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Erstes Kapitel: Eowyns Opfer


Branwyn, so hieß die sechzehnjährige Magd, die schuld daran war, dass alles so kam, wie es kommen musste. Das junge Mädchen war seit einiger Zeit unsterblich in Éomer, dem jungen Hauptmann der Riddermark, verliebt. Deswegen war sie auch sehr froh, dass er heil von der Suche nach Theodred zurückkehrte. Es war schlimm, dass der junge Prinz in der Schlacht an den Furten des Isen schwer verwundet worden war, aber wenigstens war Éomer gesund und munter.
Jetzt befand sich der Hauptmann in der Goldenen Halle, um dem König und seinem Berater Gríma Bericht zu erstatten. Branwyn lauschte heimlich unter einem der Fenster. Sie konnte hören, dass es drinnen eine laute Auseinandersetzung gab. Irgendetwas stimmte nicht. Branwyn nahm ihren Mut zusammen und betrat die Halle. Sie sah, dass Gríma gerade ihrem geliebten Éomer ein Dokument unter die Nase hielt.
Bei den Göttern, er sollte also verbannt werden!
Branwyn schlängelte sich seitlich an den Männern vorbei und lief zu Éowyn hin, die schockiert neben dem kranken König stand. Das junge Mädchen warf sich vor der Herrin nieder.
„Ich flehe Euch an, Frau Éowyn, rettet Eueren Bruder! Er ist der beste Krieger der Riddermark. Laßt nicht zu, dass er und seine Éorid verbannt werden.“
Allmählich löste sich Éowyns Starre und sie wusste, was sie tun musste.
„Gríma, so haltet ein!“ rief die Weiße Herrin Rohans mit ihrer hellen Stimme.
Der blasse, narbengesichtige Mann hielt inne und drehte sich grinsend um.
„Was wünscht Ihr, meine schöne Herrin?“
„Ihr dürft meinen Bruder nicht verbannen“, sagte Éowyn mit zitternder Stimme.
Éomer schüttelte warnend den Kopf.
„Tu das nicht, Schwester!“ rief er ihr zu, doch im gleichen Moment bekam er einen Fausthieb in den Magen von einem der Schergen Grímas.
„Wenn Ihr den König dazu überreden könnt, den Bannspruch zurückzunehmen, dann willige ich in eine Ehe mit Euch ein“, stieß Éowyn bedrückt hervor.
Grímas Grinsen wurde noch breiter und seine milchigblauen Augen bekamen einen seltsamen Glanz, der Éowyn erschaudern ließ.
„Ich tue alles, was Ihr wünscht, meine Herrin“, sagte er erfreut und ging mit dem Dokument zum König.
Er beugte sich zu dem sabbernden Greis hinunter und redete leise auf ihn ein.
„Éowyn, ich lasse das nicht zu!“ presste Éomer kaum hörbar hervor.
Doch seine Schwester ging auf ihn zu und strich ihm über das Haar.
„Du bist zu wichtig für Rohan, Bruder“, sagte sie mit einem freudlosen Lächeln.
Gríma kehrte nun zurück und zerriß grinsend das Dokument vor Éomers Augen.
„Ihr habt noch einmal Glück gehabt, Hauptmann Éomer. Wenn Ihr wieder in dieser Halle schlecht über Saruman redet, dann ist Euer Leben auf der Stelle verwirkt.“
Die Soldaten ließen Éomer jetzt los, der wutschnaubend die Fäuste ballte.
„Ihr werdet meine Schwester nicht anrühren mit Eueren scheußlichen, glitschigen Händen, Gríma!“
„Laß gut sein, Bruder“, sagte Éowyn leise, die sich in ihr grausames Schicksal zu fügen begann.

*

Aragorn, Legolas und Gimli kamen zu Fuß nur langsam voran. Die Uruk-Hai hatten einen enormen Vorsprung. Der Zwerg war der Erste, der aufgab. Keuchend ließ er sich in das hohe Gras der Ebene fallen. Aragorn warf dem Elben einen verzweifelten Blick zu. Der Waldläufer hatte geahnt, dass es so kommen würde. Gimli hatte sein Bestes gegeben, doch er war mit seinen kurzen Zwergenbeinen einfach nicht für solche Gewaltmärsche geeignet.
„Ich werde den Uruk-Hai alleine folgen“, bot Legolas mutig an.
Doch Aragorn winkte traurig ab.
„Das hat keinen Zweck, mellon nin. Die Uruk-Hai haben Isengard bald erreicht. Und es bringt uns nichts, wenn sie dich auch noch gefangen nehmen. Laßt uns nach Edoras gehen und dort werde ich den König bitten, dass er uns Pferde und vielleicht auch Soldaten borgt, um die Hobbits zu befreien.“
Als der Zwerg sich nach einigen Stunden Rast einigermaßen erholt hatte, schlugen die drei Gefährten den Weg nach Edoras ein.


Die Lage der Hobbits war alles andere als rosig, denn sie ahnten, dass sie bald an ihrem Bestimmungsort ankommen würden. Die Uruk-Hai waren überzeugt, dass einer der beiden Gefangenen dieses Ding bei sich hatte, dass ihr Herr, der Zauberer Saruman, unbedingt haben wollte. Und dieser Irrglaube war der einzige Grund, dass die Hobbits überhaupt noch lebten.
„Was werden sie mit uns machen, wenn sie merken, dass wir den Ring nicht haben?“ fragte Pippin leise seinen Vetter Merry, während sie gefesselt im Nachtlager ihrer Häscher lagen.
„Das möchte ich lieber nicht wissen, Pip“, stöhnte Merry leise, der noch immer Probleme mit seiner Kopfwunde hatte.
„Seid still!“ blaffte sie Kharan, der Anführer der Uruk-Hai, schlechtgelaunt an. „Was habt ihr kleinen Kerle ständig zu tuscheln? Wenn ich wollte, könnte ich euch die Zungen herausschneiden lassen. Ich bin sicher, dass unser Herr keine geschwätzigen Halblinge leiden kann.“
Die beiden Hobbits verstummten augenblicklich und starrten Kharan ängstlich an. Der riesige Uruk-Hai sah wirklich bedrohlich aus: sein Körper war der reinste Fleischberg und er war nur mit dem nötigsten bekleidet. Am meisten jedoch fürchteten sich die zwei Vettern vor dem schrecklichen Gebiß des Unholds.
Kharan merkte, dass seine Worte Eindruck auf die Gefangenen gemacht hatten, und er grinste höhnisch. Dann entfernte er sich langsam wieder. Als er weit genug weg war und die meisten der Uruk-Hai schliefen, wagte Pippin erneut mit seinem Vetter zu reden.
„Wir sollten versuchen, zu fliehen, Merry“, wisperte er besorgt.
Doch dieser lachte nur leise und schüttelte den schmerzenden Kopf.
„Vergiß es, Pip, vergiß es.“
Das war alles, was er sagte. Es war so hoffnungslos. Diese Nacht verging, ebenso wie die nächste.
Schließlich erreichte die Truppe Uruk-Hai mit ihren Gefangenen Isengard. Die Hobbits waren schockiert, als sie einen Teil der unterirdischen Werkstätten der Orks vom Weg aus sahen. Was für eine Teufelei plante nur dieser Saruman? Der Orthanc erhob sich vor ihnen wie ein drohender Finger in den Himmel. Ein düsterer, schauriger Turm, dessen Eingang immer näher rückte.
Die beiden Hobbits ahnten, dass es von dort aus kein Entkommen geben würde. Traurig sahen sie sich an und ergaben sich in ihr Schicksal.


*

Aragorn und seine Freunde erreichten Edoras erst nach vielen Tagen. Erstaunt vernahmen sie am Stadttor, dass dort in Kürze Hochzeitsfeierlichkeiten stattfinden sollten.
„Sind die verrückt?“ murrte Gimli und kratzte sich an seinem roten Bart. „Das Land wird von Krieg überzogen und die feiern hier.“
„Ich verstehe das Gebahren der Menschen manchmal auch nicht“, fügte Legolas hinzu.
Aragorn jedoch schwieg und ging weiter Richtung Goldene Halle.
Die Menschen auf den Straßen von Edoras wirkten ziemlich fröhlich. Doch der Waldläufer ahnte, dass diese Freude nicht echt war. Diese Leute bedrückte irgendetwas, er wusste nur nicht was. Schließlich hielt Aragorn einen großen, mageren Jungen an, der ihnen über dem Weg lief.
„Sag, Junge, wer heiratet denn hier in Edoras?“
„Die Königsnichte Éowyn heiratet Gríma, den Berater des Königs“, erklärte der Junge stolz.
Aragorn runzelte die Stirn und bedankte sich bei dem blonden Knaben. Er kannte weder Éowyn noch Gríma. Man konnte nur hoffen, dass das junge Paar glücklich war.
Als sie endlich den Vorhof der Goldenen Halle erreicht hatten, kam ihnen ein Trupp von Soldaten entgegen, angeführt von Éomer, der seine schönste Rüstung an diesem Tag trug, denn seine Schwester hielt Hochzeit. Doch seine Miene war betrübt.
„Was wollt Ihr hier?“ fragte er Aragorn unfreundlich.
„Wir müssen zu König Théoden“, erklärte der Waldläufer besonnen. „Wir brauchen Pferde und vielleicht auch einige Krieger. Zwei Freunde von uns wurden von den Uruk-Hai nach Isengard verschleppt.“
„Ich glaube nicht, dass der König Euch Pferde beziehungsweise Männer zur Verfügung stellt“, meinte Éomer ungehalten. „Unser Land ist von Krieg überzogen und wir sind selbst viel zu wenige.“
„Ich möchte trotzdem mit König Théoden sprechen“, erwiderte Aragorn stolz und sah den Hauptmann unverwandt aus seinen blaugrauen Augen an.
Éomer spürte, dass da kein einfacher Waldläufer vor ihm stand, sondern ein Mann von hohem Geblüt, der sich, aus welchem Grund auch immer, für das Exil entschieden hatte. Er neigte sogar ein wenig den Kopf.
„Wie Ihr wünscht“, sagte er tonlos. „Aber legt Euere Waffen vor dem Portal ab.“
Gimli knurrte unwillig und stellte seine Axt in die Ecke.
„Wehe, jemand fasst die Axt an!“ drohte er, was ihm einen strafenden Blick von Aragorn einbrachte, der Schwert und Bogen neben die Axt stellte.
Legolas entledigte sich seiner Waffen mit ausdrucksloser Miene.
Éomer ging voran und öffnete das große Portal, das aus massivem Holz gefertigt war.
Die drei Gefährten traten ein und Aragorn kniff erst einmal die Augen zusammen, umd sich an das Halbdunkel in dem fast fensterlosen Gebäude zu gewöhnen. In der Mitte der großen Halle, die mit vielen Bannern geschmückt war, gab es eine Feuerstelle. Am Ende des Raumes saß eine zusammengesunkene Gestalt auf einem Thron. Daneben stand ein bleicher, hässlicher Mann mit rabenschwarzem, wirren Haar. Er trug ein festliches, dunkles Gewand, dass ihn noch blasser machte, als er eh schon wirkte. Als der Mann die Fremden erblickte, machte er ein wütendes Gesicht.
Aragorn trat jetzt furchtlos vor den Thron und verneigte sich tief. Doch der sabbernde und zittrige Greis machte keine Anstalten, den Fremden anzusehen. Er blieb zusammengesunken sitzen und stierte ins Leere. Der bleiche Mann beugte sich jetzt herunter zu ihm und begann mit ihm zu flüstern. Aragorn drehte sich um und sah Éomer fragend an. Doch der verschränkte die Arme und blickte bekümmert drein.
„Der König sagt, dass Ihr stört, Fremdlinge“, sagte Gríma schließlich. „Denn heute feiert die Königsnichte Hochzeit.“
„Wenn der König es wünscht, dann werde ich mit meinem Anliegen bis nach der Trauung warten“, entgegnete Aragorn gelassen.
In diesem Moment betrat Éowyn die Halle: sie trug ein weißes Brautkleid und einen langen Schleier. Sie war tief betrübt. Gríma grinste zufrieden, als er sie sah.
„Oh, da kommt auch schon meine Braut“, sagte er stolz.
„Ihr heiratet die Königsnichte?“ fragte Aragorn erstaunt und er drehte sich zu Éowyn um.
Als er das traurige Gesicht der jungen Frau sah, bekam er großes Mitleid mit ihr. Offensichtlich handelte es sich hier um eine arrangierte Hochzeit. Er konnte sich gut vorstellen, dass dieser schwarze Kerl die ganze Sache selbst eingefädelt hatte. Zu falsch wirkte sein ganzes Gebahren.
„Ihr könnt der Hochzeit ruhig beiwohnen, Fremdlinge“, meinte Gríma gönnerhaft. „Die Zeremonie wird nicht lange dauern.“
Éomer gab den drei Freunden ein Zeichen, dass sie ein wenig zurücktreten sollten. Er selbst ging hinauf zum Thron und stellte sich an die Seite des senilen Königs, der offensichtlich nicht wusste, was geschehen sollte.
„Wo ist mein Sohn?“ lallte der alte Mann plötzlich.
„Mein Herr, Prinz Theodred liegt schwer verwundet in seiner Kammer“, erklärte Éomer bestürzt. „Er kann unmöglich zur Hochzeit erscheinen.“
Der greise König verfiel wieder in einen geistesabwesenden Zustand und seine Augen wurden wieder trüb.
Gríma packte Éowyn grob am Unterarm und trat vor den Thron hin.
„Und nun sprecht die Worte über uns, mein König“, forderte er eifrig.
Éomer nahm die Schriftrolle, die auf dem Schoße des Königs lag, und entrollte sie langsam. Er hielt sie dem König unter die Nase. Der begann die Worte zu stammeln, die darauf standen. Éomer half ihm dabei.
Aragorn blickte Legolas und Gimli kopfschüttelnd an. Das war keine Hochzeit, das war eine Farce! Doch es stand nicht in der Macht des Waldläufers, dies zu verhindern.
„Dann seid ihr beiden nun Mann und Frau“, schloß der König schließlich mühsam und sank wieder tief in den Sessel zurück.
Éowyn senkte das Haupt und ihre Schultern zuckten. Aragorn, der direkt hinter ihr stand, ahnte, dass sie weinte. Gríma beugte sich zu ihr hinüber und drückte ihr einen Kuss auf den Mund. Éowyn schloß die Augen und ließ den Kuss über sich ergehen. In ihrem Gesicht arbeitete es. Sie ekelte sich offensichtlich vor diesem grässlichen Mann.
Plötzlich wurde die Tür aufgestoßen und eine Gestalt, die ganz in weiß gekleidet war, trat ein.
Aragorn konnte es kaum glauben, wen er da vor sich sah. Es war Gandalf! Legolas verneigte sich tief und Gimli hatte Freudentränen in den Augen.
„Du lebst, Gandalf!“ flüsterte der Waldläufer fassungslos.
Der weißgekleidete Zauberer nickte seinen Freunden zu und trat vor den Thron hin.
„Euer Land wird mit Krieg überzogen, König Théoden. Warum kämpft Ihr nicht?“
„Nehmt ihm den Stab ab!“ brüllte Gríma wütend.
Doch Aragorn und seine zwei Begleiter drängten die Soldaten zurück, die sich Gandalf nähern wollten. Éomer stand zaudernd da: er wusste nicht, zu wem er helfen sollte. Er befand sich in einem Zwiespalt.
Gandalf hob jetzt den Stab und rief laut, dass er den König von dem üblen Zauber befreien werde.
Der König zischte und fluchte vor sich hin, doch dann plötzlich wich der Fluch Sarumans von ihm. Sein Gesicht verjüngte sich und sein Körper erstarkte wieder. Er erhob sich und war sogar in der Lage, sein Schwert zu ergreifen. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Gríma wich entsetzt zurück.
„Mein Onkel!“ jubelte Éowyn und ging die Stufen zum Thron hinauf.
Théoden begriff jetzt, was er getan hatte.
„Verzeih mir, meine Teuere, ich wollte nicht, dass du diesen Unhold heiratest. Was habe ich nur getan!“
Éowyn nickte unter Tränen. Gríma packte sie wieder grob am Ärmel.
„Von Rechts wegen gehört sie jetzt mir!“ rief er drohend aus. „Ich werde mit ihr zusammen noch heute Rohan verlassen.“
„Das ist Wahnsinn!“ stieß Aragorn hervor. „Das darf man nicht zulassen!“
Doch Éomer schüttelte betrübt den Kopf. Und auch sonst machte niemand Anstalten von den Rohirrim, Éowyn zu helfen.
Gríma feixte und zog die widerstrebende Königsnichte aus der Halle.
„Was wird er mit ihr tun?“ fragte Aragorn leise.
„Er bringt sie nach Isengard, dort wo seine letzte Zuflucht ist“, meinte Gandalf sorgenvoll.
Aragorn nickte bedauernd, doch dann legte er seine Hand auf die Schulter des Zauberers und lächelte:
„Es ist ein Wunder, dass du wieder zurück bist, mein Freund. Wir brauchen dich jetzt!“
Gandalf blieb jedoch ernst.
„Ich bin durch Feuer und Tod gegangen – eine lange Geschichte. Dafür ist jetzt aber keine Zeit. Saruman hat ein großes Heer aufgestellt und es wird Zeit, dass diese ungeschützte Stadt so schnell wie möglich geräumt wird.“
Théoden trat seufzend neben ihn hin.
„Ihr meint also, wir sollen nach Helms Klamm gehen? Was für ein Narr war ich doch, dass ich diesem üblen Schergen Sarumans so lange Zeit geglaubt hatte. Seine Medizin hat mich fast auf allen Vieren kriechen lassen.“



Zweites Kapitel: Ausweglos

Pippin und Merry waren in ein leeres Turmzimmer gesperrt worden. Es gab hier überhaupt keine Möbel, nur ein wenig Stroh. Merry blickte zum Fenster hinaus und sah dieses verunstaltete Land unter sich liegen.
„Hier gibt es kein Entkommen mehr, Pip“, sagte er traurig. „Aragorn kann uns hier niemals rausholen.“
„Meinst du, Aragorn und die anderen sind noch am Leben?“ fragte Pippin ebenso bedrückt und zog seinen Elbenmantel enger um sich, weil er fröstelte.
„Ich weiß es, ehrlich gesagt, auch nicht“, murmelte sein Vetter hoffnungslos.
Beide hatten großen Hunger, denn die Uruk-Hai hatten ihnen keine vernünftige Nahrung, außer einem grässlich schmeckenden Saft gegeben. Der Saft hatte jedoch eine stärkende Wirkung gehabt und das Hungergefühl für einige Zeit vertrieben. Nun saßen sie schon einige Tage hier, ohne etwas zu Essen bekommen zu haben. Nur eine Schüssel Wasser wurde ab und zu hereingeschoben.
Endlich wurde die Tür aufgesperrt und zwei hässliche Orks traten ein. Sie grinsten erst einmal böse und zeigten dabei lückenhafte Gebisse mit spitzen Zähnen.
„Ihr werdet jetzt zu Saruman gebracht, Halblinge“, erklärte einer der Orks feixend.
Sie packten die Hobbits grob und stießen sie aus der Kammer. Sie mussten die steile Wendeltreppe emporsteigen, die in in das oberste Gemach des Turmes führte. Dort saß der weiße Zauberer auf einer Art Thron. Die beiden Vettern erschraken, als sie das grausame Gesicht Sarumans sahen. Es war nichts an ihm, dass sie irgendwie an den gütigen, freundlichen Gandalf erinnerte. Es war kaum zu glauben, dass die beiden Zauberer einmal befreundet gewesen waren.
Saruman erhob sich jetzt und seine kalten, blauen Augen blitzten.
„Wer von euch hat den Ring?“ fragte er mit einer dröhnenden Stimme.
Pippin und Merry sahen sich erschrocken an. Natürlich hatten sie den Ring nicht. Aber wenn der Zauberer dies erfuhr, war ihr Leben verwirkt. Sie mussten irgendwie Zeit gewinnen.
„Ich habe ihn versteckt“, erklärte Pippin und lächelte ein wenig schalkhaft.
Saruman blickte ihn zornig an.
„Du erbärmliche Kreatur hast den Einen Ring versteckt? Wo hast du ihn versteckt?“
„Das werde ich Euch nicht sagen“, erwiderte der Hobbit triumphierend.
Merry war kurz davor in Ohnmacht zu fallen. Pippin redete sich da gerade offensichtlich um Kopf und Kragen.
„Und du“, fuhr der Zauberer nun Merry an. „Weißt dann du wenigstens, wo dein elender Gefährte den Ring verborgen hat?“
„Ich....ich habe nichts gesehen“, stammelte Merry und wurde kreidebleich.
Saruman wurde jetzt richtig ärgerlich.
„Ich glaube, ihr beiden wollt mich an der Nase herumführen!“ schrie er außer sich. „Wenn ich wollte, könnte ich euch beide wie eine Laus zerquetschen.“
Die zwei Hobbits begannen zu zittern.
Mehrere Orks betraten nun den großen Raum. Saruman wedelte verächtlich mit seiner Hand.
„Schafft sie mir aus den Augen!“ bellte er seine Schergen an. „Ich werde mich mit den Beiden später befassen. Ich habe jetzt wichtigeres zu tun. Rohan muß unterworfen werden.“
„Herr Saruman, Gríma Schlangenzunge ist soeben eingetroffen mit seinem Eheweibe“, meldete sich einer der Orks verlegen zu Wort.
Saruman sah den Ork fassungslos an: er traute seinen Ohren nicht. Gríma hatte geheiratet?
Nachdem Merry und Pippin wieder in ihren Kerker zurückgebracht worden waren, durften Gríma und Éowyn den Zauberer aufsuchen. Die Schildmaid betrachtete die beiden Hobbits mitleidig, die gerade von den Orks unsanft zurück in ihren Kerker befördert wurden. Éowyn erinnerte sich daran, dass ihr Bruder erzählt hatte, dieser eine Fremdling Aragorn sei auf der Suche nach zwei Halblingen, die von Uruk-Hai verschleppt worden waren. Waren es etwa diese Beiden?
„Nun komm schon!“ knurrte Gríma ungehalten und zerrte seine Gemahlin in das große Turmzimmer hinein, wo Saruman auf das Paar wartetet.
Éowyn fiel auch sofort der Unterschied zwischen den beiden Zauberern auf: Saruman verkörperte das schiere Gegenteil von Gandalf. Von Güte war wirklich keine Spur auf seinem verdrießlich wirkenden Gesicht zu sehen.
„Wer hat dir erlaubt zu heiraten, Schlangenzunge?“ fuhr der Zauberer seinen Helfershelfer wütend an. „Du solltest in Rohan dafür sorgen, dass mein Fluch auf den König weiterhin wirkt, und nicht Frauenzimmern nachstellen!“
Gríma zog erschrocken den Kopf ein angesichts dieser harschen Worte.
„Verzeiht, mein Herr“, lispelte er eingeschüchtert. „Aber es hat sich mit dieser Hochzeit so ergeben.“
„Wo soll sie denn hin?“ fragte Saruman grimmig und deutete mit seinem Stab auf Éowyn.
Diese wurde allmählich ungehalten und verschränkte die Arme.
„Ich würde gerne wieder nach Hause gehen, wenn Ihr erlaubt“, erwiderte sie empört.
„Das könnte Euch so passen!“ stieß Saruman wütend hervor und sprang auf. „Sperre sie in eines der Turmzimmer, Gríma!“
„Aber, mein Herr, sie ist...“ wagte der Schwarzgekleidete vorsichtig zu widersprechen.
„Du kannst dich meinetwegen in der Nacht mit ihr beschäftigen, aber tagsüber brauche ich dich!“ herrschte der Zauberer seinen Diener an.
Éowyn blickte die beiden entsetzt an: die Aussicht, in ein Zimmer eingesperrt zu sein und nachts mit Gríma das Lager teilen zu müssen, behagte ihr ganz und gar nicht. Während sie die Orks in ein Zimmer geleiteten, dachte sie fieberhaft über einen Fluchtplan nach.


*

Inzwischen war Edoras geräumt worden: die Bewohner der Stadt machten sich auf den Weg nach Helms Klamm. König Théoden war sehr froh darüber, dass Éomer mit seinen Éorid den Bewohnern der Stadt Geleitschutz gab. Nicht auszudenken, was geschehen wäre, wenn Éomer verbannt worden wäre. Trotzdem schmerzte ihn Éowyns Schicksal. Die junge Frau hatte es nicht verdient, mit so einen üblen Gesellen wie Gríma Schlangenzunge verheiratet zu sein. Er machte sich bittere Vorwürfe deswegen.
„Mein König, Euerem Sohn geht es immer schlechter“, sagte plötzlich einer der Soldaten zu Théoden.
Der König seufzte tief: Théodreds Wunden waren sehr schwer. Er würde die Reise nach Helms Klamm wahrscheinlich nicht überstehen. Der König ließ den Zug anhalten und ritt zu dem Pferdewagen hin, auf den sich sein Sohn befand. Aragorn saß bei ihm und tupfte vorsichtig dessen fieberheiße Stirn mit einem feuchten Tuch ab.
„Ich wünschte, es gäbe Athelas hier in dieser Gegend“, meinte der Waldläufer bedrückt. „Dann könnte ich Euerem Sohn helfen. Es wäre besser, man würde ihn nach Gondor bringen.“
„Nach Gondor schafft er es niemals“, winkte der König resignierend ab. „Warum musste eigentlich Gandalf wegreiten? Jetzt, wo wir ihn am nötigsten brauchen, ist er nicht da.“
Aragorn schwieg dazu: der Zauberer hatte ihm nicht genau gesagt, wohin er reiten würde. Er wollte jedoch im Morgengrauen des fünften Tages zurück sein. Mehr hatte Gandalf nicht erwähnt.
„Wir müssen weiter, damit wir noch vor Einbruch der Nacht den Klammwall erreichen“, mahnte Éomer vorsichtig seinen Onkel.
„Du hast recht, Neffe“, murmelte der König betroffen und gab den Befehl zum Weiterreiten.
Man konnte jetzt nicht auf Théodred Rücksicht nehmen: es ging hier schließlich um viele hundert Leben und nicht nur um das Leben eines einzigen Mannes.
Am Abend erreicht der lange Menschenzug endlich Helms Klamm. Erleichtert liefen die Menschen auf die Mauern zu, die ihnen Schutz bieten sollten vor dem gewaltigen Heer Sarumans.
Aragorn setzte sich mit Théoden und Éomer zur Beratung zusammen. Es gab etwa 2000 Krieger in der Hornburg: das waren wahrscheinlich zu wenig, um dem Angriff von Sarumans Heer zu trotzen. Späher hatten berichtet, dass sich in Isengard gerade ein gigantisches Heer von Uruk-Hai formierte.
„Dann sitzen wir hier also in der Falle“, seufzte der König.
„Noch gibt es Hoffnung“, erklärte Éomer beschwichtigend. „Vielleicht kehrt Erkenbrand, der Herr dieser Burg wieder rechtzeitig zurück mit seinen Mannen. Oder Grimbold: er hält sich in der Westfold auf. Er muß mitbekommen haben, dass wir nach Helms Klamm geflüchtet sind. Sicherlich wird er uns Hilfe schicken.
Aragorn schwieg dazu: er dachte an Gandalfs Worte. Er hoffte, dass es dem weißen Zauberer gelang, rechtzeitig Hilfe zu holen. Schattenfell war sehr schnell. Wenn alles gutgegangen war, dann befand sich Gandalf vielleicht schon in der Westfold.


*

„Pip, du bist ein Esel!“ schalt Merry seinen Vetter aufgebracht. „Wie konntest du dem Zauberer so ein Märchen auftischen! Wir wissen beide, dass Frodo den Ring hat. Warum hast du dir so eine dumme Geschichte ausgedacht?“
„Um unser Leben zu verlängern, Vetterchen“, gab Pippin heiter zurück. „Hätten wir die Wahrheit gesagt, dann wären wir jetzt bereits tot. Und ich habe keine Lust zu sterben. Ich will irgendwann das Auenland wieder sehen.“
„Ich auch!“ fuhr Merry den jüngeren Hobbit an. „Und gerade deshalb sollten wir besser vorsichtig mit unseren Äußerungen sein. Jetzt kannst du schön die Suppe auslöffeln, die du uns eingebrockt hast.“
„Jetzt beruhige dich mal wieder“, winkte Pippin ab und stellte sich an das Fenster des Turmzimmers.
Éowyn, die nebenan eingesperrt worden war, hörte die aufgebrachten Stimmen der beiden Hobbits. Die Zwei redeten so laut, dass sie fast alles verstand. Sie fragte sich, was Saruman wohl mit den beiden Gefangenen vorhatte. Auf jeden Fall empfand sie Verständnis für sie, denn irgendwie war sie ja auch eine Art Gefangene. Langsam schlenderte sie zum Fenster hin und blickte hinaus. Als sie nach rechts sah, erschrak sie ein wenig, denn Pippin stand auch gerade am Fenster und schaute bedrückt in die Ferne. Éowyn wunderte sich, dass dieser junge Mann mit dem Lockenkopf so klein war, fast wie ein Kind.
„Wer seid Ihr?“ fragte sie schließlich den Fremden.
Pippin lächelte jetzt.
„Mein Name ist Peregrin Tuk und ich komme aus dem Auenland. Mein Vetter und ich sind Gefangene von Saruman.“
„Vom Auenland habe ich noch nie etwas gehört“, meinte Éowyn erstaunt. „Gibt es da noch mehr so kleine Leute wie Ihr?“
„Ja, wir sind Hobbits“, erklärte Pippin stolz. „Wir werden alle nicht besonders groß.“
Jetzt reckte auch Merry seinen Kopf zum Fenster heraus und er grinste Éowyn an.
„Wer seid Ihr denn, schöne Frau?“
„Ich bin die Gemahlin von Gríma Schlangenzunge“, sagte sie bedrückt. „Mein Name ist Éowyn.“
„Sie scheint nicht besonders begeistert darüber zu sein, dass ihr Mann Schlangenzunge heißt“, wisperte Pippin seinem Vetter ins Ohr.
„Halt die Klappe!“ zischte Merry leise zurück.
„Ich habe mitbekommen, dass Ihr Sarumans Gefangene seid“, fuhr Éowyn jetzt fort. „Dann teilen wir dasselbe Schicksal, denn ich bin hier auch eingesperrt.“
„Hat Euch Euer Gemahl eingeschlossen?“ fragte Pippin erschrocken.
„Auf Geheiß von Saruman“, gab die Schildmaid bitter zurück.
„Vielleicht können wir uns zu dritt einen Fluchtplan überlegen“, meinte Merry hoffnungsvoll.
Éowyn lächelte wehmütig. Sie hatte eigentlich ein Versprechen gegeben. Und Versprechen waren da, um gehalten zu werden. Andererseits graute es ihr vor den Nächten, die der lüsternde Gríma mit ihr verbringen wollte. Sie dachte an seine kalten, klammen Finger und an sein entstelltes, bleiches Gesicht mit den milchig-trüben Augen. Übelkeit stieg in ihr auf bei diesen Gedanken.
„Ich werde euch helfen“, sagte sie schließlich entschlossen.
„Gut, dann sollten wir am besten gleich damit anfangen“, rief Pippin begeistert und stieß seinen Vetter aufmunternd an. In diesem Moment wurde Éowyns Tür aufgeschlossen und rasch drehte sie sich vom Fenster weg. Gríma trat ein und grinste sie breit an. Langsam trat er auf sie zu und Éowyn wich angeekelt vor ihm zurück.
„Gibt es irgendetwas Neues?“ fragte sie kühl.
„Und wie, meine Teuere“, erwiderte der bleiche Mann zufrieden. „Saruman, mein Meister, wird Helms Klamm morgen nacht vernichten.“
„Das wird ihm nicht gelingen“, rief Éowyn beherzt aus und lächelte triumphierend. „Die Hornburg wurde noch niemals eingenommen.“
Gríma grinste noch mehr und packte sie unsanft am Unterarm.
„Komm mit, mein Weib, ich will dir etwas zeigen.“
Er führte sie hinaus aus dem Zimmer und die Wendeltreppe ein Stück hinauf, bis sie zu einem Balkon kamen. Dort gingen sie hinaus. Éowyn erschrak bis ins Mark, als sie das riesige Heer von Uruk-Hai sah, dass sich unten vor dem Orthanc formierte.
„Es sind zehntausend Krieger“, erklärte Gríma stolz. „Sie wurden geschaffen, um zu kämpfen. Sie kennen kein Erbarmen und keine Angst vor dem Tod. Rohan ist bald unser!“
„Du meinst, Rohan gehört bald Saruman“, meinte Éowyn trotzig. „Du bist doch noch nur sein Scherge.“
Diese dreisten Worte brachten ihr eine heftige Ohrfeige Grímas ein.
„Schweig still, Weib!“ fuhr er sie grimmig an. „Meine Geduld mit dir hat bald ein Ende. Ich werde dir schon noch Demut beibringen.“
„Ich will zurück in mein Zimmer“, murmelte Éowyn empört, während sie sich die schmerzende Wange rieb.



Drittes Kapitel: Flucht

Fieberhaft dachten Pippin und Merry über einen Fluchtplan nach. Es eilte wirklich. Momentan war Saruman noch mit der Aufstellung des Heeres und dem Schlachtplan beschäftigt. Aber wenn das Heer Richtung Rohan abgerückt war, dann würde der Zauberer sich wieder den Hobbits zuwenden.
Die Beiden hatten mitbekommen, dass Éowyn von ihrem Ehemann weggebracht worden war. Jetzt bangten sie um die freundliche Menschenfrau. Hoffentlich tat dieser Gríma ihr nichts an.
Sie atmeten auf, als sie nebenan die Tür hörten: offensichtlich wurde Éowyn wieder hereingebracht.
„Scher dich nach Mordor!“ hörten sie die Schildmaid laut fluchen.
Ein höhnisches Lachen ertönte und die Tür wurde wieder von außen zugesperrt.
Pippin ging rasch zum Fenster und rief leise nach Éowyn. Diese trat sofort zum Fenster.
„Meine Heimat ist verloren“, murmelte sie resignierend. „Dort unten vor dem Orthanc befindet sich ein zehntausend Mann starkes Heer. Die Meinigen werden alle sterben in Helms Klamm.“
„Wenn Gandalf und Aragorn bei Eueren Leuten sind, dann kann nicht alles verloren sein“, meinte Pippin tröstend.
Bei der Nennung von Aragorns Namen hellte sich Éowyns Gesicht ein wenig auf: der dunkelhaarige Waldläufer war ein sehr attraktiver Mann. Sie wünschte sich, dass sie ihn ein wenig besser kennengelernt hätte. Aber so wie es aussah, würde sie ihm wohl niemals wieder begegnen.
„Grämt Euch nicht, Frau Éowyn“, rief jetzt Merry, dessen Lockenkopf neben dem von Pippin aufgetaucht war.
„Ich muß hier dringend weg!“ sagte sie beunruhigt.
„Es wäre schön, wenn wir drei zusammen in einem Raum wären, dann fiele uns bestimmt schnell ein Fluchtplan ein“, murmelte Pippin vor sich hin.
Éowyn betrachtete den schmalen Mauersims unterhalb ihres Fensters. Wenn sie sich ganz dicht an die Mauer presste, dann würde es gehen: entschlossen stieg sie aus dem Fenster und versuchte sich vorsichtig auf den Sims zu stellen.
„Tut das nicht!“ rief Merry entsetzt. „Das ist zu gefährlich!“
Éowyn stand jetzt draußen auf dem Sims und hielt sich an der Fensterbank fest. Sie sah kurz nach unten und schloß sofort die Augen, damit ihr nicht schwindelig wurde. Bis zum Fenster der beiden Hobbits waren es zum Glück nur einige Schritte. Ganz vorsichtig bewegte sie ihre Füße und ließ das Fensterbrett los. Mit ihren Händen suchte sie in der rissigen Mauer Halt. Ganz fest presste sie ihren Körper an die Mauer, damit ihre Füße auf dem Sims Platz hatten. Der heftige Wind wehte ihre Röcke hoch und zerzauste ihre langen Haare. Die Hobbits streckten ihre Hände helfend nach ihr aus.
„Ihr habt es gleich geschafft, Éowyn!“ feuerte Pippin die Schildmaid an. „Nur noch zwei Schritte!“
Éowyn spürte plötzlich, wie der Sims unter ihren Füßen zu bröckeln kann. Rasch ergriff sie Pippins Hand, während Merry ihre Röcke ergriff. Ein letzter Schritt und sie hatte das Fenster der Hobbits erreicht. Schweratmend kletterte sie in das Zimmer hinein. Erstaunt betrachtete Éowyn nun die Hobbits aus der Nähe. Sie waren nur so groß wie Kinder, aber dennoch waren es erwachsene, junge Männer. Am meisten verblüffte sie die großen, haarigen Füße der Hobbits, die in keinem Schuhwerk steckten. Doch es war keine Zeit weiterzugaffen: es galt jetzt einen Fluchtplan auszuhecken.
„Passt auf, mir ist was eingefallen“, meinte Pippin grinsend. „Mein Vetter und ich schreien ganz laut und Ihr versteckt Euch hinter der Tür, Éowyn. Wenn dann der Wachposten hereinkommt, machen wir ihn mit vereinten Kräften nieder. Und Ihr schnappt seine Rüstung und zieht sie Euch an.“
„So ein Unsinn!“ spottete Merry. „Das klappt doch nie!“
„Warum nicht?“ sagte Éowyn nachdenklich. „Wir haben den Überraschungsmoment auf unserer Seite. Sie rechnen nicht mit meiner Anwesenheit.“
„Also los dann!“ rief Pippin erfreut und hüpfte im Zimmer aufgeregt herum.
„Aber was wird aus Euch?“ fragte Éowyn bedrückt. „Sicher können wir nicht alle auf einmal fliehen.“
„Wir versuchen, Saruman noch ein wenig hinzuhalten“, erklärte Pippin gelassen. „Gandalf wird uns schon hier herausholen. Hauptsache, Ihr könnt Euere Leute warnen, Éowyn.“
Die Schildmaid lächelte traurig. Merry war noch immer nicht begeistert von dem Plan: er wollte auch so schnell wie möglich aus dem Orthanc fliehen. Doch er sah ein, dass es wichtiger war, erst einmal Éowyn zur Flucht zu verhelfen.
Die Drei nickten sich verschwörerisch zu und dann begannen die Hobbits lauthals loszuschreien.
Zwei Ork-Wachen, die im Treppenhaus des Turmes herumlungerten, hörten das Geschrei sofort.
„Das sind diese Halblinge, Gashnak“, sagte der Eine genervt. „Wir sollten dafür sorgen, dass sie Ruhe geben, sonst zürnt uns der Meister.“
Der mit Gashnak angesprochene Ork nickte und beide gingen die Wendeltreppe hinauf zum Turmzimmer der Hobbits. Das Geschrei wurde immer lauter, und wütend vor sich hinknurrend sperrte Gashnak das Zimmer auf. Dann betraten beide Orks den Raum und wunderten sich, dass sie erst einmal niemand sahen. Plötzlich wurde die Tür hinter ihnen ins Schloß geworfen und drei Gestalten stürzten sich auf sie. Éowyn betäubte Gashnak, indem sie einen Holzschemel auf seinem hässlichen Orkschädel zertrümmerte und die Hobbits rissen den anderen Wachposten zu Boden. Als er am Boden lag, schlug die Schildmaid nochmals mit dem Holzschemel zu, und der Ork blieb bewusstlos liegen.
„Zieht ihnen rasch die Rüstungen aus“, befahl Éowyn.
Sie stellte fest, dass die Rüstung von Gashnak etwa ihrer Größe entsprach. Sie entledigte sich einen Teil ihrer Kleider, um die Rüstung besser anlegen zu können. Die Hobbits sahen verlegen zur Seite.
„Merry, zieh du die Rüstung an“, sagte Pippin leise. „Ich habe den Blödsinn mit dem Ring erfunden, also sollte ich auch hierbleiben.“
„Nein, Pip, ohne dich gehe ich nicht fort“, meinte Merry entschlossen und schüttelte den Kopf.
„Ihr kommt alle beide mit“, befahl Éowyn und setzte sich den Orkhelm auf.
Sie klappte das schaurig aussehende Visier herunter und wirkte jetzt kaum mehr menschlich.

*

Inzwischen war das Heer Sarumans Richtung Rohan abgerückt. Schon bald kamen die ersten Kundschafter nach Helms Klamm und berichteten von den zehntausend Uruk-Hai, die heranrückten. Aragorn, Theoden und Éomer blickten sich besorgt an. Gegen solch ein riesiges Heer hatten sie keine Chance. Immer noch war keine Kunde von Erkenbrand und Grimbold zu ihnen gedrungen. Vermutlich waren die beiden Heerführer viel zu weit entfernt.
Éomer erhob sich seufzend und verließ die Halle der Hornburg, in welcher jetzt eine sehr bedrückte Stimmung herrschte. Draußen in den engen Gassen rund um die Burg begegnete ihm plötzlich Branwyn. Sie blieb wie angewurzelt vor ihm stehen und blickte ihn traurig an. Éomer wollte die junge Magd sanft beiseite schieben, als sie ihm plötzlich etwas zurief:
„Hört mich bitte an, mein Herr!“
Der junge Hauptmann der Riddermark sah das Mädchen erstaunt an, welches jetzt knallrot anlief.
„Was hast du mir zu sagen, junge Maid?“
„Ich fühle mich schuldig daran, dass Euere Schwester Gríma heiraten musste“, begann Branwyn zögernd.
Éomer schüttelte bedrückt den Kopf.
„Du hast daran bestimmt keine Schuld, Kleine. Éowyn hat sich aus freien Stücken entschieden, sich zu opfern.“
„Ich habe auf sie eingeredet, bis sie nachgab“, murmelte Branwyn leise und senkte schuldbewußt den Kopf.
Éomer legte jetzt seine großen Hände auf die schmalen Schultern des Mädchens und sah sie fest an.
„Du hast wirklich keine Schuld, Branwyn. Du heißt doch Branwyn, oder?“
„Ja“, nickte das junge Mädchen erfreut darüber, dass ihr Angebeteter ihren Namen kannte.
„Éowyn hat diesen Weg gewählt und wir müssen uns damit abfinden“, seufzte er leise.
„Wollt Ihr sie nicht aus den Klauen dieses Mannes befreien?“ fragte Branwyn vorsichtig. „Ich will nicht, dass Éowyn solch ein Schicksal beschieden sein soll.“
„Ich will es auch nicht“, erwiderte Éomer verbittert. „Aber meine Schwester hat sich mit Gríma ehelich verbunden. Und das Ehegelöbnis ist etwas heiliges.“
„Gríma ist abscheulich“, stieß Branwyn ehrlich hervor. „Wenn ich an Éowyns Stelle wäre, dann wäre ich froh, wenn mein Bruder mich fortholen würde von Isengard.“
Éomer sah Branwyn jetzt verblüfft an: diese junge Magd war ganz schön dreist. Sie wollte doch tatsächlich, dass er losritt und Éowyn befreite, weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Andererseits musste er zugeben, dass ihm der Gedanke unerträglich war, dass Gríma seine kalten, klammen Finger an seine Schwester legte. Und er wusste, dass es für Éowyn eine Folter war, mit solch einem Unhold verheiratet zu sein.
„Danke, Branwyn“, sagte er plötzlich zu der jungen Maid entschlossen. „Du hast die richtigen Worte gefunden, um mich an meine Bruderpflichten zu erinnern. Ich war ein Narr, dass ich Éowyn mit dieser Schlangenzunge fortgehen ließ. Jetzt werde ich sie zurückholen und den schwarzen Unhold im gerechten Zweikampf töten.“
Branwyns graue Augen leuchteten auf vor Stolz. Eifrig begleitete sie Éomer in die Stallungen, um ihm beim Satteln von Feuerfuß zu helfen. Gerade als der junge Hauptmann fertig war, betrat der rothaarige Gamling mit grimmigem Gesicht die Stallungen.
„Wo wollt Ihr hin, Éomer Éadig?“
„Ich werde meine Schwester aus Isengard holen“, erklärte Éomer gefasst. „Niemand wird mich daran hindern, Hauptmann Gamling.“
„Ihr wisst, dass Ihr damit Eidbruch begeht“, erwiderte Gamling streng. „Und welche Strafe auf Eidbruch steht, brauche ich Euch nicht zu sagen.“
„Mein Onkel, der König, wird es verstehen“, sagte der jüngere Mann müde lächelnd. „Und jetzt gebt den Weg frei, Gamling!“
Mit einem empörten Gesichtsausdruck sprang der Hauptmann zur Seite, als Éomer auf Feuerfuß an ihm vorbeipreschte. Branwyn blickte ihm begeistert nach und grinste Gamling spöttisch an. Dann kehrte sie rasch zu ihrer Arbeit zurück.



Viertes Kapitel: Fangorn

Es war ein seltsames Trio, welches die Treppen des Orthanc herabschritt. Zwei Orks, ein großer Kampfork und ein etwas Kleinerer stießen unsanft einen gefesselten Hobbit vor sich her. Erstaunt machten die Orks, die am Fuße des Orthanc herumlungerten, den Dreien Platz. Éowyn atmete auf, als sie ohne Probleme den Turm verlassen hatten. Jetzt mussten sie jedoch das große Gebiet, in welchem die teilweise unterirdischen Werkstätten der Orks lagen, überqueren. Und da konnte noch relativ viel passieren. Sie hatten etwa das halbe Gebiet überquert, als ihnen eine große Truppe Uruk-Hai und Orks begegnete. Es handelte sich dabei um eine Schar von Wachen, welche die Werkstätten von Isengard bewachte. Einer der hässlich aussehenden Uruk-Hai, welcher eine weiße Hand ins Gesicht gemalt hatte, trat vor Éowyn hin.
„Wo wollt ihr kleinen Ork-Schnüffler denn hin?“ knurrte er grimmig.
„Befehl vom Meister“, brummte die Schildmaid mit verstellter Stimme. „Wir sollen diesen aufmüpfigen Halbling hier in den nahen Wald führen.“
„In den Fangorn?“ bellte der Uruk höhnisch lachend. „Wißt ihr nicht, dass die Bäume dort lebendig sind und alle Eindringlinge töten – also auch euch?“
Éowyn biß sich auf die Unterlippe. Jetzt brauchte sie rasch eine überzeugende Erklärung und sie warf einen hilfesuchenden Blick zu Merry, der mit gesenktem Kopf und ebenfalls mit tief ins Gesicht gezogenen Visier, neben ihr stand. Aber dem Hobbit fiel auch nichts ein. Pippin versuchte ein möglichst unglückliches Gesicht zu machen.
Doch der Uruk wartete keine Antwort ab, sondern gab Éowyn einen aufmunternden Klaps auf die Schulter, welcher sie fast taumeln ließ.
„Na, dann viel Vergnügen! Geht weiter!“
Rasch gingen die Drei ihres Weges und atmeten beruhigt auf. Die Truppe der Unholde zog Richtung Orthanc weiter.
Doch dann geschah es: Merrys Rüstung, die ziemlich locker am Oberkörper des schmalen Hobbits saß, löste sich plötzlich und fiel scheppernd herunter. Entsetzt blieb Merry stehen und klaubte rasch die Rüstungsteile auf. Doch einige Orks und Uruk-Hai von der Wachpostengruppe hatten den Lärm gehört und sich neugierig umgedreht.
„Das ist ja gar keiner von uns!“ rief einer von ihnen entrüstet. „Das ist auch ein Halbling!“
„Lauft!“ rief Éowyn mit schriller Stimme. „Rasch in den Fangorn-Wald!“
Die Drei begannen jetzt um ihr Leben zu rennen. Natürlich konnten die Hobbits mit den langen Beinen der Schildmaid nicht Schritt halten. Éowyn wusste, dass sie den beiden Vettern nicht helfen konnte. Jeder von ihnen musste jetzt zusehen, wie er seine eigene Haut rettete.
Die Schildmaid erreichte als erstes den schützenden Wald und warf sogleich den lästigen Orkhelm ins Gebüsch. Sie achtete nicht darauf, dass die alten Bäume sich finster und drohend über sie türmten. Ebensowenig vernahm sie die unheimlichen Geräusche, die der Wald von sich gab. Irgendwo in weiter Ferne hörte sie die Hobbits japsen und keuchen. Éowyn rannte immer tiefer ins Unterholz. Zweige peitschten in ihr Gesicht und hinterließen brennende Striemen. Doch sie spürte die Schmerzen kaum. Dann stolperte sie plötzlich über eine große Wurzel, die weit aus dem Waldboden herausragte, und fiel der Länge nach hin. Erschöpft keuchend blieb sie liegen und drehte sich langsam auf den Rücken. Erst jetzt bemerkte sie, wie unheimlich dieser Wald war. Sie hatte das Gefühl, von hundert Paar Augen beobachtet zu werden. Rasch schüttelte sie diesen Gedanken ab: der Wald hatte keine Augen, und doch schien es hier irgendeine uralte Macht zu geben, die fast greifbar war.
„Ist hier jemand?“ fragte sie schließlich verzagt.
„Hum-hom, Baumbart ist hier“, sprach plötzlich eine Stimme, die sich anhörte wie ein tiefes Holzblasinstrument.
Éowyn schaute sich erstaunt um, sah aber niemanden, bis sie eine merkwürdige, riesige Gestalt sichtete, die auf dem ersten Blick aussah wie ein Baum. Doch dann bemerkte sie, dass dieses Wesen Beine und Füße hatte, mit denen es sich vorwärtsbewegte. Zwei große braune Augen in einem knorrigen, rindenähnlichen Gesicht musterten sie verwundert.
„Seit Ihr eine von diesem búrarum, diesem Ork-Pack?“ fragte er mißtrauisch mit seiner dröhnenden Bassstimme.
„Nein, ich bin Éowyn von Rohan“, rief die Schildmaid ihm bebend zu. „Ich bin mit meinen zwei kleinen Freunden aus dem Orthanc geflohen.“
Baumbart nahm die Menschenfrau vorsichtig in seine große Hand, die aus lauter zusammengewachsenen Ästen bestehen zu schien und hob sie in die Höhe. Éowyn bekam es jetzt mit der Angst zu tun. Wenn dieser Baumbart sie fallen ließ, dann war sie hinüber. Sie klammerte sich zitternd an einem seiner rindenbedeckten Finger.
„Hum, ich habe seit vielen Zeitaltern keine Menschen mehr gesehen“, grummelte der Baumhirte in seinen Bart, der aus blätterbedeckten Ästen bestand. „Aber Ihr scheint tatsächlich kein Ork zu sein.“
„Habt Ihr meine Freunde gesehen, Herr Baumbart?“ fragte Éowyn jetzt ein wenig mutiger. „Es sind nur zwei kleine Halblinge. Viel kleiner als ich.“
„Ich habe niemanden sonst in diesem Wald gesehen“, bedauerte der Ent. „Es ist sehr gefährlich, in diesem Wald umherzugehen. Denn die Bäume sind erwacht. Saruman und seine Schwergen, búrarum, haben sie erzürnt.“
Éowyn musste einsehen, dass sie den Hobbits wahrscheinlich nicht mehr helfen konnte. Ihr Ziel war, so schnell wie möglich, nach Helms Klamm zu gelangen.
„Könnt Ihr mir helfen, Herr Baumbart?“ fragte sie beherzt. „Ich muß mein Volk, das sich in Helms Klamm verbirgt, vor Sarumans Heer warnen.“
„Hum-hom, ich werde sehen was ich tun kann“, meinte Baumbart und setzte Éowyn vorsichtig auf seine Schulter.

*

Merry und Pippin liefen so schnell sie konnten, aber die Uruk-Hai und Orks holten rasch auf. Doch sie erreichten den Fangorn-Wald gerade noch. Sie bemerkten erfreut, dass ihre Verfolger unschlüssig vor dem Wald stehenblieben.
„Nur weiter hinein, Pip!“ frohlockte Merry. „Sie trauen sich nicht in den Wald. Irgendetwas macht ihnen Angst.“
„Mir auch!“ zischte Pippin ängstlich. „Sieh doch diese unheimlichen Bäume hier! Das ist wie im Alten Wald in der Nähe von Bockland.“
„Wir haben die Wahl: entweder wir gehen weiter oder die Uruks bringen uns um“, meinte sein Vetter ungehalten.
Pippin presste die Lippen zusammen und folgte Merry tiefer in den Wald. Von Éowyn war keine Spur mehr zu sehen. Sie hatten auch keine Ahnung, in welche Richtung die Schildmaid gelaufen war. Bald kamen die zwei Hobbits zu einem lieblichen Bach und durstig begannen sie zu trinken. Das Wasser schmeckte sehr würzig und sie spürten, wie es ihnen Kraft gab.
„Ich fühle mich, als ob ich Bäume ausreißen könnte!“ frohlockte Merry und tanzte freudig herum. „Und gewachsen bin ich irgendwie auch.“
„Nein, ich bin gewachsen!“ rief Pippin begeistert und er stellte sich dicht vor seinem Vetter hin. „Sieh mal, ich habe dich jetzt eingeholt!“
Merry ging sofort wieder auf seine Knie und trank noch mehr von dem Wasser. Pippin machte ein paar Schritte rückwärts und klopfte rülpsend auf seinen prallen Bauch. Dann plötzlich geschah es: mehrere starke Äste umschlangen ihn plötzlich und zogen ihn in einen hohlen Baum hinein.
„Merry!“ schrie er entsetzt auf.
Sofort eilte ihm dieser zur Hilfe und packte Pippins Bein, um ihn wieder aus dem Baum herauszuziehen. Aber es geling ihm nicht. Im Gegenteil, er wurde selbst in den Baum hineingezogen. Nun begann auch er laut um Hilfe zu schreien.

*

Éowyn war längst von Baumbarts eintönigen Brummen eingeschlafen. Sie hatte es sich in einer Kuhle auf der hölzernen Schulter des Ents gemütlich gemacht. Über das furchige Gesicht des Baumhirten fuhr ein Lächeln.
„Hum, schlafe wohl, kleine Menschenfrau“, murmelte er leise.
Langsam und bedächtig ging er weiter. Suchend glitten seine uralten Augen über den Waldboden. Plötzlich traf er einen anderen Baumhirten: Flinkbaum, seinen Vetter.
Er begann Flinkebaum in der Sprache der Ents zu befragen, ob er die zwei Hobbits gesichtet hatte. Doch der andere Ent verneinte, versprach aber, seine Augen offen zu halten. Der Austausch dieser wenigen Worte dauerte fast eine Stunde. Als Flinkbaum sich davongemacht hatte, erwachte Éowyn wieder. Sie fühlte sich nach dem kurzen Schlaf sehr erquickt. Baumbart setzte sie sanft an einer Quelle nieder, damit sie etwas trinken konnte. Éowyn verspürte jedoch nicht nur Durst, sondern auch Hunger. Das würzig schmeckende Wasser sättigte sie auf merkwürdige Weise. Plötzlich war ihr Verlangen nach Essen auch gestillt.
„Das ist doch Zauberei, oder?“ fragte sie Baumbart verwundert.
„Unser Enttrunk ist sehr nahrhaft“, erklärte der Baumbart lächelnd. „Nicht nur für uns, sondern auch für andere Lebewesen.“
„Werdet Ihr mich jetzt nach Helms Klamm bringen?“ fragte sie erneut.
„Hum-hom, nicht so hastig, kleine Menschenfrau“, erwiderte der Ent nachdenklich. „Erst nach dem Enthing werde ich Zeit finden, Euch zu den Menschen zurückzubringen.“
„Was ist ein Enthing?“ wollte Éowyn neugierig wissen.
„Das ist eine Versammlung aller Baumhirten“, erklärte Baumbart stolz. „Wir müssen über die Geschehnisse in Isengard beraten. Der Wind hat mir einige furchtbare Dinge, die mit meinen Freunden geschehen sind, zugetragen.“
„Ich hoffe, das dauert nicht zu lange“, seufzte die Schildmaid ungeduldig.
„Oh nein, meine Freundin“, meinte der Ent tröstend. „In einer Woche werden wir die wichtigsten Dinge geklärt haben.“
Éowyn starrte ihn entsetzt an.
„In einer Woche ist Helms Klamm längst gefallen und mein Volk vernichtet, Herr Baumbart. Soviel Zeit haben wir nicht!“
„Hum-hom, wir werden uns beeilen“, versprach Baumbart und setzte Éowyn wieder auf seine Schulter.

*

Merry und Pippin schrieen nach Leibeskräften in dem hohlen Stamm um Hilfe. Doch nichts geschah. Ihre Augen begannen sich allmählich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
„Da haben wir ja was Schönes angerichtet“, jammerte Merry. „Jetzt sind wir für immer hier gefangen. Wir werden grausam verhungern und verdursten, weil uns dieser blöde Baum einfach eingeschlossen hat.“
Ein dumpfes Dröhnen ertönte, als Merry die Worte „dieser blöde Baum“ gesagt hatte.
„Oh nein“, wisperte Pippin ängstlich und drängte sich an seinen Vetter. „Er zürnt uns. Sag’ so etwas nie wieder.“
„Ja, ich verspreche es“, seufzte Merry und fuhr sich verzweifelt durch den Lockenschopf.
Flinkbaum stapfte gerade an der Quelle vorbei, als ihm irgendetwas merkwürdig vorkam. Er sah auf dem Waldboden einen grauen Umhang mit einer grünen Blattspange liegen. Neugierig hob er das Kleidungsstück hoch und betrachtete es.
„Ist da jemand?“ fragte er mit seiner dröhnenden Stimme.
Die beiden Hobbits zuckten zusammen, als sie die laute, tiefe Stimme hörten, die von einem Riesen zu kommen schien.
„Oh nein, Pip“, jammerte Merry leise. „Da draußen ist ein Riese. Ich glaube, ich bleibe lieber hier für immer eingeschlossen, als von einem Riesen gegessen zu werden.“
„Und wenn er uns helfen will?“ fragte sein Vetter hoffnungsvoll.
„Nein, besser wir melden uns nicht“, flüsterte Merry entsetzt zurück.
Flinkbaum spitzte seine scharfen Ohren, die unter einer Schicht Rinde verborgen lagen. Ihm entging so schnell nichts. Und er hatte ganz deutlich leise Stimmen gehört, die irgendwie aus der Erde zu kommen schienen.
„Sind hier irgendwo zwei Halblinge?“ brummte er vorsichtig.
Pippin hielt es jetzt nicht mehr länger aus.
„Wir sind hier im Baumstamm der alten Weide. Der Baum hat uns eingeschlossen!“ rief er laut.
„Oh Pip!“ seufzte Merry und raufte sich die Haare.
Flinkbaum wandte sich jetzt der alten Weide zu und stellte sich breitbeinig vor ihr auf.
„Iß Erde! Grabe tief! Trink Wasser! Geh schlafen!“ sagte er in einem merkwürdigen Singsang zu dem alten Baum.
Die Weide begann widerwillig zu knarren und sich zu dehnen. Aber schließlich öffnete sich ihr Stamm und die Hobbits krochen rasch heraus. Als sie jedoch den Baumhirten sahen, erschraken sie beide furchtbar.
„Habt keine Angst, kleine Halblinge“, sagte Flinkbaum freundlich und bückte sich zu ihnen hinunter. „Meine Name ist Bregalad. Ihr könnt aber auch Flinkbaum zu mir sagen. Baumbart schickt mich. Er hat eine Menschenfrau bei sich, die sich Sorgen um euch macht.“
„Éowyn!“ riefen die beiden Hobbits freudig auf.
Flinkbaum ließ jetzt die Zwei auf seinen Schultern aufsitzen und dann marschierte er mit ihnen zum Enthing.



Fünftes Kapitel: Die Zerstörung Isengards

Die Baumhirten versammelten sich alle in einem großen Kreis auf einer Waldlichtung. Flinkbaum war der Letzte, der dazustieß. Als die Hobbits Éowyn sahen, die gelangweilt im weichen Waldgras saß, gab es eine stürmische Begrüßung zwischen den Dreien.
„Na, seid ihr auch heil, meine kleinen Freunde?“ fragte die Schildmaid besorgt. „Die Orks hätten euch ja fast noch erwischt. Ich hätte besser auf euch warten sollen.“
„Es ist alles in Ordnung“, meinte Merry tröstend. „Ich hoffe, Ihr könnt bald zu Euerem Volk zurückkehren, Frau Éowyn.“
Die junge Frau nickte traurig und dachte an Aragorn, der ihr schon bei der ersten Begegnung heftiges Herzklopfen verursacht hatte. Doch leider war sie mit dem grässlichen Gríma verheiratet. Sie hoffte, niemals wieder zu ihm zurück zu müssen. Trotzdem fühlte sie sich ein wenig schuldig. Die Ehre der Rohirrim gebot, niemals ein Versprechen brechen zu dürfen – und das hatte sie getan. Doch Gríma hatte sich als ein Verräter seines Volkes erwiesen: war es da nicht recht und billig, ihn einfach zu verlassen?
„Ihr wirkt so nachdenklich, Frau Éowyn“, meinte Pippin besorgt. „Die Ents werden uns bestimmt helfen.“
Inzwischen hatten die Baumhirten miteinander zu reden begonnen. Sie gaben dabei merkwürdige Töne von sich: es klang wie das Ächzen alter Bäume im Wind oder wie das Brummen eines tiefen Holzblasinstrumentes. Die Hobbits gähnten verstohlen, denn diese Töne wirkten sehr einschläfernd mit der Zeit. Éowyn jedoch wurde immer ungeduldiger.
„Wie weit seit Ihr denn, Herr Baumbart?“ fragte sie schließlich zappelig.
Der Ent drehte sich zur ihr um und bedeutete ihr leise zu sein.
„Wir haben uns erst gerade begrüßt, kleine Menschenfrau.“
„Was?“ fragte Éowyn ein wenig entrüstet. „Ihr redet schon seit Stunden miteinander – und das war erst die Begrüßung?“
„Hum-hom, nicht so hastig“, erwiderte Baumbart mit fast stoischer Gelassenheit.
„Soviel Zeit wie ihr haben wir leider nicht“, fuhr Éowyn ungehalten fort. „Mein Volk geht unter in Helms Klamm, während ihr hier redet und redet.“
„Wir gehen erst nach Isengard“, erklärte ein anderer Baumhirte stolz. „Dort werden unsere Brüder vernichtet. Das können wir nicht länger zulassen.“
„Aber dann ist es zu spät für mein Volk!“ rief die junge Frau entsetzt.
„Seid getrost, Menschenfrau“, sagte jetzt Flinkbaum. „Ich habe vor kurzem Gandalf getroffen, den weißen Zauberer. Er hat ein mächtiges Heer aus der Westfold bei sich. Helms Klamm wird nicht untergehen.“
Éowyn strahlte, als sie das hörte.
„Seid Ihr Euch wirklich sicher, Herr Bregalad?“ fragte sie einige Male, um sich zu vergewissern, dass sie sich auch nicht verhört hatte.
Und Flinkbaum bejahte dies geduldig jedes Mal. Die Beratung der Baumhirten ging nun weiter. Beruhigt sank Éowyn nun in Schlaf, ebenso wie die Hobbits. Am nächsten Morgen waren die Baumhirten bereit zum Aufbruch nach Isengard. Sie nahmen die drei Freunde mit. Éowyn saß wieder auf Baumbarts Schulter und die Hobbits auf der von Flinkbaum. Und so marschierte das kleine Heer der Baumhirten zum Orthanc hin.

*

Éomer war auf schnellsten Wege nach Isengard geritten. Er hatte einen geheimen Pfad durch einen Wald genommen. So sah er nicht das Heer aus der Westfold, das Gandalf nach Helms Klamm führte. Schon bald merkte er, dass es gar nicht so einfach war, an Gríma heranzukommen. Isengard wurde streng bewacht von diversen Orkbanden. Im Schutze der Dunkelheit gelang es ihm dann endlich, sich bis an den Orthanc heranzuschleichen. Doch das Eingangsportal war verschlossen. Was sollte er jetzt tun? Dort drinnen befand sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seine Schwester. Plötzlich hörte er Geräusche über sich und er beobachtete, dass ganz oben auf einem Balkon sich zwei Gestalten befanden, die leise miteinander sprachen. Éomer erkannte sofort Grímas Stimme und er vergaß alle Vorsicht.
„Gríma Schlangenzunge, ich fordere Euch zum Zweikampf heraus!“ brüllte er hinauf.
Im gleichen Augenblick wurde er von einer Orktruppe umzingelt.
„Entwaffnet ihn und bringt ihn herauf!“ befahl Saruman von oben.
Resignierend ließ sich Éomer von den Orks entwaffnen und dann die Wendeltreppe hinaufführen. Unsanft stießen ihn die Schergen Sarumans in das große Turmzimmer an der Spitze des Turmes. Éomer stolperte und fiel auf die Knie. Direkt vor die Füße von Gríma.
„Aber ein Kniefall wäre doch nicht nötig gewesen“, spottete der Schwarzgekleidete. „Was willst du eigentlich hier? Deine Schwester ist längst geflüchtet.“
Éomer atmete auf, als er das hörte.
„Trotzdem fordere ich dich zum Zweikampf Mann gegen Mann auf, Gríma Schlangenzunge“, presste er hervor. „Du hast die Ehre meiner Schwester besudelt!“
„Ich wünschte, ich hätte Gelegenheit dazu bekommen“, murmelte Gríma mehr zu sich selbst als zu Éomer.
„Du bist ein widerlicher Lump!“ stieß der junge Hauptmann wütend hervor.
Die Orks packten ihn jetzt fest an den Armen, so dass Gríma ihm bequem ein paar kräftige Ohrfeigen versetzen konnte.
„Du musst mich verstehen, Schwager“, sagte Gríma höhnisch. „Für Zweikämpfe und ähnliche Lappalien habe ich keine Zeit. Ich habe hier wichtigeres zu tun.“
„Was geht hier vor?“ fragte jetzt Saruman ärgerlich aus dem Hintergrund. „Sperrt diesen Menschen ein. Wir kümmern uns um ihn, wenn unser siegreiches Heer aus Helms Klamm zurückgekehrt ist.“
Éomer warf dem Zauberer und Gríma einen haßerfüllten Blick zu. Dann wurde er in das Turmzimmer geworfen, in dem zuvor die Hobbits eingesperrt gewesen waren.
Wütend trat er gegen die Tür, aber es half nichts: sie war ziemlich massiv und der Riegel ebenfalls. Schließlich lief Éomer wie ein gereiztes Tier im Zimmer herum. Als er Éowyns Kleid in einer Ecke liegen sah, erstarrte er. Natürlich konnte es gut sein, dass Gríma ihn angelogen hatte und Éowyn längst tot war. Wütend schlug er an die Tür.
„Du verdammter Mistkerl!“ brüllte er seinen ganzen Frust heraus.

*

Die Baumhirten hatten den Fangorn verlassen und hielten auf Isengard zu. Unterwegs gesellten sich immer mehr Ents zu der kleinen Schar und bald wuchs daraus ein richtiges Heer.
„Wir sind aus den Knochen der Erde gemacht und können Steine sprengen, wie eine Wurzel es tut!“ rief Baumbart Éowyn zu, die staunend auf seiner Schulter saß und die vielen Ents betrachtete, die sich ihnen angeschlossen hatten.

Als die Orks die ersten Baumhirten sahen, fingen sie laut an zu kreischen, denn solche Ungeheuer hatten sie noch nie gesehen. Baumbart warf erzürnt einen großen Steinblock auf eine Gruppe von Orks und vernichtete sie somit. Die anderen Ents jubelten. Sie hatten nun die Steinfläche erreicht, die den Orthanc umrundete und sie begannen die unterirdischen Werkstätten der Orks systematisch zu vernichten, in dem sie rießige Felsbrocken und Geröll hinunter warfen. Éowyn und die Hobbits warfen von oben Steine auf einzelne Orks, welche versuchten, die Ents mit Fackeln zu vertreiben. Einige Ents machten sich am Staudamm zu schaffen, welcher die Wassermassen des Isen von diesem Tal fernhielt. Sie begannen die riesigen Balken wegzuziehen, welche den Damm abstützten. Als die Balken weg waren, zerbarst der Damm und das Wasser stürzte ungehindert nach Isengard. Die Orks begannen panisch die Flucht zu ergreifen, doch viele von ihnen ertranken in der reißenden Flut. Die unterirdischen Werkstätten wurden durch das Wasser vernichtet und bald stand ganz Isengard unter Wasser. Éowyn und die Hobbits jubelten zusammen mit den Ents.
Saruman eilte auf seinen Balkon hinaus und sah entsetzt, was geschehen war. Hinter ihm stand ängstlich Gríma.
„Meister, wir sollten besser fliehen“, wisperte er kaum hörbar.
„Du Narr!“ fauchte ihn Saruman an. „Siehst du nicht, dass es vorbei ist? Dort unten ist deine Braut, die gemeinsame Sache mit den Ents gemacht hat.“
Gríma lief puterrot an und duckte sich.
„Am liebsten würde ich dich in eine Kröte verwandeln“, drohte der Zauberer wütend. „Aber dafür ist mir meine kostbare Zeit zu schade.“
Er verließ das große Turmzimmer. Gríma eilte ihm hinterher.
„Meister!“ rief er kläglich.
In diesem Moment gab es einen großen Krach. Éomer war es endlich gelungen, die Tür seines Kerkers einzurammen. Nachdem er gehört hatte, was draußen für ein Tumult vor sich ging, hatte er es einfach nicht mehr länger ausgehalten. Er hatte sich beim Einschlagen der Tür zwar böse die Schulter geprellt, aber dafür war er endlich in Freiheit.

*

Baumbart hatte Éowyn sanft am Rande des Tales heruntergelassen. Belustigt sah sie dabei zu, wie die beiden Hobbits Sarumans Vorratskammer plünderten. Sie vergaßen auch nicht, ihre menschliche Freundin zu versorgen.
„Hier haben wir Äpfel und Birnen für Euch, Éowyn!“ riefen sie überschwänglich.
Sie musste lachen und biß herzhaft in einen Apfel, während die Hobbits sich die Mägen vollschlugen. Dann sahen sie Reiter nahen. Erschrocken erhob sich Éowyn, doch dann erkannte sie ihren Onkel, Gamling, Gandalf, Aragorn, Legolas und Gimli. Freudig winkte sie ihnen.
Erleichtert stieg Théoden vom Pferd und umarmte seine Nichte.
„Hoffentlich ist alles in Ordnung mit dir, Éowyn!“
„So wie es aussieht, ist mein Gatte auch gesund und munter“, meinte sie bedrückt und zeigte auf den Orthanc.
Derweil zankte sich Gimli mit den Hobbits herum.
„Ihr beiden Nichtsnutze sitzt hier und schlagt euch die Bäuche voll, während wir nach euch suchen!“
„Wir gehören jetzt zu Baumbart, dem neuen Verwalter von Isengard“, rief Merry stolz.
Der Ent kam durch das Wasser gestapft und blickte Gandalf ernst an.
„Der Zauberer ist eingesperrt in seinen Turm. Aber selbst jetzt in der Niederlage ist er noch gefährlich.“
„Habt Ihr irgendwo meinen Neffen gesehen, Herr Baumhirte?“ fragte jetzt König Théoden besorgt. „Er wollte Éowyn, meine Nichte, aus dem Orthanc befreien.“
Als die junge Schildmaid das hörte, schrie sie erschrocken auf.
„Éomer wollte mich suchen? Ich habe ihn hier nicht gesehen!“
„Da oben – schaut hin!“ rief plötzlich Legolas bebend und zeigte auf den Balkon des Orthanc.
Dort rangen zwei Männer miteinander: Gríma und Éomer.
Entsetzt presste sich Éowyn die Hände vor den Mund. Sie merkte, dass ihr Bruder angeschlagen war. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten.
Plötzlich tauchte Saruman neben den beiden Kämpfenden auf dem Balkon auf. In den Händen hielt er seinen Stab und den Palantír.
„Was wollt ihr denn hier?“ schrie er wütend herab. „Sauron wird euch alle vernichten. Ich habe es im Palantír gesehen. Dieser schmutzige Waldläufer an deiner Seite, Gandalf Graurock, wird niemals zum König von Gondor gekrönt. Ihr werdet alle sterben!“
Drohend hob er seinen Stab, doch Gandalf schickte eine Feuersäule aus seinem eigenen Stab zum Orthanc hinauf und Sarumans Stab zerbarst.
Inzwischen war es Éomer trotz seiner Verletzung gelungen, Gríma zu Boden zu zwingen. Saruman sah dies und zog einen Dolch aus dem Gürtel, um ihn Éomer in den Rücken zu rammen. Doch Legolas war schneller: er schoß einen Pfeil hinauf, der Saruman in die Brust traf. Der Zauberer taumelte und drohte über das Geländer zu kippen. Gríma schrie ängstlich auf.
„Mein Meister!“
Er nahm seine Kräfte zusammen und entriß sich Éomers Händen. Er versuchte Saruman noch festzuhalten, doch er verlor ebenfalls das Übergewicht und stürzte zusammen mit seinem Herrn in die Tiefe. Im Wasser wurden beide von den Resten eines Eisengerüstes aus den Orkwerkstätten aufgespießt. Beide waren auf der Stelle tot. Éowyn schloß erleichtert die Augen und weinte. Éomer kam nun rasch die Treppen heruntergeeilt. Da sich das Portal des Orthancs nicht mehr öffnen ließ, musste er durch ein Fenster klettern.
Kurz darauf schloß er überglücklich seine Schwester in die Arme. Die Hobbits jubelten laut und tanzten vor Freude herum.
Gandalf stieg von seinem Pferde und packte rasch den Palantír, der im Wasser trieb, unter sein Gewand.
„Laß uns nach Edoras reiten und dort einen großen Sieg feiern“, erklärte König Theoden erfreut.
Éomer nahm seine Schwester zu sich aufs Pferd. Glücklich schmiegte sie sich an ihren Bruder und warf immer wieder Aragorn verstohlene Blicke zu. Dieser dunkelhaarige Waldläufer sah wirklich attraktiv aus. Sie lächelte versonnen vor sich hin und freute sich auf bessere Tage, deren Vorbote dieser Fremde aus den Norden zu sein schien.