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Achtes Kapitel
"Nein - du darfst nicht sterben - "
Noch einmal sah er auf das verdrehte Fußgelenk und in seinem Innern wusste er, dass er ihm nicht helfen konnte. Immer wieder fragte er sich warum nur - das Schicksal war ihm auf seiner Reise nicht holt. Wieder sah er, wie er nach einem seiner Schwerter griff und es zum Gnadenstoß ansetzte. Wieder sah er den angsterfüllten und vor Schmerz geweiteten Blick seines Freundes und wieder sah er, wie er sein Schwert nieder fahren ließ und das Leben aus dem Körper des Pferdes floss. Er spürte wie eine einzelne Träne sich ihren Weg aus seinem Auge bahnte und zu Boden tropfte, doch dann spürte er eine Berührung jemand legte ihm eine Hand auf die Schulter. Er sah auf und blinzelte noch in der Bewegung eine weitere Träne weg, doch als er in das Gesicht sah, welches traurig auf den toten Pferdkörper blickte und nur den Kopf schüttelte erstarrte er und blickte den Fremden mit großen Augen an.
"Das - das - nein - das kann nicht sein - du - du - ", stammelte er und traute seinen Augen nicht was für Streiche spielten sie mit ihm?
Der Fremde wandte sich ihm zu und blickte ihn still an, blickte ihm direkt in seine Augen, in seine Seele.
Legolas wollte den Blick abwenden doch er wurde durch eine unbestimmte Macht festgehalten, war gezwungen dem Fremden in das fahle Gesicht zu sehen.
"Anardil - du - du - "
"Ja - ich bin tot!", unterbrach der ältere Mann ihn und versuchte ihm ein Lächeln zu schenken.
Legolas schaffte es sich von seinen Augen loszureißen, die nur noch wie dunkle Höhlen aus seinem Gesicht ragten. Seine Gestalt war gebückt und es schien als würden seine Schultern von einer unsichtbaren Macht nach unten gezogen werden. Dünne dunkle Äderchen hoben sich an seinem Körper von der blassen Haut ab und nur noch spärlich hingen die Haare von seinem zerrunzelten Kopf. Die feinen, sauberen und mit Liebe verzierten Borde an seinen schönen Kleidern passten so gar nicht zu seiner ansonsten so unheimlichen Gestalt es waren seine Totenkleider -
Legolas schüttelte instinktiv den Kopf. Früher war dies einmal ein schöner Mann gewesen - lebenslustig und mit einem Leuchten in den Augen welches jeden in seiner Umgebung ansteckte. Groß war er gewesen und dennoch von zierlicher Gestalt und ein dichter Haarschopf war von seinem Kopf gewallt, bis knapp zu den Schultern und einen kleinen Bart hatte er getragen. Seine Haut war zwar schon immer blass gewesen, doch diese Äderchen - sie waren erst gekommen als -
"Bist du überrascht?", fragte ihn Anardil.
Legolas sah wieder auf und in die leeren Höhlen in denen irgendwo seine klaren, strahlenden Augen versteckt sein mussten irgendwo mussten sie doch sein -
Der Mann kam auf ihn zu, beugte sich herunter und griff nach Legolas` Schwert welches er achtlos hatte fallen lassen. Er betrachtete es eingehend und ließ es durch seine Finger gleiten.
Er war nun ganz nahe und Legolas schloss die Augen achtete auf die Eindrücke um ihn herum und in seine Nase stieg der Geruch des Todes - er wollte nach ihm greifen, wollte sich um sein Herz legen, doch konnte er nicht weiter Legolas war unsterblich -
Legolas spürte, dass Anardil ihm ganz nahe war und er konnte seinen faulen, verwesten Atem auf seinem Gesicht spüren und ein Schauer lief ihm den Rücken hinab. Er zwang sich seine Augen zu öffnen.
Anardil hatte sich genau vor ihn gehockt und ihn unverwandt angesehen. Als der Elb nun die Augen öffnete, sah er in zwei dunkle Höhlen in denen man sich zu verlieren drohte. Legolas sah in diese schwarzen Abgründe und fand keinen Halt, er wollte sich verzweifelt an etwas krallen, doch er drohte nur noch weiter in diese schwarzen Schatten zu stürzen. Er nahm seinen ganzen Willen auf um nicht unterzugehen, sich nicht in ihnen zu verlieren. Mit einem Schrei sprang er auf- -
- -und saß kerzengerade in seinem Bett. Hektisch sah er sich um und erwartete in jeder Ecke Anardil wieder zu sehen und diese tiefen, unheimlichen Höhlen. Nach einiger Zeit beruhigte er sich wieder und erst jetzt wurde er sich gewahr, dass er sich nicht im Wald, nicht bei Alagos und Anardil sondern in einem hellen, schönen Gemach und in einem weichen Bett befand. Benommen wischte er sich einmal über die Augen und erschrak ein leichter Schweißfilm hatte sich über seine Haut gezogen und als er den Blick auf seine Hände richtete, sah er wie sie leicht zitterten. Er ballte sie zu Fäusten und wartete darauf, dass sie sich beruhigen würden.
Wieder sah er sich um wo war er und wie kam er hierher?
Sein eigenes Gemach im Düsterwald war es nicht, dafür war es zu hell und luftig und ein warmes Licht schien durch die sich aufbauschenden Vorhänge, die vor dem glaslosen Fenster hingen. Einige auf Tüchern abgebildete Bildnisse, mit filigranem Silber bestickt säumten die Wände und fein geschnitzte Truhen und ein Tisch standen in dem gemütlichen Raum.
Legolas schlug die Decke weg und schwang seine Beine über die Bettkante seine Stiefel und seine Tunika hingen fein säuberlich über einem Stuhl.
Er schloss die Augen und sammelte sich. Er war mit den beiden Bruchtalbrüdern geritten, nachdem der jüngere von einem versäuerten Pfeil getroffen worden war. Demnach befand er sich nicht im Düsterwald sondern in Bruchtal! Ja! In Bruchtal war er! Doch wie kam er hier in dieses Gemach? Wieder ließ er seine Gedanken zurück schweifen er fühlte sich auf eine seltsame Weise erschöpft und müde, er war doch sonst selten müde - ? Er hatte in einer schönen Halle gestanden und zu den Sternen aufgesehen - bis Herr Elrond und sein älterer Sohn zu ihm getreten waren. Und dann - Elrond hatte ihm eine Phiole gegeben die er getrunken hatte - danach wusste er nichts mehr -
Er stand auf, doch als er nach seiner Tunika griff erstarrte er sie hatte über seinem Köcher gelegen und Legolas konnte nun seinen Blick nicht von den beiden Kurzschwertern wenden, die aus ihm herausragten. Unendlich langsam hob er seine Hand und griff sich eines und zog es aus der Scheide. Benommen ließ er seine Tunika wieder fallen und umfasste das kostbare Stück mit beiden Händen dies hatte Anardil in Händen gehalten - Aber wie konnte das sein? Anardil war tot! Er war tot und weilte nicht mehr unter den Lebenden!
Legolas schloss die Augen und versuchte die finsteren Gedanken, die wieder versuchten ihn einzuholen aus seinen Gedanken zu vertreiben. Früher als- - ES gerade geschehen war hatte er oft diese Träume gehabt, war er immer wieder am Morgen schweißgebadet aufgewacht und hatte sich des Nachts in traurigen, verlorenen Träumen gewunden, doch dies war lange her - er dachte, er hätte es überwunden und die finsteren Träume, die ihn immer wieder heimgesucht hatten waren auch tatsächlich verschwunden bis heute! Wieso waren sie auf einmal wieder da? Das konnte doch nicht sein -
Er wurde in seinen Gedankengängen unterbrochen, als er ein leises Geräusch hörte und abrupt wand er seinen Kopf zur Türe, die sich vorsichtig öffnete.
Elladan war auf dem Weg zu seinem Bruder gewesen als er einen Schrei gehört hatte soviel Angst und Schrecken hatte darin gelegen und er war verdutzt gewesen, als er ihn aus Legolas` Gemach vernommen hatte.
Nun schaute er durch die Türe und sah den Düsterwaldelben neben seinem Bette stehen, die Tunika auf dem Boden liegend und eines seiner Schwerter in seiner Hand haltend. Der silberhaarige Elb sah ihn mit geweiteten Augen an und Elladan verstand die Geste falsch und blieb zunächst in der Türe stehen.
"Ich will dir nichts Böses!", sagte er vorsichtig und schritt in den Raum. "Bitte nimm das Schwert herunter - "
Er beobachtete den Elben und es schien eine Weile zu dauern, bis die Worte bei seinem Gegenüber angekommen waren.
Gedankenverloren ließ Legolas sein Schwert sinken und steckte es zurück in die Scheide an seinem Köcher.
Elladan atmete innerlich auf er hatte schon befürchtet, Legolas wäre nicht bei Sinnen.
Er sah wie der Sindar auf seinen Beinen schwankte und ging schnellen Schrittes auf ihn zu und stützte ihn.
"Du solltest dich wieder hinlegen Legolas - ", sagte er leise.
Legolas wand den Kopf zu ihm und sah ihn fragend an und Elladan schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.
"Eigentlich müsstest du noch fest in deinen Träumen schweben - Vaters Tränke sind stark dosiert und so leicht kann man sich ihnen nicht widersetzten - nicht einmal Elben schaffen das so einfach - "
Er musterte Legolas und wie als wenn seine Worte auslösten, dass die Müdigkeit über den Elben fiel nickte der Sindar ergeben und noch bevor er sich niederlegen konnte, fielen ihm die Augen zu.
Elladan seufzte und legte ihn wieder unter die Decke und bevor er den Raum wieder verließ betrachtete er ihn sich noch einmal blass schien er -
"Was hast du nur geträumt, dass du dich Adars Tränken widersetzen konntest - ?"
Er griff nach der Tunika und legte sie behutsam zurück über die Lehne des Stuhls, bevor er wieder leise die Türe hinter sich schloss.
~~*~~
Elladan saß im Garten Bruchtals an einen Baum gelehnt. Die Knie angewinkelt, in der einen Hand mit einem Grashalm spielend und mit der anderen ein Buch festhaltend. Der leichte Wind spielte mit den dunklen langen Haaren des älteren Zwillings und wehte eine vereinzelte Strähne auf seine Nase - Elladan versuchte den Reiz zu ignorieren, doch sehr bald schon schob er eilig die Strähne weg und versuchte ein Niesen zu unterdrücken was jedoch kläglich scheiterte -
"Ich dachte Elben leiden nicht an Krankheiten - "
"Da hast du auch völlig Recht mein kleiner Schlafwandler!", sagte Elladan ohne auch nur seinen Blick in die Richtung des jungen Menschen zu wenden.
"Schlafwandler?"
Elladan unterdrückte einen weiteren Niesreiz und sah nun doch zu dem Menschen der sich neben ihn setzte.
"Als ich gestern nach Elrohir sah schliefst du seelenruhig an seiner Seite und hätte ich dich nicht wieder in dein eigenes Bett getragen wärest du wohl mit einigen Rücken- und Nackenschmerzen aufgewacht - "
"Nun dann bin ich dir dankbar, dass du mich vor diesem Schicksal bewahrt hast!", entgegnete Estel und konnte es nicht verhindern, dass sich seine Wangen leicht färbten.
"Was liest du da?", fragte er schnell um vom Thema abzulenken.
Elladan sah wieder auf das Buch, klappte es zu und sah gedankenverloren auf den dunklen Einband.
"Nichts Besonderes - eine schöne Erzählung - nichts weiter - "
Estel nickte und beschloss nicht weiter nachzuhaken der Zwilling klang ein wenig bedrückt und der Mensch konnte sich denken, an wen er dachte wenn er dieses Buch was immer es auch war las -
"Warst du noch einmal bei Elrohir? Heute morgen, als ich von Legolas ka- - "
"Du warst bei dem fremden Elben?", platzte es aus Estel heraus, doch dann sah er den irritierten Blick Elladans. "Verzeih! Ich wollte dich nicht unterbrechen - ", entschuldigte er sich und erntete ein amüsiertes Lächeln seines Bruders.
"Ja, ich war bei Legolas, aber er hat eigentlich noch geschlafen - und dann war ich bei Elrohir - aber er hat zu diesem Zeitpunkt auch noch in fernen Träumen gelegen - "
Estel nickte. "Ich war gerade nach ihm sehen, doch war er immer noch am schlafen, aber sag - was meintest du mit ,eigentlich` - in Bezug auf den anderen Elben - ?
"Der ,andere Elb` heißt Legolas und kommt aus dem Düsterwald!", sagte Elladan ernst und musterte den jungen Menschen vor sich. "Mit ,eigentlich` meinte ich, dass er noch hätte schlafen sollen, als ich nach ihm gesehen habe- - "
"Hat er das denn nicht?", unterbrach ihn Estel abermals, was Elladan die Augen verdrehen ließ und er etwas für den Menschen unverständliches vor sich hin murmelte.
"Du kannst ruhig sagen, was du denkst!", sagte Estel als er die Worte, die den Mund des Elben verließen nicht verstand.
"Das willst du nicht wissen - !", entgegnete Elladan und traf damit genau den Punkt, den er zu treffen vorgehabt hatte die Neugierde der Menschen -
"Doch - will ich - !"
"Ich habe über deine Rastlosigkeit und deine Unverschämtheit Ältere nicht aussprechen zu lassen gemurmelt - !", sagte er und sah den Menschen überlegen grinsend an.
"Jaja - DAS hättest du nun auch nicht sagen müssen - !"
"Du wolltest es doch wi- - "
"Ilúvatar ja! Und jetzt ist es gut!", unterbrach Estel ihn schon wieder und überging den mahnenden Blick Elladans, ob der erneuten Unterbrechung.
,Er muss noch viel lernen - `, war das einzige, was der Elb dachte und er holte einmal Luft um wieder anzusetzen.
"Wie bereits versucht zu sagen - durch den Trank den Adar Legolas gegeben hat - ", wieder machte er eine Pause als er sah, wie der Mensch abermals zum Reden ansetzte, es dann aber tunlichst unterließ und ihn wieder aufmerksam ansah.
,Aber er ist lernfähig - ein gutes Zeichen für einen Menschen - `
" - müsste er noch bis zum frühen Abend dieses Tages schlafen. Allerdings hat er es geschafft sich dem Elixier zu widersetzen und aus seinen Träumen aufzuschrecken!"
Estel hob eine Augenbraue. "Das ist wahrlich eine Leistung - !"
Elladan nickte. "Ich denke, dass finstere Träume ihn aus den Tiefen der Erholung geholt haben er sah verschreckt und meiner Meinung nach auch ein wenig ängstlich aus - aber sicher bin ich mir nicht - "
"Und jetzt? Was macht er jetzt?"
"Er schläft wieder - wahrscheinlich hat ihn nur der Traum soweit aufgeschreckt, dass er sich für kurze Zeit gegen die Wirkung Adars Tränke widersetzen konnte er ist direkt wieder eingeschlafen - "
"Aha - Elladan?! Wie ist es gekommen, dass ihr auf ihn gestoßen seid? Wer ist er und was macht er hier?"
Elladan gebot ihm mit einer Bewegung seiner Hand Einhalt und lächelte ihn verschmitzt an.
"DAS mein lieber Estel kannst du ihn selbst fragen, sofern du es noch nicht weißt - wenn er wieder aufgewacht ist natürlich - ", entgegnete der Zwilling und erhob sich, strich einmal über den Umschlag des Buches und ging langsam auf die Hallen seines Vaters zu.
Estel saß im weichen Gras und verdrehte verärgert die Augen über das Benehmen Elladans.
,Elben - `, setzte er in Gedanken an, doch ihm fiel schon gar nichts mehr ein, was er über die stolzen Wesen fluchen konnte -
Seufzend stand er auf und folgte seinem Bruder schnellen Schrittes und ging neben ihm in Richtung der Hallen.
~~*~~
Sanfte Sonnenstrahlen fielen in das helle Gemach und suchten sich ihren Weg vorbei an den schön anmutenden Truhen durch die schimmernden Vorhänge und die blühenden Blumen, die hie und da das Gemach zierten, bis hin zu dem Bett in dem der hellhaarige Elb ruhte.
Legolas spürte den wärmenden Schein und drehte den Kopf zur Seite, doch auch dort verließen ihn die Strahlen nicht. Eine Zeit lang genoss er es, sich sein Gesicht wärmen zu lassen doch nach einer Weile spürte er die Strahlen durch die geschlossenen Lider und er öffnete die Augen. Er blinzelte einige Male und brauchte einige Momente um sich wieder in dem Gemach im Hause Elronds einzufinden. Langsam drehte er wieder den Kopf und sah erstaunt zum Fenster es schien bereits Abend zu sein, die Sonnenstrahlen waren nur noch schwach und schienen tief hinein -
Verwundert, wie lange er doch geschlafen hatte setzte er sich auf er fühlte sich ausgeruht und erfrischt. Doch was sollte er jetzt tun? Er war in Bruchtal einem Ort an den er eigentlich gar nicht zu gelangen versucht hatte. Er schwang die Beine über die Bettkante und griff wie gewohnt, wenn er sich im Düsterwald ankleidete nach seiner Tunika, bis er wieder die beiden Schwerter sah -
"Der Traum - " die Worte verließen tonlos seinen Mund.
Achtlos ließ er die Tunika fallen und ging hinüber zu dem kleinen Balkon, der an sein Gemach grenzte. Er schritt hinaus und in den zunehmend schwächer werdenden Schein der Sonne die Luft war hier so anders. Feucht und doch von einem wohltuenden Duft durchzogen -
Gedankenversunken ließ er sich auf die Brüstung des Balkons nieder und lehnte seinen Kopf an die kühle Fassade der Mauern.
Wieder hatte er das Gesicht Anardils vor Augen, wieder die tiefen dunklen Höhlen die ihm einen Schauer bereiteten - Warum hatte er von ihm geträumt? Diese Frage geisterte immer wieder durch seinen Kopf - warum? Er hatte es überwunden, sich damit abgefunden, ja das hatte er! Dieser Traum war einfach nur zu real gewesen die Eindrücke und Gerüche und - Anardil - Der einst so lebenslustige, schöne junge Mann nun eine seelenlose Hülle - Ein Klos bildete sich in des Elben Kehle und er wandte seinen Blick ab um sich die Gedanken zu vertreiben.
Helles Lachen drang an seine feinen Ohren und er folgte dem Geräusch mit seinen Blicken, bis er den Verursacher fand. Er kniff die Augen zusammen um die beiden besser ausmachen zu können der Rechtere war einer der beiden Zwillinge, Elladan vermutend und - ein Menschen. Es war derjenige den er bereits kurz gesehen hatte als er mit den Zwillingen eingetroffen war. Legolas war verwundert über den Menschen. Lebte er in Bruchtal? Er schien gut mit Elladan und Elrohir befreundet zu sein - wie gut kannte er sie? Was machte ein Mensch in der Elbensiedlung - ?
Wieder sah er zu den beiden. Elladan schien zu scherzen und Anardil ein wenig erzürnt über die Wo- - Legolas stutzte. Dort neben dem Elbenzwilling ging Anardil! Er musste es sein! So wie er einmal war jung, fröhlich ein hübscher junger Mann! Legolas kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich, ordnete seine Gedanken und als er wieder zu den beiden Gestalten sah, war Anardil verschwunden - der junge Mensch aus Bruchtal schritt neben Elladan -
Legolas sprang auf und ging eilig zurück in sein Gemach - warum?
Als er gerade wieder zu seinem Bett gehen wollte, öffnete sich die Türe und Herr Elrond trat ein ein leichtes Nicken zur Begrüßung zeigend und freundlich lächelnd.
Der Blick des Elbenherrn wanderte zu dem Prinzen und er stellte verwundert fest, dass er ein wenig mitgenommen aussah auch wenn er es verstand seine Gefühle in seinem Innern zu verbergen -
Elrond sah zu der Tunika, die achtlos auf dem Boden neben dem Bett lag und wieder zu Legolas der ihn still anblickte und nicht wusste was er sagen sollte.
Elrond erbarmte sich schließlich und ging auf den Prinzen zu.
"Ich sehe Ihr habt Euch ausgeruht - das ist schön. Wie fühlt Ihr Euch?", fragte er leise und sah den silberhaarigen Elben aufmerksam an.
"Danke - mir geht es gut - ", sagte er nickend.
"Ich hoffe Ihr verzeiht, dass ich Euch diesen Trank verabreichte - !", sagte Elrond und ließ sich in einen der gemütlichen Sessel nieder. Mit seiner Hand gebot er Legolas sich ebenfalls zu setzen und der Elb folgte der Einladung -
"Es gibt nichts zu verzeihen - ihr werdet eure Gründe gehabt haben - "
Elrond nickt und musterte Legolas unauffällig, doch mit jeder Minute die er bei ihm saß, verschloss sich der Prinz mehr vor ihm -
"Ich möchte Euch noch einmal danken, dass Ihr meinem Sohn zur Hilfe gekommen seid!", begann er wieder ein Gespräch und erntete wieder nur ein Nicken des Elben, also fuhr er fort: "Erfüllt Ihr mir einen Wunsch?", fragte er geradewegs hinaus und erntete einen erstaunten Blick.
"Einen Wunsch - ? Was meint Ihr?", fragte Legolas und versuchte in der ausdrucklosen Mine des Elbenherrn zu lesen.
"Sagt: Würdet Ihr es tun?"
Legolas nickte zögerlich. "Mae - "
"Ich bitte Euch die Gastfreundschaft Bruchtals in Anspruch zu nehmen! Bleibt eine Weile - ", sagte er leise aber ein eindringlicher Unterton lag in seiner Stimme.
Legolas wusste nicht, wie er reagieren sollte Elrond, der Herr von Bruchtal wünschte sich seine Anwesenheit? Merkwürdige Zeiten waren angebrochen -
"Ich- - ", begann er, doch Elrond unterbrach ihn.
"Hört mich an, bevor Ihr mir Eure Entscheidung zukommen lasst!", sagte er und vernahm, wie sich der Prinz ein wenig anspannte, doch ignorierte er es und fuhr fort -
"Ich weiß von den Unstimmigkeiten die Euer Vater gegenüber den Noldor erhebt - - wartet! Lasst mich erst sprechen!", sagte er schnell als Legolas sich für seinen Vater verbürgen wollte.
" - wie gesagt, es ist mir nicht entgangen. Und es tut mir leid, denn ich sehe keinen Grund in diesem Verhalten, aber ich werde nicht weiter darüber sprechen! Ich möchte weder Euch noch mich in Verlegenheit bringen - ich will Euch einfach nur bitten ein paar Tage zu verweilen, die Eindrücke auf Euch wirken zu lassen und die Schönheit und Ruhe zu genießen! Allerdings, möchte ich Euch auch nicht hier festhalten, geschweige denn einsperren! Wenn es Euer Wunsch ist, Bruchtal zu verlassen und weiter zu ziehen, so sei Euch ein Pferd gegönnt - "
Elrond verstummte und musterte Legolas lange der Elb schien mit seinen Gefühlen zu ringen, der Einladung nachzukommen oder den weiteren Weg anzutreten. Es hielt ihn nichts hier - - doch! Er wollte wissen wie es Elrohir ging - und - auch wenn er behauptete keine Vorurteile gegenüber den Noldor zu empfinden er fühlte sich nicht wohl in ihrer Umgebung und das wollte er nicht! Er hatte keinen Grund für dieses Verhalten und vielleicht - wenn er eine Zeit lang bleiben würde - würde es sich ändern - ? Diese Gedanken kreisten durch seinen Kopf und schließlich traf er eine Entscheidung.
"Ich würde gerne noch etwas bleiben - um zu sehen wie Elrohirs Gesundung verläuft - ", sagte er zögernd und sah zu Elrond, welcher ihm freundlich zunickte und sich erhob.
"Es freut mich dies zu hören! Wandelt durch Bruchtal und lasst Euch die Zeit vertreiben. Elrohir wird es bald wieder besser gehen - !"
Der Elbenherr fragte nicht nach dem zu frühen Erwachen des Prinzen, auf das ihn Elladan angesprochen hatte Legolas würde ihm eh nichts sagen und so verließ er mit einem weiteren Lächeln den silberhaarigen Elben und ging aus dem Gemach.
Neuntes Kapitel
Siebenhunderteinundachtzig, Siebenhundertzweiundachtzig - Siebenhundert- - Siebenhundertvier - nein - Siebenhundert - `
Elrohir zog ärgerlich die Brauen zusammen. Er hatte nun schon das dritte Mal begonnen die kleinen, in blassen Farben schimmernden Steine zu zählen welche die Decke über ihm zierten, doch war er jedes Mal gescheitert und wurde von Mal zu Mal schlechter in seinen Versuchen.
Ergeben wollte er gerade wieder neu ansetzen, als sich die Tür zu seinem Gemach leise öffnete und seine beiden Brüder hineinlugten.
"Du bist wach?", fragte Elladan und setzte sich neben ihn auf die Bettkante und erntete ein Nicken seines Bruders.
"Wusstest du, dass sich die Hell- und Grautöne immer im Wechsel über die Zimmerdecke ziehen und dabei kleinen Wolkenstürmen gleichen?", fragte Elrohir unverwandt und entlockte Estel so einen besorgten Blick, der die Frage, ob der jüngere Zwilling Fieber hatte, nicht übersehen ließ.
"Wie kleine Wolkenstürme? Das ist der Beweis, dass wir nicht die gleiche Zimmerdecke teilen mein Bruder! Meine ziert helle Wasserstrudel - !", sagte Elladan grinsend.
Estel verdrehte die Augen, konnte aber nicht umhin ebenfalls an die Decke zu sehen und sie für vollkommen Ereignislos zu befinden.
"Fragt erst gar nicht, was sich bei mir abspielt!", sagte Estel und als er die gehobene Augenbraue Elrohirs sah, fügte er mit einem überlegenen Grinsen hinzu: "Ich würde ganz einfach nicht mehr gegen die Decke sehen, sondern den Blick abwenden oder mich anders beschäftigen!"
Der Zwilling verdrehte mit einem Seufzen die Augen.
"Du musst noch viel lernen!", sagte er und richtete sich auf.
"Was hast du vor?", fragte Elladan und nahm das Tun seines Brudes mit Besorgnis zur Kenntnis.
"Wonach sieht es denn aus? Ich werde mich dem Rat meines Bruders fügen und mich anders beschäftigen!"
"Oh nein, das wirst du nicht!", sagte Elladan. "Wie geht es überhaupt deiner Schulter?"
"Besser! Und ich werde nicht noch den ganzen restlichen Tag hier in meinem Bett verweilen! Davon wird es nicht besser!"
"Ich weiß!", sagte Elladan nickend. "Aber tu mir den Gefallen und warte bis Adar noch einmal nach dir gesehen hat!"
Elrohir wich dem Blick seines älteren Bruders aus, er würde jetzt nicht klein beigeben.
"Warte noch ein wenig, nur um sicher zu gehen!", bat ihn Elladan und nach einiger Zeit, stimmte Elrohir mit einem widerwilligen Nicken zu.
"So ist es fein kleiner Bruder!", sagte Elladan schmunzelnd. "Ich werde in der Zwischenzeit Estel das Schwert spüren lassen und ihn auf einen Kampf gegen dich vorbereiten, damit er nicht wieder mit einer Wunde davon kommt!"
"Kratzer! Es war ein Kratzer!...", mischte sich der junge Mensch ein, doch konnte man in seinen Augen bereits die Vorfreude auf eine Übungsstunde mit seinem Bruder sehen.
"Jetzt fühle ich mich besser Elladan!", entgegnete Elrohir seinem Bruder sarkastisch.
"Wusste ich es doch!", lachte der ältere und stand auf um mit Estel das Gemach wieder zu verlassen.
"Ich komme danach wieder! Kannst du mir dann sagen, in welche Richtung die Wolken ziehen?"
"Natürlich! Und nicht nur das! Die Geschwindigkeit, die verschiedenen Muster und ob es Regen gibt!", sagte Elrohir ernst und sah gespielt interessiert wieder zur Decke.
"Regen?", fragte Elladan und sah skeptisch empor und dann wieder auf Elrohir. "Ich wünsche es dir ja nicht - "
Elrohir vertrieb sich die Zeit seit seine beiden Brüder gegangen waren, indem er leise einige Lieder vor sich hinsummte die seine Mutter ihm einst gelehrt hatte, doch als er die Sonnenstrahlen spürte, die mittlerweile ihren Weg zu seinem Bett gefunden hatten, spürte er den erneuten Drang sich zu erheben und sein Zimmer zu verlassen.
"Ich werde doch auch nicht gesund, wenn ich die ganze Zeit vor mich hinstarre..", murmelte er leise vor sich hin, richtete sich auf und schwang die Beine über die Bettkante.
"Und außerdem - will ich nicht doch noch im Regen liegen - ", sagte er leicht schmunzelnd und stand auf. Seine Beine kamen ihm ein wenig weich vor, doch schon nach wenigen Schritten gewöhnten sie sich an sein Gewicht und trugen ihn flugs zu einem Schrank aus dem er sich eine wärmende, aus fließendem Stoff gewebte, Tunika nahm und sie behutsam überstreifte ein zischendes Ausatmen bei der Berührung an seiner verletzen Schulter aber nicht unterdrücken könnend. Er sammelte sich wieder, ging zur Tür und öffnete sie leise bevor er sich auf den Flur stahl.
"Verzeih...! Aber solltest du nicht in deinem Bett verweilen?"
Elrohir drehte sich blitzschnell zu der Stimme um und verfluchte sich sofort für diese schnelle Bewegung die ihn seine Schulter wieder hatte spüren lassen. Er kniff kurz die Augen zusammen, doch dann war der gekommene neu entfachte Schmerz auch schon wieder abgeklungen und er sah zu seinem Gegenüber, welcher nun auf ihn zugekommen war.
"Ja Legolas. Ich sollte, aber ich werde es nicht tun! So werde ich nie wieder gesund, wenn ich die ganze Zeit auf meinem Rücken liege, außerdem will ich nicht von einem Regenschauer überrascht werden!"
Legolas hob die Braue und wollte ihn gerade, ob des verworrenen Geredes zurück ins Bett schicken, doch er sah noch rechtzeitig das Schmunzeln in Elrohirs Gesicht.
"Hast du Lust mich zu begleiten?", fragte Elrohir um ein wenig vom Thema abzulenken und er sah deutlich, dass Legolas mit sich haderte.
"Oder willst du etwa die ganze Zeit in deinem Gemach verweilen, während draußen die Sonne die Blumen bezirzt?"
Legolas riss sich zusammen, er konnte nicht die ganze Zeit argwöhnisch sein, obwohl er vorgehabt hatte, wieder weiter zureiten, sollte es Elrohir wieder besser gehen und es ging ihm besser! Aber hatte er sich nicht kürzlich noch eingestanden, dass er den Vorurteilen entsagen und sich sein eigenes Bild von den Noldor machen wollte?
"Ich komme mit!", sagte er dann leise. "Ich kann es schließlich nicht verantworten, wenn du alleine durch die Gärten wandelst - "
"Stimmt!", entgegnete Elrohir. "Geteiltes Leid, ist halbes Leid!"
Legolas hob eine Braue, doch Elrohir hakte sich schon bei ihm ein um sich ein kleinwenig zu stützen und zog ihn mit sich.
"Na wenn Adar das mitbekommt, wird er nicht sehr erfreut sein! Aber ich bin ja nicht alleine - !"
Er lachte in seiner klaren, hellen Stimme als er Legolas erschrockenen Gesichtsausdruck sah und zog ihn unbarmherzig mit sich in die hellen Sonnenstrahlen, die den Garten Bruchtals durchfluteten.
~~*~~
Ausfallschritt, zur Seite, Satz nach Hinten, Drehung, Schwert ansetzten und -
"Gut Estel!", kam es von Elladan, der die Schwertspitze des Menschen auf seiner Brust ruhen spürte.
Der junge Mensch ließ siegessicher grinsend sein Schwert sinken und ging einige Schritte zurück.
"Was ihr Menschen auch noch lernen müsst, ist, aufhören zu denken ihr währet des Sieges gewiss - ", sagte Elladan in seine Richtung und erntete nur einen verständnislosen Blick.
"Wenn es doch aber so ist! Ich habe dich heute schon beinahe zwei Mal geschlagen!"
"Beinahe! Die Betonung liegt auf,Beinahe, aber dem werde ich jetzt Einhalt gebieten und mich nicht länger zurück nehmen, sondern so kämpfen, dass du die Zwei nicht erreichen wirst!"
Elladan schmunzelte. Seine Worte hatten genau das bewirkt, was er beabsichtigt hatte wie er jetzt traurig feststellte der Zorn klomm wieder in dem Menschen auf.
Er seufzte und wehrte den ersten Angriff ab den der Mensch auf ihn niederfahren ließ. In der Zeit wo sie weg gewesen waren, muss Glorfindel in hart ran genommen haben er hatte sich freilich verbessert, nur seine Gefühle konnte er immer noch nicht ganz verbergen.
Elladan parierte, wich aus, griff selbst an und vollführte den entscheidenden Schlag, der den Menschen straucheln ließ, doch zu des Elben Überraschung fing sich Estel und griff in einer schnellen Bewegung von Neuem an. Elladan musste einen gewagten Satz nach Hinten machen um der Schwertklinge zu entgehen und sah noch den siegessicheren Glanz in Estels Augen. Flugs sprang er wieder nach vorne, führte einige kräftige, schnelle Schläge aus, bis seine Schwertkante an des Menschen Hals zum ruhen kam.
"Welch Sieg!", höhnte er amüsiert und ließ sie langsam wieder sinken.
"Ich war abgelenkt!", verteidigte sich Estel.
"Und das auch noch von einem Elben, der das Bett hüten, anstatt sich draußen herum treiben sollte!", entgegnete Elladan und Estel fragte sich nicht, warum Elladan seinen heran nahenden Bruder schon gehört hatte.
"Nein!", war die schlichte Antwort des Menschen und Elladan hob die Braue. "Dass Elrohir nicht in seinem Gemach bleiben würde, konnte ich mir denken, ich war anders abgelenkt!"
Nun drehte sich auch Elladan um und sah, dass sein jüngerer Bruder durchaus nicht alleine war Legolas begleitete ihn und sah sich aufmerksam um. Der ältere Zwilling verschränkte die Arme vor der Brust und wartete, bis die beiden bei ihnen waren.
Legolas ging neben Elrohir durch die Gärten Bruchtals und sog jeden noch so kleinen Eindruck in sich auf es war alles so vollkommen anders hier als im Düsterwald. Elrohir hatte ihn bewusst ihn Ruhe gelassen und nicht in ein Gespräch verwickelt, er wollte, dass der Sindar so viel in sich aufnahm wie er konnte und hatte ihn nur einfach weiter geführt, in Richtung Elladans und Estels, bis sie die beiden Kämpfenden schließlich zwischen den Bäumen ausmachen konnten. Sie sahen gerade noch, wie Elladan Estel die Klinge an den Hals setzte und ihn besiegt hatte, bevor sie zwischen den Bäumen hervortraten.
Legolas ließ seinen Blick auf dem Menschen ruhen es war jener, den er schon von seinem Balkon aus gesehen hatte.
"Ich nehme nicht an, dass du Elrohir hierher geführt hast Legolas!?", begrüßte Elladan sie.
"Er ist unschuldig!", verteidigte Elrohir ihn und ging zu einem kleinen Ast und ließ sich genüsslich auf seiner rauen Rinde nieder. "Ich habe ihn verschleppt!"
Elladan nickte nur und sah dann wieder zu Legolas. "Wie geht es dir?"
Der Sindar richtete seinen Blick auf den älteren Zwilling. "Gut - gut! Ausgeschlafen - "
"Das kann ich mir vorstellen!", entgegnete Elladan. "Adars Tränke lassen einen genügend Kräfte sammeln!"
Der Zwilling musterte den Elben vor sich und dachte wieder an die Morgenstunden zurück, wo er ihn wieder ins Bett gelegt hatte, als er nach Elladans Vermutung von finsteren Träumen hoch geschreckt war. Als er das leise Geräusch eines Schwertes hinter sich vernahm wurde er sich wieder Estels gewahr und dass sich die Beiden noch gar nicht kannten.
"Legolas!", sagte er und sah zu Estel. "Dies ist Estel. Er lebt mit uns hier in Bruchtal. Estel, das ist Legolas, Prinz aus dem Waldlandreich!"
Der Mensch ließ seinen Blick nicht von dem Elben schweifen und musterte ihn unauffällig von oben bis unten, bis er schließlich seinen Blick zur Begrüßung senkte.
"Es freut mich Euch kennen zu lernen!", sagte er höflich und Elladan verbiss sich einen Kommentar über,gute Erziehung -
"Es freut mich ebenfalls!", gab Legolas zurück und Elrohir verdrehte, ob der Steifheit dieser Begrüßung die Augen, von seinem Ast aus sitzend.
"Gib ihm dein Schwert Elladan!", sagte er an seinen älteren Bruder gewandt.
Der ältere Zwilling sah zu Elrohir und ein kurzer Blickwechsel diente der Verständigung und er hielt Legolas einladend sein Schwert hin.
Der Sindar blickte etwas verwirrt von dem Schwert zu Elladan und dann zu Elrohir, auch Estel schien nicht ganz zu wissen was seine Brüder jetzt schon wieder vorhatten.
"Nur im Kampf lernt man seinen Gegner kennen!", sagte Elladan und hielt dem Prinzen das Schwert weiter hin unter die Nase.
Estel betrachtete sich das ganze etwas skeptisch er kannte Legolas doch gar nicht, zudem war er ein Prinz, der Sohn von Thranduil, mit dem - soweit er gehört hatte - nicht viel zu Spaßen war - was wenn er ihn verletzte?
Legolas hatte seinen Blick wieder auf den Mensch gerichtete gehabt und es war ihm ein Leichtes gewesen, aus seinem Minenspiel seine Gedanken zu erraten - beherzt griff er nach dem Schwert und wiegte es in seinen Händen er wollte nicht immer nur als Prinz angesehen werden und aus diesen Gründen schon gar nicht als unfähigen Kämpfer.
Elladan schmunzelte und gesellte sich zu Elrohir. "Lass aber noch etwas von ihm übrig!", sagte er zu Legolas gewandt und Estel warf ihm noch einen erzürnten Blick zu, bevor er sich Legolas entgegenstellte. Der Elb schien noch kurze Zweifel zu haben, ob er den Menschen wirklich angreifen sollte und auch Estel schien zu überlegen, doch dann nahm sich der Mensch ein,Herz und ging zum Angriff über. Legolas wehrte den ersten Schlag mühelos ab und wich auch den nächsten Hieben katzengleich aus. Er spielte mit dem Menschen, ließ ihn immer wieder angreifen und seine Kraft verbrauchen ohne auch nur einen selbst ausgeführten Angriff zu unternehmen.
Estel wurde wieder wütend. Wie kämpfte Legolas mit ihm? Oder warum griff er nicht selbst an? Die Antwort kam schneller als erhofft, als der Mensch spürte, wie ihm seine Kraft ausging und er war wütend über sich selbst, dass er nicht früher bemerkt hatte, wie der Elb mit ihm gespielt hatte. Mit einem schnellen Satz war er bei ihm und bedrängte ihn immer weiter, erhob sein Schwert und ließ es immer wieder niederschnellen, doch der Elb wehrte die Schläge weiter hin nur ab, die Veränderung in dem Menschen sehr wohl bemerkend. Er sah auch die Blicke, die der Mensch immer wieder in die Richtung seiner Brüder schickte, die aufmerksam zusahen und seufzte innerlich. Als er den nächsten Schwerthieb parierte, hielt er sein Schwert so, dass Estel es für eine Weile nicht schaffte Seines an Legolas` Schwert abgleiten zu lassen.
"Nicht denken! Nicht immer so viel denken!"
Estel sah ihn verwirrt an und Legolas bemerkte den Blick.
"Denken dass deine Brüder dich beobachten. Denken dass sie über dich reden. Denken dass du gegen einen Prinzen kämpfst, denn du nicht kennst. Denken dass du nicht verlieren willst!"
Estel sah ihn stumm an.,Nicht denken? War es nicht das, was seine Brüder ihm immer wieder beipflichteten? Zu denken - ?
"Lasse dich von deinem Geist leiten, aber nicht von deinen Gefühlen!", sagte Legolas ruhig, der zu wissen schien, was Estel dachte und schwang sein Schwert so, dass Estels wieder frei war. Nun drehte er den Spieß um und griff selbst an um dem Menschen begreiflich zu machen, was er meinte. Mit schnellen, geschickten Schlägen hieb er auf ihn ein und Estel hatte einige Mühe ihnen auszuweichen oder gar selbst einen Angriff auszuführen. Legolas drängte ihn immer weiter zurück und Estel sah, dass er so nicht lange mithalten würde. Er entsann sich der Worte die der Elbenprinz ihm gesagt hatte und versuchte sich darauf zu konzentrieren. Er verdrängte den Gedanken an seine Brüder, den Gedanken gegen wen er kämpfte und auch, den Gedanken an den Sieg und ging erneut zum Angriff über. Legolas, ein wenig überrascht über die schnelle Wandlung des Menschen hielt den Schlägen stand und wich einige wenige Schritte zurück.
,Er lernt schnell!, schoss es ihm durch den Kopf und parierte die Schläge. ,Wie Anardil -
Legolas war erschrocken, als er vor sich wieder das Gesicht des Menschen sah, den er so lange gekannt hatte. Anardil hatte auch schnell gelernt und seinen Rat immer angenommen. Seine Schläge waren nicht minder kraftvoll gewesen wie die Estels und auch er hatte lernen müssen seine Gefühle im Zaum zu halten. Legolas sah ihn wieder vor sich, sah wie er gegen ihn gekämpft und von ihm gelernt hatte und im nächsten Moment wurde er sich eines Schwerthiebes Estels gewahr und versuchte noch ihm Stand zu halten und sein Schwert zu halten mit dem Ergebnis, dass beide, Estel und Legolas, die Schwertklinge des Anderen an ihrem Hals verspürten. Legolas sah ihn an und dann zu den beiden Schwertspitzen, bevor sein Blick wieder auf den Menschen fiel.
"Nicht immer denken!", sagte dieser und Legolas hob die Brauen. Estel hatte wirklich schnell gelernt und zu seinem Unwohl gemerkt, dass er mit seinen Gedanken abgedriftet war.
Sie ließen die Schwerter sinken und Legolas nickte ihm leicht zu.
"Du hast gut gekämpft! Unentschieden - "
"Aber einfach war es nicht...!", gab der Mensch zu und nahm aus dem Augenwinkel war, wie seine beiden Brüder auf sie beide zu kamen. Er drehte sich zu ihnen um und sah sie aufmerksam an, auf den nächsten Kommentar wartend.
"Ihr habt gut gekämpft! Und Estel hat es einmal geschafft, nicht geschlagen zu werden...!", sagte Elrohir hochachtungsvoll.
"Hast du ihn gewinnen lassen Legolas?", fragte Elladan um den Menschen ein wenig zu ärgern, doch der Sindar schüttelte den Kopf.
"Nein! Er hat es selbst vermocht mich zu schlagen...", gab dieser zu, auf das Spiel der beiden Zwillinge nicht einsteigend.
Elrohir hob anerkennend eine Augenbraue.
"Ich bin natürlich sehr stolz auf dich Estel!", sagte er im ernsten Tonfall und legte einen Arm um des Menschen Schultern, was diesen nur seufzend die Augen verdrehen und erschüttert zu Legolas sehen lies.
"Ihr könnt froh sein, nicht hier aufzuwachsen!"
Der Tawarwaith hob eine Braue und sah vom einen zum andern Zwilling, die ihm nur ein viel sagendes Lächeln schenkten.
"Nun denn", meldete sich Elladan wieder. "Lasst uns wieder zurück gehen . Die Sonne senkt sich und Elrohir sollte das Bett hüten!"
"Es wird schon nicht weglaufen...", murrte der jüngere Zwilling.
"Du solltest dich aber dennoch ein wenig schonen...von mir aus auch in den Hallen des Feuers...", sagte Elladan wieder und man sah ihm die Besorgnis geradezu an.
Elrohir gab sich schließlich geschlagen und ging mit den dreien zurück zu den Hallen ihres Vaters.
Elladan spielte mit einem kleinen Vogel der zu ihm geflogen war und sich auf seinem Kopf nieder gelassen hatte. Jetzt aber hüpfte das kleine Tier aufgeregt von der einen auf die andere Schulter und machte einen Lärm, der die Elben teils ihres empfindlichen Gehörs wegen, zusammenzucken ließ.
Elrohir nahm Legolas amüsierten und gleichzeitig auch bewunderten Blick, den Vogel fixierend, war und musterte ihn von der Seite. Der Sindar schien dies zu spüren und antwortete noch bevor Elrohir seine Gedanken in Worte zu fassen vermochte.
"Der Düsterwald heißt nicht umsonst Düsterwald...", sagte er und sah zum dem jüngeren Zwilling. "Solch fröhliche Spiele sind bei uns selten zu sehen, es sei denn du bevorzugst eine Begegnung mit einer der Riesenspinnen...!"
"Riesenspinnen...gibt es sie denn noch zuhauf?", fragte jetzt Estel und sah Legolas aufmerksam an.
"Nun ja...es sind nicht wenige, aber meistens machen sie nur Jagd auf die Tiere-..."
"Meistens...?", hakte der Mensch weiter nach und unterbrach den Elben unbewusst. Elladan schüttelte leicht den Kopf - hatte er letztens nicht noch gesagt, der Mensch lerne schnell...?
"Manchmal kommt es vor, dass man einer begegnet...", erwiderte Legolas. "Als ich auf meiner Reise den Düsterwald verließ, durfte ich mit einer Bekanntschaft machen..."
Nun waren wieder aller Augen auf ihn gerichtet.
"Dafür siehst du aber noch ganz annehmlich aus...", bemerkte Elrohir, musterte ihn von der Seite und erntete von Legolas einen verwirrten aber belustigten Blick.
"Wie sind die Spinnen denn so?"
"Wirklich nett Estel!", sagte Elladan. "Du kannst sehr informative Unterhaltungen mit ihnen führen. Sie sind zwar keine guten Zuhörer und ein wenig ungeduldig und man weiß nie, in welches Auge man denn gerade sehen soll, wenn man vor ihr steht...mein Rat: Such dir immer das in der Mitte aus. Dann fühlt sie sich nicht so gekränkt und er-..."
"Jaha! Ich habe ja verstanden!", murrte Estel und hörte ein leises melodisches Lachen im Hintergrund.
"Ohne euch angreifen zu wollen!", sagte Legolas an die Zwillinge gewandt. "Aber ich finde es erstaunlich, dass er noch nicht wahnsinnig geworden ist...!"
"Wer? Estel? Warum auch...hat er dafür denn einen Grund?", fragte Elrohir mit dem unschuldigsten Blick den er zu geben im Stande war.
Elladan bejahte die Aussage seines Bruders mit einem Nicken, hob die Hand und ließ den Vogel vorsichtig hinein klettern. Mit der anderen fuhr er dem kleinen Tier über sein schimmerndes Gefieder und beobachtete belustigt, wie der kleine Vogel versuchte mit dem Schnabel den viel zu großen Daumen des Elben zu schlucken.
Sie kamen langsam immer näher zu den Hallen Elronds und Elladan ließ den Vogel schließlich wieder davon fliegen. Das muntere Tier flatterte ein paar Runden über den Köpfen der vier und flog dann mit lautem Tschilpen von dannen, ein paar anderen Elben um die Köpfe bevor es dann im Wald verschwand. Einer Elbe war er so dicht über den Kopf geflogen, dass diese sich reflexartig geduckt hatte und nun lachend dem Vogel hinterher sah. Ein andere Elb gebot ihr seine Hand um ihr wieder aufzuhelfen und sie nahm sie amüsiert an. Sie schienen eine rege Unterhaltung zu führen und der Elb schien sie fragen zu wollen ob sie ihn ein Stück durch, das von den schwacher werdenden Sonnenstrahlen durchflutete, Bruchtal begleiten wollte.
"Wag es ja nicht...!", murmelte Elladan und funkelte den Elben von seinem Standpunkt aus finster an.
Die anderen drei waren stehen geblieben und sahen ein wenig verwirrt zu dem älteren Zwilling, der gar nicht bemerkt hatte, dass er seine Gedanken laut ausgesprochen hatte.
"Wag es ja nicht, was?", fragte Estel und erhaschte noch schnell die Richtung in die Elladan gesehen, bevor er sich schnell wieder zu den anderen umgedreht hatte. Dort war doch nichts...ein paar Elben, doch dann kam es Estel und er sah breit schmunzelnd zu seinem Bruder.
"Bist du etwa eifersüchtig mein liebster Elladan?", fragte er verstellt unwissend.
"Eifersüchtig?", entgegnete Elladan noch unwissender.
Estel deutete in die Richtung in der sich die beiden Elben befanden und auch Elrohir und Legolas sahen nun dort hin, was Elladan weniger gefiel.
"Mir schien es fast so, als würdest du dem Elben seine Gesellschaft nicht gönnen...", hakte Estel noch weiter nach und hoffte nun endlich eine Möglichkeit zu bekommen seinen Bruder einmal bloßzustellen.
Elladan ärgerte sich schwarz, dass er seine Gedanken so unvorsichtig ausgesprochen hatte, Estel würde ihn nun immer wieder damit aufziehen. Von Elrohir ganz zu schweigen, doch dieser schien im Moment lieber dem Wortgefecht von Estel und ihm zu folgen, stand er doch ganz unschuldig neben Legolas der auch nur wieder mit einem amüsierten Lächeln die beiden beobachtete. Aber er würde Estel nicht gewinnen lassen und er wusste auch schon genau, wie er den Menschen wieder einmal zur Weißglut treiben konnte...
"Warum sollte ich?", fragte er und nahm sich zusammen um seine Wangen nicht leicht röten zu lassen.
"Elladan!", säuselte Estel. "Nun ja...es ist nicht schwer zu erkennen, dass du von ihr angetan bist...!"
"Wirklich?", sagte Elladan gespielt schockiert. "Bei Eru, merkt man das?"
"Ja!", ließ es Estel vernehmen.
"Ich muss ein verdammt guter Elb sein, wenn man merkt, dass ich jemanden begehre von dem ich mir noch nicht einmal sicher bin, wer es überhaupt ist...!"
Estel hob eine Augenbraue. "Du sprichst in Rätseln mein Lieber...!", sagte er leise.
"Warum?", fragte Elladan zurück.
"Wie warum? Weil ich dich nicht verstehe...!"
"Was wiederum nur zu deinem Schutze ist...!"
"Warum?"
"Was warum?"
"Warum zu meinem Schutze?"
"Das sage ich lieber nicht!", sagte Elladan leise und sah seinen Bruder bedeutungsvoll an.
"Warum nicht?"
"Darum!"
Estel verdrehte die Augen und warf seinem Bruder einen erzürnten Blick zu.
Elladan beugte sich zu ihm und sprach leise aber dennoch so, dass Elrohir und Legolas es ohne Mühen verstehen konnten, zu seinem Bruder.
"Ich will dich nicht bloßstellen!"
"Mich bloßstellen?", lachte Estel leise. "Ich glaube Elrohir hat noch nicht alle Geschichten über deine,Bekanntschaften gehört...!"
"Du hast vollkommen Recht! Ich sollte sie euch beiden bei Gelegenheit einmal erzählen...", entgegnete Elladan und sah mit zunehmender Belustigung wie Estel allmählich der Geduldsfaden riss.
"Aber ich will ja nicht unhöflich sein...", begann er wieder.
"Warum solltest du denn unhöflich sein Elladan?", fragte jetzt Elrohir, ein Gefühl habend, auf was sein Bruder hinaus wollte.
Elladan drehte sich geflissentlich zu Elrohir um und grinste ihn zwinkernd an.
"Weil ich ansonsten euch sagen würde, dass Estel in Wahrheit an dieser Elbe interessiert ist und nur von sich ablenken will, in dem er behauptet, dass ich sie in Augenschein genommen hätte!"
"Oh...dann wäre es natürlich wirklich unhöflich von dir, würdest du sagen, dass er selber an dieser Elbe interessierst ist und sie dir nur zum Schein unterjubeln wollte, weil du einmal beobachtet hast, wie er fluchte, als sich ein anderer Elb an sie angepirscht hatte!", entgegnete Elrohir seinem Bruder und beobachtet Estel, der die beiden nur mit geöffnetem Mund ansah und nach Worten suchte.
"Ihr....ihr seid...also...ihr seid...", stammelte er nach Worten ringend - er war ja auf alles gefasst gewesen, aber nicht auf so etwas, ihm einfach unter zujubeln...und dann auch noch vor den belustigten Augen von Legolas.
"Wolltest du etwas sagen mein lieber Estel?", fragte Elladan und konnte sich nur mit der ihm größten Anstrengung davon abhalten laut aufzulachen, als er in dem Gesicht des Menschen wie in einem Buch lesen konnte.
"Ihr...ihr...seid einfach die schrecklichsten Brüder, die man sich nur denken kann!", sagte er mürrisch, drehte sich auf dem Absatz um und eilte flugs in die Hallen seines Vaters.
Die drei sahen ihm nach und Elladan und Elrohir konnten sich ein leises Kichern nicht länger verkneifen. Legolas hingegen sah ein wenig irritiert zwischen den Zwillingen und dem davon eilenden Menschen hin und her.
"War das nicht ein wenig...gemein?", fragte er dann, obwohl er sich ein Schmunzeln selbst kaum hatte verkneifen können.
"Gemein? Oh nein!", sagte Elrohir, wieder um seine Beherrschung ringend. "Wir bereiten ihn lediglich auf sein späteres Leben vor! Er sollte uns dankbar sein!"
"Ich stimme Elrohir vollkommen zu! Es wird ihm später nicht erlaubt sein, sich derart aus dem Konzept bringen zu lassen, wir trainieren sozusagen mit ihm!"
"Warum?"
"Was warum?"
"Wieso?"
"Wie wieso?"
Legolas hielt inne und sah die beiden grinsend an.
"Versucht es bei mir erst gar nicht!", sagte er und sah von einen zum anderen, die sich jetzt unschuldige Blicke zu warfen.
"Was denn?", fragte Elrohir.
"Wieso wird es ihm später nicht erlaubt sein?", fragte Legolas weiter.
"Wieso?", fragte Elladan.
"Ja! Wieso...?", wiederholte Legolas.
"Was wäre Estel denn für eine Person?"
"Wie...?", fragte Legolas.
"Er könnte sich doch nicht selbst versorgen, wenn jeder auf seiner Nase herum tanzen würde...", antwortete Elladan und sah Legolas ernst an. Dieser schenkte den Worten des Zwillings nicht wirklich Glauben, doch wusste er, dass er nicht mehr erfahren würde, es sei denn er würde sich weiter auf dieses Spiel einlassen...
Elrohir warf einen Blick zu seinem Bruder und hoffte, dass Elladans Unachtsamkeit, bezüglich des Menschen Zukunft unbemerkt blieb...
Sie ritten nun schon seit Tagen durch diesen Wald, sich immer gen Süden haltend. Es war ein schöner Tag, auch wenn die Sonne gegen die Wolken zu kämpfen hatte um die Blumen am Boden ab und zu mit ihrer goldenen Wärme bezirzen zu können.
Legolas ritt neben dem Menschen und für den Moment redete keiner - beide sogen sie die vielen unterschiedlichen Eindrücke, der in Frühling getauchten und von Knospen nur so sprießenden Landschaft in sich auf. Ein kleiner bunter Schmetterling flog vor des Menschen Pferd und flatterte wild mit seinen Flügeln an seiner Nase herum. Das Pferd davon unbeeindruckt blähte einmal kraftvoll die Nüstern und schleuderte den kleinen Falter sich in Purzelbäumen überschlagend hinfort.
"Ein bisschen freundlicher hättest du schon sein können!", sagte der Mensch lachend und kraulte seinem Tier die Mähne. "Der arme Schmetterling...!"
"Wie der Herr so das Gescherr...", ließ Legolas verlauten, sah sich aber weiter hin im Wald um anstatt den Menschen auch nur eines Blickes zu würdigen. Dieser hob eine Braue und musterte den Elben skeptisch.
"Das Gleiche gilt wohl auch für dich...!", sagte er gespielt ernst. "Gilt es nicht als unhöflich mit seinem Gegenüber zu sprechen und ihn nicht anzusehen?"
"Ich bin ein Prinz! Da sind die Regeln anders!", entgegnete Legolas und hob gespielt brüskiert die Nase.
"Sehr wohl mein Herr! Euer Wunsch sei mir Befehl und solltet Ihr sonst noch ein ungesättigtes Begehren in Euch fühlen, teilt es mir mit, ich werde mich umgehend darum kümmern!", sagte Anardil gespielt untertänig und neigte sein Haupt, doch als er den Blick wieder hob, begegnete er dem teils ernsten, teils gespielt, wütenden Blick des Elben.
"Du weißt-..."
"Ja weiß ich!", unterbrach der Mensch ihn. "Doch hast du es selbst herausgefordert und nur deine gerechte Strafe erfahren. Das du diese Höflichkeitsfloskeln auch nicht magst...", witzelte der Mensch, doch der Elb gab darauf keine Antwort-...
...- sondern erwachte übergangslos aus seinem Traum und sah seufzend zu den sich leicht bewegenden, schimmernden Vorhängen. Geflissentlich saß er auf und genoss noch einen Moment die Stille des frühen Morgens. Kleine Wasserpartikelchen schwirrten durch die feuchte Luft - ein Zeichen, dass es in der Nacht geregnet und die Erde mit dem kostbaren Nass getränkt hatte. Er wollte hinaus gehen in die Frische und die morgendliche Kühle tief in seine Lungen saugen und den Tau des Grases an seinen Fingern spüren.
Schnell war die Tunika übergestreift und er aus der Tür entschwunden. Dünne Nebelschwaden zogen sich durch die Gänge, hineingelassen von den Glaslosen Fenstern und ihren seidenen Vorhängen. Das leise Brausen des Wasserfalles drang an sein Gehör und schnellen Schrittes gelangte er in die von Blumenvielfalt geschmückten Gärten Bruchtals und schlenderte, die Eindrücke auf sich niederprasseln lassend, über das weiche Gras welches sich leicht unter seinen sanften Schritten beugte, nur um sich anschließend wieder putzmunter aufzustellen und den ersten Sonnenstrahlen entgegenzublicken. Er ließ sich schließlich auf einem kleinen Felsen nieder in der Nähe eines kleineren Wasserfalls und genoss es das spritzende Wasser auf seinem Gesicht und seinen Händen zu spüren. Dieser Ort war so voller Frieden und Einklang und auch wenn Lothlórien das schönste aller Elbenreiche war, hatte dieses hier seinen ganz eigenen Reiz...
Er lehnte sich zurück und mit dem Rücken an einen weiteren starken Felsen, schloss die Augen und ließ die Natur auf seinen Geist einwirken.
~~*~~
Elladan und Elrohir saßen gemeinsam mit ihrem Vater in einem der schön eingerichteten Zimmer und für den Moment herrschte Schweigen. Die beiden Zwillinge hatten ihrem Vater so eben Bericht erstattet, was genau auf ihrer Reise vorgefallen war und der jüngere Zwilling hatte sich, bei dem erneuten Gedanken daran, unbewusst an die Schulter gegriffen, obwohl diese bereits gute Fortschritte gemacht hatte und fast vollständig verheilt war.
Ebenso hatten sie Elrond auch berichtet, wie sie auf Legolas getroffen waren, doch sie brauchten sich gar nicht über das Verhalten des Sindarelben zu äußern, Elrond konnte sich soweit in den Prinzen hineinversetzen, dass er sich denken konnte, warum der Prinz so mit sich und der Tatsache, dass er sich in Bruchtal befand, haderte.
"Aber er scheint sich hier nicht unwohl zu fühlen...", bemerkte Elladan nach einer Weile. "Ich denke, er ist froh über eine Abwechslung...!"
"Wovon?", fragte Elrond an seinen ältesten Sohn gewandt.
"Vom Prinzenleben!", gab dieser zurück und beäugte seinen Vater, welcher darauf hin langsam nickte.
"Wir dürfen uns kein Urteil erlauben, auch wenn wir Thranduil kennen. Er mag nicht in Einklang mit den Noldor leben, doch ein gerechter und liebender Vater ist auch er. Lasst einen fremden Elben euren Missmut anderen gegenüber nicht so deutlich spüren!", sagte der Elbenherrscher und sah seine Söhne streng und aufmerksam an, bis diese nickten und bejahten.
~~*~~
Estel schlüpfte gerade wieder in seine Hosen, als er aus dem Bach gestiegen kam der sich durch Bruchtal schlängelte. Er schüttelte einmal kräftig seinen Kopf um die Wassertropfen aus seinem Haar zu vertreiben, griff sein Hemd und machte sich wieder auf den Weg zurück zu den Hallen seines Ziehvaters. Ein Bad in der morgendlichen Frische des hereinbrechenden Tages tat immer wieder gut und die teilweise heißen Wasserquellen verwöhnten die Haut mit ihren kleinen Strudeln.
Ein Lied, leise summend, schlenderte er über den Pfad entlang der kleineren Wasserfälle wieder zurück und nestelte an den Verschlüssen seines Hemdes herum, bis er abrupt stehen blieb. Dort vorne auf den Felsen saß der Düsterwaldelb, doch zu des Menschen Erleichterung schien er die Augen geschlossen zu haben. Mit einer Schnelligkeit, die er wohl noch nie beim Anziehen eines Hemdes gezeigt hatte, knüpfte er auch noch die restlichen Verschlüsse zu und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, ein hoffnungsloser Versuch ein wenig Ordnung hinein zu bringen.
Er ging wieder den Pfad entlang und näherte sich Legolas, doch der Elb hatte die Augen immer noch geschlossen und schien den Menschen gar nicht zu bemerken. Estel sah an sich hinunter und auf seine Hosen, die bereits von Wasserflecken gesäumt waren - ja, vielleicht war es wirklich besser...
Legolas jedoch hörte ihn sehr wohl und öffnete seinen Augen einen Spalt breit - er hatte Recht behalten mit seiner Vermutung, es sei Estel gewesen. Der Mensch schien ein Bad gehalten zu haben, seine Kleidung schien durchnässt.
Estel nahm im Augenwinkel eine Bewegung war - weiter gehen und so tun, als hätte er es nicht bemerkt oder doch stehen bleiben...?
Er drehte sich zu dem Elben um und sah, dass Legolas ihn aufmerksam musterte und ein leichtes Lächeln seine Mundwinkel umspielte.
"Guten Morgen!", sagte dieser und Estel erwiderte den Gruß, ging zu ihm und ließ sich neben ihm nieder - immer noch ein wenig an seinem Hemd rumspielend.
"Ihr lasst Bruchtal auf Euch wirken?", fragte Estel und sah ebenfalls zu den Wasserfällen.
"Legolas!"
Der Mensch wandte den Kopf und sah ein wenig verwirrt zu dem Sindarelben, doch dieser kam ihm mit einer weiteren Antwort zu Hilfe.
"Nur Legolas! Bitte..."
"Oh...!", kam es von Estel. "Das wollte ich sowieso...!", grinste er.
"Ja, ich lasse die Eindrücke auf mich wirken, es ist wunderschön...", sagte Legolas wieder und Estel sah ihn für einen Moment noch verwirrter an.
"Du bist zu lange mit meinen Brüdern zusammen gewesen...", stellte er, ob der ein wenig unverständlichen Konversation, trocken fest.
"Hast du dich wieder erholt,?", fragte Legolas und sah den Menschen schmunzelnd an.
"Erholt? Von Elladan und Elrohir kann man sich in dieser Beziehung nicht erholen...", antwortete dieser sarkastisch, grinste den Elben bei seinen Worten aber an.
"Du hast ihnen doch hoffentlich nicht geglaubt?", fragte er dann aber doch ein wenig verunsichert, doch Legolas schüttelte nur den Kopf.
"Ich weiß von rein gar nichts!", sagte er.
"Pff...Elladan liebäugelt mit einer Elbe und schiebt es mir in die Schuhe. Und so etwas soll das Verhalten eines Elben sein..."
"Wer ist sie?", hakte Legolas nach.
"Die Elbe? Sie heißt Nelana aber viel mehr weiß ich auch nicht!", antwortete er leichthin, doch als er sich des leisen Lachen des Elben gewahr wurde hob er skeptisch eine Braue.
"Du scheinst sie ja doch näher zu kennen...", gab dieser in einem unschuldigen Tonfall von sich und Estel klappte der Kiefer nach unten.
"Du warst doch zu lange mit ihnen zusammen!", sagte der Mensch sich selbst bestätigend nickend. "Aber ich will mich, meiner Unschuld dennoch durchaus gewiss, verteidigen. Ich habe mich nur einmal mit ihr unterhalten, als die Elben wieder in einer der Nächte für die Sterne gesungen haben." Ein leichtes Schmunzeln stahl sich auf des Menschen Gesicht. "Ich habe bemerkt, wie Elladan mit ihr geredet hatte, ein wenig unbeholfen meiner Meinung nach, in dieser Beziehung muss er wahrlich noch lernen und bin einfach nachher zu ihr gegangen, als sie alleine war und Elladan außer hörweite und habe mich mit ihr ein wenig über ihn unterhalten-..."
"Du bist genauso schlimm wie deine Brüder!", unterbrach Legolas ihn leise lachend. "Jetzt kann ich sie verstehen!"
"Ein Geben und Nehmen...!", sinnierte Estel und fuhr weiter fort. "Ich habe allerdings nichts über ihn heraus gefunden, ihr Elben seid da sehr verschlossen wie mir auffiel. Ich weiß wie gesagt nur, dass sie Nelana heißt und erst vor kurzem hier eingetroffen ist. Jetzt wo ich darüber nachdenke - sie stammt meines Wissens nach ebenfalls aus dem Düsterwald...!"
"Das mag sein und dennoch kenne ich sie nicht! Der Düsterwald ist groß und sein Volk weit verbreitet. Ich kenne sie nicht alle, trotz meines Standes!", antwortete Legolas auf die unausgesprochene Frage hin, was Estel nur ein weiteres Nicken entlockte.
"Aber ich werde mich noch an ihnen&Mac173;rächen,!", gab Estel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
Legolas musste ob diesen Bildes wieder leise Lachen - dieser Mensch war so offen und aufgeschlossen, dass es nicht schwer fiel sich in seiner Nähe wohl zu fühlen und sich ein wenig zu öffnen - was eigentlich ungewöhnlich für den Prinzen war. Seine Augen folgten einem kleinen Schmetterling der vergnügt vor ihnen seine Kreise flatterte und sich schließlich auf Estels Arm platzierte, nur um im nächsten Moment wieder aufzufliegen und vor seinen Gesicht zu kreisen. Der Mensch lachte und pustete ihn von dannen als er nahe vor seinem Mund flog und mit seinen Fühlern seine Lippen berührte.
Legolas hielt inne und ihm war auf einmal flau im Magen. Nicht schon wieder - er hatte doch erst geträumt... Er sah zu dem lachenden Menschen, der den Schmetterling beobachtete, welcher gerade wieder damit beschäftigt war eine gerade Flugposition zu erlangen und erinnerte sich abermals. Estel glich dem Menschen aus Legolas, Erinnerung immer mehr, je länger er ihn nun schon kannte. Würde er auch auf die gleiche Weise...?
"Ich glaube ich sollte wieder den Rückweg einschlagen...", sagte er und erhob sich in einer fließenden Bewegung von den Felsen - er brauchte jetzt ein wenig Zeit zum nachdenken...
"Ich werde mich dir anschließen! Ich sollte meine Kleider wechseln...", stellte Estel fest, sprang auf und gemeinsam gingen sie wieder zurück zu den Hallen Elronds.
~~*~~
"Herein!", sagte Elrond, als es leise an der Türe klopfte. Sie wurde geöffnet und ein Elb betrat den Raum, die beiden Söhne und Elrond begrüßend.
Der Hereintretende schien ein Krieger zu sein, seine Kleidung verriet es und auch die Tatsache, dass er sein Schwert noch gegürtet hatte.
"Anaróre!", entfuhr es den Zwillingen wie aus einem Munde, als sie den Anführer der kleinen Elbengruppe, die sie aufgesucht hatten vor sich sahen. "Du bist früh wieder zurück gekehrt!", stelle Elladan fest und Elrond erhob wieder das Wort.
"Sprich Anaróre! Was gibt es...?"
"Mein Herr!", begann dieser und senkte den Blick. "Ich muss Euch leider mitteilen...es gibt einen Toten...!"
Die Zwillinge waren im Nu aus ihren Sesseln und auch Elrond hatte sich leicht aufgerichtet und sah Anaróre fragend an, auffordernd, weiter zu erzählen. Dieser sammelte sich und begann dann seine Ausführungen.
"Wir haben unseren Wachposten weiter an die Grenzen gelegt und wurden überraschend von Orks angegriffen. Irgendetwas geschieht mit ihnen, ich weiß es nicht... Wir konnten sie alle besiegen, doch bezahlten wir dies mit dem Leben eines Elben... Miluan ist dahin geschieden."
"Miluan...", Elrohir formte die Worte lautlos mit den Lippen. Er erinnerte sich an den Elben der um einiges jünger war, als er selbst.&Mac173;Sein Leben hatte doch noch gar nicht richtig begonnen...da erlischt es bereits wieder...,
Anaróre senkte den Kopf und auch die anderen sahen betreten drein - der Tod eines Elben war ein trauriger Anlass, war es diesen Geschöpfen doch nicht zugedacht zu sterben...
"Wo ist er jetzt...?", fragte Elrond und richtete sein Augenmerk wieder auf den Anführer der kleinen Wächterpatrouille.
"Er ist hier!", antwortete Anaróre. "Er wurde zu den Hallen des Heilens gebracht um seine Wunden zu säubern."
"Er wird morgen seinen letzten Weg antreten!", sagte Elrond und verlies den Raum um nach dem Gefallenen zu sehen.
~~*~~
Leise, traurig anmutende Lieder wurden gesungen. Eine Bare, getragen von vier Elben in fließenden grauen Gewändern, Miluan auf ihr ruhend, ging zu Anfang des Elbenzuges. Alle Elben Bruchtals waren zu seiner Bestattung gekommen, ihm die letzte Ehre erweisend. Die Zwillinge gingen mit gesenkten Köpfen hinter Elrond, welcher der Bare unmittelbar folgte, sowie Estel als auch Legolas. Kerzen säumten den Rand des Weges, bis hinauf zu den Hallen des Ruhens - einen anderen Namen sollten sie nicht bekommen - welche am Rande der Hallen Elronds lagen und in die Felsen eingearbeitet waren. Einige Elben sangen leise Klagelieder für den Gefallenen und führten kleine Lichter mit sich, die sie vor die Grabstätte legen würden. Sie erreichten die Hallen und die Träger der Bare hielten ein letztes Mal inne, bevor sie den Toten in seine Ruhestätte tragen würden.
Es war ein kleiner, mit saftigem Gras bezogener, Platz vor den Hallen des Ruhens, kleine bunte Blumen sprossen hervor und wäre es nicht solch ein Anlass gewesen, Legolas, hätte diesen Ort voll Staunen gesehen. Der Eingang bestand aus einem runden Torbogen und eingemeißelte Efeuranken schlangen sich um die Säulen und elbische Runen waren eingearbeitet. Eine große, mit mithrildurchzogene Tür trennte die Ruhenden von der Außenwelt und kleine funkelnde Steine schimmerten aus dem starken Holz. Legolas sah, dass in den Felsen um die Hallen elbische Runen eingeschnitzt waren, Gedanken und Erinnerungen an die Verstorbenen von hinterbliebenen Elben.
"Mögen die Valar deinen weiteren Weg behelligen...", erhob Elrond seine Stimme. "Und dich in Frieden in Mandos Hallen eintreten lassen...!"
Die Elben senkten ihre Köpfe während der Elbenherr sprach, nur Anaróre sah mit getrübtem Blick auf den jungen und nun toten Elben, wie er friedlich, gesäubert von allen Wunden, vor seinem neuen "Heim" aufgebart lag. Seine Gedanken schweiften wieder zurück...
Sie waren nun schon einige Tage unterwegs gewesen - mit dem Ziel ihren Wachposten weiter zur Grenze hin zu verlegen. Es wurde bereits Nacht und das herrschende Zwielicht verbarg sie gut zwischen den Bäumen - allerdings auch andere Gestalten...
Die Elben, mit ihrem scharfen Blick und Gehör machten die Angreifer früh aus, doch waren sie vier und die Angreifer mindestens zehn.
Entschlossen stellten sie sich den Orks, dessen Gegrunze sie bereits von weitem verraten hatte - wie dumm sie doch waren...
Wie versteinerte Marionetten standen sich die Gegner gegenüber - Anaróre wollte schon gerade in einem Anflug von Sarkasmus den Anführer der Bande zu einem Tässchen Tee bitten - doch dann entsann er sich eines besseren, gab seinen Gefährten ein Zeichen und stürmte, den Kampf eröffnend auf die schwarzen Kreaturen zu - keine dieser stinkenden Viecher sollte in den Wäldern Bruchtals sein Unwesen treiben! Blut floss und schon bald lagen die ersten Orks in ihrer eigenen Lache, ein letztes Grunzen von sich gebend, bevor das Leben aus ihnen gesogen wurde. Bereits die Hälfte der Orks war geschlagen und Anaróre wehrte einen weiteren ab, als er im Augenwinkel sah, wie Lastalaica mit einer der Kreaturen kämpfte, von hinten aber ebenfalls unbemerkt bedroht wurde. Verzweifel, wehrte er weiter die Angriffe, die gegen ihn selbst ausgeführt wurden ab und sah immer wieder zu dem Elben, welcher nun, durch die Unachtsamkeit des herannahenden Orks , ebenfalls auf diesen aufmerksam wurde.
Lastalaica drehte sich in einer geflissentlichen Bewegung um sich selbst und hielt seinem Angreifer wieder die Klinge entgegen - den anderen Ork nun besser einschätzen könnend. Er nahm war, dass dieser sich immer weiter näherte und er verfluchte die Orks, denn sein Vordermann ließ ihm keine Chance sich ein zweites Mal umzudrehen, so sehr nahm er ihn in seinen Kampf ein.
Anaróre nahm dies mit Erschrecken war. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis einer der Orks, müde des kämpfenden Elben, das Breitschwert erhob und-...weiter wollte er nicht denken.
Auch Miluan sah die Bedrängnis Lastalaicas und reagierte blitzschnell. Er stieß seinem Angreifer das Schwert in den Hals, so dass das schwarze Blut ihm ins Gesicht spritze und rannte zu seinem Freund und Gefährten. Schnell sprang er zwischen Elb und Ork, als letzterer sein Schwert erhob und es auf Lastalaica nieder fahren lassen wollte. Mit einer flinken Bewegung sprang er dazwischen, erhob sein Schwert, doch die Klinge des Orks war schon zu tief gesunken - sie glitt ab. Der Orks, für seine Verhältnisse zu schnell, besann sich eines anderen und stieß sein Schwert geradewegs nach vorne - in den Leib Miluans.
Lastalaica schaffte es endlich seinem Angreifer den Garaus zu machen und drehte sich um, nur um zu sehen, wie sein Freund nach Luft schnappend in die Knie und zu Boden sank.
"Nein!", stieß er aus und sein nun hasserfüllter Blick richtete sich auf den Ork, der für den Moment selbst ein wenig überrascht schien. Doch er konnte sich gar nicht mehr in seiner Haltung fangen, im nächsten Moment hatte er bereits Lastalaicas Schwert zwischen den Augen und fiel nach hinten hin um.
Schnell war der Elb bei seinem Gefährten und achtete gar nicht mehr die anderen beiden Elben, welche die letzten übrig gebliebenen Orks in die Flucht trieben - die Flucht in den Tod!
"Miluan...", flüsterte er, als er sich neben ihn gekniet und seinen Kopf in seinen Schoß gebettet hatte. "Warum...?"
Miluan öffnete schwach die Augen und sah zu Lastalaica - ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.
"Ich...habe Dir...das Leben...gerettet...", flüsterte er kaum hörbar und Lastalaica ergriff die kühle Hand des Elben. Er zog sie von der Wunde fort, die der Ork geschlagen hatte und schloss für einen Moment die Augen. Die Rippen des jungen Elben waren zu deutlich zu sehen und das Blut floss wie das Rauschen eines Wasserfalls aus seinem Körper und tränkte den Boden in einem Meer der Trauer.
"Ja das hast Du!", antwortete Lastalaica leise und schluckte den Klos hinunter, der sich in seinem Hals zu bilden drohte. "Komm...wir bringen Dich zu den Hallen Elronds und dort wirst Du wieder geheilt werden! Du-..."
"Nein...", flüsterte Miluan leise, von einem Husten unterbrochen, Blut rann aus seinem Mund und suchte sich einen Weg in die Tiefe.
"Ich werde...sterben...!", diese Worte kamen für Lastalaica kaum verständlich aus seinem Mund und zwei treue, dunkle Augen sahen ihn an.
"Nein!", sagte dieser und zwang die Tränen zurück - Miluan sollte dies jetzt nicht sehen, er sollte seine Trauer nicht spüren. "Du wirst nicht sterben! Du wirst nur nicht mehr in Mittelerde verweilen! Du wirst in die Hallen Mandos gehen - in Ehre, wirst Du sie betreten!"
Anaróre und Nerdanel hatten es geschafft auch noch den letzten Orks ihr stinkendes Leben zu nehmen und traten betreten an den, Miluan in den Armen haltenden, Lastalaica heran - den Blick gesenkt.
Miluan schloss die Augen. "Bis wir...uns...wieder sehen!", kam es von seinen Lippen, bevor sein Körper erschlaffte und sein Kopf nach hinten sank - seine Seele hatte den jungen Elben verlassen.
Anaróre sah wieder auf und der Bare hinterher, die nun behutsam in die Grabstätte getragen wurde. Die Elben knieten nieder und senkten die Häupter, dem Toten die letzte Ehre erweisend und Anaróre fiel mit leiser, melodischer Stimme, ebenfalls mit in die Klagelieder für seinen Freund und Gefährten ein - bis Elrond und seine Söhne wieder hinaus traten und die große mithrildurchsetzte Tür hinter sich schlossen.
Zehntes Kapitel
Sie ritten nun schon seit Tagen durch diesen Wald, sich immer gen Süden haltend. Es war ein schöner Tag, auch wenn die Sonne gegen die Wolken zu kämpfen hatte um die Blumen am Boden ab und zu mit ihrer goldenen Wärme bezirzen zu können.
Legolas ritt neben dem Menschen und für den Moment redete keiner - beide sogen sie die vielen unterschiedlichen Eindrücke, der in Frühling getauchten und von Knospen nur so sprießenden Landschaft in sich auf. Ein kleiner bunter Schmetterling flog vor des Menschen Pferd und flatterte wild mit seinen Flügeln an seiner Nase herum. Das Pferd davon unbeeindruckt blähte einmal kraftvoll die Nüstern und schleuderte den kleinen Falter sich in Purzelbäumen überschlagend hinfort.
"Ein bisschen freundlicher hättest du schon sein können!", sagte der Mensch lachend und kraulte seinem Tier die Mähne. "Der arme Schmetterling...!"
"Wie der Herr so das Gescherr...", ließ Legolas verlauten, sah sich aber weiter hin im Wald um anstatt den Menschen auch nur eines Blickes zu würdigen. Dieser hob eine Braue und musterte den Elben skeptisch.
"Das Gleiche gilt wohl auch für dich...!", sagte er gespielt ernst. "Gilt es nicht als unhöflich mit seinem Gegenüber zu sprechen und ihn nicht anzusehen?"
"Ich bin ein Prinz! Da sind die Regeln anders!", entgegnete Legolas und hob gespielt brüskiert die Nase.
"Sehr wohl mein Herr! Euer Wunsch sei mir Befehl und solltet Ihr sonst noch ein ungesättigtes Begehren in Euch fühlen, teilt es mir mit, ich werde mich umgehend darum kümmern!", sagte Anardil gespielt untertänig und neigte sein Haupt, doch als er den Blick wieder hob, begegnete er dem teils ernsten, teils gespielt, wütenden Blick des Elben.
"Du weißt-..."
"Ja weiß ich!", unterbrach der Mensch ihn. "Doch hast du es selbst herausgefordert und nur deine gerechte Strafe erfahren. Das du diese Höflichkeitsfloskeln auch nicht magst...", witzelte der Mensch, doch der Elb gab darauf keine Antwort-...
...- sondern erwachte übergangslos aus seinem Traum und sah seufzend zu den sich leicht bewegenden, schimmernden Vorhängen. Geflissentlich saß er auf und genoss noch einen Moment die Stille des frühen Morgens. Kleine Wasserpartikelchen schwirrten durch die feuchte Luft - ein Zeichen, dass es in der Nacht geregnet und die Erde mit dem kostbaren Nass getränkt hatte. Er wollte hinaus gehen in die Frische und die morgendliche Kühle tief in seine Lungen saugen und den Tau des Grases an seinen Fingern spüren.
Schnell war die Tunika übergestreift und er aus der Tür entschwunden. Dünne Nebelschwaden zogen sich durch die Gänge, hineingelassen von den Glaslosen Fenstern und ihren seidenen Vorhängen. Das leise Brausen des Wasserfalles drang an sein Gehör und schnellen Schrittes gelangte er in die von Blumenvielfalt geschmückten Gärten Bruchtals und schlenderte, die Eindrücke auf sich niederprasseln lassend, über das weiche Gras welches sich leicht unter seinen sanften Schritten beugte, nur um sich anschließend wieder putzmunter aufzustellen und den ersten Sonnenstrahlen entgegenzublicken. Er ließ sich schließlich auf einem kleinen Felsen nieder in der Nähe eines kleineren Wasserfalls und genoss es das spritzende Wasser auf seinem Gesicht und seinen Händen zu spüren. Dieser Ort war so voller Frieden und Einklang und auch wenn Lothlórien das schönste aller Elbenreiche war, hatte dieses hier seinen ganz eigenen Reiz...
Er lehnte sich zurück und mit dem Rücken an einen weiteren starken Felsen, schloss die Augen und ließ die Natur auf seinen Geist einwirken.
~~*~~
Elladan und Elrohir saßen gemeinsam mit ihrem Vater in einem der schön eingerichteten Zimmer und für den Moment herrschte Schweigen. Die beiden Zwillinge hatten ihrem Vater so eben Bericht erstattet, was genau auf ihrer Reise vorgefallen war und der jüngere Zwilling hatte sich, bei dem erneuten Gedanken daran, unbewusst an die Schulter gegriffen, obwohl diese bereits gute Fortschritte gemacht hatte und fast vollständig verheilt war.
Ebenso hatten sie Elrond auch berichtet, wie sie auf Legolas getroffen waren, doch sie brauchten sich gar nicht über das Verhalten des Sindarelben zu äußern, Elrond konnte sich soweit in den Prinzen hineinversetzen, dass er sich denken konnte, warum der Prinz so mit sich und der Tatsache, dass er sich in Bruchtal befand, haderte.
"Aber er scheint sich hier nicht unwohl zu fühlen...", bemerkte Elladan nach einer Weile. "Ich denke, er ist froh über eine Abwechslung...!"
"Wovon?", fragte Elrond an seinen ältesten Sohn gewandt.
"Vom Prinzenleben!", gab dieser zurück und beäugte seinen Vater, welcher darauf hin langsam nickte.
"Wir dürfen uns kein Urteil erlauben, auch wenn wir Thranduil kennen. Er mag nicht in Einklang mit den Noldor leben, doch ein gerechter und liebender Vater ist auch er. Lasst einen fremden Elben euren Missmut anderen gegenüber nicht so deutlich spüren!", sagte der Elbenherrscher und sah seine Söhne streng und aufmerksam an, bis diese nickten und bejahten.
~~*~~
Estel schlüpfte gerade wieder in seine Hosen, als er aus dem Bach gestiegen kam der sich durch Bruchtal schlängelte. Er schüttelte einmal kräftig seinen Kopf um die Wassertropfen aus seinem Haar zu vertreiben, griff sein Hemd und machte sich wieder auf den Weg zurück zu den Hallen seines Ziehvaters. Ein Bad in der morgendlichen Frische des hereinbrechenden Tages tat immer wieder gut und die teilweise heißen Wasserquellen verwöhnten die Haut mit ihren kleinen Strudeln.
Ein Lied, leise summend, schlenderte er über den Pfad entlang der kleineren Wasserfälle wieder zurück und nestelte an den Verschlüssen seines Hemdes herum, bis er abrupt stehen blieb. Dort vorne auf den Felsen saß der Düsterwaldelb, doch zu des Menschen Erleichterung schien er die Augen geschlossen zu haben. Mit einer Schnelligkeit, die er wohl noch nie beim Anziehen eines Hemdes gezeigt hatte, knüpfte er auch noch die restlichen Verschlüsse zu und fuhr sich mit den Fingern durch die Haare, ein hoffnungsloser Versuch ein wenig Ordnung hinein zu bringen.
Er ging wieder den Pfad entlang und näherte sich Legolas, doch der Elb hatte die Augen immer noch geschlossen und schien den Menschen gar nicht zu bemerken. Estel sah an sich hinunter und auf seine Hosen, die bereits von Wasserflecken gesäumt waren - ja, vielleicht war es wirklich besser...
Legolas jedoch hörte ihn sehr wohl und öffnete seinen Augen einen Spalt breit - er hatte Recht behalten mit seiner Vermutung, es sei Estel gewesen. Der Mensch schien ein Bad gehalten zu haben, seine Kleidung schien durchnässt.
Estel nahm im Augenwinkel eine Bewegung war - weiter gehen und so tun, als hätte er es nicht bemerkt oder doch stehen bleiben...?
Er drehte sich zu dem Elben um und sah, dass Legolas ihn aufmerksam musterte und ein leichtes Lächeln seine Mundwinkel umspielte.
"Guten Morgen!", sagte dieser und Estel erwiderte den Gruß, ging zu ihm und ließ sich neben ihm nieder - immer noch ein wenig an seinem Hemd rumspielend.
"Ihr lasst Bruchtal auf Euch wirken?", fragte Estel und sah ebenfalls zu den Wasserfällen.
"Legolas!"
Der Mensch wandte den Kopf und sah ein wenig verwirrt zu dem Sindarelben, doch dieser kam ihm mit einer weiteren Antwort zu Hilfe.
"Nur Legolas! Bitte..."
"Oh...!", kam es von Estel. "Das wollte ich sowieso...!", grinste er.
"Ja, ich lasse die Eindrücke auf mich wirken, es ist wunderschön...", sagte Legolas wieder und Estel sah ihn für einen Moment noch verwirrter an.
"Du bist zu lange mit meinen Brüdern zusammen gewesen...", stellte er, ob der ein wenig unverständlichen Konversation, trocken fest.
"Hast du dich wieder ,erholt'?", fragte Legolas und sah den Menschen schmunzelnd an.
"Erholt? Von Elladan und Elrohir kann man sich in dieser Beziehung nicht erholen...", antwortete dieser sarkastisch, grinste den Elben bei seinen Worten aber an.
"Du hast ihnen doch hoffentlich nicht geglaubt?", fragte er dann aber doch ein wenig verunsichert, doch Legolas schüttelte nur den Kopf.
"Ich weiß von rein gar nichts!", sagte er.
"Pff...Elladan liebäugelt mit einer Elbe und schiebt es mir in die Schuhe. Und so etwas soll das Verhalten eines Elben sein..."
"Wer ist sie?", hakte Legolas nach.
"Die Elbe? Sie heißt Nelana aber viel mehr weiß ich auch nicht!", antwortete er leichthin, doch als er sich des leisen Lachen des Elben gewahr wurde hob er skeptisch eine Braue.
"Du scheinst sie ja doch näher zu kennen...", gab dieser in einem unschuldigen Tonfall von sich und Estel klappte der Kiefer nach unten.
"Du warst doch zu lange mit ihnen zusammen!", sagte der Mensch sich selbst bestätigend nickend. "Aber ich will mich, meiner Unschuld dennoch durchaus gewiss, verteidigen. Ich habe mich nur einmal mit ihr unterhalten, als die Elben wieder in einer der Nächte für die Sterne gesungen haben." Ein leichtes Schmunzeln stahl sich auf des Menschen Gesicht. "Ich habe bemerkt, wie Elladan mit ihr geredet hatte, ein wenig unbeholfen meiner Meinung nach, in dieser Beziehung muss er wahrlich noch lernen und bin einfach nachher zu ihr gegangen, als sie alleine war und Elladan außer hörweite und habe mich mit ihr ein wenig über ihn unterhalten-..."
"Du bist genauso schlimm wie deine Brüder!", unterbrach Legolas ihn leise lachend. "Jetzt kann ich sie verstehen!"
"Ein Geben und Nehmen...!", sinnierte Estel und fuhr weiter fort. "Ich habe allerdings nichts über ihn heraus gefunden, ihr Elben seid da sehr verschlossen wie mir auffiel. Ich weiß wie gesagt nur, dass sie Nelana heißt und erst vor kurzem hier eingetroffen ist. Jetzt wo ich darüber nachdenke - sie stammt meines Wissens nach ebenfalls aus dem Düsterwald...!"
"Das mag sein und dennoch kenne ich sie nicht! Der Düsterwald ist groß und sein Volk weit verbreitet. Ich kenne sie nicht alle, trotz meines Standes!", antwortete Legolas auf die unausgesprochene Frage hin, was Estel nur ein weiteres Nicken entlockte.
"Aber ich werde mich noch an ihnen rächen'!", gab Estel zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
Legolas musste ob diesen Bildes wieder leise Lachen - dieser Mensch war so offen und aufgeschlossen, dass es nicht schwer fiel sich in seiner Nähe wohl zu fühlen und sich ein wenig zu öffnen - was eigentlich ungewöhnlich für den Prinzen war. Seine Augen folgten einem kleinen Schmetterling der vergnügt vor ihnen seine Kreise flatterte und sich schließlich auf Estels Arm platzierte, nur um im nächsten Moment wieder aufzufliegen und vor seinen Gesicht zu kreisen. Der Mensch lachte und pustete ihn von dannen als er nahe vor seinem Mund flog und mit seinen Fühlern seine Lippen berührte.
Legolas hielt inne und ihm war auf einmal flau im Magen. Nicht schon wieder - er hatte doch erst geträumt... Er sah zu dem lachenden Menschen, der den Schmetterling beobachtete, welcher gerade wieder damit beschäftigt war eine gerade Flugposition zu erlangen und erinnerte sich abermals. Estel glich dem Menschen aus Legolas' Erinnerung immer mehr, je länger er ihn nun schon kannte. Würde er auch auf die gleiche Weise...?
"Ich glaube ich sollte wieder den Rückweg einschlagen...", sagte er und erhob sich in einer fließenden Bewegung von den Felsen - er brauchte jetzt ein wenig Zeit zum nachdenken...
"Ich werde mich dir anschließen! Ich sollte meine Kleider wechseln...", stellte Estel fest, sprang auf und gemeinsam gingen sie wieder zurück zu den Hallen Elronds.
~~*~~
"Herein!", sagte Elrond, als es leise an der Türe klopfte. Sie wurde geöffnet und ein Elb betrat den Raum, die beiden Söhne und Elrond begrüßend.
Der Hereintretende schien ein Krieger zu sein, seine Kleidung verriet es und auch die Tatsache, dass er sein Schwert noch gegürtet hatte.
"Anaróre!", entfuhr es den Zwillingen wie aus einem Munde, als sie den Anführer der kleinen Elbengruppe, die sie aufgesucht hatten vor sich sahen. "Du bist früh wieder zurück gekehrt!", stelle Elladan fest und Elrond erhob wieder das Wort.
"Sprich Anaróre! Was gibt es...?"
"Mein Herr!", begann dieser und senkte den Blick. "Ich muss Euch leider mitteilen...es gibt einen Toten...!"
Die Zwillinge waren im Nu aus ihren Sesseln und auch Elrond hatte sich leicht aufgerichtet und sah Anaróre fragend an, auffordernd, weiter zu erzählen. Dieser sammelte sich und begann dann seine Ausführungen.
"Wir haben unseren Wachposten weiter an die Grenzen gelegt und wurden überraschend von Orks angegriffen. Irgendetwas geschieht mit ihnen, ich weiß es nicht... Wir konnten sie alle besiegen, doch bezahlten wir dies mit dem Leben eines Elben... Miluan ist dahin geschieden."
"Miluan...", Elrohir formte die Worte lautlos mit den Lippen. Er erinnerte sich an den Elben der um einiges jünger war, als er selbst. ,Sein Leben hatte doch noch gar nicht richtig begonnen...da erlischt es bereits wieder...'
Anaróre senkte den Kopf und auch die anderen sahen betreten drein - der Tod eines Elben war ein trauriger Anlass, war es diesen Geschöpfen doch nicht zugedacht zu sterben...
"Wo ist er jetzt...?", fragte Elrond und richtete sein Augenmerk wieder auf den Anführer der kleinen Wächterpatrouille.
"Er ist hier!", antwortete Anaróre. "Er wurde zu den Hallen des Heilens gebracht um seine Wunden zu säubern."
"Er wird morgen seinen letzten Weg antreten!", sagte Elrond und verlies den Raum um nach dem Gefallenen zu sehen.
~~*~~
Leise, traurig anmutende Lieder wurden gesungen. Eine Bahre, getragen von vier Elben in fließenden grauen Gewändern, Miluan auf ihr ruhend, ging zu Anfang des Elbenzuges. Alle Elben Bruchtals waren zu seiner Bestattung gekommen, ihm die letzte Ehre erweisend. Die Zwillinge gingen mit gesenkten Köpfen hinter Elrond, welcher der Bare unmittelbar folgte, sowie Estel als auch Legolas. Kerzen säumten den Rand des Weges, bis hinauf zu den Hallen des Ruhens - einen anderen Namen sollten sie nicht bekommen - welche am Rande der Hallen Elronds lagen und in die Felsen eingearbeitet waren. Einige Elben sangen leise Klagelieder für den Gefallenen und führten kleine Lichter mit sich, die sie vor die Grabstätte legen würden. Sie erreichten die Hallen und die Träger der Bare hielten ein letztes Mal inne, bevor sie den Toten in seine Ruhestätte tragen würden.
Es war ein kleiner, mit saftigem Gras bezogener, Platz vor den Hallen des Ruhens, kleine bunte Blumen sprossen hervor und wäre es nicht solch ein Anlass gewesen, Legolas' hätte diesen Ort voll Staunen gesehen. Der Eingang bestand aus einem runden Torbogen und eingemeißelte Efeuranken schlangen sich um die Säulen und elbische Runen waren eingearbeitet. Eine große, mit mithrildurchzogene Tür trennte die Ruhenden von der Außenwelt und kleine funkelnde Steine schimmerten aus dem starken Holz. Legolas sah, dass in den Felsen um die Hallen elbische Runen eingeschnitzt waren, Gedanken und Erinnerungen an die Verstorbenen von hinterbliebenen Elben.
"Mögen die Valar deinen weiteren Weg behelligen...", erhob Elrond seine Stimme. "Und dich in Frieden in Mandos Hallen eintreten lassen...!"
Die Elben senkten ihre Köpfe während der Elbenherr sprach, nur Anaróre sah mit getrübtem Blick auf den jungen und nun toten Elben, wie er friedlich, gesäubert von allen Wunden, vor seinem neuen "Heim" aufgebart lag. Seine Gedanken schweiften wieder zurück...
~ Sie waren nun schon einige Tage unterwegs gewesen - mit dem Ziel ihren Wachposten weiter zur Grenze hin zu verlegen. Es wurde bereits Nacht und das herrschende Zwielicht verbarg sie gut zwischen den Bäumen - allerdings auch andere Gestalten...
Die Elben, mit ihrem scharfen Blick und Gehör machten die Angreifer früh aus, doch waren sie vier und die Angreifer mindestens zehn.
Entschlossen stellten sie sich den Orks, dessen Gegrunze sie bereits von weitem verraten hatte - wie dumm sie doch waren...
Wie versteinerte Marionetten standen sich die Gegner gegenüber - Anaróre wollte schon gerade in einem Anflug von Sarkasmus den Anführer der Bande zu einem Tässchen Tee bitten - doch dann entsann er sich eines besseren, gab seinen Gefährten ein Zeichen und stürmte, den Kampf eröffnend auf die schwarzen Kreaturen zu - keine dieser stinkenden Viecher sollte in den Wäldern Bruchtals sein Unwesen treiben! Blut floss und schon bald lagen die ersten Orks in ihrer eigenen Lache, ein letztes Grunzen von sich gebend, bevor das Leben aus ihnen gesogen wurde. Bereits die Hälfte der Orks war geschlagen und Anaróre wehrte einen weiteren ab, als er im Augenwinkel sah, wie Lastalaica mit einer der Kreaturen kämpfte, von hinten aber ebenfalls unbemerkt bedroht wurde. Verzweifelt, wehrte er weiter die Angriffe, die gegen ihn selbst ausgeführt wurden ab und sah immer wieder zu dem Elben, welcher nun, durch die Unachtsamkeit des herannahenden Orks , ebenfalls auf diesen aufmerksam wurde.
Lastalaica drehte sich in einer geflissentlichen Bewegung um sich selbst und hielt seinem Angreifer wieder die Klinge entgegen - den anderen Ork nun besser einschätzen könnend. Er nahm wahr, dass dieser sich immer weiter näherte und er verfluchte die Orks, denn sein Vordermann ließ ihm keine Chance sich ein zweites Mal umzudrehen, so sehr nahm er ihn in seinen Kampf ein.
Anaróre nahm dies mit Erschrecken war. Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis einer der Orks, müde des kämpfenden Elben, das Breitschwert erhob und-...weiter wollte er nicht denken.
Auch Miluan sah die Bedrängnis Lastalaicas und reagierte blitzschnell. Er stieß seinem Angreifer das Schwert in den Hals, so dass das schwarze Blut ihm ins Gesicht spritze und rannte zu seinem Freund und Gefährten. Schnell sprang er zwischen Elb und Ork, als letzterer sein Schwert erhob und es auf Lastalaica nieder fahren lassen wollte. Mit einer flinken Bewegung sprang er dazwischen, erhob sein Schwert, doch die Klinge des Orks war schon zu tief gesunken - sie glitt ab. Der Ork, für seine Verhältnisse zu schnell, besann sich eines anderen und stieß sein Schwert geradewegs nach vorne - in den Leib Miluans.
Lastalaica schaffte es endlich seinem Angreifer den Garaus zu machen und drehte sich um, nur um zu sehen, wie sein Freund nach Luft schnappend in die Knie und zu Boden sank.
"Nein!", stieß er aus und sein nun hasserfüllter Blick richtete sich auf den Ork, der für den Moment selbst ein wenig überrascht schien. Doch er konnte sich gar nicht mehr in seiner Haltung fangen, im nächsten Moment hatte er bereits Lastalaicas Schwert zwischen den Augen und fiel nach hinten hin um.
Schnell war der Elb bei seinem Gefährten und achtete gar nicht mehr die anderen beiden Elben, welche die letzten übrig gebliebenen Orks in die Flucht trieben - die Flucht in den Tod!
"Miluan...", flüsterte er, als er sich neben ihn gekniet und seinen Kopf in seinen Schoß gebettet hatte. "Warum...?"
Miluan öffnete schwach die Augen und sah zu Lastalaica - ein kleines Lächeln huschte über sein Gesicht.
"Ich...habe Dir...das Leben...gerettet...", flüsterte er kaum hörbar und Lastalaica ergriff die kühle Hand des Elben. Er zog sie von der Wunde fort, die der Ork geschlagen hatte und schloss für einen Moment die Augen. Die Rippen des jungen Elben waren zu deutlich zu sehen und das Blut floss wie das Rauschen eines Wasserfalls aus seinem Körper und tränkte den Boden in einem Meer der Trauer.
"Ja das hast Du!", antwortete Lastalaica leise und schluckte den Klos hinunter, der sich in seinem Hals zu bilden drohte. "Komm...wir bringen Dich zu den Hallen Elronds und dort wirst Du wieder geheilt werden! Du-..."
"Nein...", flüsterte Miluan leise, von einem Husten unterbrochen, Blut rann aus seinem Mund und suchte sich einen Weg in die Tiefe.
"Ich werde...sterben...!", diese Worte kamen für Lastalaica kaum verständlich aus seinem Mund und zwei treue, dunkle Augen sahen ihn an.
"Nein!", sagte dieser und zwang die Tränen zurück - Miluan sollte dies jetzt nicht sehen, er sollte seine Trauer nicht spüren. "Du wirst nicht sterben! Du wirst nur nicht mehr in Mittelerde verweilen! Du wirst in die Hallen Mandos gehen - in Ehre, wirst Du sie betreten!"
Anaróre und Nerdanel hatten es geschafft auch noch den letzten Orks ihr stinkendes Leben zu nehmen und traten betreten an den, Miluan in den Armen haltenden, Lastalaica heran - den Blick gesenkt.
Miluan schloss die Augen. "Bis wir...uns...wieder sehen!", kam es von seinen Lippen, bevor sein Körper erschlaffte und sein Kopf nach hinten sank - seine Seele hatte den jungen Elben verlassen. ~
Anaróre sah wieder auf und der Bahre hinterher, die nun behutsam in die Grabstätte getragen wurde. Die Elben knieten nieder und senkten die Häupter, dem Toten die letzte Ehre erweisend und Anaróre fiel mit leiser, melodischer Stimme, ebenfalls mit in die Klagelieder für seinen Freund und Gefährten ein - bis Elrond und seine Söhne wieder hinaus traten und die große mithrildurchsetzte Tür hinter sich schlossen.
Elftes Kapitel
Nach der Beerdigung waren viele der Elben noch bei einander gesessen und hatte ihre Gedanken auf den verstorbenen Elben gerichtet.
Die Zwillinge, Estel und Legolas hatten noch einige Zeit zusammen verweilt, doch viel gesprochen wurde nicht, allein schon, um diesen Tag Miluan zu widmen und all die Wünsche und Gedanken ihm zu kommen zu lassen.
Doch gegen Abend, als die Sonne sich verabschiedete und die dünnen Nebelschwaden sich über das Gras legten, um es für die Nacht zuzudecken, verabschiedeten auch sie sich von einander und gingen in ihre Gemächer.
"Schlaf gut kleiner Bruder!", sagte Elladan und verabschiedete sich auf dem Flur von Elrohir.
Dieser war nicht in der richtigen Stimmung seinem Bruder einen würdigen Kommentar entgegen zu bringen und nickte nur.
"Du auch Elladan...", sagte er, ging in sein Gemach und legte sich ausgestreckt auf sein Bett. Sein Blick fiel an die Decke und blieb an ihr hängen. Stille herrschte in dem Raum und ein Rauschen bildete sich in seinen Ohren - er musste etwas tun, einfach so liegen und nichts zu machen konnte er nicht... Er war zu aufgewühlt, als dass er seinen Geist ruhen und in anderen Gefilden weilen lassen konnte.
Er schwang die Beine über die Bettkante und stand auf. Mit behutsamen Schritten ging er zu einer kleinen Kommode hinüber und öffnete ein kleines Fach. Ein leichtes Schmunzeln bildete sich um seine Lippen als er die kleine Truhe herausholte - sie war sein geheimer Schatz. Nicht einmal Elladan wusste von ihr - glaubte Elrohir zumindest. Es war ihm egal ob es kindisch war - seine Hand glitt hinein und holte ein paar Pergamente hervor. Als seine Mutter in den Westen gesegelt war, hatte er sich in das Gemach seiner Eltern geschlichen, um sich ein wenig den Erinnerungen zu geben. Er hatte sie gefunden und an sich genommen. Einfache Schriftstücke waren es und ohne Bedeutung, doch es war ihre Schrift die sie zierten und eine Erinnerung. Sein Blick glitt wieder in die kleine Truhe und blieb an einer filigranen Kette hängen.
,Diese hat sie getragen, als sie Adar kennen gelernt hat...'
Er schloss kurz die Augen und schüttelte unmerklich den Kopf.
Ein kleines Buch lag noch in der Truhe und er nahm es heraus, legte die Pergamente und die Kette wieder hinein und setzte sich an einen kleinen Tisch.
Es war ihm egal, ob sie ihn feinfühlig oder sensibel nannten, er konnte und wollte die Verstorbenen nicht einfach so ziehen lassen, nur in der Erinnerung lebend. Dieses Buch hatte er angelegt und Erinnerungen und Wesenszüge in ihm niedergeschrieben. So würden sie ihm nie verloren gehen... Es war schon zur Hälfte voll, ein bedrückendes Erzeugnis...
Sacht schlug er eine leere Seite auf, griff zur Feder und begann zu schreiben...
~ Miluan Elfaron ~
Elrohir hielt inne. ,Sternenjäger'...ja das passte zu ihm... Er schloss für einen Moment die Augen und rief sich den Elben wieder ins Gedächtnis.
~ Ein stattlicher Elb, aber stets mit einem verträumten Wesenszug. Dunkle Haare zieren sein feines Gesicht, bis hin über die Schultern und umspielen seine feinen Wangenknochen. Augen, dunkel und warm, stets mit einem schelmischen Funkeln, leuchten hinter feinen Wimpern hervor und ein paar feine Pünktchen die sich auf seiner Nase abzeichnen, lassen ihn ein wenig jünger erscheinen. ~
,Dabei war er noch gar nicht alt...jung für einen Elben...'
~ Seine feinen Hände vermögen es sanft auf der Harfe zu spielen und andere mit ihren Klängen zu bezaubern. Und wenn er wieder auf einem Baum sitzt, um seinen Gedanken nachzuhängen und zu den Sternen zu sehen, lässt er seine klare und helle Stimme erklingen. ~
Elrohir schmunzelte. ,Ich habe ihm oft gelauscht...wenn er denn einmal hier und nicht auf Patrouille war...'
~ Ja...Pfeil und Bogen liegen flink in seinen Händen und das Schwert führt er sicher und todbringend für denjenigen, der Böses will. Ein tapferer Elb, verlässlich und mutig. Sich aufopfernd für jeden... ~
Elrohir hielt einen Moment inne. ,Ja...aufopfernd war er...Lastalaica hat es ihm gedankt...'
~ Seine "Last" ist die Träumerei...er nimmt gerne Pergament und Feder und schreibt seine Gedanken nieder. ~
Abermals stockte er und erinnerte sich an einige Worte, die Miluan einst gesagt...
Jedes Lebewesen,
gar die Unwesen besitzen,
was keiner vermag zu nehmen.
Einen Stern -
Hell, klar und leuchtend
Am dunklen Himmelszelt
Klein dort droben,
ein winziger Punkt in der Ferne.
Den Weg weisend...
Nie verblassend - und wenn doch:
So sprich den Wunsch...
Doch halte ein - sprich ihn nie aus!
Denn nur so,
geht er in Erfüllung...
Elrohir wandte den Blick von dem Geschriebenen und sah hinaus, zwischen den sich aufbauschenden zarten Vorhängen, hinauf zum Himmelszelt - die Sterne schienen...
"Nie verblassend...", murmelte er und wandte sich wieder seinem Büchlein zu. Er hatte für einen Moment die Stelle verloren und überlegte, wie er weiter schreiben konnte, doch dann fiel ihm ein lustiger Augenblick ein.
~ Seine Träumerei...sie führt soweit, dass er nicht mitbekommt, wenn ein bezauberndes Wesen seinen Weg kreuzt. Er ist Arwen über die Füße gelaufen - und bis über die Ohrenspitzen rot geworden, als er sah, wen er umgelaufen hatte. Selbst Tage danach, fand meine Schwester noch eine Blume vor ihrem Fenster mit einer gedichteten Entschuldigung. ~
Elrohir lächelte - daran konnte er sich noch genau erinnern. Wenn er darüber nachdachte, war es gut, dass dies geschehen war, bevor Estel zu ihnen nach Bruchtal gekommen war...
~ Freilich hat auch er Wesenszüge, die nicht gerade elbisch sind - interessiert lauscht er immer den Erzählungen der Zwillinge, uns, kann sich aber nur selten überwinden ebenfalls einen Streich auszuüben. Doch wenn er sich hinreißen lässt, dann mit ganzer Leidenschaft.
Ein lieber Kerl, ein feiner Elb, ein wahrer Freund...
Hebin thîr lîn mi nguren! ~
Elrohir legte die Feder nieder und hauchte die Tinte trocken. Dann klappte er behutsam das Büchlein zusammen und legte es zurück in die Truhe.
Ein letzter Blick galt den Sternen, bevor er sich nieder legte und sein erschöpfter Geist Ruhe fand...
~~*~~
Legolas hatte nur mit Unwillen zugestimmt, die Zwillinge hatten es ihm mehr oder weniger aufgedrängt, mit ihnen und Estel einen Ritt durch Bruchtal zu unternehmen.
Es waren einige Tage vergangen, seit der junge Elb in Bruchtal zu Grabe getragen wurde.
Auf der einen Seite war der Sindar dankbar für diese Ablenkung, er hing viel zu sehr seinen Gedanken nach, doch auf der anderen, wollte er aus eben diesen Gründen doch lieber die Einsamkeit und gerade mit Estel auszureiten, rief in ihm ein Gefühl hervor, über welches es sich noch nicht im klaren war.
Diese ständigen Erinnerungen die ihn überkamen und denen er sich nicht entziehen konnte, zerrten doch ein wenig an seinen Kräften. Er wollte doch einfach nur vergessen, nicht mehr daran denken, was einst geschah, doch seit er hier in Bruchtal weilte, überfielen sie ihn immer und immer wieder.
Die Beerdigung hatte einige Erinnerungen wieder hervor gerufen, deutlicher als sonst und es war ein schwer gewesen, sie wieder zu verdrängen, zu verdrängen, wie Anardil, wie er...
Legolas wurde wütend. Wenn er sie nicht wollte, kamen sie ungefragt und wenn er versuchte, sie sich wieder hervorzurufen, um sich ihnen zu stellen und sie verstehen zu wollen, verschwanden diese Träume.
Sie waren nun schon einige Zeit geritten und die Zwillinge hatten sie an einen größeren Flusslauf geführt.
Legolas hielt inne und besah sich die Schönheit dieses Ortes. Die Sonne schien, ließ die kleinen Wellen an der Wasseroberfläche aufglitzern, schien durch das am Ufer kniehohe Gras und durchleuchtete die langen Halme. Kleinere Mückenschwärme tummelten sich in den warmen Strahlen und Grillen zirpten versteckt im Gras - es war bereits später Nachmittag. Kleinere Bäume gruben ihre starken Wurzeln nahe den Felsen, welche sich mit Moos und Farnen schützten. Einige Frösche quäkten am Ufer und hin und wieder durchsprang ein Fisch die Wasseroberfläche, nur um im nächsten Moment wieder unterzutauchen und dem Strom zu folgen.
Estel sah zwischen den Elben hin und her. Elrohir war bereits von seinem Pferd gesprungen und führte es an den Fluss, damit es sich satt saufen konnte. Legolas schien sich bereits wieder der Schönheit dieses Ortes entziehen zu können und sprach nun leise zu seinem Pferd, was Estel jedoch nicht verstand. Nur Elladan schien immer noch in diesem Anblick gefangen zu sein oder besser gesagt, wieder einmal. Der Blick des älteren Zwillings verlor sich in den Strahlen der Sonne, die sich auf dem Fluss reflektierten und ein Lächeln umspielte seine Lippen.
Estel schmunzelte und beobachtete Elladan weiter hin - er meinte eine leise Ahnung zu haben, an was der Zwilling dachte und so trieb er sein Pferd genau neben das des Zwillings, doch Elladan sah immer noch nicht zu ihm.
"Stell dir vor...", begann der Mensch sinnierend und schaute gewichtig in die selbe Richtung, wie der Elb. "Sie...und Du! Allein an diesem wunderschönen Fleckchen Mittelerde...den Sonnenuntergang betrachtend...ungestört-..."
"Ja...vor dir!", unterbrach ihn Elladan und sprang von seinem Pferd.
"Also habe ich euch beide doch gestern gesehen...", hakte Estel weiter grinsend nach.
"Wen?", fragte Elladan gespielt unwissend und ließ sein Pferd neben das Elrohirs und Legolas' trotten um sich ein wenig abzukühlen. Die beiden Elben hatten es sich im weichen Kieselsand, der das saftige Gras noch nicht an die Oberfläche ließ, bequem gemacht und schauten nun zu den beiden hinüber.
"Estel kann es nicht lassen...", seufzte Elrohir und verkniff sich ein Lachen, als er den etwas genervten Blick Elladans sah.
"Na wen wohl...Nelana! Du hast sie gestern besucht!", redete Estel weiter, wohl wissend, dass er sich auf ziemlich dünnen Eis befand, aber er konnte gerade einfach nicht widerstehen.
"Habe ich das...", entgegnete Elladan und ging zu Elrohir und Legolas. "Und woher - liebster Bruder - willst du das so genau wissen? Du verfolgst mich doch nicht etwa?"
"Wie kommst du auf solche Ideen, ebenfalls liebster Bruder?", fragte Estel in unschuldigem Ton zurück.
"Du bestreitest es?", fragte Elladan und ließ sich neben Legolas nieder, welcher nur ein wenig belustigt zwischen den beiden hin und her sah.
"Ja, das tue ich! Was du von mir denkst...", sagte Estel empört und stocherte mit seiner Fußspitze im nassen Kies.
"Dann bestätigst du nur wieder meinen Verdacht, dass DU an ihr interessiert bist! Ich will nicht leugnen, dass ich mich gestern mit ihr unterhalten habe, aber nachdem du Mich nicht verfolgt hast, muss ich davon ausgehen, dass du Sie belauert hast...!", sagte Elladan in des Menschen Richtung und sein Grinsen wurde von Mal zu Mal breiter, je länger er die Gesichtszüge des Menschen studierte.
,Diese...Elben!', dachte sich Estel kommentarlos und wollte seinem Ärger Luft machen - schon wieder...schon wieder hatte Elladan ihn über den Leim geführt.
Er sah zu seiner Fußspitze und wie die leichten Wellen über das abgetragene Leder strichen und seine Mine erhellte sich vom einen zum andern Male. Schnell holte er aus und trat Wasser nach dem Elben, welcher, darauf nicht vorbeireitet keine Zeit hatte auszuweichen und im nächsten Moment mit vielen glitzernden Wasserperlen behangen war.
Estel grinste überlegen und auch Elrohir musste leise lachen, als er seinen Bruder so sah. Der nasse Elb zögerte nicht lange und trat ebenfalls ins Wasser und nach Estel, so dass dieser sich schnell umdrehte um kein Wasser ins Gesicht zu bekommen.
"Du gehörst einmal richtig gewaschen!", lachte Elladan. "Vielleicht ist dein Benehmen dann auch besser!"
"Was?", fragte der Mensch, drehte sich um und - hatte eine Wasserladung im Gesicht.
Die Elben konnten nicht mehr an sich halten und brachen in Gelächter aus, was Estel nur einmal monoton prusten ließ.
"Na warte...", war alles was er sagte, bevor er mit der hohlen Hand Wasser schöpfte und es in Richtung Elladan schmiss, der sich nur noch so gerade aus der Schussbahn bringen konnte.
"Elrohir...ein bisschen Verstärkung wehre nicht unangemessen!", rief Elladan lachend, während er ebenfalls wieder einen Streich gegen Estel ausübte.
Das ließ sich der jüngere Zwilling nicht zweimal sagen und im nächsten Augenblick war er an der Seite Elladans und Estel sah sich seinen zwei Brüdern gegenüber.
"Legolas!", rief er schnell und sprang schon vor dem Wasser zurück, welches auf ihn zugeflogen kam. "Ich brauche deine Hilfe!"
"Ich weiß nicht...", entgegnete der Sindar grinsend, doch schon im nächsten Moment, hatte er eine Ladung Wasser abbekommen - mit den besten Wünschen der Zwillinge.
Eine zweite Aufforderung war nicht nötig gewesen. Behände sprang er auf die Beine und an Estels Seite um sich mit ihm in den Kampf der Wasserschlachten gegen Elladan und Elrohir zu stürzen.
Es dauerte nicht lange und alle vier waren von oben bis unten hin nass, doch nachgeben konnte natürlich keiner. Die Pferde hatten es aufgegeben, sich über ihre Herren zu wundern und wandten ihre Aufmerksamkeit lieber dem saftigen Gras zu ihren Füßen.
"Legolas!", rief Estel leise zu dem Elb. "Lenk sie ab!", lachte er und machte sich daran, sich an Elrohir zu schleichen.
Legolas nahm diese Aufforderung war und ging ebenfalls auf Elladan zu, doch dieser tat es ihm gleich und schon bald war ein lachendes Gefecht im Gange, doch noch hielten sich beide über der Oberfläche.
Bei Estel und Elrohir sah es nicht anders aus, die Pferde hoben ein letztes Mal, verzweifelt versuchend zu verstehen, den Kopf, doch ließen ihn schnell wieder sinken.
Elrohir und Estel rangen darum, den anderen bestmöglich in das, von der Sonne aufgewärmte, Nass zu befördern und schließlich schaffte es Estel dem jüngeren Zwilling ein Bein wegzutreten, so dass dieser keinen Halt mehr fand und mit einem lauten Platschen ins Wasser stürzte.
"Gesiegt!", rief Estel und hob die Hände in die Höhe.
Elladan spritze Legolas gerade noch Wasser zu, hielt dann jedoch inne und sah zu Elrohir, der gerade wieder auftauchte.
"Wunder gibt es immer wieder...!", lachte er, doch Estel ließ sich diesmal nicht beirren. Er ging zu Legolas und klopfte ihm auf die Schulter.
"Gut gemacht mein Freund!", grinste er, doch Legolas hielt für einen Moment inne und schien den Menschen fragend anzusehen, denn dieser bemerkte den Blick und hob die Brauen.
"Ich darf dich doch Freund nennen...oder?"
Der Elb erschrak ein wenig, da es wohl so offensichtlich gewesen war, was er gedacht hatte und nickte.
"Natürlich..."
"Fein!", entgegnete der Mensch in seiner übermütigen Art und folgte den Zwillingen, die bereits wieder an das Ufer wateten und sich dort nieder ließen.
Sie hatten noch lange zusammen gesessen und viel gelacht, bis sie sich wieder auf den Rückweg machten. Es war bereits dunkel und die Pferde suchten sich geschickt ihren Weg durch das Unterholz der umliegenden Wälder.
Die Zwillinge ritten vor und Estel neben Legolas hinterdrein.
"Wie lange beehrst du uns noch mit deinem Besuch in Bruchtal, Legolas?", fragte er um die Stille ein wenig zu durchbrechen die sich über die kleine Reitergruppe gelegt hatte. "Ich meine...", setzte er schnell wieder an, ehe der Elb etwas antworten konnte. "Es soll nicht so klingen, als dass ich nicht wollte, dass du in Bruchtal weilst. Ich freue mich sogar!"
Legolas sah zu ihm. "Danke. Ich freue mich, wenn ich euch nicht zur Last falle. Ich weiß es noch nicht, aber ich denke, dass sich unsere Wege bald wieder trennen werden. Ich kann nicht für immer hier bleiben...", sagte er und schenkte dem jungen Mann ein Lächeln.
"Das stimmt wohl...aber bleibe noch ein paar Tage. Du kannst mich ja nicht mit den beiden alleine lassen!", sagte und deutete mit dem Kinn zu den vorausreitenden Zwillingen. "Ich brauche einen Freund der mich vor ihnen beschützt!", lachte Estel leise und sah wieder zu den beiden, die, vertieft in ihre eigenen Unterhaltungen, nichts von den hinter ihnen reitenden mitbekamen.
"Ja...das stimmst!", lachte Legolas. "Ich werde tun, was ich kann, doch fürchte ich, dass ich gegen Die beiden machtlos bin!"
"Ja...und das bin ich nun schon seit neunzehn Jahren..."
~~*~~
Legolas lag in seinem Bett, sein Blick glitt leer an die Zimmerdecke und sein Geist weilte weit entfernt in anderen Gefilden.
Sie hatten, als sie wieder in Bruchtal angekommen waren, ihre Pferde versorgt und sich dann auch ziemlich zügig in ihre eigenen Gemächer begeben - ein wenig kräftezehrend war eine ,Schlacht' in solchem Ausmaße schon.
Ein kühler Windhauch bauschte die Vorhänge auf und strich über den Elbenkörper, der ruhig zwischen den Laken ruhte-...
...-Legolas hielt sein Pferd an, es war lange her gewesen, seit er das letzte Mal hier war - in dem friedlichen Dorf, das an diesem wunderschönen Wald gelegen war. Er sprang vom Rücken seines Tieres und gebot ihm auf ihn zu warten, während er seinen alten Freund aufsuchen würde. Anardil - der Mensch musste nun schon die 50 überschritten haben, Legolas hatte ihn das letzte Mal gesehen, da betrug die Zahl seiner Jahre 45. Er kannte die Blicke, die ihm zugeworfen wurden, obwohl er öfter nach Anardil sah und die meisten Menschen ihn schon kannten.
Vor ihm lag das Haus seines alten Freundes und in der Vorfreude ihn endlich einmal wieder zu sehen, achtete der Elb der Blicke nicht, die ihm traurig folgten.
Er klopfte an, doch er bekam er keine Antwort, kein fröhliches "Tretet ein!" oder dass gar Anardil selbst ihm die Tür öffnete. Vorsichtig schwang er sie auf und ein knarren ließ die Tür sich soweit öffnen, dass der Elb seinen Kopf hindurch stecken konnte.
"Anardil?", fragte er leise in die Stille hinein und seine scharfen Ohren vernahmen ein leises Rascheln einiger Laken.
,Er liegt wohl noch im Bett...', dachte der Elb sich und wollte gerade eintreten, als er eine Hand auf seiner Schulter fühlte, die ihn davon abhielt. Schnell drehte er sich um und sah in das erschrockene, wenn nicht sogar ängstliche Gesicht eines Bauern. Legolas sah skeptisch zu der Hand auf seiner Schulter und dann wieder zu dem Mann der sie ihm aufgelegt hatte.
Der Mann schüttelte schluckend den Kopf.
"Ihr dürft nicht dorthinein!", flüsterte er und sah ihn mit geweiteten Augen an.
"Warum nicht? Ich möchte doch nur Anardil besuchen-...", entgegnete der Elb, wurde jedoch wieder von dem Mann unterbrochen.
"Hier ist nicht der rechte Ort dies zu besprechen!", sagte der Mann eindringlich und zog den Elben ein wenig von der Tür weg. Legolas verstand nicht, sah ihn fragend an, folgte ihm dann aber ein paar Schritte in eine etwas verborgene Nische.
"Nun, werter Mann, was wollt Ihr mir Kundtun?"
"Ist es Euch nicht aufgefallen? Sind Eure Augen blind vor den Anderen? In diesem Dorf sterben Menschen! Unaufhaltsam und immer früher."
"Ist er...?", fragte Legolas direkt hinaus, ein Gefühl habend, dass Anardil etwas damit zu tun hatte, doch der Mann beschwichtigte seine Ängste - für den Moment...
"Nein! Er lebt...noch...er ist erkrankt...genau wie die ganzen anderen Menschen hier. Ein Großteil zumindest leidet an dieser ominösen Krankheit."
"Was für eine Krankheit?", fragte Legolas, seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.
"Wir wissen nicht, was es ist. Ein Wandernder kam eines Tages - mehr tot als lebendig - und wir pflegten ihn, konnten ihn jedoch nicht retten. Er muss sie eingeführt haben, seitdem greift sie um sich wie heißes Feuer!"
"Was...geschieht mit den Erkrankten?", fragte Legolas weiter nach, obwohl er sich eingestand, dass er es gar nicht wissen wollte.
"Sie...bekommen Fieber und fühlen sich schwach - sagt man - und dann essen sie nicht mehr, sie werden dünner, man kann es beinahe verfolgen, vor deinen Augen schwitzen sie ihre Körpermasse aus, bald sind sie nur noch Haut und Knochen. Die Adern treten hervor, die Haare fallen ihnen langsam aus und wenn sie sterben, dann...", der Mann brach an und hielt sich die Hand vor den Mund.
"Dank, dass ich bisher verschont blieb!", murmelte er leise und schloss für einen Moment die Augen. Legolas sah ihn einfach nur an, geschockt von dem Gehörten.
"Anardil...er ist...", brachte er mühsam hervor und der Mann gab ihm mit einem kurzen, traurigen Nicken zu verstehen, dass auch der Mensch, des Elben Freund von dieser Krankheit befallen war.
"Er war es, der dem Wandernden die erste Hilfe geleistet hatte...", sagte er leise, doch der Elb brauchte nicht mehr zu hören. Er drehte sich auf dem Absatz um und eilte wieder in Richtung Anardils Haus.
"Wartet! Ihr könnt dort nicht hinein! Er wird Euch anstecken und Ihr werdet ebenso sterben!", rief ihm der Mann hinterher und Legolas drehte sich noch einmal zu dem Mann um.
"Ich bin ein Elb! Wir erleiden keine Krankheiten und können auch nicht an ihnen sterben!", sagte er, sein Gesicht, eine einzige Maske, emotionslos, geschützt vor der Außenwelt. Er drehte sich wieder um und ging zu dem Haus. Leise trat er ein, immer noch hoffend, dass dies alles nicht stimmte, was der Mann ihm erzählt hatte und immer noch hoffend, dass er vor sich, wenn er ihn sehen würde, einen putzmunteren, lebendigen Menschen sah.
Durch mehrere kleine Räume ging er und zuckte unwillkürlich zusammen, als er ein Husten hörte, das mehr einem Stöhnen glich.
,Keiner kümmert sich um ihn...er ist allein gelassen...zum sterben, damit andere bewahrt werden...'
Diese Gedanken gingen dem Elben immer wieder durch den Kopf. Nein! Er würde seinen alten Freund nicht wieder alleine lassen.
Er ging um eine Ecke und betrat das Zimmer, in dem Anardil auf seinem Bett lag, die Luft stank nach Krankheit, frische Luft blieb ihm auch verwehrt...
Legolas blieb im Türrahmen stehen - ein Bein des Menschen lugte unter der Decke hervor und Legolas fand die Worte des Mannes, der ihn aufgehalten hatte, bestätigt - es war mehr Haut und Knochen, denn alles andere.
Er schluckte einige Male, bevor er sich zu Anardil wagte. Der Mensch ruhte vollkommen still in seinem Lager und nur das wenige Heben und Senken der Laken, die auf ihm ruhten, verriet Legolas, dass er noch lebte.
"Anardil...", flüsterte er leise, aber der Mensch hatte ihn durchaus verstanden.
Er wandte den Kopf zu dem Elben und öffnete seine schweren Lider um zu sehen, wer da zu ihm kam - nach so langer Zeit wieder ein Gesicht, ein anderes als seine Wand...
Legolas blieb abrupt stehen, als er das Gesicht des Menschen sehen konnte, welches ihn unter verschwitzen Strähnen anblickte. Er spürte wie er zitterte.
"Estel...", sagte er tonlos. Das war nicht Anardil. Der junge Mensch aus Bruchtal lag vor ihm in dem Bett und starrte ihn aus leeren, beinahe schon toten Augen an. Seine Wangenknochen stachen scharf hervor und Äderchen zogen sich über die Haut. Seine Augen waren in Schatten gehüllt und Legolas' Blick wanderte zu der knorrigen Hand, die sich unendlich langsam erhob, sich ihm suchend entgegenstreckend.
"Hilf...mir...", flüsterte der junge Mensch und blickte den Elben aus verzweifelten, traurigen Augen an.
Legolas spürte wie es sich um ihn drehte, wie der Boden drohte, unter seinen Füßen wegzurutschen und er spürte, wie er fiel-...
...-Legolas schrak hoch und saß kerzengerade in seinem Bett.
"Nein!", keuchte er. "Nein...nein...nein...", er wollte es nicht wahrhaben.
Estel...er...hatte vor ihm gelegen, befallen von dieser Krankheit...ein Mensch...sterblich...ein Freund! Legolas spürte nicht, wie ihm vereinzelte Tränen über die Wangen liefen, die er nicht mehr zurückhalten konnte.
Wieder hatten ihn die Träume eingeholt, um Längen wirklicher als die bisherigen und diesmal hatte er Estel gesehen - in seinem Sterbebett...
Legolas atmete heftig und sein Blick verlor sich in der gegenüberliegenden Wand.
Estel würde sterben...wie jeder Mensch...er würde ihn verlassen...ein neugewonnener Freund, Legolas' Herz sagte ihm, dass er dies war, er würde ihn verlassen...wie einst Anardil...
Der Elb wusste, dass er dies nicht verkraften würde...sein Herz war bereits zweimal in Mitleidenschaft gezogen worden...als...seine Mutter ihn verlassen hatte und...als Anardil starb und ihn ebenfalls alleingelassen hatte.
Estel würde es den beiden gleichtun, eines Tages würde er sterben und Legolas wollte dies nicht noch einmal miterleben. Er wollte nicht, dass die Freundschaft die gerade wie ein junger Samen aufkeimte und begann sich zu verfestigten und Wurzeln zu schlagen, solch ein Ende fand.
Der Elb hatte seinen Entschluss gefasst. Schnell sprang er aus dem Bett, seine Tränen waren auf seinen heißen Wangen verbrannt, nahm sich seine Kleider und schulterte seinen Köcher und Bogen.
Leise, unendlich leise schlich er durch die Gänge, darauf bedacht, dass keiner etwas mitbekam und stahl sich zu den Pferden. Elrond hatte ihm ein Pferd angeboten, damals, welches er sich nehmen konnte, sollte er wieder fort reiten wollen.
Schnell führte er den Rappen hinaus und schwang sich auf seinen starken Rücken.
Ein letztes Mal blickte er zurück zu dem ruhenden Bruchtal. Es war gut so, keiner sollte mitbekommen, keiner sollte wissen, wo er war und wenn doch, so sollten sie es erst melden, wenn er die Grenzen Bruchtals bereits überschritten hatte.
Er trieb den Hengst an und schnell waren sie in der Dunkelheit der Nacht verschwunden.
Zwölftes Kapitel
Estel!
Die Türe zu dem Gemach des Menschen flog auf und herein kam Elrohir.
Estel bewegte bei dem Klang seines Namens nur einmal den Kopf nach links und rechts, als wolle er einen unangenehmen Traum abschütteln.
Der Elb verdrehte die Augen, als er neben das Bett seines Ziehbruders trat und schwungvoll die Decke wegriss.
ÇMensMenschen...verschlafen noch ihre eigenen Träume...
Estel blinzelte nur einige Male, der wohligen Wärme beraubt und sah verständnislos zuElrohir empor.
Nein! Es ist nicht mitten in der Nacht!, entgegnete der Elb, noch bevor Estel überhaupt den Mund aufmachen konnte. Nur...sehr früh am Morgen!
Der Mensch seufzte und war gerade wieder im Begriff, die Decke bis zu seinem Haaransatz zu ziehen, als Elrohir ihn mit nur drei Worten davon abhielt:
Legolas ist fort!
Sofort saß Estel kerzengerade auf seinem Bett und sah Elrohir aus fragenden Augen an.
Was willst du damit sagen?, fragte er.
Beruhige dich!, sagte Elrohir und legte dem Menschen seine Hand auf die Schulter.
Eine Wache..., begann der Elb wieder. Sie hat gesehen, wie er die Grenzen überritten und dem Wind gleich weiter in die Dunkelheit geprescht ist...!
Estel hatte den Worten seines Bruders gelauscht, sein Blick allerdings war auf die zerwühlte Decke gerichtet. Unwirsch fuhr er sich mit seiner Hand durch die dunklen Haare.
Ist gut!, sagte er leise und Elrohir musterte ihn mit ein wenig Besorgnis. Er wusste, dass Estel alleine sein wollte er sah es ihm an den Augen an und so lächelte er ihm nur noch aufmunternd zu, bevor er sich abwandte und hinausging. Bevor er die Türe allerdings hinter sich schloss, drehte er sich noch einmal zu dem Menschen um.
Ich will es ebenfalls verstehen...!, sagte er und schloss leise die Türe hinter sich.
Estel sah einige Zeit lang Elrohir hinterher, bevor er sich aus dem Bett schwang und aufstand. Seine Schritte führten ihn zum Fenster und er hielt mit der einen Hand die sich aufbauschenden Vorhänge zur Seite sein Blick ging in die Landschaft.
Warum traf es ihn so? Wieso fühlte es sich so merkwürdig an? Er konnte es tief in seinem Innern spüren, er wusste, Legolas würde nicht wieder kehren und das schmerzte ihn.
Ein leichter Wind blies herein und spielte mit den vereinzelten Strähnen, die ihm über die Stirn hingen.
Er wird nicht wiederkommen...
Die Worte schnitten die Stille, wie ein Blitz den Wolkenbehangengen Nachthimmel.
Estel hatte in Legolas einen Freund gesehen und gefunden! Jetzt war dieser Freund fort und der Mensch konnte den Grund nicht einmal erahnen. Freilich war der Elb des Öfteren still und in Gedanken gewesen, aber hatte er ihm nicht noch gesagt, er wüsste nicht, wann er wieder aufbrechen wollte?
Sein Blick folgte einem Blatt, welches im Wind flog und nach vielen Umdrehungen weich auf der Erde landete. Das Aufkommen hallte in Estels Ohren wieder, wie ein Gewitter, welches vom Meer aufkam.
Abrupt wandte er sich ab und griff nach seinen Sachen. Schnell war Estel in ein seine weichen Stiefel gestiegen und hatte nach seinem Schwert gegriffen. Seinen Umhang ließ er dort, er würde ihn nur behindern und die Temperaturen waren mild.
Ein letztes Mal sah er sich um und sein Blick blieb auf seiner Kommode hängen. Bevor er eilig aus der Türe verschwand, griff er nach dem Dolch der auf dem Möbelstück geruht hatte und steckte ihn in einen seiner Stiefel.
Ziehe deines Weges...mein Freund! Aber nicht, bevor ich die Beweggründe für dein plötzliches Forteilen kenne!
Jetzt galt es nicht entdeckt zu werden und er schlich so lautlos wie er konnte weiter.
ÇUnd das an einem Ort, der voll mit scharfsichtigen Elben ist...
Er hoffte nur, dass er nicht Elladan oder Elrohir begegnen würde sie würden ihn nicht gehen lassen.
Estel begegnete zwar einigen Elben, doch ein freundliches Zunicken genügte und er eilte weiter zu den Ställen.
Dort angekommen, sah er direkt, welches Pferd Legolas genommen hatte.
Flink schwang er sich auf sein eigenes und ritt durch den hinteren Teil hinaus zumindest wollte er nicht direkt erkannt werden.
~~*~~
Legolas saß an einen Baum gelehnt an einer kleinen Lichtung und sah dem Rappen zu, wie er genüsslich die langen Grashalme in seinem Maul malmte.
Die Sonne versuchte angestrengt die Wolken zu vertreiben, doch hin und wieder zogen sie am Himmel vorbei und beschatteten die Landen unter ihnen.
Er hatte die Grenzen Bruchtals überschritten und war nun weit genug fort, von den Blicken der Grenzwachen, um genau zu sein, befand er sich bereits wieder in der Nähe der Gebirge. Zu Beginn hatte er vorgehabt wieder den Pass über die Höhen zu nehmen, doch mittlerweile hatte er sich doch dazu durchgerungen nördlich der Berge entlang zu reiten. In den Düsterwald wollte er noch nicht...- die Träume hatten ihn noch nicht verlassen.
Immer wieder hatte er den gleichen Traum gehabt er war zu Anardil in die Hütte getreten und hatteEstel vorgefunden...
Der Wind spielte ein wenig mit den Strähnen die ihm über die Schultern hingen.
Tief in seinem Innern spürte er, dass es falsch gewesen war, aus Bruchtal zu reiten ohne jemanden Kunde davon zu erteilen. Aber hätten sie ihn gehen lassen? Nein...hätten sie nicht. Estel hätte es nicht getan...! Er kannte den Menschen erst seit so kurzer Zeit, doch schien er bereits viel über sein Wesen zu wissen. Estel besaß elbische Erziehung, das war ersichtlich, doch ab und zu konnte er seine Gedanken und Gefühle nicht verbergen, dafür war er einfach zu viel Mensch...
Legolas sah wieder zu dem stolzen Pferd, welches schnaubend seinen Kopf an seinem Vorderbein scheuerte. Als es ihn wieder hob, warf es seine Mähne nach hinten und sah zu dem Elben.
Du willst weiter nicht?, flüsterte der Elb mehr zu sich, als zu dem Tier und stand auf. Den Bogen, der Legolas griffbereit neben sich liegen gelassen hatte, nahm er nun und schulterte ihn wieder.
Das Pferd schnaubte abermals und kam auf ihn zu.
Du hast immer noch keinen Namen..., überlegte er laut. Ich werde darüber nachdenken und dich kennen lernen, bevor ich mich für einen geeigneten entscheide.
Genüssliches Reiben des Kopfes an seiner Schulter, war die Antwort des Hengstes und Legolas musste unwillkürlich lächeln.
Selbst eure elbische Zucht hält euch von diesen Unarten nicht ab..., lachte er.
Das Pferd schüttelte den Kopf und sah ihn an, doch dann spitzte es seine Ohren.
Was hast du denn?, fragte der Elb, als er sah, wie das Tier sie in alle Richtungen stellte um sich zu orientieren, woher es die Geräusche vernahm. Plötzlich stieß es ein helles Wiehern aus und begann nervös auf der Stelle zu tänzeln.
Ruhig mellon..., sagte Legolas leise und strich ihm über den Hals.
Er wollte wirklich nicht, dass es noch einmal wieherte. Orks könnten noch immer in der Gegend sein und das Geschrei des Pferdes würde sie nur anlocken.
Beruhigend strich er ihm über die weiche Nase und murmelte immer wieder elbische Worte, doch dann vernahmen seine Elbenohren ebenfalls ein Wiehern es kam aus dem Waldesinneren.
Der Rappe antwortete wieder und begann abermals zu tänzeln.
Du wirst keine Ruhe geben..., stellte Legolas nüchtern fest und schwang sich auf den Rücken des prächtigen Tieres. Lass uns fort reiten...!
Er wendete das Tier und brachte es in schnellen Lauf, doch als er das fremde Wiehern wieder vernahm, bedeutete er ihm still zu stehen.
Suchten sie bereits nach ihm? War sein Verschwinden so schnell bemerkt worden?
Es klang nicht mehr wie ein Wiehern, eher nach dem Geschrei eines Wesens, bei dem der Tod Einzug in das Leben nahm...
Legolas hielt das Pferd zurück, doch innerlich rang er mit sich. Wenn jemand in Gefahr war, musste er zur Hilfe eilen! Auch wenn es ihn wieder nach Bruchtal treiben würde...
Ein Seufzen entrann seiner Kehle und er ließ seinem Pferd freien Lauf es würde zu dem anderen Tier finden...
~~*~~
Zu Beginn hatte Estel sein Pferd noch angetrieben, doch jetzt ritt er es im leichten Trab durch den Wald. Er hatte gehofft den Spuren des Elben folgen zu können, doch bald schon hatte er feststellen müssen, dass Legolas es verstand, unerkannt zu bleiben wenn er es wollte. Flüche waren dem Menschen eingefallen Legolas musste es wohl wirklich ernst mit seiner überstürzten Abreise gemeint haben, er wollte nicht gefunden werden.
 WaruWarum...? Was jagt ihn derart?, hatte Estel sich die ganze Zeit über gefragt.
Des Nachts ruhte er, sein Pferd brauchte die Ruhe. Wäre es nach ihm gegangen, er hätte es Tag und Nacht durchgeritten... Doch sobald auch nur der kleinste Lichtstrahl ihn streichelte, sollte es auch nur das Zwielicht zwischen Tag und Nacht sein, war er wieder auf den Beinen und hetzte sein Pferd vonBruchtal fort, immer auf der Suche nach dem Elben.
Als er die Grenzen passiert hatte, hatte er lange suchen müssen, denn woher sollte er wissen, was in des Elben Kopf vorging und wohin er ritt? Schließlich war sein Pferd es, das ihm half, die Spur zu finden. Es hatte seinen Kopf gesenkt gehabt und geschnuppert. Als Estel abgestiegen war, hatte er gesehen, dass sein Tier an Pferdeäpfeln roch. Er hatte sich gebückt und sie prüfend zwischen die Finger genommen - sie waren keine zwei Tage alt. Er war auf der richtigen Spur - dass es die vonLegolas Pferd waren, fühlte er, er konnte es nicht beschreiben, aber er fühlte es.
Jetzt ritt er wieder zwischen den spärlich gesäten Kiefern der nahe liegenden Gebirge durch. Das Fell seines Pferdes glänzte vor Schweiß und Estel wusste, er musste es bald wieder schonen, wenn er es nicht platt reiten wollte.
Doch noch trieb er es an, er wollte den Vorsprung des Elben so gut es ging verkürzen. Er lehnte sich ein wenig nach vorne und näher an den Hals des stolzen Tieres um den Pferderücken so gut es ging zu entlasten. Das Tier verstand die Hilfen und legte noch einmal zu vorne tat sich wieder dichteres Baumwerk auf und Estel wollte dort die Nacht verbringen.
Doch auf einmal wurden die Augen des Menschen groß und erschrocken versuchte er sein Pferd zu zügeln, doch es war zu schnell, als dass es rechtzeitig bremsen konnte.
ÇNein!
Ein letztes Mal riss er an den Zügeln, doch es war zu spät die Fallgrube war zu nahe. Der mit Zweigen und Ästen ausgelegte Boden gab nach und Pferd samt Reiter stürzten in die metertiefe Aushöhlung. Ein angsterfülltes Wiehern entglitt dem Tier, bevor es auf dem Boden aufkam. Estel, von dem Sturz ein wenig benommen, richtete sich langsam auf und zog sein Bein so gut es ging unter dem Pferdekörper hervor. Aber er hatte keine Zeit sich zu besinnen, sein Tier geriet in Panik und versuchte freizukommen. Erst jetzt sah er, dass einige gespitzte Pflöcke aus der Erde ragten und einer sich in das Fleisch seines Pferdes gebohrt hatten. Er selbst war nur knapp davor entkommen, von einem der solchen aufgespießt zu werden, kleine Schrammen zierten ihn, doch bemerkte er sie nicht weiter. So gut es ging stand er auf und versuchte das Tier zu beruhigen, das Holz musste aus seinem Körper, wenn es überleben wollte.
Ruhig...ruhig...bleibe stehen!, flüsterte er immer wieder und versuchte sich dem nervösen Tier zu nähern.
Lass mich dir helfen..., redete er weiter und das Pferd sah ihn mit angstgeweiteten Augen und aufgeblähten Nüstern an.
Estel hatte es gerade erreicht und sah, dass das Holzscheit sich in die Schulter des Tieres gebohrt hatte und das Blut schnell heraus floss. Er wollte gerade Hand anlegen, als er einen Schatten auf sich spürte und ein Grunzen an sein Ohr drang. Langsam, bereits ahnend, um was es sich handelte, sah er auf und erkannte sie Orks!
Auch sein Pferd hatte sie gesehen, fing wieder nervös zu tänzeln an und hätte den Menschen beinahe umgestoßen, wäre er nicht rechtzeitig zurück gesprungen. Allerdings musste er sich stützten, griff unglücklich an einen weiteren Stumpf der spitz aus der Erde ragte und schnitt sich die Hand auf.
Was haben wir denn hier...doch noch ein Fang..., grinste eine der Kreaturen hämisch und gab Handzeichen den Menschen aus der Falle zu holen.
In Estel überschlugen sich die Gedanken. Sein Pferd! Orks! Die Falle! Sie kamen...er musste sich wehren!
Schnell zog er sein Schwert, als er die Worte des, Vermutlicherweise, Anführers vernahm, was sein Pferd nur wieder in Panik versetzte und erneut ängstlich und von Schmerz gepeinigt aufschrieen ließ.
Estel sah auf, doch er war zu langsam gewesen und sah nur noch den Schatten der auf ihn fiel. Mit dem Ork auf ihm ging er zu Boden und schloss für einen Moment, durch den harten Aufprall, die Augen. Sein Schwer war ihm aus der Hand geglitten und behände ergriff er es wieder, bevor er sich zu dem Ork umwandte und still blieb!
Das Viech war schneller gewesen und hatte immer noch halb auf ihm gelegen. Als Estel sich nach seinem Schwert umgewandt hatte, hatte es die Position verlagert und hielt ihm nun sein Krummschwert an den Hals. Als der Mensch erstarrt war, schenkte der Ork ihm ein Lächeln aus seiner dreckigen Fratze. Er schlug Estel das Schwert aus der Hand und zog ihn hoch, als die Hinterläufe des nervösen Pferdes gefährlich näher kamen und es sich nur weiter in den spitzen Pflöcken verfing.
Bring ihn endlich rauf!, befahl die harsche Stimme von oben wieder und der Ork bei Estel nickte mit einem Grunzen. Der Mensch wusste gar nicht, wie ihm geschah, als er umständlich gepackt und von dem Ork, welcher die Wurzeln hochkletterte, emporgezogen wurde. Oben angekommen, nutzte Estelseine Chance, trat dem Ork in seinen verfluchten Magen und sprang auf die Beine. Sein Schwert war unten in der Grube und die Rufe seines Pferdes hallten in seinem Gehör. Er wandte sich um, um nach dem Schwert des Orks zu greifen, doch er spürte den Schlag noch, bevor er das knallende Geräusch von Leder auf seiner Haut fühlte. Die Wucht des Peitschenschlages, welcher ihn am Kopf getroffen hatte, brachte ihn aus dem Gleichgewicht und er fiel. Sofort waren Orks auf ihm und hielten ihn unerbittlich auf den Boden gedrückt. Estel fühlte einen klobigen Fuß, der seinen Kopf zusätzlich nach unten drückte und hörte die drohende Stimme.
Versuch es nicht...es ist besser für dich!
Estel schluckte schwer und wollte sich bewegen doch die vielen Hände verstanden es, ihn daran zu hindern.
Tötet das Vieh endlich!, schrie der Ork, als ein weiteres gequältes Wiehern zu hören war.
Die letzten Kraftreserven in Estel kamen zum Vorschein.
Nein!, schrie er so gut er konnte. Nicht! Verschont das-... Weiter kam er nicht, der Ork trat ihm mit solcher Wucht gegen den Kopf, dass er vor Schmerz verstummte und im nächsten Moment nichts mehr außer Dunkelheit empfand.
Er bekam nicht mit, wie die Orks sich mit spitzen Hölzern um die Mulde stellten und auf das Pferd zielten, welches im nächsten Moment den Tod fand, durchstoßen von den Geschossen. Mit einem letzten Schrei und einem angestrengten Aufbäumen fiel es auf den Boden und das Brechen der Pflöcke, welche es unter sich begrub ging in dem Gebrüll der Kreaturen unter.
Estel hob langsam den Kopf, als er wieder erwachte. In seinem Innern fühlte es sich an, als würden sie mit Hammern gegen seine Schädeldecke einschlagen. Er blinzelte einige Male und wollte sich die Strähnen aus dem Gesicht streichen, doch als er seine Arme bewegen wollte, stellte er erbost fest, dass er an einen Baum gefesselt war. Jetzt kamen auch wieder die ganzen Erinnerungen zurück und erst jetzt nahm sein Bewusstsein wieder war, dass er umgeben von Orks war.
Sie schienen ihn nicht zu bemerken vorerst und er nutzte die Gelegenheit, um sich über seine Lage gewahr zu werden. Allerdings schloss er direkt wieder die Augen, als er nicht weit entfernt die Meute über dem Körper seines Pferdes hocken sah. Sie fraßen von dem Fleisch, rissen es beinahe aus dem Pferd...
Estel biss die Zähne zusammen und zog an seinen Fesseln, doch das einzige was geschah, war, dass sie sich in die dünne Haut seiner Handgelenke rissen. Fluchend gab er auf, etwas, was er lieber sein gelassen hätte die Orks wurden auf ihn aufmerksam und der Anführer, so wie Estel ihn sah, kam auf ihn zu. Die Mine des Menschen wurde bleiern und er versuchte sich nichts von seinen Gefühlen anmerken zu lassen.
Endlich wach...Kröte?, grunzte das stinkende Viech.
Was wollt ihr von mir?, gab Estel gereizt zurück, die Bemerkung des Orks überhörend.
Nach was siehts denn aus?, kam die Gegenfrage.
Estel sah zu seinem Pferd äußerlich war er gefasster, als er gedacht hatte, sein zu können.
Ihr habt euch satt gefressen!, sagte er und deutete mit einem Nicken zum Tier. Was habe ich noch damit zu tun?
Eine Menge..., grollte der Anführer zurück. Wenn wir dich am Leben lassen würden, würdest du uns wohl verraten...insofern wirst du sterben!
Estel schluckte hart das hatte er befürchtet. Allerdings musterte er den Ork vor sich skeptisch. Er schien ihm viel zu intelligent für ein Wesen dieser  RassRasse.
ÇVielleicht wurde bei ihm eine Ausnahme gemacht und sie haben ihm etwas von seinem Denkvermögen gelassen...
Der Ork lenkte Estels Aufmerksamkeit wieder auf sich, als er ihm hart gegen das Bein trat.
Willst du schnell sterben oder ist dir eine andere Variante lieber...?, fragte der Ork und zeigte dem Menschen seine verfaulten Zähne.
ÇDie andere Variante...losbinden, freilassen und wieder gehen...!
Er antwortete immer noch nicht, was ihm einen erneuten Tritt einbrachte.
Wahrscheinlich die andere Variante...! Wir haben noch ein paar Fragen an dich, die du, wie ich denke, nicht freiwillig beantworten wirst...
Estel sah ihn fragend an. Was-wollt-ihr-von-mir?, fragte er noch einmal, betonte jedes einzelne Wort und biss seine Zähne zusammen um sich selbst zu beruhigen, er konnte nicht leugnen, dass er Angst verspürte bei dem Gedanken ihnen hilflos ausgeliefert zu sein.
Dein Pferd war pfft elbisch!, der Ork spuckte die Worte geradezu aus. Sein Fleisch hat nur annähernd so gut geschmeckt wie von anderen Pferden und...
Er beugte sich zu Estel hinunter und strich über die Verzierungen an der Tunika des Menschen. Fast wie, als hätte er sich verbrannt, zog er seine Hand wieder zurück. ...deine Kleidung ist elbisch...du wirst von diesem Volk kommen...sag uns, wie wir dort eindringen können!
Estel war geschockt allerdings immer noch mehr von diesem Verhalten des Orks, da er immer noch nicht verstand wie solch eine Kreatur, solche Pläne und konkrete Gedanken haben konnte. Aber auch darüber, dass sie in Bruchtal eindringen wollten...
Er wich ein wenig an den Baumstamm zurück, an den er angebunden war und blickte den Ork stumm entgegen. Dieser verlor anscheinend die Geduld und riss ihn am Kragen hoch so gut es ging.
Sprich du Ratte!, knurrte er und sein fauliger Atem nahm Estel beinahe die Sinne.
Ich..., begann er und holte tief Luft. ...komme nicht von dem Ort, den Ihr meint!
Ein Schlag ins Gesicht war die Antwort und Estels Kopf flog zur Seite.
Sprich! Oder es wir dir noch leid tun! Das kannst du mir glauben...!, grunzte der Ork.
Nein..., gab Estel zähnebeißend zurück und fuhr mit seiner Zunge über die Innenseite seiner Wange, die von dem Schlag ein wenig eingerissen war.
Das WAR deine letzte Chance! Der Ork von der Größe eines Uruk-Hai richtete sich auf und brüllte etwas für den Menschen unverständliches in die Richtung seiner Kameraden. Estel versuchte an ihm vorbeizuschauen, doch wollte er es wirklich? Ein allgemeiner Tumult entstand und Estel sah mit Schrecken, dass nun auch die anderen auf ihn zukamen. Wieder zog er an seinen Fesseln und versuchte frei zukommen, aber der große Ork, zog sein Schwert und hielt es ihm an die Kehle, nicht ohne die Haut einzuritzen.
Estel erstarrte und schaute hasserfüllt zu den Kreaturen. Was sollte er nun machen? Er wollte sich gar nicht ausdenken, was sie nun vorhatten...er wollte nur noch verschwinden.
Sein Augenmerk glitt zu einem Ork der einen spitzen Stab in seinen Klauen hielt und ihn mit etwas betupfte. Der beißende Geruch stieg in Estels Nase, als dieser näher kam und er fragte sich, was das sein sollte, als er aus dem Gegrunze vereinzelte Bruchstücke vernahm Säure! Er hatte es klar vernommen. Sie wollten Säure an ihm verwenden. Sofort sah er Elrohir wieder vor sich und was dieses Elixier bei dem Elben angerichtet hatte. Angst überkam den Menschen, Angst vor den Schmerzen die auf ihn zukommen würden...aber er durfte nicht sprechen! Er durfte es nicht, zumahl er ihnen auch gar keine konkrete Antwort geben könnte. Woher sollte er wissen, wie man amungesehensten mit einer Horde Orks in Bruchtal eindringen konnte? Estel drückte sich weiter an den Baumstamm als der kleine Ork mit der Säurebefleckten Spitze zu ihm kam.
Nun? Reden oder schweigen...?, grinste der Anführer hämisch, doch er ließ dem Menschen noch nicht einmal Zeit für eine Antwort, als er dem kleineren Ork auch schon die Anweisungen gab.
Estel glaubte sterben zu müssen, als die Spitze seine Haut berührte. So schnell wie sie gekommen war, war sie auch schon wieder fort sie hatte seine Haut nur leicht berührt, doch was folgte war das Schlimmste, was der Mensch in seinem bisherigen Leben erlebt hatte. Es brannte furchtbar. Es war nur eine kleine Stelle, doch die Säure tat ihre Wirkung. Jetzt wusste er, wie sich Elrohir gefühlt haben musste. Nur zu deutlich spürte er, wie sich die Haut um die kleine Stelle ablößte und er biss energisch die Zähne zusammen um den Kreaturen keinen Schrei zu gönnen.
Gefällt dir das...?, fragte der Ork und weidete sich an dem Anblick des Menschen.
Estel konnte nicht antworten, er konzentrierte alle seine Sinne darauf, den Schmerz so gut wie möglich zu unterdrücken.
Mach weiter..., sagte der Anführer zu dem nebenstehenden Ork und die Menge um sie herum brüllte.
Der kleine wollte gerade wieder ansetzen und Estel bereitete sich innerlich auf die neue Schmerzwelle vor, doch es geschah nichts. Ein ersticktes Gurgeln entrann dem Ork und er ging vor dem Menschen zu Boden. Als er aufsah, sah Estel, dass ein Pfeil in dem Rücken des Vieches steckte.
ÇLegolas!
~~*~~
Legolas ließ sein Pferd gehen und sich den Weg suchen. Er lag flach auf dem starken Hals und duckte sich vor den tiefhängenden Ästen die ihn vom Rücken des Tieres zerren wollten. Er wusste, dass das Tier den richtigen Weg finden würde.
Kein weiteres Wiehern war an seine Ohren gedrungen, doch der letzte Laut des anderen Tieres würde ihm noch lange im Gedächtnis bleiben. Soviel Angst und Schmerz hatte darin gelegen, dass er für den Moment die Augen geschlossen hatte. Was war dort am Werk?
Daro!, sagte Legolas scharf und das Pferd stand augenblicklich still. Der Elb sah erschrocken vor sich auf die Lichtung ein Rudel Orks beschmutzte die saubere Erde und als er das zerfleischte Pferd sah und die mit dem Blut besudelten Orks, murmelte er elbische Worte, damit sein Geist sich beruhigte.
Schnell konzentrierte er sich aber wieder und sah sich um. Wenn ein Pferd hier gewesen war, musste auch der Reiter in der Nähe sein, wenn er nicht schon...
Ihn überkam ein mulmiges Gefühl und wieder sah er die Bilder seiner nächtlichen Träume vor seinen Augen.
Estel! Der Mensch musste hier sein, das Pferd war von ihm gewesen.
Seine elbischen Augen blickten sich hektisch um und jetzt sah er ihn gefesselt an einen Baum. Die Meute stand um ihn herum und Legolas sah, wie sich ein kleinerer Ork zu Estel beugte.
Nein...!
Blitzschnell griff er nach seinem Bogen und legte den ersten Pfeil an.
Ihr werdet ihm kein Leid zufügen..., murmelte er verbissen und ließ das Geschoss von der Sehne schnellen. Mit Zufriedenheit sah er, wie der Pfeil sein Ziel fand und der Ork mit einem Gurgeln zu Boden sank.
Schnell waren neue Pfeile angelegt und die Orks, nun durcheinander, boten in ihrer Unaufmerksamkeit ein leichtes Ziel.
Jetzt allerdings hatten sie ihn entdeckt und stürmten auf ihn zu. Legolas sprang flink von seinem Pferd und jagte es mit einem Schlag auf die Flanke zurück in den Wald.
Weitere Pfeile trafen und Orks fielen zu Boden, doch lange konnte der Elb sie mit den Geschossen nicht von sich fern halten und griff zu den Schwertern, die auf seinem Rücken ruhten.
Der erste Ork fiel bereits, tödlich getroffen von einem Hieb des Elben, zu Boden und rührte sich nicht mehr.
 Ich Ich muss zu Estel durchkommen!, waren die einzigen Gedanken des Elben, während er seine Klingen tanzen ließ.
Die Orks waren direkt von dem Menschen fort gerannt und zu ihren Waffen gestürmt und er sah sich in der Lage wieder an seinen Fesseln zu reißen so gut es ging. Die Stelle an der die Säure mit seiner Haut in Kontakt getreten war, brannte wie Feuer und der beißende Geruch stieg ihm in die Nase. Seine Handgelenke schmerzten furchtbar doch er wollte jetzt nicht aufgeben.
Ein Schrei ließ ihn innehalten und aufschauen ein Ork kam mit erhobener Waffe auf ihn zu gerannt und wollte ihm den Garaus machen. Estel rutschte an dem Baumstamm hin und her und war bereit sich mit Füßen zu verteidigen, doch auch dieser Angreifer fiel Legolas Schwert ragte ihm aus dem Rücken.
Estel konnte nicht anders, er musste lächeln, als der Elb zu ihm gerannt kam, das Schwert behände wieder aus dem Ork zog und die Fesseln des Menschen durchtrennte.
Was machst du hier?, fragte der Elb, sich hektisch umschauend.
Warum bist du fortgelaufen?, kam es nur als Gegenantwort Estels, der sich für einen Moment an den Baum lehnte und seine Wunde abtastete. Er konnte nicht anders, zischend atmete er die Luft ein und versuchte mit dem Ärmel seiner Tunika die Säurereste zu entfernen. Ein gedämpftes Stöhnen entrann seiner Kehle, als der Stoff mehr daran kleben blieb, als dass er die Säure entfernte.
Nimm dir eine Waffe!, hörte er Legolas Stimme und wurde sich wieder bewusst, dass um ihn herum immer noch die tobende Meute war.
Er griff nach dem Krummschwert des Orks, welcher tot vor ihm lag und stieß sich von dem Baum ab um seinem ersten Gegner entgegen zu eilen.
Legolas blieb immer in seiner Nähe er sah, dass der Mensch Schmerzen litt und derElb hoffte, dass Estel nicht leichtsinnig würde, nur um der Rache willen.
Die nächste Fratze tauchte vor ihm auf und der Elb hielt kurz inne und besah sich das Fauchen, bevor er sein Schwert erhob und es mitten durch sie hindurch stieß.
 Sie Sie sind dumm...!, war der trockene Gedanke, der ihm in den Sinn kam.
Der Elb schlug sich weiter durch und viel Blut besudelte die einst rein gewesene Erde - der Gestank derOrks stieg bis zum Himmel.
Estel wehrte sich verbissen gegen seine Gegner die auf ihn einströmten und parierte die meisten Schläge, so wie er ihnen ebenfalls den Tod brachte. Immer wieder versuchte er sich die Kampfstunden mit seinen Brüdern ins Gedächtnis zu rufen, doch lange konnte er nie darüber nachdenken die Orks warteten auf ihren Tod!
Sechs der stinkenden Kreaturen zählte er nun schon als besiegt, er hatte mit Schrammen und kleineren Wunden dafür bezahlen müssen und er hielt für einen Moment erschöpft inne und sah wieder auf seine versäuerte Wunde. Es brannte immer noch und wollte nicht mehr aufhören. Für den Menschen hatte sie sich sichtbar nicht weiter ausgebreitet, doch er spürte, dass die Säure sich nach Innen fraß und seine Bewegungen schwerer werden ließ.
Legolas sah sich gerade zwei Gegnern gegenüber, als er einen stechenden Schmerz in seinem rechten Arm verspürte eines der orkischen Schwerter hatte eine tiefe Wunde gezogen und das Blut quoll über seine Ärmlinge. Er unterdrückte ein Stöhnen, konnte aber nicht mehr drum rum, dass ihm die Waffe aus der Hand fiel. Mit einem wütenden Schrei stach er wild zu und brachte beiden Orks den baldigen Tod.
Estel!, rief er dem Menschen entgegen, der augenblicklich zu ihm sah.
Der Elb hob sein fallen gelassenes Schwert auf und warf es Estel zu, der es umständlich fing, sich umdrehte und einem Ork die Kehle durchbohrte.
Die Gruppe der Feinde wurde immer schmählicher und einige waren bereits wieder in den Wald geflüchtet.
 Ein Ein wenig Intelligenz ist ihnen also doch noch geblieben..., dachte Legolas, als er sah, wie manche die Flucht ergriffen.
Wieder wehrte er den Schlag einer der Kreaturen ab und als er sah, dass es dem Ork wieder gelang ihn zu streifen, machte er kurzen Prozess und rammte ihm sein Schwert in den Bauch wütend auf sich selbst, dass er dem Schlag nicht rechtzeitig ausgewichen war.
Estel brachte gerade einen weiteren zu Fall, als er sah, wie der Große, der Anführer, auf ihn zugetrottet kam.
Du wirst nun sterben!, knurrte das Viech ihm entgegen und Estel sah ihn aus konzentrierten Augen an. Der Ork meinte es ernst und ein Fehler seinerseits wäre jetzt unverzeihlich, wenn nicht sogar todbringend.
Er wich dem ersten Hieb aus, den der Ork vollzog und sprang über die Klinge, welche drohte, ihm die Beine weg zuschlagen. Wo war der wunde Punkt? Wo konnte er den Ork am besten verletzen, so dass er ihm den Tod bringen konnte?
Estel griff sich mit einer Hand an die Wunde und presste sie gedankenlos darauf. Mit einem Schrei zerrte er sie wieder fort und sah, dass ein wenig Säure nun auch an seine Hand gelangt war. Schnell fuhr er über den Stoff seiner Tunika doch das Brennen ließ nicht nach.
Der Ork bemerkte durchaus die günstige Ablenkung und griff den Menschen erneut an. Estel konnte den Schlag unter Aufbietung seiner Kräfte parieren, doch der Ork kämpfte nicht fair. Während er den Menschen noch mit seinem Schwert in Schach hielt, griff er ebenso mit seinen Klauen nach einem der langen Hölzer, die die Fallgrube gesäumt hatten und holte aus.
Estel blieb die Luft weg, als er den Stoß spürte, der seine linke Seite streifte. Er hatte noch ein wenig ausweichen können, doch das Speerähnliche Holz hatte sich tief in seine Haut gegraben. Bevor der Ork es wieder herauszog, drehte er noch einmal und grunzte zufrieden, als er den Schmerzverzehrten Blick des Menschen sah.
Legolas sah aus dem Augenwinkel, wie der Ork nach dem langen Holz griff um es Estelin den Körper zu rammen und fluchte, weil die Orks ihm keine Möglichkeit boten, zu dem Menschen zu kommen. Als er sah, wie das Holz sein Ziel traf erstarrte er.
Estel!, rann es ihm aus seiner Kehle und er hielt dem Ork der nun auf ihn zu gerannt kam sein Schwert hin, damit er hinein laufen konnte, was die Kreatur gewissenhaft tat.
Legolas sah sich um er musste diesen großleibigen Koloss von Estel fernhalten. Mit einem Sprung war er auf einem der niedrigeren Äste des Baumes und hielt sich an dem breiten Stamm fest. Die Orks die ihn gerade angreifen wollten schauten verwundert zu ihm hoch, doch der Elb griff bereits nach seinem Bogen und kümmerte sich nicht um die Viecher die versuchten ihn von dem Baum zu holen. Zwei Pfeile anlegend nahm er den Anführer ins Visier der gerade wieder zustechen wollte. Legolas kniff die Augen zusammen und zielte auf den Kopf des Orks, seine Hände zitterten, sein getroffener Arm drohte dem Dienst zu entsagen, aber sein Wille war eisern. Er musste jetzt durchhalten für Estel!
Mit einem Sirren lösten sich die Pfeile von der Sehne und zischten durch die Luft, bevor sie ihr Ziel trafen.
Der Ork vor Estel fiel mit einem Male nach hinten um und der Mensch wusste wieder einmal, dass er sein Leben Legolas verdankte. Als er registrierte, dass sein Gegner gefallen war, verließ auch ihn die Kraft und er ging endgültig in die Knie, bevor er auf den Boden fiel und zitternd liegen blieb.
Legolas sah mit Genugtuung wie die Pfeile sich ihren Weg gesucht hatten und blickte zu den Orks die ein wenig verwirrt zwischen ihrem Anführer und dem Elben hin und her sahen.
Viele waren nicht mehr übrig, neun an der Zahl, soweit Legolas sie alle ausmachen konnte und sie schienen sich einig, dass es das Beste wäre, nun die Flucht zu ergreifen und sich wieder in den Höhlen der nahen Gebirge zu verstecken.
Als er sich sicher war, dass keine der Kreaturen noch lebend in der Nähe war, sprang er von seinem Baum und landete katzengleich auf der Erde. Sein Arm schmerzte, aber dies stellte er jetzt zurück Estel war zu Boden gegangen.
Sofort lief er zu ihm und rollte ihn auf den Rücken, damit er ihn ansehen konnte. Der Mensch hatte viel Blut verloren, das erkannte Legolas auf den ersten Blick.
Estel...sieh mich an!, sagte er eindringlich und der Mensch öffnete die Augen.
Die Orks sind besiegt!, sprach der Elb weiter, nur um den Menschen bei Bewusstsein zu halten und ein Lächeln huschte über Estels Züge.
Legolas untersuchte mit geübten Griffen weiter den Körper des Menschen und als er die Stelle sah, an der die Orks die Säure verwandt hatten, entglitt ihm ein lästerlicher Fluch.
Dir haben sie es ebenso angetan..., stellte er fest.
Von Ferne drang wieder Orkgebrüll an seine empfindlichen Ohren.
Wir müssen hier weg!, sagte er und sah sich nach allen Richtungen um, bevor er nach seinem Pferd pfiff. Es dauerte nicht lange, da kam es hervorgesprengt und Legolas bewunderte wieder einmal die gute Erziehung der elbischen Tiere.
Komm! Wenn wir ein wenig entfernt sind, werde ich mich um deine Wunden kümmern!, sagte er, lud den Menschen auf seine Arme, der es stöhnend mit sich geschehen ließ und schwang sich schließlich hinter ihm aufs Pferd.
Dreizehntes Kapitel
Daro!, sagte Legolas leise. Der Elb sah sich um und lauschte in die anfängliche Dunkelheit des Waldes hinein. Sie hatten die Orks wenn sie sie denn noch verfolgten abgehängt. Kein zerstörendes Trampeln drang an sein Ohr. Nur das leise Gezwitscher einzelner Vögel die den Tag verabschiedeten und die Nacht, den Eulen anderen Nachtjägern überließen. Ein anderes Geräusch mischte sich in seine Empfindungen der rasselnde Atem Estels, den er noch immer vor sich auf dem Pferd hielt.
Während des schnellen Rittes hatte der Mensch immer wieder aufgestöhnt. Selten aber war er wieder zu sich gekommen und hatte von der Landschaft, die an ihnen vorbei zog, Teil genommen.
Legolas ließ sich von dem Rücken des Pferdes gleiten und war ja darauf bedacht, den Menschen so wenig wie möglich zu bewegen, damit die Haut um seine Wunde nicht wieder gespannt wurde und nur noch weiter einriss. Ebenso vorsichtig nahm er ihn schließlich von dem Tier und legte ihn auf den mit Grasbüscheln bedeckte Boden, um ihn sich noch einmal näher anzusehen.
Estel...!Estel, hörst du mich?
Immer wieder stellte er ihm diese Frage und erst jetzt schienen die Worte wirklich bei dem Menschen durchzudringen.
Ein Stöhnen verließ Estels Mund und er blinzelte zu Legolas empor, bevor er seine Augen ganz öffnete und den Kopf ein wenig wandte, um sich verwirrt umzusehen. Der Elb legte ihm beschwichtigend die Hand auf die Stirn und Estel sah wieder zu ihm.
Bleibe ruhig Estel! Ich bin in deiner Nähe...!, sagte er leise und seine melodiöse Stimme brachte Estel beinahe wieder in das Reich ohne Empfindungen.
Nein Estel! Du musst jetzt wach bleiben! Es ist nicht gut, wenn du wieder bewusstlos wirst!, flüsterte Legolas eindringlich und ließ seine Hand zu der des Menschen wandern.
Estel schluckte hart und schloss die Augen wieder, doch dann vernahm der Elb eine Berührung leicht war sie und schwach aber er spürte, wie Estel seine Hand drückte.
Legolas sah wieder zu der Wunde. Die verkrusteten Hautränder versuchten immer noch sich weiter fortzufressen, doch eine Entzündung, die die Haut rot aufleuchten ließ, arbeitete gegen die Säure und ließ sie sich nicht weiter verbreiten.
Legolas schloss für einen Moment die Augen um aufkommenden Tränen keine Chance zu geben sich zu verflüchtigen er durfte, nein, er wollte jetzt keine Schwäche zeigen.
Die Bilder des sterbenden Anardils drangen wieder in sein Unterbewusstsein und drohten, im die klaren Gedanken zu rauben. Er schluckte hart und sagte sich selbst, dass er jetzt nicht daran denken durfte! Nicht jetzt!
Er war von Bruchtal fortgeritten um zu verhindern, dass er Estel sterben sah, also würde er jetzt alles daran geben, dass dies nicht eintraf! Der Mensch sollte leben!
Er riss sich ein Stück des Stoffes aus seiner Tunika und versuchte behutsam, darauf bedacht, Estel so wenig wie möglich zu berühren, ein wenig der entzündeten und versäuerten Kruste abzuwischen.
Der Mensch stöhnte auf und wandte sich unter dem Elben. Legolas zuckte zurück, als er das schmerzverzehrte Gesicht Estels sah und hielt inne. Kleine Blutstropfen suchten sich wieder ihren Weg durch die Krusten und perlten an der Haut des Menschen ab. Die Schürfwunden, die er ebenso erlitten hatte, waren zwar teilweise tief, aber nicht weiter lebensbedrohlich. Sie würden nach und nach verheilen. Doch die versäuerte Wunde war ernst, sie würde es schaffen, dem Menschen, seinem Freund, das Leben zu nehmen. Er hatte nichts bei sich um die Wunde behandeln zu können. Wieder glitt sein Blick zu Estel und mit Schrecken stellte er fest, dass ein Fieber drohte, sich über den Menschen zu legen. Die Entzündungen hatten es in dem Menschen angestachelt und die ersten Schweißtropfen sammelten sich auf Estels Stirn.
Du musst nach Bruchtal!, stellte Legolas entschlossen fest. So schnell wie möglich...!
Rasch erhob er sich wieder und lud Estel auf seine Arme. Er pfiff nach dem Pferd und setzte ihn behutsam wieder vor sich auf das Tier.
Halte durch mein Freund!, sagte er, als Estel wieder gequält aufstöhnte. Wir werden es schaffen! Hörst du? Bring uns nach Bruchtal!, sagte er laut und das Pferd stob durch den Wald in Richtung seiner Heimat.
~~*~~
Wie lange waren sie nun geritten? Zeit...was war Zeit? Legolas stellte sich viele Fragen, während er auf dem Rücken des Tieres saß und Estel an sich gedrückt hielt, um dem Menschen so gut es ging, die Wärme zu geben, die er benötigte. Die Kleider Estels waren an Rücken und Brust nass vom Fieberschweiß und die Haare klebten ihm in der Stirn. Sein Atem ging unregelmäßig und Legolas` Hände, die den Brustkorb des Menschen umklammerten, hoben und senkten sich nur leicht.
,Ihm bleibt nicht mehr viel Zeit...
Wieder dieses Wort Zeit! Legolas hasste es. Er hatte es in den vielen Jahrhunderten zu hassen gelernt. Die Zeit war der gefährlichste Gegner, fand er! Sie nahm die Leben meist zu früh. Viel zu schnell verran sie, wenn sie gebraucht wurde und für ihn...für ihn wollte sie nie enden...
Er trieb das Pferd noch mehr an. Die Nacht neigte sich schon dem Ende und das gräuliche Zwielicht kündigte den nahenden Tag an. Seine eigenen Wunden spürte er nicht. Das Blut an seinem Arm war getrocknet und auch die Schürfwunden hatten zu brennen aufgehört. Sein Körper war geschwächt, doch er merkte es gar nicht die Sorge um den Menschen war zu groß, als dass er eigene Empfindungen spürte.
,Ein Wettlauf mit der Zeit...
Er musste es einfach schaffen, er musste Estel nach Bruchtal bringen, bevor das Leben aus dem Menschen vollkommen geflossen war. Immer wieder wunderte er sich, dass diese einzige Wunde Estel in solch einen Zustand gebracht hatte. Die Säure muss Gifte enthalten haben...Gifte die Elrohir nicht zu spüren bekommen hatte.
Legolas...
Der Elb parierte das Tier direkt zum stehen und er beugte sich zu dem Menschen.
Estel!, sagte er eindringlich. Estel! Ich bin hier, ich bin bei dir!
Er wartete auf eine Reaktion und nach einer für ihn unendlich lang erscheinenden Weile regte sich der Mensch in seinen Armen wieder und hob ein wenig den Kopf.
Le-..., setzte er wieder an und der Elb spürte das aufkommende Beben in dem Körper vor ihm.
Warte...!, sagte er leise und sprang vom Pferd. Ich helfe dir...halte durch...!
Wieder nahm er Estel vom Rücken des Tieres und legte ihn behutsam auf den steinigen Boden. In dem grauen Licht wirkte Estel, als hätte er das Licht dieser Welt bereits verlassen und sich auf neue Wege begeben Wege, auf denen Legolas nicht folgen konnte...
Estel..., immer wieder sprach er ihn an und rief ihn beim Namen, doch die erhoffte Reaktion blieb aus. Nur noch das Heben und Senken Estels Brust signalisierte ihm, dass der Mensch noch lebte.
Legolas spürte die Verzweiflung wieder in sich aufkommen. Sie waren so nahe an Bruchtal...so nahe...er musste ihm helfen! Und wenn es seine ganze Kraft kosten würde... Seine Kraft! Das war es... er musste seine elbischen Kräfte einsetzen! Er musste Estel das Leben retten! Er hatte sie noch nie verwandt, noch nicht bei jemand anderem, jemanden, der so knapp vor dem Tod stand und mit ihm rang. Es würde ihn viel kosten...
Ihn wirst du mir nicht nehmen!, sagte er entschlossen und mahnte sich zur Ruhe.
Er schloss die Augen und legte seine Hände auf den Brustkorb des Menschen er hob sich nur noch ganz schwach. Sein Blick ging nach innen und er rief seine Geister an. Er spürte die Kraft, seine elbische Kraft, wie sie sich in seinem Innern sammelte. Sie kam aus seinem ganzen Körper und lief zu einem Punkte zusammen. In seinem Herzen staute sie sich, sie sammelte sich und Legolas konzentrierte sich, sie festzuhalten, sie jetzt nicht entfläuchen zu lassen. Er würde sie auf Estel übergehen lassen! Sein Körper zitterte vor Anspannung und seine Wunde am Arm brannte wie Feuer, doch er ignorierte es. Er atmete tief ein und hielt seine Hände fest auf Estels Oberkörper. Legolas spürte wie seine Kraft von seinem Herzen ausgehend, in seine Hände überging und schließlich auf Estel. Er musste sich konzentrieren soviel hing davon ab! Estel würde leben! Ein letztes Mal strengte er sich an, bevor er neben dem Menschen zu Boden fiel und für einen Moment zwischen Raum und Zeit wandelte.
Als er die Augen wieder öffnete, blitzten erste Sonnenstrahlen zwischen den Baumkronen hervor. Estel lag neben ihm und Legolas blinzelte einige Male, bevor er sah, wie sich Estels Brust hob und senkte.
Ein Lächeln huschte über seine Züge, bevor er das Bewusstsein verlor und die Anstrengungen ihren Tribut zollten.
~~*~~
Elladan ritt schweigend neben Elrohir und hing seinen Gedanken nach.
Seit sie aufgebrochen waren um Estel zu folgen, plagte ihn ein Gefühl der Unruhe. Kein Wunder eigentlich, hatte Elrond selbst die Angst um seinen Ziehsohn in den Augen gestanden, als er davon erfahren hatte, dass Estel ausgerissen war. Solche Zeichen bei seinem Vater bedeuteten nichts Gutes und sie hatten sich umgehend auf den Weg gemacht, um nach dem Menschen zu suchen.
,Er wird nicht erfreut sein, dass wir ihm nachstellen..., ging es ihm durch den Kopf. Aber er war noch so jung mit seinen neunzehn Jahren selbst für einen Menschen war dies erst der Beginn, sich endgültig von der alten Kindheit zu lösen und erwachsen zu werden.
Sein Blick glitt zu Elrohir, doch dieser ritt mit unbeweglicher Mine neben ihm her. Elladan seufzte innerlich. Er kannte seinen Bruder und hoffte, dass er sich nicht von seinen Gefühlen leiten lassen würde...
Elladan!, sagte Elrohir auf einmal im scharfen Ton und der ältere Zwilling sah zu ihm, bevor er Elrohirs Blick folgte.
Legolas Pferd!, entfuhr es ihm und er sprang vom Rücken seines eigenen und rannte zu dem grasenden Tier wenige Meter vor ihm. Beruhigend tätschelte er ihm den Hals und erreichte mit dieser Geste, dass das Pferd den Kopf hob.
Wo ist Legolas?, fragte Elladan das Pferd mit wachsender Unruhe. Wo ist Estel?
Das Tier schnaubte, bevor es sich auf den Hinterläufen umdrehte und wieder im Gebüsch verschwand.
Hinterher!, sagte Elrohir und trieb sein Pferd bereits ebenfalls durch die Sträucher.
Elladan folgte ihm, sobald er wieder aufgesessen war. Wieso war Legolas Pferd reiterlos? Wo war dann Estel? Die Unruhe in ihm wuchs und er fühlte die Beklemmung, die von Elrohir Besitz ergriffen hatte. Er ritt neben ihn und legte ihm brüderlich eine Hand auf die Schulter. Sein jüngerer Bruder schenkte ihm ein kleines Lächeln, doch als er wieder nach vorne sah, erstarrte es und blitzschnell war er vom Pferd gesprungen. Legolas Pferd hatte angehalten und jetzt sah auch Elladan das Bein welches hinter einem der großen Büsche hervorragte. Ebenfalls wie der Wind, war auch er vom Tier gesprungen und hinter Elrohir hergerannt.
,Bitte...lass ihn nicht... Es waren die einzigen Gedanken die ihm in dem Moment im Kopf umherschwirrten.
Als er aber hinter dem Gebüsch ankam, stockte ihm für einen Moment der Atem Legolas!
Elrohir kniete bei dem Menschen und Elladan ging zuerst zu Legolas und hockte sich neben ihn. Immer wieder sprach er ihn leise mit seinem Namen an, bevor sein Blick zu den Schrammen und der Armwunde glitt, die er erlitten hatte. Diese Wunden waren allerdings kein Grund für einen Elben in solch einem Zustand zu sein. Etwas anderes musste daran liegen...
Elladan!, hörte er Elrohirs Stimme und er ging sofort zu ihm und Estel. Bei ihnen angekommen, zog er geräuschvoll die Luft in seine Lungen.
Orks..., murmelte er und sah direkt, dass es sich um eine versäuerte Wunde handeln musste.
Er hat bereits Fieber..., murmelte Elrohir leise neben ihm und strich dem Menschen die verschwitzten Haare aus der Stirn.
Elladan zog den Stoff der Tunika des Menschen ein wenig zur Seite um die Wunde noch besser betrachten zu können.
Sie ist sehr ernst..., gab er von sich. ,Eigentlich hätte er schon längst keine Kraft mehr zum Leben haben dürfen..., dachte er sich, wagte aber nicht, die Worte laut auszusprechen. Sein Blick glitt wieder zu Legolas und er wusste, dass der Elb seine elbischen Kräfte eingesetzt haben musste, um Estel das Leben zu retten.
Wir müssen sie so schnell wie möglich nach Bruchtal bringen!, sagte Elladan entschlossen und erhob sich bereits.
Ich nehme Estel!, sagte Elrohir und ein kühler Blick glitt zu Legolas.
Elladan bemerkte ihn, sagte aber nichts, sondern nahm den Elben vorsichtig auf die Arme und setzte ihn vor sich aufs Pferd, bevor er sich selbst dahinter setzte und Elrohir folgte, der im schnellen Galopp den Weg nach Hause antrat.
~~*~~
Adar!, rief Elrohir, als er mit Estel in den Armen durch die Gänge eilte. Als ein Bediensteter seinen Weg kreuzte wandte er sich an ihn. Gehe und hole den Herrn Bruchtals! Schnell! Der jüngere Elb nickte und eilte fort.
Bringe ihn in sein Zimmer!, erklang die Stimme Elladans hinter ihm. Ich werde Legolas versorgen.
Elladan ging mit dem immer noch bewusstlosen Prinzen auf den Armen in das etwas entfernte Gemach und legte ihn vorsichtig nieder. Er öffnete ihm die Tunika und zog sie ihm vorsichtig aus, damit er sich besser um die Armwunde kümmern konnte.
Während er still mit Kräutern Legolas versorgte, erinnerte er sich Elrohirs Blick und er wusste, dass sein Bruder Legolas die Schuld an all dem gab.
Der Lauf der Zeit ist nicht zu ändern..., murmelte er vor sich hin und strich dem Sindarelb einige Strähnen aus der Stirn. Warum bist du fortgeritten?, fragte er ihn und beobachtete das ruhige Gesicht des Elbenprinzen, bevor er aufstand und leise die Türe hinter sich schloss.
Elrohir hatte Estel ebenfalls zu Bett gelegt, wagte aber nicht, Hand an den Menschen zu legen, bevor Elrond kam. Als er das leise Öffnen der Türe hinter sich wahrnahm, drehte er sich gehetzt um, doch als er Elladan erkannte, beruhigte er sich wieder ein wenig.
Wie geht es ihm?, erklang die weiche Stimme seines Bruders, doch Elrohir zuckte nur mit den Schultern.
Elladan wollte gerade wieder ansetzen und ihm aufmunternd zusprechen, doch abermals öffnete sich die Türe und herein trat Elrond und eilte zu den beiden.
Geht hinaus!, befahl er, als er sich über Estel gebeugt hatte.
Aber Adar-...
Geht hinaus! Elrond sah sie an. Ich kann mich nicht konzentrieren, wenn ich eure besorgten Gemüter um mich weiß und in eurer Aufregung seid ihr mir ebenfalls keine Hilfe!
Seine Worte klangen härter, als er beabsichtigt hatte, sie auszusprechen, doch Elladan und Elrohir fügten sich und verließen mit einem letzten Blick auf den fiebrigen Estel das Gemach und ließen die Heiler zu ihrem Vater.
Als sie die Türe hinter sich geschlossen hatten, lehnte sich Elrohir erschöpft an die kühle Wand und schloss für einen Moment die Augen. Er fand keine Ruhe, sein Geist bedrängte ihn mit längst Vergangenem und Furchtsamen.
Die beiden warteten eine ganze Weile und immer wieder traten Heiler aus dem Gemach des Menschen, holten neue Tücher oder brachten von Blut gefärbte fort. Schließlich hielt Elrohir es nicht mehr aus und wandte sich rasch ab.
Elrohir!, erklang die Stimme seines Bruder hinter ihm und er wandte sich um.
Vergib Legolas..., sagte Elladan leise und musterte seinen Bruder lange, der ihn still ansah, sich dann aber abrupt abwandte und in den Gängen verschwand.
Elrohir ging durch die unzähligen Flure Bruchtals, nein, er lief beinahe. Immer schneller trugen ihn seine Beine, bis er schließlich ins Freie gelangte und schwer atmend stehen blieb. Seine Arme hingen lose an seinen Seiten herab und sein Blick verlor sich im Nichts. Die Gedanken des Elben überschlugen sich, sein unruhiger, rastloser Geist ließ ihn nicht los. Erinnerungen Vergangenes und Verdrängtes überschlugen sich in seinem Innern, doch all dies blieb für einen unwissenden Betrachter im Verborgenen.
Elrohir merkte kaum, wie seine Beine ihn weiter trugen. Sie brachten ihn fort von den Gemäuern und führten ihn über die verschlungenen Pfade Bruchtals durch die blühenden Gärten. Die meisten Blumen zogen ihre Hälse ein um ihre zarten Blüten vor der Kühle der Nacht zu schützen. Die Nachtpflanzen hingenen entfalteten sich in dem immer schwächer werdenden Zwielicht und erblühten in ihren dunklen, samtigen Farben.
Elrohir schenkte all dem kaum Aufmerksamkeit, er rannte beinahe über die Pfade. Plötzlich blieb er stehen, sein fröstelnder Atem strich die kühle Luft. Er sank auf die Knie und sein Blick glitt zu einem, vom Wetter geschliffenen Stein. Ranken von Efeu überwucherten ihn und Elrohir musste sie erst sacht zur Seite schieben, ehe er die Initialen, die den Stein zierten, sichten konnte:
Zeichen, die nicht vergehen
Erinnerungen, verankert in Körper und Geist
Fort, weit fort, ich bin
Die Liebe wird nicht verwehen
Celebrían hatte diese Zeichen in den Stein geritzt, bevor sie Bruchtal für immer verlassen hatte...
~Elrohir und Elladan standen auf den Stufen, die zu Bruchtal empor führten.
Im Hof standen bereits einige wenige Pferde, die Celebrían und ihr Gefolge zu den grauen Anfurten bringen sollten.
Glorfindel stand hinter den Zwillingen und sah hinauf zu den Gemäuern, die Bruchtal zierten. Schließlich kam Elrond, Celebrían im Arm haltend, die Stufen hinab. Nach außen hin wirkte er gefasst, doch die Zwillinge und selbst Glorfindel wussten, dass dem nicht so war. Als sie schließlich bei den dreien ankamen, verabschiedete sie sich erst von Glorfindel, bevor sie sich Elrohir zu wandte.
Wortlos nahm er sie in die Arme und drückte sie nah an sich. Er fühlte ihren schwachen, gebrechlichen Körper in seinen starken Armen. Seine Hände fühlten ungewollt über ihren zarten Rücken und streichten Narben... Er wollte sie nicht loslassen, wollte nicht mit ansehen müssen, wie seine Mutter zu den grauen Anfurten entschwand und ihn zurück ließ. Er musste sich korrigieren. Irgendwann einmal würden sie sich wieder sehen, wenn seine Zeit ebenfalls gekommen war und er sich zu den Landen im Westen aufmachen würde. Doch diese Zeit war noch so fern...
Seine Mutter erwiderte seine Umarmung und löste sich schließlich von ihm. Er sah, dass sie die Tränen zurück hielt. Ihre Hand erhob sich und glitt ihm sanft über die Wange, bevor sie ihm einen Kuss auf die Stirn hauchte und sich seinem älteren Zwillingsbruder zuwandte... ~
Elrohir bemerkte nicht, dass ihm Tränen über die Wangen liefen. Es war merkwürdig...in all den Jahren hatte er diese beklemmenden Gefühle weitmöglichst verdrängt gehabt, doch von Zeit zu Zeit suchten sie sich ihren Weg durch sein Bewusstsein und schwappten an die Oberfläche. Meist reichte ein einfacher Gegenstand seiner Mutter um ihn an den Schmerz, den er empfunden hatte, als sie fort gegangen war, zu erinnern. Wie lange war es jetzt schon her... Jahre? Jahrzehnte?
Und die Menschen beneiden uns um unser unsterbliches Leben..., entfuhr es ihm beinahe spöttisch. SIE müssen nicht den Fortgang von Geliebten mit ansehen, SIE müssen den Schmerz nicht über die Jahrhunderte, Jahrtausende in sich tragen...
Ein leises Lachen entrann seiner Kehle. Die Welt war verrückt...
Wieder kamen Bilder in seine Gedanken. Bilder, die er nicht sehen wollte, die sich aber ihren Weg immer weiter in sein Bewusstsein gruben.
~Bringt sie in ihr Gemach!, befahl Elrond seinen Söhnen, die die leblose Celebrían in den Armen hielten. Sie hatten sie von den Orks gerettet und nach Bruchtal gebracht mehr tot als lebendig. Sie sah schlimm aus. Blaue und weinrote Blutergüsse zierten ihre blasse Haut. Schrammen und Schürfwunden überwucherten ihren Rücken und unzählige Kratzer verunstalteten ihre kaum noch lebensfähige Hülle...~
Estel... ihm ging es ebenso schlecht. Elrond kämpfte vermutlich gerade um sein Leben. Elrohir konnte nichts dagegen tun, er fühlte, sah beinahe, wie sein Vater und Heiler von Bruchtal um das Leben des jungen Menschen kämpfte.
Elrond beugte sich über seinen Ziehsohn und strich ihm die verklebten Strähnen aus der Stirn. Der Mensch sah furchtbar aus. Die Kratzer, die seine Haut überwucherten und stellenweise auch sein Gesicht verunstalteten, ließen ihn blaß und schutzbedürftig erscheinen. Doch um sie kümmerte sich der Elbenherr nicht. Sein Hauptaugenmerk galt der Säure. Wie bei Elrohir hatte sie sich weit vorran gefressen, doch die Wunde des jüngeren Zwillings war nichts im Gegensatz zu dem, was er hier sah.
Glorfindel! Gebe mir die Tücher und die Mixtur...!, befahl er seinem langjährigen Freund, dem er als einzigstes erlaubt hatte, mit in dem Gemach des Menschen zu bleiben. Er wollte so wenige wie möglich um sich haben. Glorfindel aber gab ihm ein wenig Halt und Unterstützung um sachlich Estels Wunden zu versorgen und sich nicht den unterdrückten Emotionen hinzugeben.
Glorfindel gab ihm den, in Kräuter getränkten, Lappen und Elrond hielt inne, bevor er begann, vorsichtig Estels versäuerte Wunde auszuwaschen. Reines Wasser hatte er nicht nehmen wollen, da er nicht wusste um was für eine Art von ätzender Substanz es sich handelte. Die Kräuter entschärften die Wirkung, falls das Wasser reagieren sollte. Vorsichtig tupfte er die entzündete Haut des Menschen ab, spürte jedoch jedes einzelne Zucken Estels, bei seinen Berührungen. Selbst in der Ohnmacht und dem tiefen Fieber spürte der Mensch seine Berührungen. Der Elbenherr hörte sich selbst, wie er dem Menschen beruhigend zu sprach. Einen schlafbringenden Trank hatte er ihm gar nicht einflößen müssen, Estel war so dem Fieber und der Ohnmacht verfallen, dass ein beruhigendes Mittel seinem Kreislauf eher geschadet hätte.
Mittlerweile hatte er die Ränder der Wunde gesäubert, doch der schwierigste Teil stand ihm noch bevor. Die Wunde war tief und das rote Fleisch schimmerte wässernd. Elrond griff zu einem glatten, aus fließender Seide bestehendem Tuch. Grober Stoff würde zu schnell an dem Fleisch kleben bleiben und das wollte er seinem Ziehsohn ersparen. Immer weiter arbeitete er sich vor, der Schweiß stand dem Elbenherrn auf der Stirn. Alle seine Sinne waren geschärft um dem jungen Menschen nicht mehr Schmerzen als nötig zuzufügen. Nach unendlich lang erscheinender Zeit hatte er die Wunde weit gehend gesäubert und seine geübten Augen sahen, dass der meiste Teil der Säure hinaus gewaschen war, sie reagierte nicht weiter. Die Haut des Menschen musste von der Behandlung brennen und Elrond strich eine beruhigende Salbe auf die Rände, bevor er einen lockeren Verband um den Brustkorb des Menschen band ein wenig Luft musste das Fleisch erreichen, damit es heilen konnte. Glorfindel reichte ihm einen anderen Lappen und Elrond wusch seinen Ziehsohn so gut es ging, den Schmutz von seiner Haut und aus den Haaren. Auf die unzähligen Kratzer strich er ebenfalls eine Paste, bevor er Estel noch einen Fieber lindernden Trank einflößte und ein Tuch zur Kühlung auf die Stirn legte.
Jetzt heißt es warten..., sagte er beinahe tonlos.
Elrohir spürte nicht mehr, dass er sich bei seinem Vater und Estel im Gemach befand, er war wieder in den Gärten Bruchtals und fühlte eine Berührung. Elladan war hinter ihn getreten und hatte ihm eine Hand auf die Schulter gelegt.
Alae muindor..., sagte Elrohir leise und Elladan kniete sich neben ihn, den Blick auf den Stein gerichtet.
Du kannst die Zeit nicht zurück drehen..., sagte Elladan und wandte den Blick zu seinem Bruder.
Elrohir nickte leicht, sagte aber vorerst nichts. Seine Gedanken glitten wieder zu Estel.
Zürnst du Legolas immer noch?, fragte Elladan ebenso leise, wie zuvor und beobachtete das Mienenspiel seines Bruders. Es dauerte einige Zeit, bis Elrohir leicht, fast verkennbar nickte.
Elrohir..., begann sein Bruder darauf hin erneut. Irren ist menschlich...doch auch wir Elben sind nicht vollkommen wenn auch in vielen Punkten mehr als die Menschen...
Als sein Bruder nicht reagierte, sprach Elladan weiter.
Estel wird wieder gesund werden. Er wird dich uns nicht verlassen, daran glaube ich ganz fest. Du wirst den Schmerz nicht wieder durchmachen müssen. Er ist noch jung und wird noch viele Jahre leben, er ist ein Dundeaín. Elladan konnte es nicht erklären, er war einfach mit seinem Bruder verbunden und wusste, was er fühlte. Die Bindung der Zwillinge verband sie auf eine ganz und gar besondere Weise.
Legolas kann genauso wenig wie wir etwas dafür, dass Estel solch einen Dickkopf hat und immer überstürzt handeln muss... Er hat ihn nicht gebeten, ihm zu folgen...!
Aber..., setzte Elrohir an, doch Elladan unterbrach ihn.
Kein aber Elrohir...du weißt genauso gut wie ich, dass man dem Schicksal nicht entrinnen kann. Das was einem bestimmt ist, wird geschehen...!
Elrohir versank tief in Gedanken. Die Worte seines Bruders berührten ihn und er konnte nicht drum herum, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Er wusste, dass Elladan recht hatte, aber er sträubte sich noch dagegen, das auch einzusehen.
Estel muss erst gesunden..., sagte er langsam und sah zu seinem Bruder auf.
Und dann...?
Dann..., begann er wieder. Werde ich Legolas vergeben...!
Elrohir...!, sagte Elladan ernst. Du bist starrsinnig wie ein Ork, wenn nicht sogar wie der Balrog selbst!
Ich weiß..., sagte sein jüngerer Bruder langsam und sah ihn mit einem Blick an, den Elladan zu deuten wusste.
,In seinem Innern hat er ihm bereits vergeben..., dachte sich Elladan und erhob sich. Er umarnte seinen Bruder innig und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
Ich lasse dich eine Weile alleine..., sagte er und ging so leise wie er gekommen war davon. Elrohir blickte wieder zu dem Stein seiner Mutter...
Vierzehntes Kapitel
Legolas erwachte, als eine Hand sacht durch seine Haare strich. Für einen Moment glaubte er sich daheim und dass seine Mutter neben seinem Bett stünde. Als er die Augen öffnete, erkannte er, dass dem nicht so war. Herr Elrond stand neben ihm, murmelte Worte, die er im Moment nicht zuordnen konnte und sah ihn aus müden Augen an.
Legolas blinzelte einige Male und richtete sich auf, den Blick nicht von Elrond wendend. Er war wieder in Bruchtal... Wie-? Die Erinnerung überkam ihn wieder.
Estel! Wo ist er?, fragte er den Elbenherrn und war bereits im Begriff das Bett zu verlassen, in welchem er sich befand. Elrond hielt ihn sacht aber bestimmt davon ab, indem er ihm eine Hand auf die Schulter legte.
Er ist hier...!, antwortete er langsam, aber Legolas hörte den traurigen Unterton aus der Stimme Elronds.
&Mac226;Wie geht es ihm...?, fragte er, ohne es auszusprechen. Er hörte seine Worte wie ein Echo nachklingen und las in den Augen des Elbenherrn die Antwort ab: &Mac226;Nicht sehr gut...!
Ich möchte bitte zu ihm...!, sagte er nun entschlossen und stand auf.
Er schläft..., antwortete Elrond, doch der Sindarprinz ließ sich nicht beirren.
Ich werde wachen! Ihr braucht Schlaf!
Elrond entgegnete nichts. Er sah Legolas nur stumm an und drang in sein inneres Bewusstsein vor. Als er Legolas Vorhaben - das noch zu versteckt war, als das er selbst schon wusste, was er vorhatte erkannte, nickte er schließlich.
Aber sei nicht erschrocken..., warnte er ihn noch, mit beinahe geflüsterten Worten.
Legolas senkte den Blick. Das werde ich nicht. Ich bin es zum Teil schuld, dass er jetzt-...
Als er sah, wie der Elbenherr die Augen schloss, verstummte er und ging lautlos zur Türe, um sie hinter sich zu schließen.
Bruchtal war in Stille gehüllt nicht einmal die leisen Gesänge der Elben waren zu hören. Legolas überkam ein Schauer. So still war es meist nur, wenn der Tod Einkehr in das Haus gehalten hatte. Schnell verdrängte er den Gedanken wieder und ging zu Estels Gemach. Vorsichtig öffnete er die Türe und als er sah, dass kein anderer zugegen war, ging er hinein und langsam auf den Menschen zu. Estel sah blass aus, wie er auf dem Bett lag. Legolas Herz ging schneller, als er sich an die Bettkante setzte und behutsam die Hand des jungen Menschen ergriff. Seine Haut erschien dem Elben kalt. Beinahe zärtlich legte Legolas seine Hand auf Estels Brust, möglichst versucht, die Wunde nicht zu berühren. Sein Gesicht zeigte keine Regung, als er nur schwach spürte, wie die Brust sich hob und senkte.
Vor Legolas Auge traten wieder die Bilder des Geschehenen. Estel wäre beinahe gestorben... wegem ihm! Wäre er nicht fort geritten... Als er weiter das Gesicht des Menschen musterte, überkam ihn wieder eine Vision Anardil...
Legolas schloss schnell die Augen und schüttelte, Unheil abwehrend, den Kopf. Wegen diesen Visionen war er davon geritten... Er sah wieder zu Estel und hielt seine Hand weiterhin in der seinen.
Ich bin ein Dummkopf..., sagte er auf einmal, als würde er es für sich selbst feststellen.
Elrohirs Geist dämmerte in anderen Gefilden. Elladan und er saßen auf der Veranda zu Estels Gemach und ließen sich von der Morgensonne bescheinen. Elrohir war in der Nacht gekommen um nach Estel zu sehen und zum Morgen hin, hatten sich die beiden Zwillinge ein wenig an die frische Luft gesetzt. Ohne Worte hatten sie sich verständigt und hingen nun ihren eigenen Gedanken nach.
Als Elladan ein Geräusch hörte, richtete er sich auf. Er schob die luftigen Gardinen ein wenig zur Seite und sah in den Raum. Elrohir hatte es ebenfalss gehört und folgte seinem Blick. Als er Legolas sah, wollte er schon aufstehen, doch Elladan hielt ihn davon ab. Der Sindarelb schien die beiden nicht zu bemerken...
Ich bin ein Dummkopf...
Elladan sah zu seinem Bruder, als er diese Worte vernahm. Würde Legolas sich nun endlich öffnen? Wenn sie sich jetzt zeigen würden, würde der Prinz nur wieder eine Schutzmauer um sich ziehen. Es hieß, dass selbst im Schlaf, Gesagtes aufgenommen werden konnte. Legolas würde vielleicht nicht zu Estel sprechen, würde er bei Bewusstsein sein... Vielleicht war dies die erste und letzte Möglichkeit... Elladan ließ die Gardinen wieder vorsichtig los und bedeutete seinem Bruder still sitzen zu bleiben, bis der Elbenprinz wieder fort sein sollte.
&Mac226;Ich bin ein Dummkopf... Die Worte kreisten in Legolas Bewusstsein. Wahrscheinlich war er es wirklich. Er fühlte unter seinen Fingern den schwachen Puls des Menschen. Wie lange würde dieser Puls noch schlagen...? Der Elb schüttelte den Kopf und sah wieder zu dem Estel.
Du bist nicht wie Anardil..., sagte er dann. Dein Schicksal hat andere Wege für dich vorgesehen..., sprach er weiter und bemerkte bei jedem Wort, wie gut es tat, sie auszusprechen.
Anardil...er war jemand besonderes in meinem Leben Estel...
Die Gesichtszüge des Menschen blieben gleich, doch Legolas wollte jetzt reden. Er wollte ihm alles sagen, was er schon längst hätte sagen müssen.
Er ähnelt dir ein wenig...aber war in mancher Hinsicht doch vollkommen anders... Ich traf ihn, da war er gerade sechzehn und noch völlig unerfahren will ich zumindest meinen. Sein Fuß hatte sich in einer Kaninchenfalle verfangen und nachdem ich ihn losgeschnitten habe, habe ich ihn in sein Dorf gebracht. Es war ein einfaches Bauerndorf, aber die Eltern von Anardil gaben mir Speis und trank, weil ich ihren Sohn &Mac226;gerettet hatte... Ich blieb eine Nacht lang dort und als ich am nächsten Morgen weiter ritt, versprach ich innerlich, ich würde wieder kommen. Anardil war mir ans Herz gewachsen... Er hieß eigentlich gar nicht Anardil, ich gab ihm diesen Namen, weil er den Tag so liebte und den Lauf der Sonne beobachtete, wie manche die Sterne. Ich kam wieder und besuchte ihn. Einen Menschen mit solch einer Energie und solch einer Lebensfreude hatte ich noch nie getroffen, wenn ich mich von ihnen nicht sogar fern gehalten habe. Aber es war ein schönes Gefühl jemanden mit solch einem Temperament um sich zu haben. Wir Elben sind da meist ein wenig einschläfernd. Anardil wollte Mittelerde sehen und richtig kämpfen lernen. Ich war gerne sein Lehrmeister und brachte ihm das Kämpfen mit dem Schwert, wie auch das Bogenschießen, bei. Selbst in den Düsterwald habe ich ihn einmal mitgenommen. Er zeigte mir Dinge der Menschen und ich wies ihn in einige Mysterien der Elben ein, doch... Legolas machte eine Pause und sah auf das verzierte Laken, mit dem Estel zugedeckt war. Er holte Luft und begann wieder: Er wurde älter. Ich konnte zusehen, wie er immer reifer wurde, mit Frauen anbandelte und zum Mann reifte. Ich hingegen, blieb so wie ich immer schon gewesen war. Nur meine Seele veränderte sich mit der Zeit. Das Äußere blieb... Zuerst ignorierte ich es. Weitere Jahre gingen ins Land und Anardil alterte weiter. Er zählte nun schon an die sechszig Sommer und konnte sein Dorf nicht mehr verlassen und durch die Wälder spazieren. Verantwortung lastete auf seinen Schultern, Verantwortung über sein kleines Dorf. Ich besuchte ihn weniger, mein Vater brauchte mich bei sich, aber immer, wenn ich in sein Dorf kam, erwartete er mich glücklich und wir verbrachten einige Zeit zusammen. Bei meinem letzten Besuch..., wieder brach er ab und holte Luft. Die Pest wütete in dem Dorf, in dem Anardil lebte. Viele hatte es schon dahin gerafft ich war immun dagegen. Doch mein Freund... Die Bilder bemächtigten sich wieder seiner. Mein Freund...ihn hatte es auch befallen. Er war ein Kämpfer, schon sein ganzes Leben lang war er einer gewesen. Aber über diese Krankheit konnte er nicht siegen. Dieses Mal war er machtlos. Es dauerte nicht lange und er war...tot! Wie so viele andere in dem kleinen Dorf...ich begrub ihn auf einer Anhöhe in der Nähe des Dorfes...
Legolas hielt wieder inne. Er hatte seine Augen geschlossen und rang nach Worten. Selbst die kleine Träne, die sich ihren Weg über seine Wange suchte, bemerkte er nicht. Die Bilder ließen ihn allmählich wieder los. Er konnte die Augen wieder öffnen und sah zu Estel.
Du erinnerst mich immer wieder an ihn Estel... Die gleichen Lebensgeister sind dir zu Teil. Ich hatte Angst... Anardil war ein Mensch gewesen, dem ich meine Liebe geschenkt hatte. Die Liebe, die ich vorher meiner Mutter entgegengebracht habe. Sie wurde mir genommen und schließlich auch Anardil... Ich habe damals alles verwünscht. Wer will unsterblich sein? Meiner Meinung nach, ist es nicht besser, als sterblich zu sein. Wenn nicht sogar schlimmer... Immer muss ich mit ansehen, wie geliebte Personen dahin siechen... Selbst du wirst irgendwann den Tod finden... Deshalb bin ich fort geritten. Ich wollte dem entgehen und die Freundschaft zu dir hinter mir lassen. Ich weiß nun, dass dies ein Fehler gewesen ist. Unsere beiden Schicksale scheinen mit einander versponnen...- mein Freund!
Er endete und sah still auf den Menschen herab lächelte er oder bildete er sich das ein? Legolas Blick glitt durch das Zimmer, bevor er wieder auf Estel ruhen blieb. Er lehnte sich nach vorne, küsste den Menschen auf die Stirn und erhob sich. Legolas fühlte sich befreit. Es hatte ihm gut getan, sich alles von der Seele zu reden. Auch wenn es schwer gewesen war, jetzt fühlte er sich besser. Er stand auf und wollte so leise, wie er gekommen war das Gemach verlassen, doch bevor er die Türe hinter sich zuziehen konnte, nahm er eine Bewegung in seinem Augenwinkel war und drehte sich zu dem Krankenbett um. Estel bewegte sich!
Elladan sah Elrohir still an, als Legolas sich der Tür zuwandte. Elrohirs Gedanken kreisten. Er konnte Legolas zu gut verstehen. Die Unsterblichkeit lastete auch auf ihnen schwer, wenn ein geliebter Mensch dahin schied...
Sein Blick kreuzte den Elladans.
Ich habe ihm verziehen...!
Estel hatte in Träumen geschwebt, die ihn, fern der Realität, festhielten. Auf einer Lichtung hatte er sich wiedergefunden, dort, wo er die Schmerzen nicht spüren konnte. Er lauschte dem Reden der Bäume, aber eine andere Stimme mischte sich in sein Unterbewusstsein. Sie kam ihm bekannt vor, auch wenn er sie nicht zuordnen konnte. Wieder lauschte er den Bäumen, doch die Stimme ließ ihn nicht los. Sie war weich und rein wie die eines Elben. Er kannte sie...Legolas! Es war die Stimme seines Freundes! Jetzt konzentrierte er sich auf die Eingebung oder war es Realität? Sie erzählte ihm eine Geschichte...Estel rief seinen Geist dazu auf, Legolas zuzuhören. Immer wieder driftete er ab. Je mehr er zuhörte, desto mehr glitt er in die Realiät zurück und dies brachte unweigerlich den Schmerz mit sich. Aber er spürte, dass dem Elben dies wichtig war und hörte die Geschichte von Anardil.
Als Legolas geendet hatte, fühlte Estel sich aufgewühlt in seinem Innnern. DAS hatte den Elben also die ganze Zeit bewegt. Er spürte die flüchtige Berührung auf seiner Stirn und, dass der Elb ihn wieder verlassen würde. Er musste ihn aufhalten, ihm sagen, dass er ihn verstanden hatte. Unter Aufbietung all seiner Willenskraft, öffnete Estel die Augen und blinzelte. Das Licht, auch wenn es hier in Bruchtal warm schimmerte, blendete ihn. Er wollte ihm nachrufen, stehen zu bleiben, doch er brachte keinen Laut über die Lippen. Sein Mund war wie ausgetrocknet. Aber er wollte doch mit ihm reden... halb wie in Trance versuchte er sich aufzurichten und seitlich aus dem Bett zu gleiten. Allerdings verdrehte er sich im Oberkörper dabei so, dass die Wunde erneut aufriss - ein gequältes Stöhnen verließ seine Lippen.
Legolas sah, wie der Mensch vor Schmerz das Gesicht verzog. Es bedurfte nur wenige Schritte und der Elb war wieder an dem Krankenbett.
Estel!, sagte er leise aber eindringlich und sah, wie sich kleine rote Punkte auf der Tunika des Menschen bildeten.
Die Wunde ist wieder aufgegangen..., hörte Legolas Elrohirs Stimme hinter sich und fuhr herum. Hinter ihm standen die beiden Zwillinge, die sich jetzt auch besorgt über Estel beugten. Elladan war neben Estel und redete auf ihn ein, er solle ruhig liegen bleiben und sich nicht weiter bewegen, ansonsten könne die Wunde sich nie richtig schließen.
Elrohir spürte Legolas fragenden Blick auf sich und antworte, als wäre es selbstverständlich: Wir waren auf dem Balkon..., ließ aber nichts darüber verlauten, dass sie gehört hatten, was der Elb dem Menschen erzählt hatte.
&Mac226;Sie wissen, was ich gesagt habe..., kam es Legolas augenblicklich in den Sinn. Legolas ging um das Bett herum an die andere Seite des Menschen und beobachtete, wie Estel sich darauf konzentrierte nicht aufzustöhnen, als Elrohir ihm behutsam die Tunika öffnete um den Verband zu überprüfen.
&Mac226;Vielleicht ist es besser so..., endete er seine Gedankengänge.
Sie ist nicht allzu sehr eingerissen. Ich denke, wir müssen Adar nicht direkt davon in Kenntnis setzen...!
Brennen tut sie aber wie sonst was..., bemerkte Estel mit rauer Stimme.
Da siehst du wieder einmal, dass du mir nicht immer alles nachmachen sollst, Estelchen!, sagte Elrohir schmunzelnd. Säure ist nichts für dich...glaub mir!
Estel zog eine Grimasse und kniff kurz die Augen zusammen. Es brannte immer noch wie Feuer, doch er wollte es ertragen er hatte schon lange genug geschlafen. Wenn er denn geschlafen hatte...sein Blick glitt zu Legolas und er erinnerte sich wieder der Geschichte des Elben, die er eben gehört hatte. Legolas wich seinem Blick aus und sah auf die Deckenmuster, die in den feinen Stoff eingewebt waren...der Mensch musste unwillkürlich ein wenig Lächeln typisch Elb!
Wieso dauert die Heilung so lange? Ich will nicht mehr im Bett liegen, während draußen das Leben weiter geht...!
Du bist ein Mensch! Die Heilung dauert länger, als bei uns Elben! Aber möchtest du vielleicht einen Trank von Adar haben? Dann kannst du noch-..., sagte Elladan, wurde aber heftigst von dem Ziehbruder unterbrochen.
NEIN DANKE! Die Wunde lässt schon nach zu brennen und meinen Gaumen wollte ich mir nicht auch noch wegätzen!
Legolas lächelte. Die drei Brüder konnten es einfach nicht lassen, sich gegenseitig zu sticheln...
Stille trat ein. Elladan vergewisserte sich noch einmal, dass die Wunde nicht allzu ernst aufgerissen war und sah dann Elrohir fest in die Augen.
Ich denke, wir beide können gehen. Adar hatte gesagt, wir sollen ihn heute noch aufsuchen und der Tag neigt sich bereits dem Ende.
Elrohir nickte und die beiden gingen still aus dem Zimmer. Vor der Türe wandte sich Elladan an Elrohir.
Und? Was machen wir jetzt?
Auf jeden Fall nicht zu Adar! Nachher kommt er wirklich noch auf die Idee, wir könnten ihm bei den Pergamenten zur Hand gehen...!
~~*~~
In dem Gemach herrschte fortan Stille und Estel ließ sich noch einmal alles, von Legolas Gesagte durch den Kopf gehen, bevor er behutsam die Hand des Elben berührte, der an seinem Bett saß, als wäre er mit seinem Geiste weit fort in einer anderen Welt.
Legolas..., begann er und der Elb sah auf. Ich..., Estel suchte nach den richtigen Worten und entschied sich schließlich für die einfachste Art und Weise. Danke, dass du es mir erzählt hast!
Der Elb sah ihn für einen Moment erstaunt an. Du hast es gehört...?, fragte er völlig ungläubig und beobachtete die Gesichtszüge des Menschen. Estel nickte lächelnd die blauen Flecken an der Schläfe und die Schürfwunde an der rechten Wange verzehrten es ein wenig, aber Legolas erkannte es als Bejahung. Er senkte den Kopf. Ich musste es sagen. Ich konnte nicht länger warten...
Der Mensch musterte ihn. Legolas...sieh mich an... Estel flüsterte, es fiel ihm wesentlich leichter und wartete, bis der Elb den Kopf wieder hob. Du bist mein Freund und ich bin deiner denke ich ...du kannst mir alles erzählen! Es ist besser, als wenn du vor deinen Ängsten davonrennst und-..., er sprach vorest nicht weiter. Legolas beendete den Satz für ihn.
...keinen anderen in Gefahr bringe!
So wollte ich das jetzt nicht sagen..., antwortete Estel und versuchte die Situation durch ein leises Lachen ein wenig zu entschärfen. Ich bin eigener Herr über mein Handeln...
Legolas nickte.
Aber Legolas..., begann Estel wieder. Denke doch nicht immer nur an die Zukunft...!
Der Elb sah ihn an. Wie meinst du das?
Du hast Angst vor den Verlusten...ich kann dich verstehen, auch ich fürchte mich davor, einen geliebten Menchen zu verlieren...aber Legolas, denke doch lieber an die Zeit die wir JETZT haben! Und ich habe ja auch noch nicht vor, hier einfach wegzusterben, ohne dich vorher um Erlaubnis zu bitten!
Estel..., erwiderte Legolas und sah ihn schmunzelnd an, doch der Mensch setzte das unschuldigste Gesicht auf, dass zu bieten hatte. Das ist eigentlich nicht lustig..., wollte sich der Elb wären, musste aber selbst lachen.
Aber Wahrheit steckt hinter den Worten..., beharrte der Mensch weiter.
Du hast ja Recht..., gab Legolas zu. Ich bin ziemlich erbärmlich, hm?
Naja, es geht noch so gerade..., scherzte Estel weiter, wurde dann aber wieder ernst. Versprichst du mir, dass du mir immer von dem Kummer erzählen wirst, der dir auf dem Herzen liegt?
Legolas sah ihn an. Er wollte gerade einwilligen, doch dann rief er sich ins Gewissen, dass es ein Versprechen wäre, das es nicht so leicht zu halten galt. Ich...werde es versuchen!
Estel verdrehte freundschaftlich die Augen. Wenn du es nicht tust, werde ich dich einen Mondlauf mit meinen Brüdern irgendwo aussetzen!
Jetzt gehst du zu weit!, ermahnte Legolas ihn lachend, doch Estel entgegnete nur: Ich bin zu allem fähig!
Ja..., der Elb seufzte. Das haben wir schon öfter gemerkt...
Estel gab sich schweigend geschlagen und funkelte Legolas nur säuerlich an. Der Elb musste bei diesem Anblick wieder leise auflachen. Er fühlte sich angenehm befreit der Kummer und die Ängste waren ihm von der Seele genommen worden. Sein Kopf war wieder frei und für andere Gedanken offen. Bilder traten ihm vor Augen, Bilder seiner Heimat er musste bald wieder zurück kehren.
Estel..., begann er und verschaffte sich abermals Gehör. Der Mensch hatte für einige Zeit, die Augen geschlossen gehabt um seine Kräfte abermals zu sammeln. Jetzt sah er ihn wieder an. Ich werde bald aufbrechen müssen. Ich war lange von zu Hause fort...!
Wieder trat eine Stille ein bis Estel nickte. Ja, du vermisst deine Familie...deinen Vater, sicher! Du warst lange bei uns...ich werde dich vermissen und du lässt mich einfach mit Elladan und Elrohir alleine.
Du hast es schon so lange mit ihnen ausgehalten...meinst du nicht, du schaffst das noch ein Weilchen?, neckte Legolas ihn und Estel sah ihn wieder strafend an. Sie werden immer schlimmer..., klagte er amüsiert. Wann wirst du aufbrechen...?, fragte er dann.
Wahrscheinlich, wenn du wieder völlig genesen bist und ich mir keine Sorgen mehr um dich machen muss...
Ich glaube, meine Brust fängt gerade wieder furchtbar an zu schmerzen..., sagte Estel und verzog gespielt das Gesicht, konnte den Schein allerdings nicht lange wahren, weil beide anfangen mussten zu lachen. Legolas beugte sich zu ihm hinunter und umarmte ihn herzlich. Estel tat es ihm gleich, doch als sich beide wieder losließen, stöhnten sie unterdrückt auf.
Meine Wunde..., murrte Estel.
Mein Arm..., fügte Legolas hinzu und strich sich kurz über den Verband.
Wir sind lebende Krüppel! Ah! Legolas..., Estel sah den den Elben an und in seinen Augen erkannte Legolas etwas, was er sonst öfters bei den beiden Zwillingen sah.
Oh oh...ja Estel...?
Bevor du uns verlässt...müssen wir beide noch etwas tun...
Der Elb sah ihn neugierig an und beugte sich abermals zu ihm hinunter, damit er Estel leisen Worten lauschen konnte...
~~*~~
Die Sonne sank langsam hinter die Klippen, die das Tal umgaben und legte Bruchtal in Schatten, die die Nacht ankündigten. Es war der Abend des Abschieds. Estel und die Zwillinge hatten Legolas überreden wollen, über Tags zu reiten, doch der Elb hatte die Nacht gewählt um die Sterne genießen zu können. Er würde einen Umweg reiten, dort wo noch keine Orks gesichtet worden waren und außerdem konnte er nicht sein Leben lang eine Leibgarde um sich haben. Selbst in kritischen Zeiten nicht. Legolas hatte Elrond noch einmal auf die Orktruppen angesprochen, doch der Elbenherr konnte ihm nicht viel sagen. Es gab keine Beweise, dass sie einem dunklen Herrscher untertan waren. Trotz allem, wollte der Elbenherr einen Rat zusammenrufen um die Lage zu besprechen. Legolas wollte bleiben, doch der Elbenherr verwies ihn seiner Heimat. Er sollte seinem Vater davon Kunde tun und ihm berichten. Legolas willigte ein, versprach aber, in Briefkontakt zu bleiben, damit die Situation nicht eskalieren würde. Einige Orkgruppen waren bereits erfolgreich von den Wächtern Bruchtals erlegt worden...
Legolas steckte noch ein Lembasbrot in die Satteltasche seines Pferdes, ließ es dann bei einem der Diener Elronds und stieg die Stufen zu dem Elbenherrn empor. Ein Lächeln unmspielte die Züge Elronds und er legte in einer Geste die Arme auf Legolas Schultern um ihn zu verabschieden.
Beehre uns bald wieder mit deinem Besuch, Legolas, Prinz des Düsterwaldes!
Legolas senkte den Blick. Das werde ich, mein Herr!
Er verabschiedete sich von den Zwillingen, die ihn offen umarmten selbst Elrohir und ging dann zu Estel.
Wochen waren vergangen und der Mensch war wieder zu Kräften gekommen. Nur noch der Verband, der seine Brust umfing erinnerte an das Erlebte. Doch die Tunika verbarg ihn wirkungsvoll. Legolas eigene Wunden waren schnell verheilt gewesen, sie waren nicht so tief gewesen und die Selbstheilung der Elben hatte ihr Übriges getan...
Auf Wiedersehen Estel..., sagte Legolas. Der Mensch nickte und zog den Prinzen in eine stumme Umarmung. Als sie einander wieder losließen, lächelte Estel.
Bis bald Legolas! Aber...
Legolas nickte. Wir hätten beinahe etwas vergessen..., sagte er amüsiert.
Sie wandten sich an die Zwillinge. Elladan...würdest du uns eben folgen? Es dauert nicht lange...
Verwundert hob der ältere Zwilling die Augenbraue und sah die zwei fragend an. Als sie sich aber umwandten und den Weg in den Garten einschlugen, folgten Elrohir und er ihnen.
Elladan..., sagte Estel, als er hinter einer Hecke stehen blieb. Legolas und ich haben uns die Freiheit genommen, die ein wenig unter die Arme zu greifen.
Estel...hast du wieder Fieber?, fragte Elladan und sah zwischen dem Sindarelb und dem Menschen hin und her.
Keines wegs...Sieh selbst!, sagte er und zog eingie Äste zur Seite. Die vier sahen auf eine Lichtung und, dass eine Elbe an einen Baum gelehnt sah und dem Plätschern des nahegelegenen Baches lauschte.
Nelana..., sagte Elladan leise.
Genau...du hättest es ja nie auf die Reihe bekommen, begann Estel wieder und sah, wie Elladan ihn mit erröteten Wangen ein wenig zornig anfunkelte. Legolas und ich haben uns oft mit ihr getroffen und uns über Mittelerde unterhalten...über dich...und über Bienchen...und Blümchen...und-...
Das reicht Estelchen!, sagte Elladan. Soll ich dich jetzt oder später erwürgen, wenn Legolas fort ist?
Wie wäre es mit: Gar nicht!?! Und jetzt geh zu ihr Elladan. Sie ist dein!
Wa-?, Elladan sah ihn fragend an, doch dann sah er wieder zu der Elbe, die sie gehört hatte und ein wenig schüchtern zu ihnen lächelte. Elrohir erbarmte sich und gab seinem Bruder einen sanften Schubs nach vorne. Elladan ging auf die kleine Lichtung zu der Elbe, die sich jetzt aufrichtete und ihn umarmte.
Ich denke..., sagte Elrohir und sah abschätzend zu den beiden. Das habt ihr gut gemacht, aber lasst uns jetzt lieber gehen und die beiden alleine...
Legolas! Wir sollten uns die Aufgabe nehmen, Elben zusammen zubringen. Elrohir, wie ist es denn mit dir?, fragte Estel und musterte seinen Bruder, der nur zwischen den beiden hin und her sah.
Ich denke, es ist Zeit Legolas, dass du uns verlässt!, sagte er freundschaftlich. Der Mensch mit seinen Gedanken hier gefällt mir ganz und gar nicht...!
Als sie wieder zu Elrond und den anderen stießen, ernteten sie zwar neugierige Blicke, vor allem, weil Elladan nicht mehr bei ihnen war, doch fragte keiner nach. Elrohir gesellte sich zu Glorfindel und Estel begleitete Legolas zu seinem Pferd.
Der Mensch streichelte dem Tier das weiche Fell und streckte seine Hand aus um Legolas etwas zu geben. Der Elb nahm es verwundert und wandte seinen Blick auf das kleine, glitzernde Ding in seiner Hand. Es war ein kleiner Stein - mit den Ornamenten Bruchtals versehen. Im Schein der Sonne, glitzerte er in allen erdenklichen Farben. Verwundert sah er zu Estel, doch dieser lächelte ihn an.
Du wirst nie alleine sein Legolas! Mein Freund!
Legolas lächelte und umarmte den Menschen ein letztes Mal. Dann wendete er sein Pferd und verließ Bruchtal bis zu seinem nächsten Besuch...!
~~*~~
Legolas ließ den dunklen Hengst an einem Fluss saufen und aß selbst etwas Lembasbrot. Er war lange geritten und die Nacht würde sich bald schon wieder dem Ende zuneigen. Still saß er im Ufergras und ließ seinen Blick über den Sternenhimmel gleiten sie leuchteten in dieser Nacht wieder so schön...
Sein Pferd sah auf und Legolas, wie von selbst, ebenfalls in die Richtung. Es schien nichts zu sein. Der Rappe fing wenig später wieder genüsslich an, sein Maul in das erfrischende Nass zu halten. Doch Legolas sah weiterhin zu der Baumkrone vor sich. Bildete er es sich ein oder sah er ein Schimmern, dass von den starken Ästen ausging? Er stand auf und strengte seine Augen an und jetzt erkannte er es. Ungläubig kniff er die Augen zusammen, doch das Bild blieb das gleiche.
Anardil..., flüsterte er und der Schimmer in der Baumkrone nickte und lächelte ihn an. Legolas wusste in all den Jahren später nie, ob er ihn wirklich gesehen hatte oder ob es nur Einbildung gewesen war...
Legolas sah ihn an, Anardil schien jung und befreit von Alter und Krankheit. Er winkte ihm zu und deutete nach oben. Legolas hob seinen Blick wieder zum Himmel und sah einen funkelnden Stern aufleuchten. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Schnell sah er wieder zu der Baumkrone, doch Anardil war nicht mehr da, selbst das Schimmern war vergangen. Legolas sah auf und zu dem Stern, der über seiner Heimat trohnte. Ohne Umschweife, ging er zu seinem Pferd und schwang sich auf den Rücken des Tieres.
Bring mich zum Stern!, sagte er und stob in die Nacht davon.