Für Susi



Sam hörte die Elben singen, wie sie durchs Auenland zogen, hörte ihre kristallklaren, melodischen Stimmen in einer verzaubernden Sprache singen und wurde von Freude erfüllt. Plötzlich jedoch wurde er gewahr, wie er fror, und schlug die Augen auf.
Er fand sich in seinem Bett in Beutelsend wieder, die Decke hatte er in der Nacht unbemerkt auf den Boden befördert und das einzige, was er jetzt noch hörte, war das Zwitschern von den Vögeln draußen in der Hecke. Die Sonne schien durch die Vorhänge hinein und er lächelte versonnen.
Schade, daß es nur ein Traum gewesen war, doch auf einmal fuhr er hoch und lauschte. Was war das?
Rosie schlief noch immer tief und fest und Sam kratzte sich am Kopf. Was sollte schon sein? Frodo würde doch sicherlich auch noch schlafen...
Wieder hörte er etwas, was nach einem schmerzerfüllten Stöhnen klang und flink sprang er aus dem Bett. Auf leisen Sohlen schlich er zur Tür und öffnete sie vorsichtig. Er wollte Rosie nicht doch noch wecken.
Als er auf den Flur hinaustrat, hörte er es ganz deutlich. Es war Frodo. Irgendwas war nicht in Ordnung.
Ohne nachzudenken pirschte er in die Richtung von Frodos Zimmer und hielt kurz inne. Dann klopfte er und fragte leise: „Herr Frodo?“
Es kam keine Antwort, jetzt war alles still. Aber Sam war keineswegs zufrieden. Er wußte genau, wenn etwas nicht stimmte, und so öffnete er langsam die Tür einen Spalt breit und lugte ins Zimmer.
Entsetzt stieß er sofort die Tür auf und lief in den Raum. Dort im Bett lag Frodo, totenbleich im Gesicht und er hatte sich in einer Ecke zusammengerollt. Doch das sah nur auf den ersten Blick so aus, denn Sam sah schnell, daß er sich krümmte vor Schmerzen und verzweifelt in der Bettdecke festkrallte.
„Aber Herr Frodo, was ist denn nur?“ rief er zu Tode erschrocken und kniete sich vors Bett. Nun konnte er die Schweißperlen auf Frodos Stirn sehen und er griff nach seiner Hand. Sie war eisig kalt.
„Sam... mein guter Sam“, das war alles, was Frodo hervorbrachte. Wieder krümmte er sich, verkrampfte völlig und Tränen traten ihm in die Augen.
Hilflos faßte Frodo an den weißen Elbenstein, der an einer Kette um seinen Hals hing, und Sam fragte ängstlich: „Was hast du denn bloß?“
Mühsam und stockend murmelte Frodo: „Es ist der sechste Oktober. Meine Schulter... es tut so weh...“
„Warum hast du mich denn nicht gerufen? Wie kann ich dir helfen?“ fragte Sam und holte tief Luft. Der Anblick, der sich ihm bot, war mehr als schrecklich.
„Sam...“
Sam sprang auf und hob Frodo sachte an, dann setzte er sich neben ihm aufs Bett und bettete ihn auf seinen Schoß.
„Herr Frodo, ich bin doch jetzt da, bitte beruhige dich doch!“ flehte Sam verzweifelt und wischte sich eine Träne von der Wange. Frodo klammerte sich an ihn wie an einen Strohhalm und sah ihn traurig an. Sam nahm ihn fest in die Arme und legte seine Hand sanft auf Frodos Schulter. Dieser zuckte erst zusammen, doch dann legte er seine kalte Hand auf Sams und rang sich mühsam ein Lächeln ab.
„Das ist schön, deine Hand ist so warm. Bitte bleib bei mir!“
„Natürlich, Herr Frodo, ich gehe nicht weg, wenn du es nicht möchtest. Hab keine Angst.“
Frodo zitterte am ganzen Leib. Sam wußte, wie er fror, obwohl er doch schon unter der Decke lag, und versuchte ihn zu wärmen. Er zog ihn ganz dicht an sich und strich ihm über die Stirn. Frodo wurde ruhiger und Sam merkte, wie seine Anspannung nachließ. Langsam spürte Sam, wie die Kälte auch nach ihm griff. Frodos ganze Seite war kalt, seine Schulter noch am meisten, und er versuchte unablässig, sie zu wärmen, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen.
Plötzlich begann Frodo zu sprechen.
„Sam, warum nur?“
Sam runzelte die Stirn fragend und sah ihn lange an, bevor Frodo fortfuhr.
„Warum nur hört das nicht auf? Ich ertrage die Schmerzen nicht, aber sie gehen nicht weg... sie gehen nicht weg.“
Wieder begann er zu weinen, doch sprach weiter.
„Ich dachte, so schwer könne es nicht sein, sich des Ringes anzunehmen und ihn zu tragen. Ich fürchtete einzig die Gefahren auf dem Weg, aber was der Ring mit mir machen würde, hatte ich in meinen schlimmsten Alpträumen nicht befürchtet. Es ist manchmal, als wäre er noch da, und dann greife ich nach ihm und merke erst, wenn er warm wird, daß ich den Elbenstein in der Hand halte. Verstehst du, ich... ich hätte sie alle verraten! Ich wollte ihn für mich haben, dabei ist seine Macht doch so furchtbar gewesen. Aber ich fragte mich, warum ich nur soviele Schmerzen, soviel Angst und Leid ertragen mußte - um ihn zu zerstören? Ich konnte es nicht. Ich hatte ihn unterschätzt.“
Er schluchzte verzweifelt und rang nach Luft. Sam strich ihm beruhigend über den Kopf und nickte verständnisvoll.
„Sam, ich wollte doch nur den Frieden wahren! Ich wollte, daß du irgendwann in Frieden hier eine Familie gründen kannst, so wie du es auch tust, du und alle anderen... doch was ist geschehen? Der Schatten hätte mich fast verschluckt. Nicht genug damit, daß ich diesen verfluchten Ring tragen mußte, nein, die Nazgûl haben mir diese Schmerzen beschert und zu allem Überfluß hätte diese schreckliche Spinne mich noch gefressen, wärst du nicht gewesen... mein Sam, mein lieber Sam. Ohne dich wäre ich niemals auch nur nach Mordor hineingekommen. Du hast mich gerettet. Mein Leben gerettet. Ich will mich wirklich nicht beklagen, aber warum nur... warum nur tut es so weh...“
Sam spürte die Tränen in seinen Augen vor lauter Wehmut kaum. Es war so schrecklich, er mußte seinen geliebten Frodo leiden sehen und konnte ihm keine Linderung verschaffen, außer durch seine Anwesenheit.
Es war wirklich nicht gerecht, daß sein Herr so entsetzliche Qualen erleiden mußte. Er spürte Wut in sich, Wut auf alles Böse in der Welt, das Frodo so peinigte.
„Was hast du nur wegen mir alles erleiden müssen, es tut mir so leid... ich habe es dir so schwer gemacht...“ flüsterte Frodo tonlos und klammerte sich an Sams Hand.
„Aber, Herr Frodo, sag doch sowas nicht, das stimmt doch gar nicht... ist doch gar nicht wahr...“
Er wischte sich die Tränen aus den Augen und sein Blick traf Frodos.
„Doch, Sam, was habe ich dir angetan... ich habe doch gespürt, wie sehr du dich gequält hast.“
„Aber das ist doch nicht deine Schuld! Du hast keine Schuld, niemals, glaube mir doch! Ich wollte, ich hätte dir helfen können...“
„Das konntest du nicht. Auch jetzt kannst du es nicht. Ich werde wohl nie meinen Frieden finden...“
Sam konnte es nicht ertragen, ihn weinen zu sehen, und wiegte ihn in seinen Armen wie ein Kind. Es dauerte nicht lange, da wurde Frodo wieder ruhiger und schenkte ihm ein Lächeln, zwar ein angestrengtes, aber es war echt.
Sam hörte Schritte auf dem Flur. Es war Rosie. Sie betrat leise das Zimmer, eine Tasse in der Hand, und ohne etwas zu sagen, reichte sie Sam die Tasse und ihm stieg der Duft von Tee in die Nase. Sie lächelte ermutigend und verließ das Zimmer wieder. Geräuschlos schloß sie die Tür hinter sich und Sam half Frodo, sich ein wenig aufzusetzen. Schließlich lehnte Sam an der Wand, den zitternden Frodo an seine Brust gedrückt und er meinte, Dankbarkeit in Frodos Augen zu sehen, als er ein wenig von dem Tee getrunken hatte.
„Sam, mir ist noch immer so kalt...“ wisperte er kurz darauf und Sam seufzte. Er versuchte doch schon alles, um Frodo zu wärmen, aber er spürte selbst, daß er noch genauso kalt war wie vorher auch. Allerdings hatte er aufgehört zu zittern.
Es machte Sam sehr zu schaffen, daß er Frodos Schmerzen nicht lindern konnte und nachdem sie noch eine Zeitlang dort gesessen hatten, sagte er schließlich: „Gib mir nur einen kurzen Augenblick und ich werde dir Heilkräuter aus der Küche holen! Vielleicht helfen sie dir!“
Frodo hob langsam den Kopf und sah Sam zweifelnd an.
„Nicht einmal das Königskraut, das Aragorn mir vor zwei Jahren gegeben hat, hat geholfen... es ist sinnlos.“
„Aber du darfst nicht direkt aufgeben, Herr Frodo!“
Frodo lächelte, aber sein Blick war leer. Er hatte jeglichen Glauben an Hoffnung verloren.
„Bitte, Sam, bleib nur bei mir, das ist besser als jedes Kraut. Wenn du deine Hand auf meine Schulter legst, geht es mir gleich viel besser.“
Sam wußte, daß das nicht gelogen war, und so blieb er bei ihm sitzen.
Eine Weile später ging die Tür wieder auf und Rosie kam herein. Sie trug eine dicke Daunendecke auf der Schulter und in der Hand hielt sie Brot.
„Was ist denn eigentlich los?“ fragte sie diesmal. Sam deutete mit einem Blick auf Frodos Schulter und Rosie nickte verstehend. Sie wußte Bescheid darüber und sie mußte nicht lange überlegen, um sich auszurechnen, daß die Begegnung mit den Ringgeistern auf der Wetterspitze zwei Jahre her war.
Frodo blieb in Sams Armen liegen, als Rosie sich darum kümmerte, ihn unter möglichst viele Decken zu stecken. Als sie damit fertig war, reichte sie den beiden das Brot, belegt mit viel Käse, und sagte: „Wenn ihr beiden nichts eßt, wird es auch nicht besser!“ Mit einem freundlichen Lächeln reichte sie Frodo das Brot, aber er schüttelte schwach den Kopf.
„Ich kann nichts essen... ich fühle mich so elend...“
„Du mußt aber, Herr Frodo. Das wird dir helfen“, sagte Sam bestimmt.
Rosie ließ die beiden wieder allein, denn sie wußte genau, daß allein Sam die einzige Hilfe für Frodo war.
„Nein, Sam... ich kann nicht!“
„Keine Widerrede. Ich würde mich so freuen!“
Frodo sah sein schelmisches Grinsen nicht, als er ihm den Gefallen schließlich doch tat. Sam war erleichtert, daß wenigstens dieses Argument Wirkung gezeigt hatte. Während er mit halbwegs großem Appetit sein Brot verspeiste, schaffte Frodo es nur langsam und mit Mühe, das ganze Brot zu essen. Danach ging es ihm lange weder besser noch schlechter, aber es dauerte nicht lange und er spürte, wie ihm wärmer wurde. Sam in seinem Rücken verschaffte ihm große Erleichterung und die warmen Decken taten ihr übriges, um die Eiseskälte in seiner Schulter zu lindern.
Sams Hand war inzwischen ganz kalt und er merkte, wie Frodo sich noch immer unnachgiebig an seinen Elbenstein klammerte.
„Geht es dir langsam besser?“ fragte Sam schließlich. Frodo nickte langsam und Sam strahlte.
„Kann ich denn gar nichts für dich tun?“ wollte er wissen. Frodo erwiderte schwach: „Nein, es ist am besten, wenn du einfach nur da bist. So wie auf der ganzen Reise auch. Wo wäre ich ohne dich nur gelandet?“
Sam grinste und sagte: „Aber zurücklassen wolltest du mich!“
„Ich wollte dich nicht mit in diesen Schatten nehmen, ich meinte, es sei genug, wenn ich allein diese Fahrt ohne Wiederkehr bewältigen müsse. Ich wollte es nicht vor meinem Gewissen verantworten, daß du nie mehr nach Hause gekommen wärst zum alten Gaffer und zu Rosie. Du hattest doch eine Zukunft!“ sagte Frodo.
„Was redest du denn da, wir sind doch beide wohlbehalten wieder hier und ich fühlte mich so verraten, als du ohne mich gehen wolltest!“
„Genauso, wie ich dich nicht mitnehmen wollte, wolltest du nicht vernünftig sein, sondern bist einfach in den See gelaufen, wo du doch gar nicht schwimmen kannst!“
Sam sah ihn entrüstet an.
„Was denkst du denn von mir? Daß ich dich einfach so ziehen lasse? Ganz allein ins Verderben, ohne Hilfe? Du bedeutest mir doch viel zuviel!“
Gerührt von Sams Ehrlichkeit nahm Frodo seine Hand und schmiegte sich an ihn. Sam bei sich zu haben verschaffte ihm so immens viel Trost, daß er es gar nicht in Worte fassen konnte.
„Und siehst du, Sam, du bedeutest mir ebenfalls so viel, daß ich dich nicht ins Verderben ziehen wollte!“
Dazu fiel Sam nichts ein, aber er wurde rot vor Verlegenheit und spürte einen dicken Kloß in seinem Hals. Er schwieg.
Die Sonne schien durchs Fenster auf Frodos Gesicht und er schloß die Augen. Er fühlte sich auf einmal richtig wohl, trotz den Schmerzen und der Angst, die ihn plagte, denn es war wunderschön, mit Sam in Beutelsend zu sein, fernab von allem Übel.
„Weißt du noch, Sam, wie wir in Mordor unterwegs waren?“
Innerlich schüttelte Sam sich bei diesem Gedanken und nickte.
„Natürlich, wie könnte ich das vergessen! Es war furchtbar. Aber es war mir lieber, dort zu sein mit dir, als dich allein in Lebensgefahr zu wissen!“
„Und weißt du noch, wie ich so schrecklich gefroren habe? Du hast mich gewärmt, du hast dich neben mich gelegt und mich gewärmt. So wie jetzt. Deinen Mantel hast du mir gegeben und sehr oft einen großen Teil deiner Essensportionen. Das habe ich später irgendwann einmal gemerkt. Es tut mir jetzt noch leid, daß ich es dir nicht zurückgegeben habe, aber in diesem Moment konnte ich nicht.“
„Ich weiß, Herr Frodo. Ich weiß“, murmelte Sam. Auf einmal spürte er, wie Frodo sich mühsam erhob und sich ihm gegenüber setzte und ihn ansah. Er war noch immer kreideweiß im Gesicht und der Schweiß rann ihm über die Stirn, aber er lächelte und sagte: „Mein guter Sam, was wäre ich nur ohne dich!“
Und mit einem Mal beugte er sich vor und gab Sam einen Kuß auf die Stirn. Sam schämte sich ein wenig seiner Tränen, die ihm vor Rührung in die Augen stiegen, und er umarmte Frodo ganz lange.
Irgendwann jedoch sagte Frodo: „Sam, ich bin müde. Ich... ich bin so müde.“
Vorsichtig half Sam ihm, sich wieder hinzulegen, aber sobald er die Decke ein wenig hob, begann Frodo ganz erbärmlich zu zittern und so legte Sam sich kurzerhand mit ihm unter die Decke.
„Ist es jetzt besser, Herr Frodo? Ich hoffe, dir ist nicht mehr so kalt!“
Frodo drehte den Kopf zu Sam und lächelte mit dem typischen verschmitzten Ausdruck, den Sam von ihm kannte.
„Nein, Sam. Nicht mehr.“
Bald darauf war er eingeschlafen, aber Sam fand selbst kaum Ruhe. Er nahm seine Hand nicht von Frodos Schulter, auch wenn er wegen seiner umbequemen Lage kein Gefühl mehr in ihr hatte.
„Hab keine Angst, keine bösen Gestalten werden dich hier stören!“ flüsterte er.
Inständig flehte er in Gedanken, Frodos Schmerzen mögen doch wieder vorbeigehen, denn er ertrug es nicht, ihn so leiden zu sehen.
Irgendwann, es muß nach dem Mittag gewesen sein, war schließlich auch Sam eingenickt, dem es so sehr wohlig warm wurde unter all den Decken, daß er sich der Müdigkeit nicht mehr erwehren konnte.
So schlummerten sie beide ein wenig, aber der Frieden währte nicht allzu lang, denn plötzlich hörte Sam einen Schrei und fuhr hoch. Neben ihm lag Frodo noch immer im Bett, jedoch völlig verkrampft und schweißgebadet. Ihm stand die Angst ins Gesicht geschrieben und er sah Sam flehend an, als er bemerkt hatte, wo er war.
„Ein Alptraum, Herr Frodo, nichts weiter...“ versuchte Sam, ihn zu beruhigen, doch es zeigte keine Wirkung. Frodo versuchte, sich aufzurichten, und Sam half ihm. Dabei klammerte Frodo sich an ihm ganz fest und Sam nahm ihn beruhigend in die Arme.
Die Tür wurde geöffnet und Rosie sah nach den beiden. Als sie sah, daß nichts Schlimmes passiert war, zeigte sie sich beruhigt und seufzte. Sie ging zu den beiden und setzte sich neben ihnen aufs Bett. Sam blickte sie an und sagte: „Sieh mal im Schrank in der Küche nach der Schachtel mit den Heilkräutern, das könnte helfen!“
Rosie ging in die Küche und kehrte kurz darauf mit der kleinen Schachtel zurück. Sie hatte direkt kochendes Wasser in einer Tasse dabei und Sam lächelte sie dankbar an. Frodo ließ ihn langsam wieder los und lehnte sich stöhnend vor Schmerzen an die Wand, während Sam einige der getrockneten Blätter in den Händen zerrieb und ins Wasser gab. Es dauerte nicht lange und ein wohltuender Duft erfüllte den Raum. Rosie indes überlegte fieberhaft, wie sie Frodo sonst noch helfen könnte, aber es wollte ihr nichts einfallen.
Sam gab ihm seinen Kräutertee zu trinken. Frodo nahm einen Schluck und verzog das Gesicht.
„Schmeckt scheußlich, das muß ich sagen, aber es riecht wunderbar!“ murmelte er, trank aber alles sehr bald und eine kurze Zeit später, in der Rosie wieder gegangen war, sagte er dann: „Dieses Zeug hilft tatsächlich. Sam, du bist der Beste.“
Sam strahlte übers ganze Gesicht und nickte. „Bewährte Hausmittel. Wenn man keine Elbenmedizin zur Hand hat, können auch diese Kräuter Schmerzen bekämpfen!“
Die beiden saßen einander gegenüber auf dem Bett und Frodo hatte sich zwar eine Decke um die Schultern gelegt und die andere über die Beine, aber es ging ihm sichtlich besser. Zwar war da noch immer der kalte Schweiß, aber in sein Gesicht kehrte langsam die Farbe zurück und er lächelte.
Sehr zu Sams Überraschung sagte Frodo schließlich: „Ich habe Hunger. Was ist mit dir? Langsam müßtest du doch sogar schon kribbelig werden!“
Sam zuckte mit den Schultern. „Ach, weißt du, das ist mir im Moment egal. Aber ich kann dir etwas machen, wenn du möchtest!“
„Ich weiß etwas besseres. Du hilfst mir in die Küche und ich mache mir selbst etwas!“
Starr vor Staunen sah Sam ihn an, aber sprang im nächsten Moment vom Bett und reichte Frodo die Hand.
„Natürlich, komm! Hier, einen Moment...“ Geschäftig lief er zum Schreibtischstuhl und nahm Frodos Elbenmantel.
„Dann mußt du nicht frieren.“
Frodo mußte lachen und hängte sich den Mantel um. Gemeinsam bewältigten sie es, daß er aufstehen konnte und gestützt auf Sam kam Frodo auch recht gut voran. Rosie war völlig überrascht, als die beiden in der Küche auftauchten, aber sie rückte sofort die Bank vor den Kamin und Frodo setzte sich hin. Alle zusammen bereiteten sie sich schließlich etwas zu essen und aßen auch gemeinsam. Frodo sah schließlich viel besser aus und sagte, daß es ihm auch dementsprechend ginge. Sam war überglücklich, das zu hören, und schließlich schlug Frodo vor: „Sollen wir uns drüben vor den Kamin setzen mit einer Pfeife?“
Sam war begeistert und gemeinsam gingen sie ins Nebenzimmer, wo sie sich in die weichen Sessel setzten und sich eine Pfeife ansteckten.
„Sam, weißt du, was wir einmal machen müssen, wenn es mir wieder besser geht?“ fragte Frodo. Sam schüttelte den Kopf.
„Wir sollten vielleicht einmal zum Düsterwald und zum Langen See reisen, so wie Bilbo es damals getan hat! Was hältst du davon?“
Sams Augen wurden groß vor Staunen, aber er zögerte und sagte schließlich: „Weißt du, Herr Frodo, das würde ich gern tun, aber du mußt verstehen - ich kann doch Rosie hier nicht alleinlassen, wo sie doch ein Kind erwartet und alles...“
Frodo nickte. „Ich wußte, daß du dich so entscheiden würdest, und das ist gut so. Vielleicht werde ich das einmal allein machen.“
„Das würde mich sehr freuen. Aber werde erst wieder gesund!“
„Natürlich, mein lieber Sam. Mach dir keine Sorgen.“
Sie saßen bis zum Abendessen beisammen, doch danach gähnte Frodo plötzlich und sagte: „Ich glaube, ich werde wieder schlafengehen. Vielleicht sieht morgen schon alles ganz anders aus!“
Sam nickte und brachte ihn zurück in sein Zimmer, wo er ihm ins Bett half und ihn sorgsam bis an die Nasenspitze zudeckte.
„Wenn etwas ist, Herr Frodo, dann ruf nur nach mir. Ich lasse die Tür ein Stück offen, ich werde dann sofort kommen.“
Frodo nickte schläfrig und merkte gar nicht mehr, wie Sam das Zimmer verließ.
Rosie und Sam saßen noch lange zusammen und unterhielten sich, hauptsächlich voller Sorge um Frodo, doch irgendwann gingen auch sie zu Bett.
Sam jedoch fand lange keinen Schlaf und schließlich, während Rosie schon friedlich schlief, stand er auf und ging zu Frodo. Dieser lag, sehr zu seiner Überraschung, wach und lächelte, als er Sam kommen hörte. Er sah ihn an, als er das Zimmer betrat und sich neben ihn aufs Bett setzte.
„Du bist ja wach, Herr Frodo!“
„Ja, Sam, es geht mir schon viel besser. Aber du siehst sehr müde aus! Komm, leg dich doch zu mir, vielleicht findest du dann etwas Schlaf.“
„Ich wollte sehen, ob alles in Ordnung ist!“ bemerkte Sam leise und Frodo nickte.
„Das ist es, Sam, ich vermute, morgen wird wieder alles bestens sein. Mach dir keine Gedanken.“
Er rutschte ein wenig zur Seite und Sam legte sich dazu. Er war so erschöpft, daß er kaum den Gedanken zuende bringen konnte, daß er doch lieber wieder in sein eigenes Bett gehen sollte, denn er war im nächsten Moment schon eingeschlafen.
Frodo deckte ihn sanft zu und drehte sich wieder um. Bald fiel auch er wieder in tiefen Schlaf. Er war glücklich, zu wissen, daß er Sam hatte.