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Fünfzehnter Abschnitt

Faramir unterdrückte seine eigene Müdigkeit und eilte schnellen Schrittes zur Halle. Als er sie betrat, hatte er eigentlich damit gerechnet, dass sich alle darin versammelt hätten, doch er traf nur die Hobbits und Gimli dort an. Alle drei sprangen auf und liefen ihm entgegen, als sie den Freund erblickten und wollten erfahren, was sie erreicht hatten. Sie redeten wild durcheinander und es verstrichen wertvolle Minuten, um sie endlich zum Schweigen zu bringen. Hastig berichtete er ihnen, dann sah er sie besorgt an.
"Es sieht gar nicht gut aus! Selbst Legolas konnte ihm nicht richtig helfen, obwohl er sich doch auf die Heilkunst seines Volkes versteht! Gandalf ist wohl der einzige, der jetzt noch weiß was zu tun ist! Wo sind Arwen und er denn? Ich dachte, ihr währt längst dabei mit Dûrgond zu verhandeln."
Sam schnaubte verächtlich.
"Diesem Aas macht es anscheinend großen Spaß, uns mit Ungewissheit zu quälen! Er hält uns ganz bewusst hin, um uns mürbe zu machen und es vor Sorge um Streicher nicht mehr auszuhalten!
Als er hier eintraf, verlangte er erst eine angemessene Versorgung und dann ein Zimmer, um sich von den Strapazen der Reise zu erholen! Seid er darin verschwunden ist, haben wir ihn nicht mehr zu Gesicht bekommen!" Frodo kochte vor Wut.
"Er weiß ganz genau, dass er uns solange in der Hand hat, wie Aragorn in seiner Gewalt ist, aber nun hat sich das Blatt gewendet! Rasch! Führt mich zu Gandalf, er muss so schnell wie nur möglich zu Aragorn!"

Auf dem Weg zu den Gemächern von Eomer schnaubte Gimli immer noch.
"Ich freue mich jetzt schon darauf, es diesem Kerl und seinen Leuten mit gleicher Münze heimzuzahlen! Er wird sich noch wünschen, nie auch nur einen Fuß in dieses Land gesetzt zu haben!"
Faramir legte ihm eine Hand auf seine Schulter und versuchte den Zwerg zu beschwichtigen.
"Das muss noch warten, lieber Freund, aber ich verspreche dir, dass ich dabei an deiner Seite stehen werde! Doch nun ist es wichtiger, dass Aragorn versorgt wird und wir unsere Verhandlungstaktik besprechen!"
Inzwischen hatten sie die Gemächer von Eomer erreicht und ohne anzuklopfen betraten sie den Raum.
Arwen erblickte ihn als erste und eilte ihm entgegen, dicht gefolgt von Gandalf und Eomer. Kurz und knapp schilderte er das Nötigste und trieb dann zur Eile.

*

Arwen versuchte bei seinem Anblick die Fassung zu bewahren und erfasste jede noch so kleine Verletzung an ihm, doch sie konnte die aufsteigenden Tränen nicht zurückdrängen. Aragorn war zu Bewusstsein gekommen und brachte ein schwaches Lächeln zustande, als sie sich an seinem Lager niederließ.
Sie nahm seinen Blick gefangen und las in seinen Augen, doch was sie fand, bestürzte sie zutiefst. Alle Stärke war daraus gewichen, Mattigkeit und endlose Erschöpfung an ihre Stelle getreten, aber auch Schmerz und Qual.
Unfähig, es noch länger zu ertragen was sie sah, wandte sie den Blick ab und strich ihm das Haar aus der Stirn.
Sie warf Gandalf einen Blick zu und wusste ihn richtig zu deuten. Aragorn brauchte jetzt Ruhe.

Sie schickten alle bis auf Legolas aus dem Zimmer, der mit Gandalf begann, die unzähligen Heilkräuter zu durchsuchen, die auf einem Tisch bereitlagen, um daraus eine Arznei zu brauen.
Arwen hielt Aragorns Hand und kühlte seine Schläfen. Dieser hob seine Handfläche an ihre Wange und wischte flüchtig eine Träne weg.
"Verzeih mir... Ich hätte auf dich hören sollen... und nicht alleine...."
"Din!" (Still!)
Sie legte ihm eine Hand auf die Lippen.
"Das ist jetzt nicht mehr wichtig! Spare deine Kräfte, du wirst sie noch brauchen!"
Der Husten packte ihn und er zuckte schmerzerfüllt zusammen, dann sank er schwer in die Kissen zurück und schloss die Augen.

Legolas trat an ihre Seite und machte sich stumm an die Arbeit. Hier waren wirklich ihre ganzen Heilkünste gefordert.
Die Wunden an Schulter und Seite versorgten sie als erstes mit verschiedenen Salben und Athelas und verbanden sie ordentlich. Hier war Schonung nun das einzig richtige und es würde gewiss noch lange dauern, bis Aragorn wieder ohne Beschwerden, ein Schwert würde führen können.
Die größten Sorgen machten ihnen der Husten und das hohe Fieber. Aragorn wand sich in Qualen hin und her und wurde immer wieder von Krämpfen geschüttelt. Sein Gesicht war aschfahl und kalter Schweiß bedeckte seinen Körper.
Gandalf kam und flößte ihm langsam einen Heiltrunk ein, während Legolas ihn stützte und als nach endlosen Minuten die Wirkung einsetzte, glitt er in tiefen, entspannten Schlaf.

*

Vor dem Zimmer saßen die Freunde zusammen und lauschten angestrengt auf jedes Geräusch. Sie würden sich keinen Fuß vom Fleck bewegen, bis sie eine gute Nachricht erhalten würden. Sie machten sich alle die größten Sorgen und hätten gerne etwas für Aragorn getan, aber sie wussten nicht was. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als zu warten.
Die Zeit verstrich viel zu langsam, aber endlich öffnete sich nach einigen Stunden die Türe und Gandalf, sichtlich mitgenommen, trat heraus.
Erwartungsvoll sahen die Freunde ihn an und Eowyn forderte den Zauberer dann endlich auf, sein Schweigen zu brechen.
"Ich denke, mehr können wir im Augenblick nicht für ihn tun, jetzt liegt es nicht mehr in unserer Macht. Es wird dauern, bis er völlig geheilt ist, aber er schläft jetzt – und das sollten wir auch tun! Wir werden unsere Kraft bestimmt noch brauchen, denn mein Gefühl sagt mir, dass wir noch einiges überstehen müssen, bis alles vorbei ist!"

Legolas kam zu ihnen und betreten und schweigend machten sie sich auf den Weg zum Palast. Dort angekommen, erwartete sie Eomer bereits und wollte alles über Aragorns Zustand erfahren. Danach konnten sie sich jedoch nicht dazu entschließen zu schlafen, sondern versammelten sich in Eomers Beratungszimmer und eine Weile saßen sie schweigend beieinander. Sam fand als erster seine Stimme wieder.
"Ich kann es immer noch nicht glauben! Wie kann jemand nur so grausam sein? Streicher sah furchtbar aus! Ihn so wehrlos zu sehen..."
"Ja, Sam. Ich weiß genau wie du dich fühlst! So geht es uns, glaube ich, allen. Aragorn hat immer so viel Kraft und Stärke ausgestrahlt und alle Kämpfe und Gefahren fast unbeschadet überstanden! Ich hatte schon fast geglaubt, nichts und niemand könnten ihm etwas anhaben, doch ich wurde gerade vom Gegenteil überzeugt!" Frodo sah seinen Freund bedauernd an.
"Aber ich weiß auch, dass er sich bestimmt erholen wird! Gandalf, Arwen und auch Legolas haben ihn gut versorgt und werden es auch weiterhin! Bald wird er wieder ganz der Alte sein!"
"Na, ich hoffe, du wirst recht behalten!" Sam sah nicht sonderlich überzeugt aus.

"Ich freue mich schon auf das Gesicht von Dûrgond, wenn ich alle seine Forderungen ablehnen werde und er dann feststellt, dass ihm sein einziges Druckmittel abhanden gekommen ist! Ihr habt wirklich gute Arbeit geleistet und großen Mut bewiesen!" Eomer war besonders stolz auf seine Schwester.
Diese hob jedoch abwehrend die Hand. Pure Verzweiflung hatte sie angetrieben und eine unsagbare Angst, die sie jetzt noch gefangen hielt. Dennoch war sie froh gewesen, etwas tun zu können, um sich nicht ganz so hilflos zu fühlen.
Darin stimmten der Zwerg und die Hobbits ihr zu, denn nichts war ihnen schlimmer erschienen, als zu warten, darin waren sie sich einig.


Sechzehnter Abschnitt

Arwen war die ganze Zeit nicht von Aragorns Seite gewichen und auch während er schlief, hielt sie seine Hand fest in der ihren.
Was hatte Dûrgond ihm nur angetan? Wie konnte ein Mensch nur so grausam sein und einem anderen solche Qualen bereiten. Aragorn musste schreckliche Tage durchgestanden haben, ohne Aussicht auf Rettung.
Für sie selbst war es das Schlimmste gewesen, dass sie ihm nicht hatte helfen und beistehen können. Ihr unsichtbares Band war auf seltsame Weise getrennt gewesen, was von der noch verborgenen Macht ihres Feindes zeugte. Doch jetzt würde sie bei ihrem Mann bleiben und zur Stelle sein, wann immer er erwachte.
Sie kühlte seine Stirn und überprüfte noch einmal die Verbände seiner Wunden, wobei sie feststellte, dass sie an der Schulter wieder von Blut durchnässt waren.
Die Verletzung wollte sich einfach nicht schließen.

"Arwen...?"
Sie war so in ihre Arbeit vertieft gewesen, dass sie nicht bemerkt hatte, wie er erwacht war. Sofort beendete sie ihre Tätigkeit und beugte sich zu seinem Gesicht hinab, wobei sie ihn zuversichtlich anlächelte.
"Van mathach?" (Wie geht es dir?)
"Im ring...!" ( Mir ist kalt!)
Das war kein gutes Zeichen. Sie breitete sachte eine Decke über ihm aus und legte ihm ihre Hand an die Wange.
"Schweig! Es ist viel zu anstrengend für dich, zu sprechen! Sei ganz beruhigt, es wird alles gut!"
Aragorn wollte erneut etwas zu ihr sagen, wurde aber bei den Versuch vom Husten unterbrochen. Sein Atem ging danach schneller, ein Zeichen dafür, dass die Wirkung der Kräuter nachließen und die Beschwerden wieder stärker wurden.
Was konnte sie nur tun, um seine Qualen zu erleichtern.
Arwen wollte aufstehen und die Phiole mit Gandalfs Heiltrunk holen, doch Aragorn hielt sie zurück.
"Si dartho...!" ( Bleibe hier!)
Sie sank auf den Bettrand nieder und strich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn.
"Keine Sorge, ich lasse dich nicht alleine! Sei unbesorgt..."
"Dûrgond... hat er...? Ist Edoras sicher...?"
"Mach dir darüber keine Gedanken! Unsere Freunde sind hier, sie werden wissen, was zu tun ist!"
"Le tiriel...!", bat Aragorn. (Sei wachsam !)
Er sank zurück in die Kissen und fand lange keine Ruhe, bis er endlich eingeschlafen war.

Leise trat Gandalf ins Zimmer und setzte sich neben Arwen an sein Lager und wartete geduldig darauf, dass er erneut erwachte.
Warum nur, dachte er im Stillen. Hatte sein Freund nicht schon genug durchgestanden? Wie viel Last wurde ihm noch aufgebürdet und wie viel Leid mussten sie noch ertragen?
Wenn er in das Gesicht von Aragorn blickte und darin die Spuren der Qualen las, wünschte er sich, mehr für ihn tun zu können. Sein Leben war alles andere als friedlich verlaufen in den letzten Jahren, und doch beklagte er sich nie und stellte sich jeder Gefahr seines Volkes oder seiner Freunde in den Weg, ohne an seine eigene Sicherheit zu denken. Er würde sein Leben für jeden von ihnen lassen! Er bewunderte den Mut, der diesem Mann innewohnte.
Gandalf seufzte. Die Zeit ließ sich nun einmal nicht zurückdrehen und jeder musste sie so nutzen, wie es ihm für richtig erschien.
Schließlich richtete er sich an Arwen.
"Wie geht es ihm? Hat sich sein Zustand gebessert?"
"Nein. Er war zwar kurz wach, aber er scheint einfach nicht zur Ruhe zu kommen. Sein Husten ist wieder schlimmer geworden und trotz des Fiebers ist ihm kalt! Können wir nicht mehr für ihn tun?"
"Alles, was in meiner Macht steht, habe ich getan! Jetzt ist es an ihm, den inneren Kampf zu gewinnen. Hast du ihm noch etwas aus der Phiole gegeben?"
Arwen schüttelte den Kopf.
"Nein, er ließ mich nicht gehen, um sie zu holen!"
"Versuche es, wenn er wieder zu sich kommt, das wird seine Schmerzen ein wenig lindern!"
Eine Weile leistete er Arwen noch etwas Gesellschaft, doch seine eigene Erschöpfung machte sich bemerkbar. Er hatte bereits seit einigen Tagen nicht mehr geschlafen und das Bezwingen des Palantir hatte ihm doch mehr zugesetzt, als er zugeben wollte. So ließ er Arwen in den Häusern der Heilung zurück und machte sich auf in seine Gemächer. Er legte sich endlich zur Nacht, doch er konnte lange nicht einschlafen. Der nächste Tag würde anstrengend werden und er wurde das Gefühl nicht los, dass ihnen das Schlimmste noch bevorstand.
Irgendwann übermannte ihn die Müdigkeit und er glitt in einen traumlosen Schlaf.

Bereits als Gandalf am Morgen erwachte, lag eine spürbare Spannung in der Luft. Sein Schädel brummte und der Schlaf schien ihm keinerlei Erholung gebracht zu haben. Seine Glieder schmerzten und waren steif, als er endlich aufstand und er musste sich auf seinen Stab stützen, als er sich in die Halle begab.
Die Freunde warteten bereits auf ihn und bestürmten ihn mit Fragen über Aragorns Zustand.
"Warten wir ab, wie er die Nacht überstanden hat. Arwen hat mir versprochen, einen Boten zu schicken. Lasst uns jetzt etwas essen, wir müssen schließlich auch bei Kräften bleiben!"
Er brachte es nicht über sich, ihnen die Wahrheit zu sagen, denn er wollte ihnen nicht die Herzen noch schwerer machen.
Während der Mahlzeit schwiegen alle betreten und selbst die Hobbits hatten nicht so richtigen Appetit. Ein Umstand, der nur zu deutlich zeigte, wie sehr sie Aragorn liebten.

Es klopfte an der Tür, und alle drehten erwartungsvoll die Köpfe.
"Der hohe Gast wünscht den Herrn Eomer und seinen Berater zu sprechen!", teilte der eingetretene Bote mit.
Sofort brach Gemurmel unter ihnen aus und sie richteten erwartungsvoll ihre Blicke auf den König und Gandalf.
"Jetzt wird es beginnen!", flüsterte Gandalf.

Umgehend waren alle zum Empfang versammelt, um Eomer beizustehen. Frodo glaubte fast, die Spannung mit beiden Händen greifen zu können, die unter ihnen herrschte und sah sich unsicher und ängstlich in der Halle um.
Viele Wachen standen verborgen bereit, um das Gefolge mit ihrem Oberhaupt zur Not mit Gewalt aus der Stadt zu schaffen, was ihn einigermaßen beruhigte. Doch er war froh, dass er in der Nähe der Türe und Legolas so nah bei ihm stand.
Endlose Minuten verstrichen und Eomers Zorn keimte wieder auf, da Dûrgond sie so offensichtlich provozierte. Aber ihm würde das Lachen noch vergehen! Edoras würde nicht schon wieder Sklave einer dunklen Macht werden und zu üblen Zwecken herhalten. Dagegen würde Eomer all seine Kraft richten.
Endlich wurden die großen Türen aufgestoßen und der Magier betrat siegessicher die Halle.
Als er mit herablassender Stimme begann zu sprechen, konnte Eomer nur mit Mühe dem Drang wiederstehen, sich auf ihn zu stürzen und ihm die gleichen Qualen zu bereiten, die er Aragorn zugeführt hatte, kämpfte aber entschieden dagegen an. Seine Stunde würde noch kommen!

"Nun, jetzt bin ich bereit eure Entscheidung entgegenzunehmen. Ich hoffe, ihr musstet nicht all zu ungeduldig warten und hattet eine gute Nacht!", heuchelte er verlogen, denn er vermutete, dass alle vor Sorge kein Auge zugetan hatten. Dûrgond wollte seine Macht ausspielen und die Freunde zermürben.
"Wollt ihr nicht bald euren geliebten Elessar wieder bei euch haben?"
Eomer sah Dûrgond fest in die Augen, fest entschlossen, seinen Blick nicht als erster zu senken. Es dauerte lange, bis Dûrgond schließlich unsicher den Blick abwandte, er hatte so viel Standfestigkeit nicht von dem König erwartet.

"Ich habe tatsächlich eine Entscheidung gefällt!", begann Eomer nun mit fester Stimme zu sprechen.
"Doch zweifle ich daran, dass euch gefällt was ich euch mitzuteilen habe!"
Eine lange Pause trat ein und Frodo glaubte, sein Herzschlag würde von allen zu hören sein.
Eomer stand auf und ging einige Schritte auf Dûrgond zu und dieser wich unwillkürlich vor dem jüngeren Mann zurück, der ihn einen ganzen Kopf überragte.
Eomer blieb erst stehen, als einige von Dûrgonds Leuten ihre Schwerter langsam zogen. Er zeigte sich aber in keiner Weise beeindruckt und seine Hand schoss regelrecht vor und packte den Magier am Kragen, und zog ihn hoch.
"Packt eure Leute und verschwindet!", zischte Eomer ihm wütend ins Gesicht und ließ ihn dann einfach fallen.
Einen Moment lang rührte Dûrgond sich nicht. Er war auf diese Reaktion nicht vorbereitet gewesen.
"Habt ihr mich nicht verstanden?", fragte Eomer noch einmal mit gefährlicher Ruhe.
Jetzt konnte man an Dûrgonds Gesicht sehen, dass der Zorn in ihm aufwallte. Er lief regelrecht feuerrot an und schrie dann fürchterlich los.
"Ihr habt soeben das Todesurteil über euren Freund gefällt! Und ich verspreche euch, so grausam wie er sterben wird, ist noch niemand gestorben! Ich werde ihn so lange quälen, bis er seine Würde verliert und um Gnade betteln wird! Dabei werde ich ihm sagen, dass er es alleine euch zu verdanken hat was mit ihm geschieht. Er wird euch vor seinem Tod hassen, dessen seid euch gewiss!"

Bei seinen Worten hatte Eomer sich bewusst aufgerichtet. Jetzt drehte er sich um und ließ Dûrgond einfach stehen. Würdevoll verließ er die Halle, ohne sich auch noch ein einziges Mal umzudrehen.

Dûrgond wollte sich in einem ersten Impuls auf ihn stürzen, schrie dann aber seinen Männern wütend Befehle entgegen. Er stürmte zum Ausgang, dicht gefolgt von seinen Männern, und stieß die Flügeltüren auf. Dort sah er sich den Wachen von Gondor gegenüber, die mit gezogenen Waffen bereitstanden.
Noch einmal schnaubte er wütend:
"Ihr werdet es alle bereuen! Jetzt herrscht Krieg!"
Seine Schreie hallten durch die Straßen von Edoras und die Leute wichen ihm angstvoll aus.


Siebzehnter Abschnitt

Vom Fenster aus beobachteten alle, wie Dûrgond mit seinen Leuten die Stadt verließ.
"Wie wird er erst schnauben, wenn er feststellt, dass Aragorn weg ist und sein Lager zerstört ist!", amüsierte sich Gimli, der seine Schadenfreude über den gelungenen Auftritt von Eomer nicht verbergen konnte.
"Lache nicht zu früh, mein Freund.", sagte Gandalf. "Bis jetzt war alles viel zu einfach. Ich fürchte, dass uns noch einiges bevorsteht!"
Frodo hob bei den Worten des Zauberers erschrocken den Kopf und bemerkte, dass dieser ihn ansah.
"Deshalb werden Faramir und ich jetzt auch mit Vorkehrungen für einen Angriff beginnen.", erklärte Eomer. "Die Stadt muss vorbereitet sein und wir haben noch genug zu tun! Es wird nicht leicht sein, hier einen offenen Angriff abzuwehren, aber bis nach Helms Klamm werden wir es wohl kaum noch schaffen!"
Gandalf nickte wissend, die Zeit würde dazu nicht ausreichen.
Eowyn verstand es als Aufforderung, dass Faramir sie ansah und machte sich mit den Männern auf den Weg, um bei den Vorbereitungen zu helfen. Sie würde zum Kämpfen bereit sein.

Sam konnte es jetzt aber keine Minute länger aushalten.
"Ich weiß, ihr werdet mir bestimmt sagen, dass es nicht geht, aber ich will jetzt zu Streicher! Wir machen uns alle Sorgen, und lassen uns nicht auf ein anderes Mal vertrösten!"
Gandalf sah ihn ganz verwundert an. So entschlossen hatte der Hobbit noch nie mit ihm gesprochen und er musste schmunzeln.
"Genau, Gandalf! Wir wollen zu ihm!" Pippin war von Sams Rede mutig geworden.
Merry und Pippin hatten Aragorn seit ihrem letzten Besuch in Gondor gar nicht mehr gesehen, und nur von den Erzählungen der Anderen wussten sie um seinen Zustand.
"Wenn ihn jemand von seinen Schmerzen ablenken kann, dann ja wohl wir
Hobbits !", verkündete Merry.
Frodo schwieg die ganze Zeit, während seine Freunde gesprochen hatten. Er wusste nicht, wie er Aragorn gegenüber treten sollte, denn immer noch nagten die Schuldgefühle an ihm. Er hätte Gandalf von seinem Traum erzählen müssen, vielleicht hätte er ihm damit alles ersparen können!
Gandalf bemerkte Frodos sonderbares Verhalten, aber er maß ihm nicht so viel Bedeutung bei und schob es auf die Sorgen, die der Hobbit sich gewiss immer noch um den Freund machte.

*

Arwen saß am Bettrand und hatte Aragorn eine Hand auf die Brust gelegt, um ihn zu beruhigen. Als sie die Gruppe kommen hörte, drehte sie sich um. Ihr Blick drückte Besorgnis aus und Gandalf hieß die Freunde, sich noch etwas zu gedulden. Er schloss vor ihren Nasen die Türe und sah Arwen erwartungsvoll an.
"Gut, das du kommst! Er ist erwacht, aber scheint zu fantasieren! Er versucht mir etwas zu sagen, aber ich werde nicht schlau daraus! Vielleicht verstehst du was er meint."
Gandalf trat ans Bett und Aragorn ergriff sofort seine Hand. Sein Griff war noch schwach, aber seine Augen wirkten schon klarer, als noch in der Nacht.
"Gandalf....., Yrch...! (Orks !)Sie werden .....kommen ....!"
Er versuchte sich ein wenig aufzurichten, doch sofort zog sich seine Brust wieder schmerzvoll zusammen und er musste den Husten unterdrücken.
Gandalf drückte ihn sacht aber entschieden zurück auf sein Lager.
"Ruhig, Aragorn. Streng dich nicht so an. Das, was du uns zu sagen hast, wird warten müssen !"
"Law... ! ( Nein )Lass mich erklären.... Es ist eine Armee im Anmarsch...! Die, die entkamen.... in Helms Klamm und Mordor.....", er hustete stark und hielt sich die schmerzenden Glieder.
Bei seinen Worten hatte sich die Miene von Gandalf schlagartig verändert und die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf.
"Willst du damit sagen, dass ein Heer Orks zur Unterstützung von Dûrgond unterwegs ist, um die Stadt anzugreifen?", fragte er völlig fassungslos.
Aragorn atmete erleichtert aus, endlich hatte Gandalf begriffen, was er gesagt hatte. Seine Gesichtszüge entspannten sich bei der Erkenntnis und er schloss erschöpft die Augen.
Gandalf konnte es immer noch nicht fassen und versuchte, die Lage neu einzuschätzen. Wie viele der alten Feinde hatte der Magier wohl um sich versammeln können und wie konnte Edoras einen solche Armee abwehren? Es schien absolut hoffnungslos zu sein!
Er wandte sich noch einmal an Aragorn, der ihn matt, aber mit klarem Blick ansah.
"Bist du dir ganz sicher ?"
"Mae, ( Ja ) ....einer war in Verlies...... Ich habe gehört, wie sie miteinander sprachen..... Sie glaubten..... ich sei bewusstlos..."
Gandalf seufzte und versuchte, diese Nachrichten so gefasst wie nur möglich aufzunehmen. Er klopfte Aragorn auf die Hand, die er in seiner hielt.
"Gut, gut. Jetzt ruh dich aus !" Er befühlte seine Stirn und zog überrascht die Augenbrauen hoch.
"Na, wenigstens scheint das Fieber zu sinken ! Wie fühlst du dich?"
Aragorn versuchte ein Lächeln und verlagerte vorsichtig sein Gewicht, um sich aufzurichten, zuckte bei dem Versuch aber etwas zusammen.
"Es geht.... Besser als gestern....."
"Da draußen ist Besuch für dich. Sie bestehen darauf dich zu sehen. Du weißt ja, wie zäh diese Hobbits sein können! Meinst du, du kannst sie empfangen?"
Gandalf war schon aufgestanden um die Hobbits zu holen und nahm das zustimmende Nicken mit einem Lächeln entgegen. Gandalf öffnete die Türe und sagte streng zu den Hobbits :
"Dass ihr ihn bloß nicht zu sehr anstrengt ! Es geht ihm zwar etwas besser, aber er kann trotzdem keine Besucher gebrauchen, die ihn mit lästigen Fragen löchern !"

Gemeinsam traten die Vier ein, nachdem er das Zimmer verlassen hatte. Freudig stürmten sie an das Bett und ließen sich so heftig darauf nieder, das Aragorn kurz durchgerüttelt wurde und das Gesicht verzog. Nur Frodo blieb in einigem Abstand am Fußende stehen.
"Du siehst furchtbar aus !" Pippin nahm mal wieder kein Blatt vor den Mund und grinste den Freund verschmitzt an.
"Ich freue mich auch... euch zu sehen ...." Aragorn lächelte matt.
Die Hobbits besaßen eine Art, die ihn immer wieder faszinierte. Selbst in ernsten Situationen fanden sie immer die richtigen Worte, um den Trübsinn zu vertreiben und einen auf andere Gedanken zu bringen. Dann bemerkte er jedoch Frodos ernsten Blick, der sich wohl nicht so leicht aufheitern ließ.
"Ich muss wahrlich ein erschreckender Anblick sein....., wenn es sogar einem Hobbit die Sprache verschlägt..." Er versuchte zu lachen, wurde jedoch sofort durch den Husten bestraft und Sam reichte ihm ein Glas Wasser.
"Na, sagen wir, du hast schon mal besser ausgesehen!", entgegnete er und versuchte ein zuversichtliches Gesicht aufzusetzen.

Eine Weile blieben die Hobbits bei Aragorn und erzählten ihm Neues aus dem Auenland. Bald lachten und scherzten sie und hatten fast die ernste Lage vergessen, bis Arwen ihnen zu verstehen gab, dass Aragorn jetzt etwas Ruhe und Schlaf benötigte. Sie verabschiedeten sich und wollten das Zimmer verlassen, als Aragorn Frodo mit einer Handbewegung bedeutete, er möge noch einen Moment bleiben.

*

"Das kann nicht sein !" Legolas konnte es nicht glauben. "Ich dachte, es hätten nicht viele überlebt. Und die wenigen seien außerdem weit im Lande verstreut."

Nicht nur er hatte mit Entsetzen diese Neuigkeiten aufgenommen. Die Hobbits und Gimli wechselten besorgte Blicke und das Gefühl des Sieges von eben wandelte sich in Hoffnungslosigkeit und Angst.
Gandalf ließ sich schwerfällig und mutlos auf eine Bank in der Halle sinken, in der sie sich alle gesammelt hatten.
"Dûrgonds Arm scheint weiter zu reichen als wir glaubten. Er wird sie gesammelt haben und mit Versprechungen geködert haben. Die Lage hat sich nicht gerade zum Guten verändert."
Eomer versuchte die neue Situation einzuschätzen und die nächsten Schritte zu überdenken, doch er wusste, dass sie einfach zu wenig Krieger waren, um eine solche Schlacht gewinnen zu können. Er wandte sich schließlich an Faramir.
"Es gibt noch eine Chance, um unsere Aussichten zu verbessern! Würdest du dich auf den Weg nach Minas Tirith machen und Verstärkung holen? Selbst wenn ihr uns nicht mehr retten könnt, so könntet ihr vielleicht den Feind besiegen und eine Zukunft in Frieden erkämpfen!"
Faramir kniete sich bei seinen Worten vor ihm nieder und Zuversicht lag in seinem Blick.
"Verzage nicht, mein Schwager! Ich werde so schnell reiten wie der Wind und rechtzeitig wieder hier eintreffen, um an deiner Seite den Sieg zu erringen!"

So machte er sich noch in dieser Stunde auf den Weg nach Gondor, um ein Heer anzuführen, dass Edoras Beistand geben konnte. Der Gedanke an Eowyn gab ihm die Kraft, sein Pferd noch mehr anzuspornen, denn er wollte sie auf keinen Fall in diesem Krieg verlieren.
Er hatte sie gebeten, ihn zu begleiten, aber sie wollte nicht feige fliehen und die Freunde im Stich lassen. Er konnte sie nur zu gut verstehen, aber trotzdem machte er sich Sorgen um sie.
Er musste es schaffen.......


Achtzehnter Abschnitt

Dûrgond kochte vor Wut. Er warf mit voller Wucht einen Stuhl quer durch den Raum und verfehlte nur knapp den armseligen Hauptmann, der erschrocken zur Seite sprang.
Dûrgond konnte es nicht fassen, dass seine Männer auf so einen Trick hereingefallen waren. Dazu auch noch die Erniedrigung, die er in Edoras erfahren hatte, weil seine Leute sein größtes Druckmittel einfach so hatten entweichen lassen.
Er griff sich den Hauptmann, der immer noch im Zimmer stand.
"Wie konnte das passieren? !? Hatte ich euch nicht davor gewarnt, dass ihr allem rechnen müsst? Warte, ich werde mir eine Strafe ausdenken, die euch eine Lehre sein wird ! Und jetzt geht mir aus den Augen!!!"

Der Hauptmann verließ fluchtartig das Zimmer, er wollte dem Zorn des Magiers so schnell wie möglich entkommen. Er rannte fast den Boten um, der ängstlich vor der Türe gewartet hatte. Eingeschüchtert trat er ein, immer einen großen Abstand zu seinem Herrn haltend.
"He.... Herr, draußen wartet eine fürchterliche Kreatur. Sie, sie, sie sagt, dass ihr sie erwartet!", stotterte er.
"Dann lasst sie gefälligst nicht länger warten!" Dûrgond brüllte so laut, das der Uruk-hai schon ins Zimmer trat, bevor der Bote ihn dazu auffordern musste.
"Andatar ! Sei willkommen! Ich hoffe du bringst mir erfreuliche Nachrichten!"
Ein gefährliches Lächeln legte sich bei dessen Anblick auf Dûrgonds Lippen.


Neunzehnter Abschnitt

In der Stadt herrschte rege Betriebsamkeit. Überall wurde die äußere Stadtmauer noch einmal verstärkt und die Wachposten wurden verdoppelt. Alle fähigen Männer, dank Eowyn auch alle bereitwilligen Frauen, wurden mit Waffen ausgestattet. Auf den Feldern rund um Edoras wurden sie in den wichtigsten Kampftechniken unterwiesen und auf die Schwächen und Stärken der Feinde aufmerksam gemacht.
Gimli saß auf einem großen Stein und beobachtete Legolas und Eowyn dabei, wie sie den Frauen beibrachten mit Pfeil und Bogen umzugehen.
"Den Elb kann ich schon nicht immer verstehen, aber dieses Weib noch viel weniger! Menschen-Frauen in einer Schlacht! Das hat es noch nie gegeben!", murmelte er vor sich hin.
Eowyn hatte dennoch gehört, was er gesagt hatte und unterbrach ihre Tätigkeit.
Sie baute sich vor dem verdutzten Zwerg auf und sah ihn herausfordernd an.
"Verzeiht, wart ihr es nicht der mir erzählte, dass die Zwergen-Frauen selber in die Schlacht ziehen. Warum sollen wir nicht das gleiche Recht haben?"
"Nun ja .....?!" Gimli wusste nicht, wie er sich da wieder herausreden sollte. Beschämt betrachtete er seine Fußspitzen und warf Legolas dann einen hilfesuchenden Blick zu, den der Elb schmunzelnd auffing. Anstatt ihm aber zu helfen, zog er die Schultern hoch und wandte sich ab, um sein Lachen zu verbergen.
Eowyn versuchte vergeblich ihr ernstes Gesicht zu behalten, aber der Anblick des Zwerg war einfach zu komisch, als er sich bemühte, sie mit Gestotter wieder zu besänftigen. Schließlich konnte sie nicht mehr an sich halten und stimmte in Legolas’ Gelächter ein.

"Es tut gut, in dieser Stadt noch ein so unbeschwertes Lachen zu vernehmen!", erklang plötzlich hinter ihnen eine vertraute Stimme.
"Aragorn!" Eowyn konnte es nicht glauben.
Die drei Freunde waren so vertieft in ihre Neckereien gewesen, dass sie ihrer Umgebung keine Beachtung geschenkt hatten und erst jetzt auf ihn aufmerksam geworden waren. Aragorn stützte sich schwer auf Eomer, der ihm jetzt die letzten Meter bis zu Gimli half. Dort angekommen setzten sie sich zu ihm. Eowyn konnte ihren Ärger nicht verbergen. Sie konnte einfach nicht fassen, dass Aragorn so unvernünftig war und wetterte gleich darauf los.
"Das du es nicht besser weißt Aragorn, konnte ich mir ja denken, aber das mein Bruder so einen Leichtsinn noch unterstützt, ist einfach unfassbar! Wissen Gandalf und Arwen was du hier treibst? Keine drei Tage ist es her, da warst du mehr tot als lebendig! Du bist der größte....."
Sie schwieg besorgt, als Aragorn einen Moment schmerzvoll das Gesicht verzog, nachdem er von einem Hustenanfall gepackt worden war. Sofort eilte sie an seine Seite, wobei sie ihr Schwert achtlos zu Boden fallen ließ.
"Da hast du es! Du Narr!", doch ihre Stimme wurde weich, als ihn stützte und ihm eine Wasserflasche reichte.
"Trink, das wird helfen !"
"Nun weißt du, warum Faramir nicht mit dir gehen wollte! Er hat Angst vor der Zunge meiner Schwester!" Eomer versuchte die Situation ein bisschen zu entspannen.
"Er besitzt lediglich mehr Verstand als du!", kam die Antwort rasch zurück, begleitet von einem wütendem Blick.

Legolas war zu ihnen getreten und legte Aragorn lächelnd eine Hand auf die Schulter. In seinen Augen konnte man die Erleichterung sehen, als er Aragorn ansah.
"Ich kann nicht umhin Eowyn recht zu geben, aber ich freue mich dennoch, dich wieder auf deinen eigenen Beinen stehen zu sehen!"
"Wenn er nicht vernünftig wird, wird er schneller und länger wieder liegen, als ihm lieb ist!", brauste Eowyn erneut auf.
Aragorn sah mit Verständnis forderndem Blick zu ihr hoch und ergriff ihre Hand. Sofort senkte sich ihre Wut, angesichts dieser vertrauten Geste.
"Ich kann einfach nicht im Bett bleiben, während uns ein so großer Angriff bevorsteht. Jeder fähige Mann wird gebraucht! Es muss so viel getan werden!"
"Du sagst es! Jeder FÄHIGE Mann .....! Du kannst dich doch kaum auf den Beinen halten, und alleine schon gar nicht!"
Jetzt hoffte Eowyn, ihn mit Sanftheit zur Vernunft bringen zu können und erhielt von Gimli Unterstützung.
"Eowyn hat recht. Du bist noch zu schwach! Spare deine Kraft! Ich werde den Orks schon das fürchten lehren und dich ehrenvoll vertreten!" Gimli kreiste zum Beweis seine Axt, außerdem froh, dass er der unangenehmen Situation entkommen war.
Unwillkürlich musste Aragorn lächeln und sich wohl geschlagen geben.
Er stand auf, doch Legolas musste ihn stützen, als er von Schwindel gepackt wurde.
"Ven govedich ?" ,fragte Aragorn ihn hoffnungsvoll. (Begleitest du uns?)
"Mae, aber nur bis zum Palast ! Dort wirst du dich wieder hinlegen! Dann kannst du Arwen und Gandalf helfen, ohne deine Gesundheit weiterhin durch so eine Wanderschaft zu gefährden!"

Aragorn musste sich geschlagen geben. Um ehrlich zu sein war er froh, als er endlich auf einer Bank in seinem Empfangszimmer lag. Er hatte seine Kräfte wohl ordentlich überschätzt. Schweiß rann ihm den Rücken herunter und seine Seite schmerzte, doch er bemühte sich, es sich nicht anmerken zu lassen.
Jetzt ließ er sich die Lage und die getroffenen Vorbereitungen von Gandalf und Eomer genau schildern, während Arwen ihnen Becher mit Wein reichte.
"Mehr können wir wohl im Augenblick nicht tun. Wir können nur hoffen, dass Faramir rechtzeitig zurück kommt, um den Feind in die Flucht zu schlagen!", endete Gandalf schließlich seinen Bericht.
"Das ist einfach zu wenig! Der Ork sprach von einer Streitmacht in der zehnfachen Größe wie die unsere! Und wer weiß was Dûrgond sich sonst noch ausgedacht hat! Er ist zu allem fähig!"
Aragorn war der Verzweiflung nahe. Gab es denn nichts, was man tun konnte, um dieses Unglück noch abzuwenden? Er sah von einem zum anderen und verfiel dann in Schweigen. Gedankenverloren rieb er sich die schmerzenden Schläfen.

Arwen sah ihn besorgt an. Diese Geste hatte sie bereits den ganzen Tag wahrgenommen, ein Zeichen von starken Kopfschmerzen, die ihn quälten.
"Jetzt wirst du noch etwas schlafen. Dieser Spaziergang hat dich sehr geschwächt. Komm!"
Als ob ihre Worte es ausgelöst hätten, wurden die Schmerzen wieder stärker und er ließ sich von ihr in die Kissen drücken. Im nächsten Moment war er erschöpft eingeschlafen und Gandalf sah Arwen bedeutungsvoll an. Diese nickte und somit sah Gandalf seinen Verdacht bestätigt, dass sie seinen Wein mit einem Schlafmittel versetzt hatte.

*

Als er erwachte war es dunkel um ihn herum. Für einen Augenblick glaubte er sich wieder in dem feuchten Verließ, und Panik ergriff ihn. Er schreckte hoch und der Schmerz in seiner Schulter vertrieb den letzten Schlaf. Mühsam holte er Luft, wurde sich aber seiner sicheren Umgebung wieder bewusst und sank erleichtert in die Kissen zurück.
"Was ist los? Geht es dir nicht gut?"
Arwen war im Lehnstuhl neben ihm eingeschlafen und nun sofort an seiner Seite.
"Es geht schon wieder. Es war nur ein Traum....."
Sie berührte sacht seine Stirn und ihr Gesicht nahm sofort wieder einen besorgten Ausdruck an.
"Du hast wieder Fieber! Trink und versuche wieder zu schlafen!"
Als er den Becher wieder absetzte, sah er sie liebevoll an legte seine Hand an ihre Wange.
"Le tiriel!" , flüsterte er. (Sei wachsam!)
"Das hast du mir schon einmal gesagt! Wie meinst du das?"
"Ich kann es nicht erklären,........ aber ich werde einfach dieses Gefühl nicht los...... Versprich mir, dass du vorsichtig bist !"
"Wenn es dich beruhigt, werde ich es tun! Aber jetzt schlafe!"


Zwanzigster Abschnitt

Dûrgond führte die Gruppe seiner Männer an, die ihm in großer Schar folgte. Jetzt war es nicht mehr weit. Er konnte den Turm von Isengard selbst in dieser Finsternis erkennen.
Diese Narren! Glaubten sie denn wirklich, dass er es ihnen so einfach machen würde? Er hatte noch nicht all seine Zauberkunst angewandt, aber jetzt würde er nicht mehr zögern sie zu gebrauchen.

Es war zwar sehr ärgerlich gewesen, dass Aragorn befreit worden war, aber er hatte vorgesorgt. Noch schlummerte das Gift im Körper des Königs, doch eine Zauberformel würde ausreichen um es frei zu setzen. Und selbst Gandalf dieser alte Narr, ahnte nichts davon. Saruman war ein wirklich guter Lehrmeister gewesen. Jetzt brauchte er sich nur noch die Formel aus den Gewölben tief unter Orthank zu holen, und die Türen von Edoras würden ihm wieder offen stehen!
Er musste nur nah genug an Aragorn heran kommen, aber mit diesem Heer würde er das auch schaffen!
Andatar hatte ihm versichert, das in Isengard bereits seine Streitmacht auf ihn wartete. Von dort aus würden sie dann aufbrechen.
Sie würden die Stadt regelrecht einkreisen . Während sie von Isengard aus kamen, befand sich die andere Hälfte unter Führung von Andatar auf dem Weg über die Ostfold. So konnten sie von beiden Seiten aus angreifen .
Endlich erreichten sie das Ziel, und als er durch eines der alten Tore ritt, rissen die dort wartenden Uruk-hai brüllend ihre Schwerter hoch.


Einundzwanzigster Abschnitt

Noch jemand außer Aragorn schlief in dieser Nacht sehr schlecht. Es war Frodo . Immer wieder wachte er schweißgebadet auf. Die ersten Male konnte er sich an nichts erinnern, aber als er jetzt aufwachte, hatte er noch deutlich ein Bild vor sich.
Er kämpfte sich wieder durch die Totensümpfe auf dem Weg nach Mordor, aber dieses Mal war er alleine. Er hatte auch kein Ziel vor Augen, sondern schien nach irgendetwas auf dem Boden zu suchen. Dann bückte er sich und pflückte von einer Pflanze einige Blätter. Dann sah er Gandalf in einem Keller, wie er in alten Papieren nach etwas zu suchen schien. Er sah Arwen, die sich über eine Gestalt am Boden beugte. Am Ende sah er Aragorn, und wie dieser die Athelas -Pflanze in den Händen zerrieb und in dampfendes Wasser warf. Das letzte Bild war Anduril, dass im Feuerschein aufleuchtete. Was hatte das alles zu bedeuten?

Er beschloss, gleich morgen zu Gandalf zu gehen, und ihm alles zu erzählen. Bis jetzt waren alle seine Träume in Erfüllung gegangen, aber er sah in diesem Traum einfach die Vergangenheit in der Zeit des Ring-Krieges. Dennoch würde er nicht wieder den Fehler machen und seinen Traum verschweigen.
Unweigerlich verspürte er wieder die Schuldgefühle gegenüber Aragorn, aber dann erinnerte er sich an sein Gespräch mit ihm.
Aragorn hatte ihm angemerkt, dass ihn etwas bedrückt hatte, als sie ihn in den Häusern der Heilung besucht hatten und ihn solange bedrängt, bis Frodo ihm alles erzählt hatte. Der Freund hatte geseufzt und ihm dann die Hand auf die Schulter gelegt.
"Caro cen ma traiss, mellon! Ich habe ebenso Schuld daran was geschehen ist! Ich hätte nicht alleine reiten dürfen und mich so in Gefahr gebracht. Du hättest es nicht abändern können, auch wenn du Gandalf davon erzähl hättest!" (Mach dir keine Sorgen, Freund!)

Plötzlich kam aus der Zimmerecke eine flüsternde Stimme.
"Kannst du auch nicht schlafen Herr Frodo ? Ich glaube es liegt am Abendessen ! Es war einfach nicht ausreichend ! Sollen wir in die Küche schleichen und uns noch einen kleinen Mitternachts-Imbiss gönnen ?"
Sam hatte ein verschmitztes Lächeln im Gesicht.
"Na, meinetwegen ! Aber leise, nicht das wir noch alle Anderen aufwecken !"

Sie schlichen langsam die Gänge entlang und als sie am Zimmer von Arwen und Aragorn vorbei kamen, sahen sie noch einen schwachen Lichtschein unter der Türe.
"Arwen hält bestimmt noch Wache an seinem Bett. Sie und Gandalf machen sich Sorgen wegen seinem starken Husten und dass das Fieber in der Nacht immer noch ein wenig steigt !", flüsterte Frodo seinem Freund zu. Sam brummte Frodo zustimmend.
"Ich finde er sieht immer noch ganz blass aus! Aber es sind ja auch erst ein paar Tage vergangen ! Das wird schon vergehen, du wirst sehen, Herr Frodo!"

Endlich kamen sie zur Küche und staunten nicht schlecht. Da saßen Merry, Pippin und Gandalf und schmausten.
"Oh! Da seid ihr zwei auch noch! Mit euch Hobbits ist es doch immer das Gleiche. In der Nacht holt ihr euch die leckersten Sachen, und wir müssen am Tag mit den Resten vorlieb nehmen!"
Gandalf musste bei seinen eigenen Worten schmunzeln. Schließlich war er der Erste in der Küche gewesen.
So saßen sie alle beisammen, und nachdem sie sich eingehend gestärkt hatten, zündeten sie sich genüsslich ihre Pfeifen an. Bald darauf war die Küche in weißen Dunst gehüllt sie begannen, sich alte Geschichten zu erzählen, aber auch über die bevorstehende Schlacht zu sprechen.

Schließlich überkam sie die Müdigkeit und nach und nach verkrümelte sich ein Hobbit nach dem anderen zurück in sein Bett, bis nur noch Frodo und Gandalf übrig waren. Frodo nutzte die Gelegenheit und erzählte dem Zauberer seinen Traum.
"Na, dieses Mal scheinst du wohl wirklich die Vergangenheit gesehen zu haben! All das ist schon geschehen. Du in den Sümpfen, ich in Minas Tirith auf der Suche nach Isildurs Aufzeichnungen und Aragorn beim Heilen von Eowyn, Faramir und Pippin.
Also kein Grund zur Sorge! Außer was unsere derzeitige Situation angeht. Lege dich schlafen und denke nicht mehr daran!"
Frodo war dennoch nicht ganz beruhigt, denn er hatte ein seltsames Gefühl im Bauch. Er konnte jedoch nicht erkennen warum und gemeinsam machten sie sich auf den Weg in ihre Betten. Vielleicht würde er morgen ja eine Antwort finden.

*

Der folgende Tag verlief fast schon zu ruhig. Die Vorbereitungen auf einen bestehenden Angriff waren soweit abgeschlossen, und das große Warten hatte begonnen. Gimli nannte das "Die Ruhe vor dem Sturm", und damit hatte er bestimmt auch Recht. Ihre Blicke wanderten immer Richtung Südwesten, aber noch war nicht das Geringste zu sehen.
So saß die Gemeinschaft zusammen bei Arwen und Aragorn und versuchten ihn so gut es ging, von seinen Schmerzen abzulenken. Ab und zu lachten und scherzten sie sogar.
Diese gelöste Stimmung hielt aber nur bis zum frühen Nachmittag an. Obwohl alle den Eindruck gehabt hatten, dass es Aragorn über den Tag schon viel besser gegangen war, stellten sich langsam einige Beschwerden wieder ein. Er hustete jetzt wieder öfter, was der Wunde an seiner Schulter nicht besonders zuträglich war. Sie hatte sich zwar ganz geschlossen, aber wurde natürlich jedes Mal durchgerüttelt, wenn er hustete. Auch seine Kopfschmerzen kehrten wieder und er wurde immer schweigsamer und schloss ab und zu die Augen, weil das Licht die Qualen noch verstärkte. Deshalb zog er sich nach einiger Zeit mit Arwen zurück und die Stimmung der Gemeinschaft sank beträchtlich.

Die Dämmerung setzte ein und mit ihr machte sich ein seltsames Unbehagen in den Herzen der Gefährten breit. In der Ferne vernahmen sie leichtes Donnergrollen und Legolas trat ans Fenster.
" Seht! Der Himmel färbt sich im Westen dunkel. Ein Unwetter zieht herauf!"
Es war merklich dunkler geworden, was über die einbrechende Nacht heraus ging und in der Ferne ging rotglühend und irgendwie Unheilsverkündend, die Sonne unter.
"Ich habe irgendwie gar kein gutes Gefühl! Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber irgendwie haben Gewitter für mich etwas Beängstigendes!" Eowyn kuschelte sich enger in den Sessel hinein.
"Kaum zu glauben, dass dir etwas so harmlose Angst machen kann! Einer Herde Orks trittst du ohne weiteres entgegen!" Eomer musste schmunzeln.
"Sie hat sich schon als kleines Mädchen davor gefürchtet und ist immer zu mir ins Bett gekrochen!"
Ihm machte es Spaß seine Schwester ein wenig aufzuziehen und so auch die Freunde von ihren trüben ein wenig abzulenken.
"Deshalb wohnen wir Zwerge unter der Erde! Da bekommt man davon gar nichts mit!" , brummte Gimli, dem ebenfalls das Gewitter gar nicht behagte.
Plötzlich richtete Legolas sich auf und blickte angestrengt in die Dunkelheit, bis er sich ganz sicher war, was er in der Entfernung entdeckte. Es war nicht nur das Donnergrollen, das sie vernommen hatten, sondern auch das Marschieren eines riesigen Heers von Dûrgonds Männern und unzähligen Uruk-hais!
"Rasch! Holt Gandalf, Arwen und Aragorn! Sie kommen!"

Merry und Pippin liefen sofort los, als sie Legolas’ Stimme vernahmen und bald darauf kamen sie mit den Anderen zurück. Frodo konnte den Blick nicht von Aragorn abwenden. Er sah fast schlimmer aus, als nach seinem übereilten Spaziergang. Sein Gesicht war fahl, die Augen lagen in tiefen Höhlen und er unterdrückte immer wieder den Husten. Mit einer Hand hielt er die verletzte Schulter und Gandalf blieb dicht bei ihm stehen und warf ihm immer wieder besorgte Blicke zu.

Über die Ebene konnten sie jetzt den Feuerschein von vielen Fackeln sehen und unter das Grollen des Donners mischte sich das Schlagen von Trommeln. Wie eine riesige Feuerwalze rollte das Heer auf sie zu. Eômer und Eowyn lösten sich aus der Gruppe, denn sie wurden jetzt an der Stadtmauer gebraucht. Auch Arwen war nicht in eines ihrer weiten Gewänder gekleidet. Sie hatte die gleiche bequeme Kleidung, die Legolas immer trug, angelegt und darüber einen Gürtel mit ihrem Schwert. Gandalf umfasste seinen Stab so fest, dass das weiß seiner Knochen zu sehen war.
Merry und Pippin hatten immer noch ihre Schwerter aus dem Ringkrieg und Sam trug Frodos altes Schwert Stich, dass jetzt schwach glühte. Sie schlossen sich Gimli und Legolas an, die zur Palastwache eingeteilt waren und sich vor den Toren bereithielten. Als Frodo einen letzten Blick hinter ihnen her warf, dachte er einen Moment an seine ehemalige Waffe, aber er hatte sich geschworen, nicht einen einzigen Schwertstreich mehr auszuführen.
Er wünschte ihnen im Stillen den Schutz der Valar und hoffte inständig, dass sie alle diesen Angriff unbeschadet überstehen würden.

Aragorn lehnte sich plötzlich gegen den Rahmen des Fensters und stöhnte auf, wobei er seinen rechten Arm umklammerte.
"Van mathach ?" , fragte Arwen besorgt. (Wie geht es dir?)
"Nin haru !" , stieß Aragorn hervor und lehnte den Kopf an den Holzrahmen. (Meine Wunde!)
Gandalf schob sein Hemd etwas zur Seite und befühlte die Verletzung, konnte aber nichts ungewöhnliches entdecken.
"Sie hat jedenfalls nicht wieder angefangen zu bluten!"
"Das ist es auch nicht..... Sie scheint eher von innen heraus zu brennen."
Gandalf warf Arwen einen Blick zu, der keine Worte mehr bedurfte, dann wandte er sich an Frodo.
"Ich übergebe ihn jetzt in deine und Arwens Obhut. Ich werde zur Stadtmauer gehen und sehen was dort geschieht! Bestimmt wird mein Hilfe dort gebraucht, wenn Dûrgond die Stadt erreicht!"
"Warte!", rief Arwen auf einmal erschrocken aus.
"Cen !" ( Seht!)
Sie deutete auf das Fenster hinter Gandalf. Es öffnete den Blick nach Südost, und als sie sich jetzt dort hin wandten, glaubten sie ihren Augen kaum. Über die Ostfold rückte ebenfalls ein großes Heer an.
"Die Valar mögen uns beistehen!", entfuhr es Gandalf . "Jetzt tut Eile Not! Ich werde im Westen Männer von der Stadtmauer abziehen und zur Südseite schicken!"
Schon hatte er das Zimmer verlassen.


Zweiundzwanzigster Abschnitt

Dûrgond ritt inmitten des Heers, gut geschützt, auf die Stadt zu. Dabei murmelte er immer wieder die gleichen Worte vor sich hin.
Es hatte lange gedauert, bis er endlich die vergilbte Schriftrolle gefunden hatte, aber als er sie dann in der Hand hielt war er sich seines Sieges sicher. Ein zweites Mal würden sie nicht so leicht davon kommen .
Mit jedem Mal, da er die Formel sprach, und je näher sie dem Träger des Giftes kamen, desto mehr würde es wirken und bei dem Gedanken, dass Aragorn sich bald wieder in Qualen vor ihm wand, ließ ihn freudig erschaudern.
Es war reiner Zufall gewesen, dass ihm dieses Gift in die Hände gefallen war, und jetzt dankte er im stillen Saruman dafür.
Nicht viele wussten noch um die Wirkung des "Galgenkraut". Es wuchs in den Sümpfen, und da fast niemand dort einen Fuß hineinsetzte, weil die wenigsten von dort zurückkehrten, wurde seine Existenz schließlich einfach vergessen. Aber ihm war es jetzt von großem Nutzen. Fast hätte er laut aufgelacht.

Sein Heer war jetzt an den Grenzen der Stadtmauer angelangt und machte nur wenige Schritte davor halt. Eine bedrückende Stille trat ein, alle warteten darauf, wer den Anfang machen würde.
Dûrgond konnte über die Ebene sehen, dass Andatars Männer ebenfalls Stellung bezogen hatten. Gespannte Erwartung war auf beiden Seiten zu spüren und sein Heer scharrte regelrecht vor Ungeduld mit den Füßen.
Auf sein Zeichen hin brach der Kampf los.

*

Aragorn fuhr ein stechender Schmerz durch den Kopf und eine Hand fasste zur Schläfe, wobei er ein Stöhnen nicht unterdrücken konnte. Er fühlte Arwen sofort an seiner Seite, die in fragend ansah, doch ihr Gesicht verschwamm vor seinen schmerzenden Augen, bis er nur noch undeutlich ihre Konturen sehen konnte.
"In cen û !” , brachte er mühsam hervor und geriet ins wanken. ( Ich sehe nichts!)
Frodo eilte an dessen Seite und half Arwen, ihn zu einem Stuhl zu führen.
Aragorn fühlte, wie der Schmerz nachließ und sein Gesicht entspannte sich. Er blinzelte mit den Augen und erleichtert stellte er fest, dass seine Sehkraft zurückkehrte. Für einen Augenblick hatte ihn Panik ergriffen, dass er in dieser Dunkelheit gefangen werden würde.
"Es ist vorbei! .............. Das Schwindelgefühl hat nachgelassen!"
Aragorn atmete schnell, aber die Erleichterung war ihm anzusehen.
"Du bleibst jetzt hier sitzen. Was nützt du uns, wenn du vor Schwäche zusammenbrichst?", befahl Arwen. Dann ließ sie Aragorn zurück und zog Frodo außer Hörweite.
"Gandalf, Legolas und ich wissen einfach nicht mehr weiter! Es schien, als ob er das Schlimmste überstanden hätte, doch im Laufe des Nachmittags hat sich sein Zustand wieder verschlechtert. Frodo, behalte ihn im Auge, ich werde zu den Häusern der Heilung laufen und Hilfe holen."
Frodo nickte, aber ihm war auch nicht wohl bei den Gedanken, nun mit Aragorn alleine zu sein, ohne zu wissen, wie er ihm helfen konnte.

Arwen hatte gerade den Raum verlassen, als Aragorn sich erneut vor Schmerzen wand. Sie gingen von seiner Schulter aus und zogen sich über seine gesamte Brust. Das Atmen viel ihm immer schwerer, Schweiß trat auf seine Stirn.
Was geschah nur mit ihm? Er hatte sich doch schon so viel besser gefühlt. Verzweifelt kämpfte er gegen den Schmerz an doch sie betäubtem ihm regelrecht die Sinne.
"Frodo...! Wie nah sind sie...?", keuchte er.
Nur mit Mühe konnte Frodo den Blick von ihm lösen und schaute auf das Wirrwarr der kämpfenden Massen.
"Einige haben es über die Mauern geschafft! Aber unsere Männer verfolgen sie und werden die Stadt halten!"
Bei seinen Worten traf Aragorn die Erkenntnis wie ein Blitz. Er sank auf die Knie und zog mühsam die Luft in seine Lungen.
"Frodo...! Um so näher sie kommen, .... desto schlechter fühle ich mich.... Dûrgond hat mich irgendwie in der Gewalt ! ...... Ich muss hier raus!"
Plötzlich viel Frodo wieder seine eigene Stichwunde der schwarzen Reiter ein. Er hatte die Anwesenheit der Ringgeister auch immer wieder schmerzhaft gespürt, wenn sie sich genähert hatten! Das musste es sein! Bestimmt war der Pfeil vergiftet gewesen, der Aragorn verletzt hatte, aber warum war er dann nicht sofort erkrankt, so wie er damals? Doch da er jetzt sowieso keine Antworten finden würde, fasste Frodo einen Entschluss.
"Komm! Schaffst du es auf den Beinen zu bleiben? Du musst weg von hier! Stütze dich auf mich!"

Schwankend kam Aragorn zum Stehen. Sie erreichten die Türe. Im Hinausgehen packte Frodo sich Anduril, das Legolas am Vormittag an Aragorn übergeben hatte. Das Bild dieser Gegebenheit stand Frodo noch klar vor Augen, doch schien es schon weiter zurück zu liegen, als diese paar Stunden. So schnell wie möglich eilten sie die Gänge entlang und versuchten zu den Toren der Festung zu gelangen, was sich als äußerst mühsam erwies, da Frodo einfach die Kraft fehlte, um Aragorn richtig zu stützen. Als Frodo und Aragorn endlich die Türen erreichten, waren sie völlig durchgeschwitzt und am Ende ihrer Kräfte.
Frodo ließ Aragorn zu Boden zu sinken und stieß die schweren Flügel auf. Fast wäre er mit Legolas zusammengestoßen, der bei seiner Wache die Kämpfe im Tal beobachtete. Er sah die beiden Freunde ungläubig an.
Frodo erklärte ihm schnell und außer Atem, warum Aragorn unbedingt die Stadt verlassen musste. Als er endete, blickte er den Elb erwartungsvoll an. Er war sich nicht sicher, ob er ihm glauben schenkte, denn sein Bericht hörte sich schon sehr abenteuerlich an, dennoch war er selber davon überzeugt und würde es zur Not auch alleine versuchen.

Als Legolas Frodos Vermutungen gehört hatte, war er einige Momente hin und her gerissen. War das wirklich die Ursache für Aragorns Zustand, oder lag deren Ursprung doch woanders?
Aragorn bemerkte das Zögern des Elben und rief ihn schwach zu sich.
"Glaube ihm...! Ich ertrage das nicht länger...!"
Ohne weiter zu zögern packte Legolas ihn und zusammen versuchten sie die Flucht.

Überall um sie herum fanden kleinere Kämpfe gegen die Feinde statt, die es geschafft hatten, über die Stadtmauer hinweg zu klettern, doch die Bewohner Edoras’ stemmten sich mit all ihrer Kraft gegen sie und gaben ihr Bestes. Einige Häuser waren von heruntergefallenen Fackeln in Brand geraten und ihre Eigentümer versuchten sie noch zu retten und schöpften Wasser aus den Regentonnen. Doch egal wohin die drei Freunde kamen, konnten sie in den Gesichtern der Menschen die Angst und Gewissheit sehen, dass dies wohl das Ende für sie bedeutete.
Frodo lief voran und versuchte sich einen Weg durch dieses Chaos zu bahnen, aber Legolas und Aragorn blieben immer weiter hinter ihm zurück. Schließlich blieb er stehen und sah sich nach den Beiden um. In diesem Moment strauchelte Aragorn.
"Im danna !" (Ich falle!), stieß er hervor.
Legolas konnte ihn gerade noch halten ,bevor er zu Boden sank.
Aragorn lehnte seinen Oberkörper gegen die Mauer eines Hauses, sein Atem ging flach und er rieb sich mit der Hand über die Brust.
"Ich bekomme immer schlechter Luft....! Es ist, als ob mich etwas immer fester einschnürt ...!" Er versuchte, tief durchzuatmen.
Frodo eilte zurück und reichte ihm die Wasserflasche. Dabei bemerkte er, wie Aragorns Hand zitterte als er sie zum Mund führte.
"Meinst du es geht wieder?", fragte Legolas. Er schaute besorgt die Strasse herunter. Der Kampflärm drang nun immer lauter an sein Ohr.
"Law !" ( Nein!)
Aragorn fühlte sich nicht einmal mehr in der Lage wieder auf die Beine zu kommen. Er spürte alle seine Glieder schmerzhaft und sein Kopf schien zu zerspringen, aber das schlimmste war, dass er kaum noch Luft bekam. Er war sich fast sicher, dass er bald die Besinnung verlieren würde und es keine Rettung mehr für ihn gab.
"Lasto nin ! Im taltha tulu!" (Höre mich! Ich hole Hilfe!)
Legolas sah, dass er jetzt keine Zeit verlieren durfte, er musste einen der Freunde finden!
Der Elb sah sich um, dann lief er zu einem Haus und fühlte an der Türe.
Den Valar sei Dank, sie war offen! Er kam zurück, half Aragorn hoch und stolpernd erreichten sie das Innere des Hauses. Frodo folgte ihnen.
"Hier wird euch keiner vermuten! Dartho!" , Legolas wechselte einen verzweifelten Blick mit Frodo. ( Halte aus! )
"Mae !" , flüsterte Aragorn kaum hörbar. (Ja/gut!)
Im nächsten Moment war Legolas auch schon verschwunden.
Aragorn lag auf dem Boden, die Augen geschlossen. Frodo hörte seinen schweren Atem. Da er nicht wusste was er tun konnte, setzte er sich neben ihn und begann leise zu singen, um sich selber Mut zu machen.

*

Mitten in der Schlacht versuchte Legolas einen seiner Freunde zu finden. Er brauchte unbedingt Hilfe. Alleine konnte er es unmöglich schaffen Aragorn aus der Stadt zu bringen und wenn er Frodo glauben schenken konnte, so war dies die einzige Möglichkeit um seine Beschwerden zu lindern und Schlimmeres zu verhindern.
Die Ersten, die ihm über den Weg liefen, waren die Hobbits. Legolas war erleichtert sie zu sehen, aber mit den Kleinen war es unmöglich ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen. Aragorn konnte sich nicht mehr alleine auf den Beinen halten und Legolas war es nicht möglich, ihn die ganze Strecke zu tragen und notfalls Angreifer abzuwehren. So berichtete er ihnen schnell was geschehen war und von Frodos Vermutung.
"Ich habe Eômer und Eowyn eben noch hier in der Nähe gesehen. Sie drängten eine Gruppe Uruk-hai hinten an der alten Schenke zurück. Wir laufen hin und holen sie!", rief Merry und packte Pippin.
"Ich gehe zu Herrn Frodo!" Sam wollte ihn nicht ohne Schutz so lange alleine lassen. Es liefen viel zu viele von diesen Monstern in der Stadt herum.
"Gut, dann suche ich Arwen! Sie hat sich wohl zu den Häusern der Heilung begeben um dort Hilfe zu holen. Vielleicht konnte man ihr dort weiterhelfen und sie hat etwas, dass Aragorn Linderung bringt. Eilt euch!"

So trennten sie sich, jeder lief in eine andere Richtung. Als sie außer Sichtweite waren, trat Andatar aus dem Schatten eines der Häuser. Er lachte zufrieden. Was er gehört hatte würde seinen Meister bestimmt interessieren. Dafür könnte er eine besondere Belohnung verlangen. Auch er machte sich auf den Weg.


Dreiundzwanzigster Abschnitt

Verflucht. Das hatte ihr gerade noch gefehlt.
Arwen war bereits fast an den Häusern der Heilung angelangt, als sie ein Wimmern hörte. Sie ging dem Geräusch nach und fand hinter einer Ecke ein kleines Mädchen, dass sich hinter einem alten Fass versteckt hielt. Es sah Arwen ängstlich an.
Jetzt musste sie sich entscheiden. Wenn sie das Kind hier sitzen ließ, bestand die Gefahr, dass der Feind es finden würde. Aber sie war eigentlich zu sehr in Eile, um sich jetzt darum kümmern zu können.
Aragorn brauchte sie. Sie konnte seine Qualen fast selber spüren und ertrug es nicht länger, ihn leiden zu sehen. Doch sie konnte die Kleine nicht sich selbst überlassen, dass brachte sie nicht übers Herz.

Sie seufzte und ging auf die Kleine zu, die so verängstigt war, dass sie vor ihr zurückwich.
"Du brauchst keine Angst zu haben! Ich werde dir nichts tun! Komm, ich bringe dich zu deiner Mama. Weißt du, wo sie ist?"
Sie redete beruhigend auf das Mädchen ein und stellte fest, dass sie selber immer ruhiger wurde.
Schließlich hatte das Kind wohl die Entscheidung getroffen, dass Arwen ihm nichts böses wollte und blieb stehen. Also nahm die Elbin das Kind auf den Arm und rannte die Strasse herunter. Sie musste es mit in die Häuser der Heilung nehmen, doch als das Mädchen merkte, welche Richtung sie einschlug, begann es zu rufen.
"Nein, Herrin! Nicht dorthin! Da waren viele böse Leute! Sie haben alles kaputt gemacht, weil sie von Mama wissen wollten, wo er sei! Aber sie hat ihnen nichts verraten!"
"Wo wer sei? Hat er gesagt, wen er sucht ? Überlege, was genau hat er gesagt!" Arwen wurde von Panik ergriffen. Sie konnte sich nur zu gut vorstellen, wer die Männer gewesen waren und wen sie suchten, aber sie würde es wohl erst noch einmal von dem Kind hören müssen, bevor sie die Gewissheit hatte.
"Der Mann mit den grauen Haaren wollte zu dem kranken Mann, dem Freund von unserem König! Aber Mama hat nichts gesagt und da hat er Mama weh getan...."
Dûrgond! Arwen traf es wie ein Schlag. Natürlich, er hatte es ja gesagt! Er wollte Aragorn als ersten seinen Zorn spüren lassen und vermutet, das er in den Häusern der Heilung zu finden sei.
Im Stillen dankte sie jetzt Aragorns Unvernunft. Wäre er nicht frühzeitig aufgestanden, so hätte Dûrgond ihn sofort gefunden! Sie musste Aragorn warnen!
Doch sie musste trotzdem erst zu den Heilern um Hilfe zu ersuchen. Es musste doch irgendetwas geben, dass Aragorns Beschwerden helfen könnte, darauf setzte sie ihre ganze Hoffnung. Es war unerträglich zusehen zu müssen wie er immer schwächer wurde.
Ihre Hoffnung wurde jedoch zunichte gemacht, als sie jetzt um die Ecke bog. Die Häuser der Heilung standen vollkommen in Flammen.

*

Sam kam völlig aus der Puste an dem Haus an, das Legolas ihnen beschrieben hatte. Er schlüpfte hinein und brauchte einen Augenblick um wieder zu Luft zu kommen.
Frodo war aufgesprungen und hatte Anduril gehoben, als die Türe aufgestoßen wurde. Erleichtert ließ er das Schwert sinken, als er Sam erkannte und kniete sich wieder neben Aragorn. Sam trat zu ihnen und verfolgte bekümmert die Bemühungen, die Frodo anstellte, um ihm wieder zu Bewusstsein zu holen.
"Aragorn! Aragorn! Komm zu dir! Gib nicht auf! Schau, Sam ist hier!"
Frodo warf Sam einen Blick zu, der seine ganze Verzweiflung ausdrückte und Sam konnte sehen, dass ihm die Tränen über die Wangen liefen.
"Legolas wird bestimmt auch bald hier sein! Er ist mit Merry und Pippin los. Sie holen Eomer und die anderen!" Sam wusste nicht, was er anderes hätte sagen sollen.
"Hörst du? Es dauert nicht mehr lange!", flüsterte Frodo Aragorn zu, dann wandte er sich wieder an Sam.
"Ich glaube er schafft es nicht, Sam. Er reagiert nicht mal ,wenn ich mit ihm spreche!" Mutlos ließ er die Hände sinken. Sam ließ seinen Blick zu Aragorn wandern und glaubte einen Moment lang, dass sein Herzschlag aussetzte, doch dann sah er, wie sich sein Brustkorb hob und senkte und er atmete erleichtert auf.
"Ich versuche es einmal!" Sam schob Frodo zur Seite beugte sich zu Aragorn herunter.
"Streicher, wach auf! Ich bin es! Der gute, alte Samweis." , dabei rüttelte er ihn sanft an der Schulter.

Aragorn wurde wieder von Husten geplagt und rollte sich etwas auf die Seite. Entfernt hörte er vertraute Stimmen, öffnete mühsam die Augen und blickte in die zwei besorgten Gesichter vom Sam und Frodo.
Er musste ja ein grauenhaftes Bild abgeben, wenn er so aussah wie er sich fühlte. Er versuchte sich aufzusetzen, schaffte es aber nicht alleine und vorsichtig halfen ihm die Hobbits. Dabei fühlten sie, dass er erneut Fieber bekommen hatte, sein Körper glühte förmlich.
"Wo ist.... Legolas ?" Selbst das sprechen viel ihm schwer und er konnte seine eigene Stimme kaum hören.
"Er wird gleich hier sein! Zusammen mit Eomer und Eowyn. Er wollte sie suchen, damit sie euch helfen können!" Sam schöpfte wieder Hoffnung, da Aragorn wenigstens noch wusste, was alles geschehen war. Aber dann schlug seine Stimmung sofort wieder um, als Aragorn aufstöhnte.
"Sie werden.... zu spät kommen !......ER wird vor ihnen hier sein!", dabei krümmte sich Aragorn vor Schmerzen zusammen. Frodo wusste was das bedeutete und Panik ergriff ihn. Dûrgond war auf dem Weg hierher, er konnte nicht mehr weit entfernt sein.

Aragorn versuchte seine letzte Kraft zu sammeln und mit zitternder Hand tastete er nach Anduril, das Frodo bei der Ankunft von Sam neben ihn auf den Boden gelegt hatte. Er bekam es gerade in dem Augenblick zu fassen, als die Türe aufgerissen wurde.
Aragorn kam schwankend auf die Beine, Anduril mit beiden Händen gepackt. Ein Uruk-hai stürmte auf ihn zu, ein Schwert kampfbereit in der Hand. Der Angreifer holte zum Schlag aus und Aragorn versuchte ihn abzuwehren. Es gelang ihm halbwegs und er versuchte nun seinerseits einen Angriff und stieß mit voller Wucht zu. Er verfehlte seinen Gegner jedoch und taumelte ins Leere. Der Uruk-hai war dem Schlag einfach ausgewichen, was in Aragorns Zustand auch gar nicht schwer war, denn seine Bewegungen waren langsam und schwerfällig. Der Uruk-hai stieß ihm den Knauf seines Schwertes in den Rücken und für einen Moment gelang es Aragorn nicht, den Schwung abzufangen, doch dann fing er sich. Nur für einen Augenblick hatte Aragorn den Angreifer aus den Augen verloren, doch als er sich umdrehte kam er mit gehobenem Schwert schon wieder auf ihn zu. Gerade als der Angreifer zum erneuten Schlag ausholen wollte, erklang ein surrendes Geräusch. Ein Pfeil schwirrte durch die Luft und der Uruk-hai stürzte tot zu Boden.

Mit zwei Schritten war Legolas bei Aragorn und fing ihn noch auf, bevor dieser stürzte. Er fiel leblos in seine Arme und nur einige Sekunden konnte Aragorn noch wahrnehmen, dass es der Elb war, der ihn hielt, dann wurde alles dunkel um ihn.
Mit raschen Schritten eilte hinter Legolas noch jemand in das Gebäude und kniete sich zu ihnen auf den Boden.
"Gandalf!", riefen Frodo und Sam zur gleichen Zeit erfreut aus. Alles war so schnell gegangen, dass sie erst jetzt reagieren und sie stürzten an Aragorn Seite.

Gandalf standen seine Gefühle offen im Gesicht, als er sich über Aragorn beugte und er wechselte einen Seitenblick mit Legolas, in der Hoffnung, dass die Hobbits nichts von ihrer Besorgnis sehen würden.
"Rinc hen u vaer!" Legolas zog das Hemd des Freundes etwas zur Seite und deutete auf den blutnassen Verband. (Diese Bewegung war nicht gut!)
"Im nim!" ( Ich weiß!), antwortete Gandalf ihm bedrückt und bedeutete ihm dann, dass sie sich beeilen mussten.
"Könnt ihr euch vielleicht so unterhalten, dass auch wir etwas verstehen?", fragte Sam ungeduldig. Ihm war deutlich anzusehen, dass er genau wusste, warum sich die beiden in Elbisch unterhielten.
"Entschuldigung Freunde! Aber jetzt bleibt uns sowieso keine Zeit für eine Unterhaltung! Dûrgond ist auf dem Weg hierher!"
Gandalf trieb sie zur Eile und in wenigen Minuten hatten sie alle Sachen aufgesammelt. Legolas und Gandalf nahmen Aragorn zwischen sich und verließen das Haus, dicht gefolgt von Frodo und Sam.

"Aber, wo wollt ihr denn jetzt mit ihm hin?" Frodo stellte entsetzt fest, das Gandalf wieder den Weg zum Palast einschlug.
"Er muss aus der Stadt raus! Hat Legolas dir das nicht erzählt?!"
Frodo konnte nicht zulassen, dass alle Bemühungen umsonst gewesen waren. Er griff nach dem Mantel des Zauberers und zwang ihn stehen zu bleiben. Dieser sah auf seinen Freund herab, der völlig aufgelöst und am Ende seiner Kräfte vor ihm stand und ihn fassungslos anstarrte.
"Frodo, ich glaube dir, aber es ist unmöglich aus der Stadt zu gelangen! Alle Wege sind versperrt und einigen unserer Leute, darunter Eomer und Eowyn, wurde der Rückzug versperrt. Legolas wurde von ihnen abgeschnitten als er auf dem zu den Häusern der Heilung war und das war ein Glück! Als er den Weg versperrt fand, musste er umkehren und dann hat er mich noch rechtzeitig gefunden! Wir haben keine andere Wahl als zur Festung zurückzukehren. Es gibt im Moment keinen sicheren Pfad aus der Stadt heraus!"
Niedergeschlagen sah Frodo ihn an. Dann ist alles vergeblich gewesen, schoss es ihm durch den Kopf. Ich habe wieder alles falsch gemacht und Aragorn diesen sinnlosen Fluchtversuch machen lassen, wo er doch sowieso nur noch ein Schatten seiner selbst ist.
Am liebsten hätte er sich einfach dort hingesetzt, wo er gerade stand und sein Schicksal erwartet, so schuldig fühlte er sich, aber Sam trat neben ihn und fasste seine Hand. Aufmunternd sah er ihn an und zog ihn dann einfach mit sich, hinter den Freunden her.

Die kleine Gemeinschaft hatte das Gefühl ewig für den kurzen Weg in die Festung zu brauchen. Sie mussten sich zweimal vor Uruk-hais verbergen, die durch die Strassen rannten und Sam stürzte über einige Steine und schlug sich das Knie auf. Humpelnd versuchte er, nicht den Anschluss zu verlieren.
Endlich erreichten sie die Pforten der Halle und wurden von Gimli entdeckt.
"Ich habe dich schon überall gesucht Legolas! Ich dachte schon.....!", dann wurde er auf Aragorn aufmerksam und er erblasste.
"Kommt schnell, hier entlang!"
Er bahnte ihnen einen Weg durch die Wachposten und dann gelangten sie endlich in die sicheren Hallen der Feste.
Sie betteten Aragorn auf eine Lagerstatt im Beratungszimmer und Gandalf wandte sich dann an Frodo, der seinen Blick nicht von seinem bewusstlosen Freund wenden konnte.
"Frodo, Legolas hat mir alles über deine Vermutung erzählt. Ich muss sagen, dass diese Überlegung gar nicht so verkehrt ist. Du hast mir doch von deinem Traum erzählt! Ich habe da eine schlimme Befürchtung! Beschreibe mir doch bitte die Pflanze die du in den Sümpfen gesehen hast!"

Frodo schreckte regelrecht auf, als Gandalf ihn ansprach, doch dann versuchte sich genau zu erinnern und als er seinen Bericht endete, schloss Gandalf für einen Moment die Augen.
"Das habe ich befürchtet. Ich hatte bereits einen Verdacht, der sich jetzt bestätigt hat. Dûrgond hat Aragorn das Gift des Galgenkrautes verabreicht ! Wahrscheinlich war der Pfeil damit vergiftet. Ich hätte es bereits wissen müssen, als seine Beschwerden nicht nachließen! Hoffentlich ist es noch nicht zu spät!"
Er stand auf und begann Aragorns Wunde noch einmal ganz genau zu untersuchen, wozu er den Verband vollständig löste. Wie Spinnenweben, zogen sich bereits feine Linien unter seiner Haut, von der Schulter bis über den Brustkorb. Einen Moment schien es den anderen, als schwanke der Zauberer, nachdem er diese Spuren erblickte, doch genauso rasch fing er sich wieder.
"Die Vergiftung ist schon weit fortgeschritten. Kein Wunder das er kaum noch Luft bekommt! Ich muss in die Gewölbe und Archive, und dort nach den alten Aufzeichnungen der Heiler suchen. Soweit ich mich erinnere, bedarf es bei diesem Gift einer besonderen Mixtur. Ich bin bald zurück!", sprach er mehr zu sich selbst und schon eilte er an den Gefährten vorbei aus dem Zimmer.


Legolas setzte sich zu Aragorn und schaute ebenfalls unter den Verband, aber er ließ sich seine Gefühle nicht anmerken.
"Aragorn ! Lasto nin ! ” , rief er leise. ( Höre mich!)
Zu seiner Überraschung und Freude öffnete er die Augen und versuchte Legolas Blick festzuhalten. Er ergriff die Hand seines Freundes, doch sein Griff war schwach und die Hand sank kraftlos wieder auf die Laken.
Legolas sprach weiter zu ihm, um ihn bei Bewusstsein zu halten und ihm Zuversicht zu geben.
"Gandalf weiß jetzt was zu tun ist! Er kann dir bald helfen! Versuche noch etwas durchzuhalten!"
Aragorn bedeutete ihm mit einer Geste, dass er ihn verstanden hatte.
"Mae, ...... mellon !", flüsterte er, dann verlor er wieder die Besinnung.
Legolas warf Frodo und Sam einen Blick zu, der sie alles andere als beruhigte. Die Hobbits holten Wasser und Tücher und legten Aragorn eins auf die Stirn um sie zu kühlen. Sie betteten seinen Kopf so gut es ging auf einige Kissen und breiteten eine Decke über ihm aus. Da sie aber nichts weiter tun konnten, setzten sie sich in eine Ecke. Sie lauschten auf jedes Geräusch, doch es war nichts zu hören, außer dem entferntem Schlachtlärm. Irgendwo da draußen kämpften ihre Freunde gerade gegen einen übermächtigen Feind und Aragorn um sein Leben....


Vierundzwanzigster Abschnitt

Arwen hatte sich auf den Weg zur Festung zurück gemacht. Sie konnte noch nicht fassen, dass die Häuser der Heilung brannten.
Sie brachte das Mädchen ins Lager der Wachen, denn dort war es sicher aufgehoben. Als sie dann jedoch wieder in den Gemächern eintraf, waren Aragorn und Frodo verschwunden.
In allen Zimmern suchte sie die beiden fieberhaft, doch nirgends war auch nur eine Spur von ihnen zu finden. Verflucht, wo steckten sie nur?
Sie versuchte die Ruhe zu bewaren und dachte einen Moment nach. Dann kam ihr ein Gedanke.
"Dieser Sturkopf wird doch wohl nicht!"
Sie schaute sich im Empfangszimmer um und suchte Aragorns Schwert. Natürlich, es war verschwunden! Er hatte bestimmt keine Ruhe gehabt und wollte den Freunden unbedingt beistehen, egal wie er sich fühlte. Sollte sie ihn in die Finger bekommen, würde sie ihn persönlich erwürgen! Wenn Dûrgond ihn nicht schon vorher in die Finger bekam.... schoss es ihr durch den Kopf. Schon verdrängte die Sorge ihren Ärger. Sie wollte nichts heraufbeschwören.
Sie machte kehrt und lief so schnell sie konnte wieder ins Freie ......

Sie überlegte, wohin Aragorn wohl als erstes aufgebrochen sein mochte. Bestimmt wollte er sich erst mal über die momentane Lage ein Bild machen. Das könnte er am besten, wenn er den Hauptmann aufsuchte. Also musste sie zum Wachhaus am anderen Ende des Vorplatzes. Sie lief über den Hof und erreichte den Wachmann gerade noch, bevor dieser sich auf den Weg zu den größten Kämpfen machte. Als er sie erkannte, zügelte er sofort sein Pferd.
"Herrin! Was führt euch zu mir? Bringt ihr Anweisungen von König Eomer oder König Elessar?"
Arwens Hoffnung schwand.
"Dann ist König Elessar nicht bei euch gewesen?", Verzweiflung packte sie. Was konnte nur geschehen sein, dass Frodo und Aragorn dazu veranlasst hatte, die Halle zu verlassen? Nur vage nahm sie noch die Antwort des Hauptmanns entgegen, so vertieft war sie in ihre Überlegungen und sie murmelte einen Dank.
"Ich danke euch! Die Valar seien mit euch!"
Ohne auf den fragenden Blick des Hauptmanns zu achten rannte sie davon.


Fünfundzwanzigster Abschnitt

Dûrgond war voller Zufriedenheit. Die Schlacht verlief zu seinen Gunsten und gerade war Andatar zu ihm gekommen und hatte ihm mitgeteilt, dass er wusste wo er den König finden könnte. Andatar hatte an dem Haus einen seiner Krieger zurück gelassen, also bestand kein Grund zur Eile.
In absoluter Ruhe, gerade so, als ob er einen Spaziergang machte, schlenderte er mit seinen Leibwachen die Strasse hinauf. Jetzt würde er auf seine Kosten kommen. In Gedanken malte er sich schon aus, was er alles mit Aragorn anstellen würde. Alleine die Vorstellung wie er sich vor ihm auf dem Boden wand, jagte ihm einen wohligen Schauer über den Rücken.
Endlich hatten sie das Haus erreicht. Andatar stieß die Tür auf und hielt sie Dûrgond auf. Dieser trat ein und ....glaubte seinen Augen nicht zu trauen .

Da lag nicht wie versprochen der König, sondern nur Andatars Krieger. All sein Zorn wurde von neuem gepackt und er schrie seine ganze Wut heraus und packte dann Andatar an der Kehle. Diesem blieb die Luft aus und er gab gurgelnde Geräusche von sich. Er sank immer mehr in die Knie und erst im letzten Augenblick gab Dûrgond ihn frei. Andatar schnappte nach Luft.
"Das wirst du mir büßen. Wenn wir diesen Elbenfreund nicht bald in die Finger bekommen, dann wirst du es sein mit dem ich etwas spielen werde!"
Dann drehte er sich um und rief seine Männer zusammen, war er denn nur von Stümpern umgeben?
"Auf zum Palast! Das ist die letzte Möglichkeit, wo er sich verkrochen haben könnte! Weit kann er ja nicht gekommen sein. Inzwischen dürfte er kaum in der Lage sein ein Glas Wein zu heben! Aber seid wachsam, seine Freunde werden in der Nähe sein!"
Er wandte sich gerade zum Gehen um, als das Schicksal sich für einen Moment zu seinen Gunsten änderte.

Eine Gestalt kam die enge Gasse heruntergelaufen. Sie bewegte sich sehr geschmeidig und es bestand kein Zweifel, dass es sich um eine Frau handelte. Schnell befahl Dûrgond, dass sich alle im Dunkeln verbergen sollten. Er brauchte nur noch abzuwarten, dass sie ihm wie eine Spinne ins Netz ging.
Und tatsächlich tappte sie ihm in die Falle. Sie war kaum an der Türe vorbei, als Dûrgond sie von hinten packte. Sofort begann sie sich heftig zur Wehr zu setzten.

*

Arwen lief quer durch die Stadt, doch überall konnte sie keine Spur von Aragorn und Frodo finden. Niemand hatte ihn seid dem Morgen gesehen. Ihre Suche schien aussichtslos und sie war am Rande der Verzweiflung.
Hatte Dûrgond ihn etwa schon gefunden und quälte ihn gerade in diesem Moment, während sie ziellos durch die Strassen irrte?
Sie rannte weiter und musste hier und da umkehren, weil schwere Kämpfe ihr den Weg versperrten. Jetzt befand sie sich in einer Gasse, die Menschenleer war, da sie sehr abgelegen lag. Hier gab es jedoch genug Möglichkeiten, sich vor Verfolgern zu verstecken und für eine schnelle Flucht hätte Aragorn sicher nicht die Kraft und sie war sich fast sicher, dass er in so einem Fall diesen Weg genommen hätte.
Sie war gerade an einer besonders dunklen Stelle angelangt, als sie hinter sich ein Geräusch vernahm, doch sie kam nicht mehr dazu sich umzudrehen.

Jemand packte sie mit eisernem Griff von hinten und presste ihr die Hand vor den Mund. Sie wand sich verzweifelt hin und her, doch der Griff, der sie umschloss, war unnachgiebig. Sie sah nur noch eine Möglichkeit. Sie nahm ihre ganze Kraft zusammen und stemmte sich nach hinten. Ihr Angreifer hatte damit nicht gerechnet und musste einige Schritte zurückweichen. Er wurde mir Wucht gegen die Hauswand gedrückt. Sein Griff lockerte sich für einen Augenblick und sie nutzte die Gelegenheit, um sich loszureißen und rammte ihrem Gegner den Ellenbogen in die Rippen.
Sie kam aber nicht wie erhofft frei, denn ihr Gegner hatte diesen Abwehrversuch wohl vorhergesehen. Er ließ zwar für einen Moment locker, aber nur, um sie an den Haaren zu packen. Ihr Kopf wurde nach hinten gerissen und dann fühlte sie kalten Stahl an ihrem Hals. Sie schluckte schwer und dann erkannte sie ihren Gegner.

"Na, welches Vögelchen ist denn da aus dem Nest gefallen? Wenn das mal nicht die ach so hohe Elbenmaid unseres Herrn Aragorn ist! Ihr kommt mir wie gerufen! Wenn euch euer Leben lieb ist, dann sagt ihr mir, wo euer Mann sich versteckt. Man könnte meinen er sei ein elender Feigling."
Ihre Augen zeigten ihre ganze Abscheu als sie Dûrgond ansah, und sie stieß die Worte mit ihrem ganzen Hass heraus.
"Selbst wenn ich es wüsste, würde ich lieber mein Leben lassen, bevor ich euch auch nur den kleinsten Hinweis über seinen Verbleib geben würde!"
Erleichterung überkam sie, denn das bedeutete, dass Aragorn noch frei war und bestimmt auch in Sicherheit.
"Oh, wie großzügig von euch! Aber mir ist gerade etwas besseres für euch eingefallen! Ihr dürft zusehen wie euer geliebter König Elessar sein Leben aushaucht ! Seid euch gewiss, dass wir ihn auch ohne eure Hilfe finden werden!"
Mit diesen Worten zog er sie in Richtung der Feste. Sie war das perfekte Druckmittel, um sich mühelos den Eintritt in den Palast zu verschaffen. Keiner der Wachen würde es wagen sie anzugreifen, solange er sie in seiner Gewalt hatte und von ihren Schreien, würde Aragorn gewiss angelockt werden, um ihr zu helfen, selbst wenn er dabei vor Schmerzen zerreißen würde.

*

Eomer und Eowyn kämpften Seite an Seite an den Mauern der Stadt. Sie waren völlig erschöpft, aber wollten keinesfalls aufgeben, nicht, solange noch Widerstand ihres Volkes geleistet wurde.
Aber die Lage schien hoffnungslos. Mit jedem besiegtem Gegner traten zwei neue an dessen Stelle und inzwischen waren die Feinde schon bis ins Innere der Stadt vorgedrungen.
Eomer sah Häuser, die brennend einstürzten, weinende Kinder rannten durch die Strassen und verletzte oder tote Männer lagen in ihrem eigenen Blut.

Diesmal schaffen wir es nicht, machte sich der Gedanke in seinem Kopf breit. Es sind einfach zu viele, gegen die wir uns stellen müssen. Edoras wird unter gehen und die Linie seiner Könige wird enden, aber ich werde in Ehre diesen Kampf beenden.
Mit einem lauten Schrei warf er sich den verdutzten Uruk-hais entgegen und ließ sein Schwert niederfahren, immer wieder und unermüdlich.

Plötzlich hielt er jedoch mitten in der Bewegung inne und hob erstaunt den Kopf. Auch Eowyn stand still, aber dann trat ein freudiges Lächeln auf ihr verschmutztes und zerkratztes Gesicht. Hell und klar erschallte ein Horn in der Ferne, dass ihnen nur allzu bekannt war.
"Faramir!", rief Eowyn erfreut aus. "Er kommt!"
Von dieser Erkenntnis beflügelt trat sie mit doppelter Härte ihren Feinden entgegen und war bald durch den umzingelnden Kreis gebrochen, gefolgt von ihrem Bruder. Sie ließen die Schlachten hinter sich und rannten auf das freie Feld und da erblickten sie in einiger Entfernung das Heer von Gondor.


Sechsundzwanzigster Abschnitt

Gandalf durchsuchte jetzt schon seid ein paar Stunden alle Schriftrollen in diesem staubigen Durcheinander. Seine Mühen waren aber bislang ohne Erfolg gewesen. Wenn er sich doch nur erinnern könnte. Er hatte einmal alle Rezepte und Eigenschaften von sämtlichen Pflanzen und Heilkräutern gekannt. Doch das schien schon viele Leben lang hinter ihm zu liegen. Langsam rannte ihm die Zeit davon. Wenn er nicht endlich das gesuchte Schriftstück fand, würde er bald nichts mehr für Aragorn tun können. Die Vergiftung war schon sehr weit fortgeschritten. Er musste ihn einfach retten können, koste es, was es wolle! Er würde sein eigenes Leben dafür geben.

*

Legolas saß immer noch neben Aragorn und beobachtete jeden seiner Atemzüge. Er wagte nicht, auch nur einen Augenblick in eine andere Richtung zu sehen, aus Angst, die fehlende Wachsamkeit würde ihm das Leben kosten. Es war jetzt schon so lange her das Gandalf aufgebrochen war, aber noch immer gab es keine Nachricht von ihm.
Seitdem er weg war, war Aragorn nicht mehr zu sich gekommen. Legolas hatte alles versucht, um ihn aus seiner Bewusstlosigkeit zu holen, doch er zeigte nicht die kleinste Regung auf seine Bemühungen.
"Nestad!" ( Heilung!), flüsterte Legolas.
Nichts wünschte er sich im Augenblick mehr. Plötzlich vernahm Legolas ein Geräusch. Er drehte sich zu den Hobbits um, doch die lagen in der hintersten Ecke, da, wo sie irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen waren.

Da. Jetzt war Legolas sich sicher. Er hörte sich nähernde Schritte. Die Hoffnung, es könnte Gandalf sein, verging, denn er wurde gewahr, dass mehrere Personen die Geräusche der Schritte verursachten.
Aragorn fuhr plötzlich mit einem Schmerzensschrei hoch und Legolas war sofort an seiner Seite. Aragorn hatte die Augen vor Schmerz geweitet und Legolas konnte die Qualen darin sehen, als er ihn anblickte. Seine Lippen bewegten sich, doch Legolas konnte nicht verstehen was er ihm sagen wollte.
"Van pennich?" ( Was sagst du?)
Der Elb beugte sich weit zu seinem Freund herunter, der kaum noch die Kraft hatte zu atmen.
".....si...." ( Hier )
"Dîn !" (Still!) Legolas konnte ihn einfach nicht verstehen und Verzweiflung machte sich in seinem Herzen breit.
"Spare deine Kraft bis Gandalf da ist. Er wird dir helfen können!", doch Legolas konnte selber kaum noch daran glauben. Aragorn wurde immer schwächer....

Dieser bäumte sich plötzlich mit einer solchen Heftigkeit auf, dass Legolas nun endlich verstand, was er ihm hatte sagen wollen. Wie hatte er nur so dumm sein können. Dûrgond musste auf dem Weg hierher sein. Deshalb wurden seine Schmerzen und Qualen immer schlimmer.
Genau als Legolas das bewusst wurde, wurden die Türen des Raumes aufgestoßen. Aragorn stieß einen Schmerzensschrei aus, der Legolas das Blut in den Adern gefrieren ließ, dann ging alles unsagbar schnell...

Legolas sprang auf und hatte blitzschnell seinen Bogen zur Hand. Binnen weniger Augenblicke, fanden drei der hereinstürzenden Krieger den schnellen Tod durch seine Pfeile. Doch es stürmten zu viele Feinde in das Zimmer und kreisten ihn geschickt ein. Legolas sprang über die gefallenen Krieger und griff mit seinen Messern die nächsten Uruk-hai an. Blitzschnell stieß er zu und auch dieser Gegner war besiegt. Legolas kämpfte mit dem Mut der Verzweiflung. Er würde nicht zulassen, dass sie Aragorn wieder in seine Gewalt bekämen, dafür würde er sorgen. Er schaffte es noch fünf weiteren die Kehle durchzuschneiden, als er durch einen kurzen Aufschrei abgelenkt wurde. Er wandte den Blick nur eine Sekunde lang ab, doch als seine Augen sich wieder den Gegnern zuwandten, war es bereits zu spät...
Diese kurze Unachtsamkeit nutzten seine Gegner und er spürte einen heftigen Schmerz durch seine linke Körperhälfte jagen. Einer der Angreifer hatte ihm ein Messer mit Wucht in die Seite gestoßen......
Er taumelte und als seine Hand an die Stelle fuhr, fühlte er sein warmes Blut zwischen seinen Fingern hindurch rinnen. Ungläubig sah er hoch und erblickte Arwen.
Ihre Blicke trafen sich und sie schrie erneut auf, dann riss sie sich los und rannte auf ihn zu.
"Legolas! Law !" (Nein !)
Sie fing ihn auf und presste ihre Hand auf seine Wunde um die Blutung zu stoppen, doch das Blut lief unaufhörlich aus der Wunde. Er blickte ihr in die Augen, die vor Angst und Schmerz geweitet waren, und flüsterte:
"Caro cen ma traiss!” (Mach dir keine Sorgen!), dann schloss er die Augen.
Arwen wiegte seinen Körper in ihren Armen hin und her und die Tränen rannen ihr über die Wangen. Sie war nicht zu einem einzigen Gedanken fähig und starrte nur auf sein Gesicht, das friedlich in ihrer Armbeuge ruhte.

Dûrgond brach in schallendes Gelächter aus. Er genoss es das alles mit anzusehen . Dann viel sein Blick auf Aragorn, der auf dem Boden lag. Er war schweißgebadet und sein Atem ging immer schneller. Er hatte den Kopf zu Dûrgond gewand und sah diesen auf sich zu kommen.
"Elessar! Jetzt ist endlich die Zeit gekommen! Flehe um Gnade für deine Freunde, sonst werde ich keinen von ihnen verschonen!"

Schemenhaft konnte Aragorn Arwen erkennen, die den leblosen Körper von Legolas immer noch in den Armen hielt. Ein stechender Schmerz jagte vor Kummer durch sein Herz und er glaubte, dass dieser schlimmer war, als seine bisherigen Qualen. Dûrgond kam noch ein paar Schritte auf ihn zu und Aragorns Schmerzen steigerten sich ins Unermessliche.
Er rollte sich mühsam herum und versuchte sich auf die Knie zu stemmen, doch seine Bemühungen waren zwecklos. Wieder lachte Dûrgond hämisch und fing dann an, die Formel laut auszusprechen, die bewirkte, dass das Gift seine Wirkung noch verstärkte. Aragorn begannen vor Qualen die Sinne zu schwinden. Seine Wunde brannte wie Feuer, vor seinen Augen zuckten Blitze und sein Brustkorb drohte zu zerspringen.
Wieder unternahm er einen verzweifelten Versuch den Abstand zu Dûrgond zu vergrößern, aber dieser war in nur wenigen Schritten wieder aufgeschlossen. Er bückte sich und hielt drohend eine Hand über Aragorn.
"Jetzt schau Elbenweib wie dein geliebter Herr ebenfalls langsam sein Leben aushaucht!", schrie er quer durch die Halle und drückte die Hand auf Aragorns Brust.
Dieser stieß einen Schmerzensschrei aus, der durch Mark und Bein fuhr.
Er glaubte, das ihm der Schmerz den Verstand rauben würde. Es ist aus......, schoss es ihm durch den Kopf. Das ist das Ende....
Er hörte Arwens Stimme, die seinen Namen rief, aber sie schien unendlich weit entfernt zu sein, doch gerade als er glaubte, es nicht mehr aushalten zu können, nahm er hinter Dûrgond eine Bewegung wahr.

*

Frodo, von den Schreien aufgewacht, hatte die Situation sofort erfasst.
Ohne nachzudenken hatte er Anduril genommen, das neben ihm an der Wand gelehnt hatte und war, unbemerkt von den Wachen, hinter Dûrgond getreten. Er holte aus und mit einem lauten Schrei und seiner ganzen Wut stieß er das Schwert in Dûrgonds Rücken. Seine Arme bebten von dem Schlag und er verlor für einen Moment das Gleichgewischt und stürzte beinahe zu Boden, doch er konnte sich noch abfangen.
Dûrgond riss vor entsetzen die Augen weit auf und strauchelte. Anduril blieb tief in ihm stecken, und nach unendlichen Sekunden brach Dûrgond tot neben Aragorn zusammen.

*

Im selben Augenblick stürmten einige Wachen von Gondor mit allen übrigen Gefährten in die Halle. Sie stürzten sich auf die Feinde und kämpften wie noch nie in ihrem Leben. Von diesem Kampflärm wurde dann endlich auch Sam geweckt.
Das letzte was Aragorn noch sah, war Frodo, der neben ihm auf die Knie sank und ihn aus seinen blauen Augen durchdringend anblickte. Er schien auf ihn einzureden, aber Aragorn vernahm keinen Laut, dann wurde alles schwarz um ihn.


Siebenundzwanzigster Abschnitt

Die Zeit schien still zu stehen, als der letzte der Feinde in der Halle tot am Boden lag. Die Schwerter der Freunde sanken kraftlos herunter und sie ließen die Schultern hängen. Gandalfs Blick schweifte über die unzähligen Körper, die überall im Raum lagen und er schloss für einen Moment kraftlos die Augen.
Dann wurde die Stille von einem Aufschrei unterbrochen.
Gimli rannte auf Arwen zu und fiel vor ihr auf die Knie. Er sah in das friedvolle, blasse Gesicht seines Freundes und dann das viele Blut. Tränen traten in seine Augen.
"Du dummer Elb! Warum hast du nicht auf mich gehört und bist mit mir gekommen?! Tu mir das nicht an!", sagte er tonlos und packte Legolas an der Schulter und rüttelte ihn, doch nichts geschah.
"Aragorn!", schrie Pippin entsetzt auf, als er ihn und Frodo erblickte. Merry, Sam und er rannten zu Frodo, der immer noch verzweifelt Aragorns Namen rief und seine Hand hielt.


Gandalf erwachte aus seiner Erstarrung und wies Eomer an, der seine Schwester tröstend in den Armen hielt, sich mit ihr um Aragorn zu kümmern.
Faramir hielt Gimli zurück und zog ihn dann zur Seite, um Gandalf Platz zu machen. Als der sich jetzt über Legolas beugte, wirkte er nur wie ein alter, schwacher Mann, von Trauer ergriffen. Er legte ihm die Hand auf die Brust - und hielt dann verunsichert inne. Plötzlich sprang er auf.
"Eomer! Faramir! Schnell! Er lebt noch! Holt etwas, womit ich die Blutung stillen kann! Merry, Pippin, lauft und holt mir Wasser!"

Rasch wurde alles geholt was Gandalf gefordert hatte. Dieser arbeitete jetzt schnell und geschickt. Er riss die Tücher in Streifen und tränkte sie in dem dampfenden Wasser, in das er einige zerriebene Blätter der Athelas-Pflanze geworfen hatte. Es dauerte nicht lange, da war die Blutung gestillt und die Wunde ordentlich verbunden.
"Jetzt lasst uns hoffen! Ich habe für Legolas alles getan was in meiner Macht steht, aber er hat viel Blut verloren!"

Arwen hatte sich erhoben und eilte an Aragorns Seite. Sie ließ sich schluchzend neben Sam nieder, der dabei war, die Stirn von Aragorn mit nassen Tüchern zu kühlen. Die Elbin nahm dem Hobbit das Tuch aus der Hand und befühlte dann die Schläfen ihres Mannes. Eine Hand schob sie zitternd unter sein Hemd und drückte sie an seine Brust und nur schwach fühlte sie seinen Herzschlag.
Sie schloss für einen Moment die Augen und flüsterte dann immer wieder seinen Namen und hielt seine Hand fest in der ihren, aber er reagierte nicht auf ihre Bemühungen.

Gimli war die ganze Zeit nicht von Legolas’ Seite gewichen, und bestand jetzt darauf, ihn in eines der anderen Zimmer zu begleiten, in das Eomer und Faramir ihn trugen. Alle wussten, das er bei ihm bleiben würde, bis er endlich aufwachen würde.
Arwen hatte Aragorns Kopf nun in ihren Schoß gelegt, Eowyn und die Hobbits standen bei ihnen und blickten nun auf Gandalf, der ihm prüfend die Hand auf die Stirn legte und ihm dann das Hemd zur Seite zog. Die Linien zogen sich inzwischen um seine ganze Brust, fast bis zum Rücken herauf und sein Atem war kaum wahrnehmbar.
"Was ist? Warum geht es ihm jetzt nicht besser? Dûrgond ist doch tot!", rief Frodo verzweifelt. "Tu doch etwas, Gandalf!"
"Er trägt das Gift schon zu lange in sich ! Ich habe zwar die Rezeptur für das Gegenmittel gefunden, aber ob ich noch rechtzeitig komme - weiß ich nicht. Ich habe zu viel Zeit verschwendet!" Traurig blickte er in die Gesichter von Frodo und Arwen, die Aragorn vorsichtig aufrichteten und er flößte ihm den Trunk langsam ein.
"Wir müssen nun abwarten, was die Zeit bringt! Die Valar seien mit ihm!"

Aragorn wurde von Faramir und Eomer in das Zimmer zu Legolas gebracht, gefolgt von Arwen und Gandalf. Die ganze Nacht verbrachten sie bei ihnen und versorgten sie so gut sie vermochten. Gimli schickten sie irgendwann zu den anderen, die besorgt in der Halle zurückgeblieben waren. Gimli wehrte sich zuerst zwar entschieden dagegen, musste sich dann aber doch Gandalf geschlagen geben.
Als er in die Halle trat, fand er dort alle Freunde versammelt. Faramir erhob sich und sah Gimli fragend an.
"Was ist ? Wie geht es ihnen ? Nun steh da nicht bloß rum - sag etwas !", seine Stimme klang schärfer als er beabsichtigt hatte und der Zwerg zuckte regelrecht zusammen.
"Sie sind immer noch nicht zu sich gekommen ! Legolas ist so blass, wie das Laken auf dem er ruht, und Herr Aragorn..... er kämpft innerlich immer noch!"
Gimli sank mutlos auf einen Stuhl. Alle schwiegen, aber ihre Gedanken waren bei ihren zwei Gefährten, die im Nebenzimmer um ihr Leben kämpften .....
Sie wussten nicht, was sie jetzt tun sollten. Schlafen konnten sie nicht, darin waren sich alle einig, nicht, solange es ihren Freunden nicht besser ging. Obwohl die Schlacht gewonnen war, konnte sich niemand darüber freuen.

*

Frodo schreckte irgendwann aus einem unruhigen Schlaf hoch. Wie spät war es?
Er konnte nicht einmal sagen, wann er eingeschlafen war. Als er sich im Zimmer umblickte, sah er, dass auch die anderen schliefen. Sie mussten wohl doch erschöpft eingeschlafen sein, während sie auf gute Neuigkeiten gewartet hatten.
Vor seinem inneren Auge tauchten sofort die erschreckenden Bilder der letzten Nacht wieder auf und von neuem fühlte er die Leere in sich, wenn er an Aragorn und Legolas dachte. Sie durften einfach nicht sterben.
Diese Ungewissheit konnte er keine Sekunde mehr aushalten. Er musste wissen, wie es um Aragorn und Legolas stand. Leise schlich er aus dem Zimmer und rannte den Gang herunter. Sachte drückte er die Klinke der Türe herunter und betrat lautlos das Krankenzimmer.

Arwen saß auf einem Stuhl vor Aragorns Bett, aber ihr Kopf ruhte auf ihren Armen. Sie schlief. Aragorn hatte die Augen geschlossen und sein Atem ging ruhig und gleichmäßig, aber sein Gesicht sah schmal und fahl aus und hatte nichts mehr mit dem Mann gemein, den er damals in Bree kennen gelernt hatte.
"Komm herein und schließe die Tür !", vernahm Frodo plötzlich Gandalfs Stimme und er zuckte erschrocken zusammen.
Der Zauberer saß in einer Nische an Legolas’ Schlafstatt und schaute Frodo beim Näherkommen erschöpft an. Zu seiner Freude sah Frodo, dass Legolas die Augen geöffnet hatte und schwach lächelte.
"Legolas! Welch eine Freude, du bist wach!" Er lief zu ihm und nahm seine Hand.
"Dank Gandalf geht es mir schon viel besser!", beruhigte der Elb ihn, aber seine Stimme war schwach und leise und er wirkte völlig Kraftlos.
Gandalf nickte jedoch zustimmend als Frodo ihm einen fragenden Blick zuwarf.
"Er wird es schaffen! Ruhe wird ihm zu neuer Kraft verhelfen!"
"Und was ist mit Aragorn?!", fragte Frodo ängstlich und wagte nicht Gandalf anzusehen, der bei dieser Frage den Blick zu Aragorn wandte.
"In der Nacht hätten wir in beinahe verloren. Aber sein Wille war stark. Ich fürchte jedoch, dass er nur für den Moment etwas Ruhe gefunden hat. Wir müssen warten wie er den Tag übersteht." Er seufzte, denn er hätte Frodo gerne bessere Nachrichten gegeben, aber mehr war im Augenblick nicht zu sagen. Frodo musste sich damit zufrieden geben.
Der Hobbit blieb noch eine Weile, aber verließ dann mit hängenden Schultern das Krankenzimmer.

Inzwischen waren alle Freunde erwacht und schauten erwartungsvoll auf Frodo, der ihnen berichtete, was er von Gandalf erfahren hatte.
Gimli konnte seine Freude über Legolas nicht verbergen, die aber über den Zustand von Aragorn wieder getrübt wurde. Ebenso erging es auch den anderen Gefährten. In der Folge des laufenden Tages, schlich immer wieder einer von ihnen zum Zimmer der Kranken und warf einen Blick hinein, voller Hoffnung, aber sie wurden jedes Mal mit einem Kopfschütteln von Arwen enttäuscht.

Achtundzwanzigster Abschnitt

Es war bereits später Nachmittag des folgenden Tages, als Arwen von einer Bewegung aus ihren Gedanken gerissen wurde. Aragorn hatte bisher keine Regung gezeigt, aber jetzt hob er langsam eine Hand, führte sie zum Kopf und rieb sich die Stirn. Langsam öffnete er die Augen und stöhnte kurz auf, als er versuchte sich ein wenig aufzurichten. Er sank erschöpft zurück in die Kissen.
Arwen lächelte ihn erleichtert an und Tränen der Freude traten in ihre Augen.
"Dîn! (Still!) Streng dich nicht an! Alles ist gut!", sanft strich sie ihm sein Haar aus der Stirn.
Er schien sich zu entspannen, doch plötzlich packte er ihre Hand und sah sie voller Trauer an.
"Legolas? Ist er.... ?", brachte er leise hervor.
"Beruhige dich! Er lebt und wird es überstehen!"
"Mae ....!" (Gut)
"Komm, trinke das. Es wird dir gut tun!"
Arwen half ihm und als sie das Glas zur Seite stellte sah sie ihm ruhig in die Augen, doch in ihrem Blick lagen noch immer die Sorgen und Ängste, die sie sich um seinet Willen gemacht hatte.
"Jage mir nie wieder solche Angst ein! Eine Zeit lang stand es nicht gut um dich! Aber jetzt ist es geschafft!"
Er lächelte sie matt an und legte eine Hand auf ihre Wange. Er konnte sich nur im entferntesten vorstellen, was sie in den letzten Tagen durchgemacht hatte, aber er hatte sie die ganze Zeit an seiner Seite gespürt und war ihr dafür unendlich dankbar.
"Schlafe! Das wird dir Heilung bringen!", flüsterte sie ihm zu.
"Si dartho..... !" (Bleibe hier!)
"Mae !" Sie lächelte und hielt seine Hand, bis er eingeschlafen war.

*

Einige Tage später konnte Legolas das Bett verlassen. Seine Wunde hatte sich geschlossen und langsam kam er wieder zu Kräften. Er musste zwar noch aufpassen, aber der Elb konnte es keine Minute länger im Bett aushalten.
Gimli versprach Gandalf, ihn nicht aus den Augen zu lassen. Dabei blinzelte er Legolas zu und gab ihm einen vertraulichen Schlag auf die Schulter.
Legolas stieß einen Schmerzlaut aus und hielt eine Hand an seine Wunde.
"Wenn du so weitermachst, liege ich schneller wieder im Bett als mir lieb ist. Ich passe wohl besser selber auf mich auf!", schimpfte er, aber sein Gesicht verriet, dass er froh war, den Freund bei sich zu haben.
"Verzeih, mein Freund!", stieß Gimli erschrocken hervor, packte Legolas und drückte ihn kurz an sich.
"Ah! Gimli, lass mich los! Das schmerzt!" Legolas versuchte sich aus der Umarmung zu befreien. Was für ein Tollpatsch konnte dieser Zwerg nur sein!
"Oh! - Entschuldigung!", stammelte er verlegen.
Aragorn, der von seinem Bett aus die beiden beobachtete, musste lachen, doch er wurde ebenfalls mit Schmerzen bestraft.
"Macht, das ihr raus kommt!", er hielt sich die schmerzende Seite, konnte sich aber nur mit Mühe das Lachen verkneifen.

Als sie das Zimmer verlassen hatten, wandte Aragorn sich wieder an Gandalf. Auch er schmunzelte als er hinter dem ungleichen Paar herblickte.
"Nun berichte mir alles! Ich möchte wissen, was genau geschehen ist. Meine Erinnerungen daran sind bruchstückhaft."
Geduldig berichtete Gandalf nun alle Einzelheiten der Vorkommnisse. Aragorn hörte ihm zu, stellte ihm ab und zu eine Frage oder nickte zustimmend mit dem Kopf. Als Gandalf endete, legte er Aragorn eine Hand auf die Schulter.
"Du hast uns ganz schöne Sorgen bereitet. Eine Weile dachte ich, du würdest es nicht schaffen!"
Aragorn lächelte ihn an, aber schaute ihm dann ernst in die Augen.
"Eine Zeitlang glaubte ich selber, dass meine Kräfte nicht reichen würden...... !"
Er schwieg einen Augenblick und wandte sich gedankenverloren ab. Als er den Kopf hob, sah er den Zauberer fragend an.
"Sage mir, Gandalf, ist es vorbei?"
"Die Schlacht ist geschlagen und die Stadt hat kaum Schaden genommen. Die Menschen haben bereits begonnen alles wieder instand zu setzten......"
"Das meine ich nicht ....."
Gandalf hob seinen Blick. Er wusste genau was er meinte, aber er hatte Angst, ihm die Wahrheit zu sagen, auch wenn er sie verdient hatte. Schließlich begann er zu sprechen.
"Du wirst diese Wunde, genau wie Frodo, dein Leben lang schmerzhaft spüren. Die Gifte der schwarzen Mächte werden nie ganz ihre Wirkung verlieren. Du trägst es immer noch in dir!"
Aragorn schwieg eine Weile, dann trafen sich erneut ihre Blicke.
"Hennaid evyr, mellon ! (Vielen Dank, Freund) Du hast mir mein Leben gerettet!"
Daraufhin klopfte Gandalf ihm nur noch einmal auf die Schulter.

*


Am nächsten Tag hielt auch Aragorn es nicht mehr aus. Er brauchte zwar seine ganze Überredungskunst um Arwen umzustimmen, aber schließlich schaffte er es. Nachdem sie ihm beim Ankleiden geholfen hatte, machten sie sich gemeinsam auf den Weg zu ihren Freunden.
Sie fanden sie schließlich im Garten. Die Hobbits hatten es sich auf einer Decke gemütlich gemacht und verzehrten genüsslich ihr zweites Frühstück. Gimli berichtete gerade, wie er in der Schlacht am Palasttor mindestens "200!" Uruk-hai erledigt hatte, während Legolas "sich ausgeruht" hatte. Der Elb verdrehte hinter dessen Rücken freundschaftlich die Augen.
Eowyn, die das sah, konnte sich vor Lachen kaum noch halten. Gandalf, Eomer und Faramir versuchten verzweifelt ein ernstes Gesicht zu machen, aber schien ihnen nicht so recht zu gelingen. Die Gruppe brach in schallendes Gelächter aus und der Zwerg sah sie völlig entgeistert an.

Aragorn war froh, als er mit Arwen die Gruppe erreichte. Das kurze Stück von der Feste bis hier hatte ihn doch noch angestrengt. Er ließ sich zu den Hobbits auf die Decke nieder.
"Schön das es dir besser geht, Aragorn! Hast du Hunger? Wir haben hier wirklich ganz leckere Köstlichkeiten!" Pippin dachte natürlich wieder nur ans Essen!
"Danke Pippin, aber Arwen hat mich bestens versorgt! Sie hat mir Essen für zwei aufgetischt!"
"Du musst ja auch wieder zu Kräften kommen!", verteidigte Arwen sich und stimmte in das Lachen der Freunde ein.

So saßen sie den ganzen Nachmittag in der Sonne und genossen es einfach beieinander zu sein. Jeder hatte etwas Aufregendes von den Geschehnissen der letzten Wochen zu berichten und Aragorn lauschte neugierig. Fast vergaß er seine Verletzungen, erst als er eine etwas unglückliche Bewegung machte erinnerte ihn der Schmerz daran.
"Ich glaube es wird Zeit, dass du dich wieder zur Ruhe begibst!", forderte Arwen ihn auf, der seine Reaktion darauf nicht entgangen war.
Wiederwillig stand Aragorn auf und gemeinsam mit ihren Freunden kehrten sie zum Palast zurück.
Als sie zu Aragorns Gemächern kamen, wollten sie sich alle verabschieden, aber Aragorn hielt Frodo zurück.
"Komm doch bitte einen Augenblick noch mit zu uns, Frodo !", bat er ihn.
Frodo wunderte sich ein wenig und zuckte mit den Schultern, als Sam ihn fragend ansah. Was konnte Aragorn noch von ihm wollen?
Im Zimmer machten sie es sich in den Sesseln bequem, dann sah Aragorn Frodo in die Augen. Frodo sah noch immer die Anstrengungen und die Spuren seiner Qualen in seinem Gesicht, aber seine Augen waren wieder hell und klar. Jetzt nahm er Frodos Hand in seine.
"Gandalf hat mir erzählt, dass du mich vor Dûrgond gerettet hast, als er mich in seiner Gewalt hatte. Du hast für mich deinen Schwur gebrochen, nie mehr ein Schwert zum Kampf in die Hand zu nehmen. Ich danke dir, kleiner Freund!"
Frodo sah verlegen zu Boden.
"Aber das war doch selbstverständlich! Ich konnte doch nicht zulassen, dass er dich tötet!"
Aragorn lächelte ihn an. Dies war schon ein ganz besonderer Hobbit.
"Ich stehe in deiner Schuld, Frodo Beutlin!"
"Nein, dass tust du nicht!", entgegnete Frodo entschieden. "Du hast mich schon aus so vielen Gefahren gerettet und mehr als einmal dein Leben aufs Spiel gesetzt. Es ist ein schönes Gefühl, dass ich jetzt einmal etwas für dich tun konnte! Ich habe es gerne getan!"
"Es ist schon erstaunlich," sagte Aragorn jetzt nachdenklich, "dass unser Schicksal immer wieder miteinander verknüpft ist!"
Frodo lachte Aragorn an. "Ja, aber es beruhigt mich auch! Das bedeutet schließlich auch, dass wir einander immer gewiss sein können!"
"Ja , Frodo Beutlin - das ist wahrlich ein gutes Gefühl!"