ganz erwacht. Dennoch hatte sie seine Abwesenheit gespürt und fragte nach ihm. Legolas sah rasch zu Lady Galadriel, worauf diese leicht lächelte, dann trat er auf den Sessel zu und kniete vor Callaya nieder.
„Ich bin hier, meleth nîn. Es ist alles gut.“ Zärtlich nahm er ihre Hand und küsste sie. Callaya lächelte und sah ihn liebevoll an.
„Ich hoffe du hast etwas Kräfte gesammelt, während du geschlafen hast, Kind.“ Galadriel trat nun neben Legolas, der sofort etwa zur Seite rückte und küsste ihre Nichte auf die Stirn. Navarion schloss nun die Tür und stellte die Schale mit Obst auf die Kommode.
„Alae Tante. Mir geht es schon viel besser.“
„Navarion und ich möchten uns gerne deine Verletzung ansehen. Sie müsste eigentlich bald anfangen zu heilen.“ Vorsichtig faste sie nach Callayas rechten Arm und schob den Ärmel des Kleides über die Verletzung. Legolas stand auf, um dem Elbenheiler Platz zu machen und stellte sich hinter die Sessellehne. Navarion begutachtete den feinen roten Streifen auf Callayas heller Haut. Zufrieden blickte er Galadriel in die Augen. Leicht fuhr sie mit einem Finger über die entzündete Haut und nickte.
„Das sieht schon sehr gut aus“, meinte Galadriel zufrieden bevor sie sich an Callaya wandte.
„Navarion wird dir eine entzündungshemmende Paste auftun und dann einen Verband anlegen. In zwei- drei Tagen wird die Entzündung komplett zurückgegangen sein, doch du wirst eine feine Narbe zurückbehalten. Davor kann dich nicht einmal dein elbisches Blut schützen.“
„Hauptsache sie ist gesund und lebendig. Lieber Callaya hier und mit Narbe als tot.“ Ernst sah Legolas die stolze Elbenfrau an und legte Callaya eine Hand auf die Schulter, die sie sofort zärtlich umfasste.
„Da gebe ich euch Recht. Also Liebes, lass es langsam angehen und erhol dich gut.“ Beinahe schwebend verließ die Herrin des Goldenen Waldes das Gemach. Doch bevor sie den Raum verlassen hatte fragte Callaya verwundert: „Wieso bekomme ich denn einen Verband? Ich bin doch davor schon ohne ausgekommen.“
„Wenn du keinen Verband anlegst, wirst du die Salbe an deinem ganzen Kleid verteilen.“, antwortete Galadriel. Dann verließ sie den Raum.
Respektvoll sah Legolas ihr nach und bekam so gar nicht mit, dass Callaya ihn etwas gefragt hatte. Erst als sie ihn in seine Hand kniff, wandte er sich wieder ihr zu.
„Entschuldige, galwen nîn. Was sagtest du?“
„Ich habe vorgeschlagen, dass wir einen kleinen Spaziergang machen und uns irgendwo hinsetzen. Was hältst du davon?“
Fragend sah Legolas zu Navarion hinüber, der Callaya mit flinken Fingern einen Verband anlegte.
„Ich weiß nicht, Lay. Was sagt Ihr dazu, Navarion? Wird das nicht zu viel für sie?“
Callaya seufzte genervt auf und zog ihn zu sich herunter.
„Ich liege nicht im Sterben, Herr Elb!“
„Ich weiß, Kleines, aber du warst so kurz davor und ich möchte einfach nichts riskieren, verstehst du das nicht? Also Navarion…“
„Ich denke, dass gegen einen kleinen Spaziergang nichts einzuwenden ist, mein Herr. Etwas frische Luft wird Lady Callaya sicher gut tun.“
„Danke Navarion. Ihr seid meine Rettung. Ich kann doch nicht den ganzen Tag nur im Bett liegen. Nicht einmal mit dir.“ Fügte sie grinsend hinzu und küsste Legolas Hals. Sofort färbten sich seine Ohrspitzen gefährlich rot. Rasch sah er zu dem Elbenheiler hinüber, doch dieser war zu sehr auf den Verband fixiert, den er gerade befestigte. Als er den Verband fertig angelegt hatte erhob er sich, verbeugte sich kurz vor den beiden Elben und verließ das Gemach.
Callaya erhob sich von ihrem Sessel, schob den leicht geistesabwesenden Legolas einfach zur Seite und ging hinüber zu der Kommode, auf der die Schale mit Obst stand. Sie nahm sich zwei Früchte und trat hinter den Elbenprinzen. Mit ihrem verletzten Arm umfasste sie ihn leicht und hielt ihm mit der anderen Hand eine Frucht vors Gesicht. Legolas zuckte kurz zusammen, als die Frucht vor seinen Augen auftauchte, doch dann lächelte er und drehte sich zu Lay um.
„Was hältst du von einem kleinen Picknick, melethron?“, fragte die Elbe ihren Geliebten und biss in die Frucht. Legolas seufzte leise auf, dann küsste er sie auf ihre Nasenspitze.
„Deinen Freigeist hält wohl nichts lange in diesen Räumen, nicht wahr?“ Lays Augen funkelten ihn strahlend an.
„Nun gut, dann machen wir jetzt ein Picknick. Aber Lay, bitte zieh deinen Mantel an, ok? Ich werde während dessen in der Küche sehen, ob ich noch etwas anderes außer Obst finde.“ Mit diesen Worten nahm er die Obstschale und verließ das Gemach.
Kopfschüttelt ging er Richtung Palastküche und klopfte laut an die Tür. Ein noch ziemlich junger Elb öffnete sie und erstarrte, als er den Elbenprinzen sah. Legolas lächelte freundlich und fragte nach weiteren Speisen.
„Und vielleicht habt ihr auch noch eine Flasche Wein?“
Der Elbenjunge verbeugte sich tief und eilte davon, um allerlei Köstlichkeiten für den Prinzen zusammen zusuchen. Drei Minuten später überreichte er dem Prinzen freudestrahlend einen großen Korb. Legolas bedankte sich höflich und ging in den Hof hinunter.
Dort wartete Callaya schon in einen hellblauen, seidig glänzenden Mantel mit feinen Stickereien am Saum gehüllt. Sie hielt ihre Augen geschlossen und genoss die warmen Sonnenstrahlen auf ihrem Gesicht. Legolas hielt kurz inne und bewunderte seine Freundin. Sie sah überwältigen schön aus, wie sie da im goldenem Licht der Sonne stand und eine Briese ihre Haare und ihren Mantel leicht um ihren Schlanken Körper wehen ließ. Ein wohliger Schauer ließ die feinen Härchen auf seinen Armen sich aufstellen. Wenn Legolas diesen Moment hätte beschreiben sollen, er hätte es mit Worten nicht gekonnt. Das Glück, dass er verspürte, drohte ihn mit sich fort zu spülen.

~~~

Callaya sah vor ihren geschlossenen Augen tausend rote und gelbe Punkte. Sie genoss die warmen Strahlen der Sonne auf ihrem Gesicht und das Gefühl von der leichten Briese gestreichelt zu werden. Sie fühlte sich vollkommen geborgen und zufrieden. Wie hatte sich ihr Leben innerhalb der letzten Monate verändert! Sie hatte einen Teil ihres Herzens für immer verloren, doch nun auch ihre große Liebe gefunden, die ihr über den Verlust von Nimoeè hinweg half.
Plötzlich spürte sie ein Kribbeln in ihrem Nacken und kurz darauf die Berührung weicher Lippen. Callaya lehnte ihren Kopf etwas zurück und die Lippen wanderten von ihrem Nacken hinunter zu ihrem Hals. Callaya kicherte.
„Legolas das kitzelt!“ Sie hörte ein enttäuschtes Grummeln und lachte. Sie öffnete ihre Augen und drehte sich zu ihm um, um ihn leidenschaftlich zu küssen.
Legolas legte einen Arm um sie und langsam gingen sie los. Callaya schloss abermals die Augen und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Sie wollte jetzt nichts anderes als fühlen. Seine Gegenwart, seine Wärme, die Sonne und den Wind. Sie wollte sich ganz auf ihre Gefühle konzentrieren.
Vorsichtig führte Legolas Callaya zu einer etwas abseits gelegenen Lichtung. Erst als er anhielt öffnete Callaya wieder ihre Augen. Es war eine kleine Lichtung, umgeben von dicht stehenden ehrwürdigen Bäumen. Callaya fiel auf, dass ein besonders schöner alter Baum von der mittlerweile schon sehr hoch stehenden Sonne angestrahlt wurde. Sie bedeutete Legolas mit einer kleinen Geste, dass sie sich dort niederlassen wollte. Gemeinsam gingen sie auf den Baum zu und Legolas stellte den Korb mit den Speisen auf den Boden neben den mächtigen Stamm. Es war eine unbeschreibliche Atmosphäre. Legolas setzte sich mit dem Rücken an den Baumstamm. Callaya setzte sich vor ihn. Er zog sie ganz nah zu sich heran und vergrub seinen Kopf an ihrem Hals. Callaya genoss es einfach nur ihn so zu spüren und von ihm gehalten zu werden. Sie sprachen kein Wort. Das war aber auch nicht nötig.
Lange Zeit saßen sie so eng umschlungen da und genossen die Natur und ihre Zweisamkeit. Als Callayas Magen zu knurren begann, packten sie ihre Mitbringsel aus und Legolas öffnete die Flasche Wein. Zwischen vielen Küssen und kleinen Neckereinen fütterten sie sich gegenseitig mit den verschiedensten Leckereinen. Callayas Augen blitzen vor Vergnügen, als sie Legolas eine blutrote Traube hinhielt. Gerade als er seine Hand danach ausstreckt, entzog Callaya sie ihm blitzschnell. Legolas setzte sich etwas auf und grinste heimtückisch. Callaya war aber auf der Hut und sobald er erneut versucht ihr die Traube zu entreißen, sprang sie auf und flüchtete vor ihm. Legolas reagierte ebenfalls binnen einer Sekunde und verfolgte sie. Die beiden Elben rannten ausgelassen über die Lichtung und schlugen gewagte Haken. Doch bald verließen Callaya die Kräfte und Legolas erreichte sie. Er umschlang sie mit beiden Armen und während sie fielen, quietschte Callaya auf. Lachend rollten sie noch einige Meter über den weichen Waldboden, bis die Elbe keuchend nach Luft schnappte. Lays Atem ging sehr heftig und ihr Brustkorb hob und senkte sich in einem schnellen Rhythmus, sodass Legolas sie besorgt ansah.
„Ist alles in Ordnung, Kleines?“
Callaya lächelte ihn an. Ihr Gesicht war von der Hetzjagd über die Lichtung gerötet und ihre Haare lagen ihr wild ins Gesicht. Zärtlich strich Legolas sie ihr hinters Ohr und ließ seine Hand an ihrer Wange liegen. Callaya schloss die Augen, schmiegte ihr Gesicht in seine Hand und versuchte ihren Puls zu beruhigen. Gnädig legte sie die Traube zwischen ihre Lippen und Legolas kam so nicht nur in den Genuss der süßen Frucht.
„Es ist alles in Ordnung, Legolas. Ich muss mich nur einen Moment ausruhen.“
Beruhigt streckte der Elb sich auf dem Waldboden aus und blickte hinauf zu den sich wiegenden Baumwipfeln. Callaya rutschte etwas hinüber an seine Seite und legte ihren Kopf auf seine Brust und einen seiner Arme über ihre Hüfte. Zärtlich spielten ihre ineinander verschlungenen Finger miteinander, während beide Elben zu den Baumwipfeln heraufblickten.
Callaya lauschte. Alles was ihre feinen Elbenohren vernahmen, war das ferne Rauschen des Windes in den Blättern der großen Bäume, den Gesang der Vögel und Legolas Atem.
’ Das Ist alles was ich brauche.’ Leise begann sie eine Melodie zusummen. Es war ein Lied, dessen Text sie früher nicht verstanden hatte. Sie konnte nie verstehen, wie man so ein Gefühl wie die Liebe nicht in Worte oder Gesten fassen konnte. Doch genau in diesem Moment begriff sie. Auch sie, die nie Probleme hatte über ihre Gefühle zu reden oder sie zumindest auszudrücken, konnte ihre Gefühle zu Legolas nicht fassen, geschweige denn ihre überwältigende Tiefe und Stärke in Worte fassen.
Baby, tell me how can I tell you
That I love you more than life
Show me how can I show you
That I’m blinded by your light
When you touch me I can touch you
To find out the dream is true
I love to be loved by you

Legolas hatte ihrer leisen Stimme gelauscht, während sie ohne es zu merken diese eine Stelle des Liedes gesungen hatte. Es war genau dass, was er in diesem Moment verspürte und um es ihr zu zeigen, drückte er leicht ihre Hand. Mehr war nicht nötig, um sich zu zeigen, wie tief und bedeutend ihre Liebe war.



Zwanzigstes Kapitel:

letztes Update: 2.10.

Einundzwanzigstes Kapitel:



Zweiundzwanzigstes Kapitel: