Erstes Kapitel
Sonne durchflutete die reich behangenen Äste der Bäume und warf Lichtspiele auf den bewachsenen Boden des Düsterwaldes. Hie und da spielten Eichhörnchen und ein paar Vögel stritten sich um eine Frucht, die verlockend herab hing. Eine leichte Brise flog durch die Bäume und Legolas sog den frischen Duft tief in seine Lungen. Eine Weile stand er einfach nur da, mit geschlossenen Augen und lauschte den Geräuschen des Waldes. Es tat gut wieder einmal daheim zu sein, unter den starken, schützenden Bäumen des Düsterwaldes. Er öffnete die Augen und ließ seinen Blick durch den Wald schweifen. Er genoss das Alleinsein das er lange nicht gehabt hatte und es befreite ihn innerlich, durch diese friedvolle Gegend zu wandern und niemanden um sich herum zu haben, der ständig auf einen einredete. Bei dem Gedanken an Gimli stahl sich ein Lächeln auf seine Lippen. Die letzte Zeit war er mit ihm durch die Lande gestreift und sie hatten viele Dinge erlebt. Gimli zu Liebe hatte er sich dazu durchgerungen, mit ihm gemeinsam durch die Höhlen zu wandern, obwohl ihm immer ein beklemmendes Gefühl umfing, wenn er für längere Zeit nicht den freien Himmel über sich hatte. Der Zwerg besaß eine Art die Legolas manchmal zur Weißglut trieb, aber dennoch mochte er ihn sehr und konnte ihn zu seinen besten Freunden zählen. Sie hatten sich kurz, bevor sie den Düsterwald erreichten, getrennt und Gimli war bereits nach Minas Tirith aufgebrochen, dem Legolas ebenfalls bald folgen würde. Bald war Mittjahrstag und Aragorn hatte es für einen guten Grund gehalten, die Gefährten zusammen zu rufen und gemeinsam zu feiern. Legolas würde wahrscheinlich als einer der letzten eintreffen, da er beschlossen hatte vorher noch in den Düsterwald und zu seinem Vater zu gehen - er war schon lange nicht mehr in seiner Heimat gewesen. Gimli hatte dankend abgelehnt und beschlossen schon vorzugehen und die Reise nach Minas Tirth anzutreten. Legolas musste schmunzeln. Der Zwerg hatte seine Entscheidung zwar damit begründet, dass auch er gerne noch einmal alleine wandern würde, doch konnte er sich den wahren Grund leicht denken. Gimli fühlte sich, alleine zwischen den ganzen Elben, doch nicht sehr wohl. Legolas konnte dies nachvollziehen, der Zwerg bekam immer noch abschätzige Blicke von manchem. Die Beziehung zwischen Elben und Zwergen hatte sich zwar schon gebessert, aber ganz war der Zwietracht zwischen den beiden Völkern noch nicht aufgehoben.
Legolas setzte seinen Weg fort. Es würde nicht mehr lange dauern, bis er die Hallen seines Vaters erreichen würde und er war sich sicher, dass er über seine Ankunft schon informiert war - die Grenzwachen müssten ihn schon lange erblickt haben. Ein Schatten huschte über sein schönes Gesicht und für einen Augenblick wirkte es bekümmert. Sein Vater hatte ihm vor seiner Wanderschaft eröffnet, dass, wenn er wieder zurückkäme, sie ein ernstes Gespräch führen würden. Legolas konnte sich vorstellen um was sich dieses Gespräch drehen würde. Oft hatte er während seiner Reisen mit Gimli unter dem Sternenzelt gelegen und seinen Gedanken freien Lauf gelassen. Er war ein Prinz und der Thronfolger Düsterwalds. Irgendwann würde er an seines Vater statt treten. Legolas schob den Gedanken jedoch entschieden beiseite und ging weiter durch den Wald.
Als er die Hallen erreichte, wurde er freudig von den Elben empfangen. Auch wenn der Prinz meistens schweigsam und verschlossen war, distanzierte er sich nicht sonderlich von dem Waldelbenvolk. Dies brachte ihm viele Sympathien entgegen, obwohl er eine Freundschaft mit einem Zwerg teilte.
Er war gerade im Begriff die Hallen zu betreten, als er jedoch innehielt, kehrt machte und in eine andere Richtung wieder davon ging. Er wollte Arod besuchen! Legolas liebte seinen Schimmelhengst und hatte ihn nur ungern zurück gelassen, doch Gimli war kein guter Reiter und da war es besser gewesen ihn nicht mitzunehmen. Legolas freute sich darauf wieder auf seinem Rücken zu sitzen und sobald er bei seinem Vater gewesen war, würde er mit ihm durch den Wald reiten.
Er war noch nicht an der Lichtung auf der sich die Pferde befanden angekommen, als Arod ihm auch schon freudig entgegen wieherte und auf ihn zukam. Legolas blieb stehen und wartete bis das Pferd bei ihm war, strich ihm durch die dichte Mähne und klopfte seinen Hals. Arod rieb freudig seinen Kopf an seiner Schulter, wenn auch etwas übermütig, doch Legolas nahm es ihm nicht übel, da das Pferd ihn genauso vermisst zu haben schien.
„Man mathach, mellon nin“, sagte Legolas und Arod hielt ihm seine weiche Nase ins Gesicht. Der Elb gab ihm einen Kuss und musste lachen, als dieser ihm nicht gerade sanft durch seine Nüstern ins Gesicht blies.
„Du hast dich nicht geändert“, sagte Legolas leise, während er ihm sanft den Kopf streichelte.
Am liebsten hätte er sich jetzt schon auf seinen Rücken geschwungen, doch vorher musste er seinen Vater begrüßen.
„Ich komme wieder Arod, doch vorher gehe ich zu Vater.“
„Das brauchst du nicht“, erklang plötzlich eine Stimme hinter ihm und verwundert, dass er ihn nicht gehört hatte, drehte Legolas sich um. Sein Vater, Thranduil, König der Waldelben, stand vor ihm und hatte ein schiefes Lächeln aufgesetzt.
„Ich dachte mir, dass ich dich hier finden würde.“
Er streichelte Arod und schenkte seinem Sohn, einen gespielt verletzten Blick.
„Du würdest immer zuerst nach deinem Pferd, als nach deinem Vater sehen.“
Legolas hielt dem Blick des Elbenkönigs stand und hob eine Augenbraue, doch dann wandelte sich sein ernstes Gesicht zu einem Lächeln und er legte die Hand zum Gruß auf die Schulter seines Vaters.
„Und dennoch freue ich mich dich zu sehen.“
Thranduil tat es ihm gleich.
„Ich freue mich auch dich zu sehen mein Sohn! Doch nun komme und ruh dich aus, nach der langen Wanderei.“ Er betonte das letzte Wort mehr als die anderen und Legolas fiel der nicht sehr freundliche Klang in seiner Stimme auf, doch sagte er nichts weiter dazu und folgte Thranduil in die Hallen.
Der Tag neigte sich schon dem Ende, als Legolas sich aufmachte seinen Vater aufzusuchen, um mit ihm gemeinsam den Tag zu verabschieden und zu speisen. Nachdem er ein wenig geruht hatte, fühlte er sich jetzt frisch und gewappnet für das Gespräch, das bestimmt an diesem Abend schon aufkommen würde. Bei dem Wiedersehen hatte er gespürt, dass es seinem Vater auf dem Herzen lag.
Jetzt stand er vor der Tür zu den Gemachen des Königs, klopfte einmal vorsichtig und trat ein.
Thranduil erwartete ihn bereits und sie setzten sich zum speisen.
Legolas berichtete ihm von seinen Reisen mit Gimli in der letzten Zeit. Er bemerkte die immer noch etwas distanzierte Haltung seines Vaters er konnte sie in seinem Gesicht lesen, wenn er von Gimli sprach.
Thranduil berichtete ihm ebenfalls von den Veränderungen im Düsterwald, doch Legolas hörte nach einer Weile nicht mehr richtig zu. Seine Gedanken drehten sich um das bevorstehende Gespräch und er mochte es nicht, lange drum herum zureden. Thranduil bemerkte dies sehr wohl, machte eine Pause und seufzte tief.
„Du weißt, was ich dir vor deiner Abreise gesagt habe?“.
Er sah Legolas tief in die blauen Augen, als wolle er ihm in die Seele schauen, um zu wissen, was gerade in ihm vorging.
„Ja, ich erinnere mich. Du wolltest mit mir sprechen.“
Er hielt dem Blick seines Vaters stand, ließ es aber nicht zu, seine Gefühle und Gedanken zu zeigen. Der Elbenkönig bemerkte, dass Legolas ihn an seinen Gedanken nicht teilhaben ließ und wandte den Blick ab.
„Du hast mittlerweile ein stattliches Alter erreicht, Legolas“, begann er dann. „Und du bist mein einziger Sohn. Du musst dich mit dem Gedanken vertraut machen, dass du irgendwann nicht einfach mehr nur Thronfolger, sondern König sein wirst.“
Er sah Legolas kurz an, doch da dieser nur da saß und ihm mit ruhigem Blick zuhörte, fuhr er fort.
„Als König kannst du nicht durch die Gegend streifen für Jahre. Von einem König wird verlangt, dass er bei seinem Volk weilt und es im Notfall bestmöglich beschützt. Er muss seinen Pflichten nachgehen und Verantwortung übernehmen...“
Legolas versteifte sich ein wenig. Er bekam ein ungutes Gefühl, je länger das Gespräch andauerte.
Thranduil machte eine Pause und schaute abermals tief in die blauen Augen seines Sohnes.
„Legolas, ich möchte das du sesshaft wirst!“
Das ungute Gefühl war bestätigt! Legolas sah seinen Vater ungläubig an und brachte kein Wort über seine Lippen.
„Du musst lernen, wie ein König zu leben! Ich habe dir lange Zeit gegeben, deine Freiheit zu genießen…ich möchte, dass du im Düsterwald bleibst und mir bei Regierungsangelegenheiten hilfst. Ich bin der Welt müde geworden Legolas und weiß nicht wie lange ich noch in Mittelerde weilen werde.“
Legolas hatte seinen Blick zu Boden gerichtet. Das, was er die ganze Zeit zu verdrängen versucht hatte, war nun eingetreten und seiner Meinung nach, viel zu früh.
„Deine Reise nach Minas Tirith, wird vorerst deine letzte sein! Wenn du zurückkehrst, musst du lernen die Verantwortung für ein Volk zu tragen.“
Thranduil betrachtete seinen Sohn, der jetzt seinen Blick gehoben hatte und glaubte eine kurze Mattheit in seinen Augen zu sehen, die sonst in blau strahlten. Er konnte sich vorstellen, wie es in Legolas aussah - er hätte es selbst am liebsten vermieden, aber es ging nicht anders.
„Du hast meine Erlaubnis dich zu erheben, wenn es dich danach verlangt.“
Dankbarkeit trat in Legolas` Blick und mit einem kurzen Nicken verließ er die Gemächer des Königs. Er wollte alleine sein und war erleichtert, dass sein Vater ihn hatte gehen lassen.
Thranduil blickte seinem Sohn nach und hielt den Blick weiterhin auf die Tür gerichtet, als Legolas den Raum schon verlassen hatte.
Er wusste, dass er jetzt die Einsamkeit suchte, wie er sie immer suchte, wenn er mit etwas nicht im reinen war und er ließ niemanden in dieser Zeit eine Verbindung zu sich aufbauen. Selten zeigte er seine Gefühle und dachte sich meist seinen Teil zu den Dingen. Legolas war ein Krieger und liebte das Umherstreifen durch die Wälder. Es passte nicht zu ihm sesshaft zu werden, doch das Schicksal wollte ihn als Thronfolger und dagegen konnte selbst Thranduil sich nicht stellen. Er seufzte tief, stand auf und verließ ebenfalls die Tafel.
Legolas war tief in Gedanken und er nahm die Elben, die sich verbeugten, als sie ihn sahen gar nicht zur Kenntnis. Seine Schritte lenkten ihn wie von selbst zu der Lichtung auf der sich die Pferde befanden. Erst als er Arods helles Wiehern vernahm, sah er auf. Ohne viele Worte schwang er sich auf seinen Rücken und ritt tief in den Wald hinein.
Er fühlte sich unglaublich leicht und frei als er durch den Wald galoppierte, die kräftigen Bewegungen des Pferdes unter sich spürend. Er genoss es den Wind in seinen Haaren und seinem Gesicht zu fühlen, doch dann beschlich ihn dieses drückende Gefühl, dass er bald nicht mehr so frei durch den Wald galoppieren konnte und auf sein Gesicht legte sich ein Schatten.
Er parierte Arod zum Stehen und sprang von seinem Rücken. Sie waren an einem Bach angekommen, der sich seinen Weg über einige Findlinge suchte. Legolas ließ sich auf einem großen Stein nieder und kreuzte die Beine. Arod hatte sich ein wenig entfernt ins Gras sinken lassen und döste im schwächer werdenden Licht des Tages. Legolas beobachtete ihn und seine Gedanken gingen wieder zurück zu dem Gespräch. Er hatte gewusst, dass er sich eines Tages dieser Aufgabe würde stellen müssen und er hatte immer voller Zuversicht darauf geblickt. Doch seit er damals von seinem Vater als Bote nach Bruchtal ausgesandt worden war und er die Weiten Mittelerdes erblickt hatte, verspürte er das tiefe Verlangen durch die Welt zu wandeln. Er schaute zu dem kleinen Bach, wie er sich klar und geschwind durch die Felsen wandte und sein Blick wurde bitter. Galadriels Prophezeiung hatte sich erfüllt. Seit er im Ringkrieg das Meer erblickt hatte, sehnte er sich danach und verspürte den Wunsch, es wieder zu erblicken - den Seewind und die Seeluft um sich zu spüren. Er erinnerte sich Galadriels Worte:
&Mac226;Legolas Grünblatt, Ihr lebtet bisher
Im Wald voller Freude. Meidet das Meer!
Habt Ihr einmal das Schreien der Möwen gehört,
Ist der Friede der Bäume für Euch zerstört.’
Ein bitteres Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Sie hatte Recht! Er ließ seinen Blick durch den Wald schweifen. Immer noch fühlte er sich geborgen und wohl unter den Dächern der Bäume, doch wirkten sie bedrückend, wenn er an die Weiten des Meeres dachte. Weite! Das war etwas, dass er hier nicht hatte. Der Wald hatte seine eigene Schönheit, doch gab er ihm nicht mehr genau dieses befreiende Gefühl, wie er es an der Küste verspürt hatte. Wenn er König sein würde, würde er diese Weite nie wieder sehen, bis er Mittelerde verließ. Doch dafür fühlte er sich noch lange nicht bereit. Ein weiterer Gedanke kam ihm in den Kopf. Zu einem König gehörte eine Königin. Eine Gemahlin Legolas blickte zurück. In seinem ganzen langen Leben hatte er keine Elbe kennen gelernt, mit der er den Bund eingehen wollte. Und er hatte sich nie danach gesehnt, vermählt zu werden und tat es auch im Moment nicht, doch befürchtete er, dass genau dies ebenfalls eintreffen würde. Wenn er einmal vermählt war, war er gebunden...im Düsterwald zu bleiben in den Hallen seines Vaters. Er dachte an Aragorn, dem dieses Schicksal schon vorausgeeilt war. Der Mensch war in ähnlichem Zwietracht gewesen, doch schien er es angenommen zu haben. Mehr wegen Arwen, da Elrond die Einwilligung zur Heirat erst gegeben hatte, als Aragorn der neue König von Gondor war, aber dennoch war er ein guter König. Legolas fragte sich, ob er das wohl auch sein würde.
Lange noch hing er seinen Gedanken nach und kehrte erst spät in der Nacht zu den Hallen seines Vaters zurück. Kein Elb war mehr in den Gängen unterwegs. Er ging direkt zu seinem Gemach und legte sich auf sein Bett, um wenigstens noch ein wenig zu ruhen, bevor der nächste Tag anbrach.
Als er am nächsten Morgen erwachte, fühlte er zwar, dass er nicht lange geschlafen hatte, doch vermochte er nicht zu sagen, wie spät es war - er war das Zwielicht, das in den unterirdischen Hallen herrschte nicht mehr gewohnt. So beschloss er, ein wenig durch das Reich zu wandeln, allerdings wollte er nicht zu weit in den Wald eindringen, da er noch mit seinem Vater über seine baldige Abreise nach Minas Tirith sprechen wollte. Das große Fest lag nicht mehr fern und er wollte sich nicht zu sehr beeilen müssen um rechtzeitig in der Stadt einzutreffen. Er würde danach lange nicht mehr reisen können...
Als er ins Freie trat, bemerkte er erstaunt, dass es noch früh am Morgen war. Die Sonne hatte den Zenit noch längst nicht erreicht, doch wandelten schon viele Elben durch die Bäume, die, wenn sie ihn sahen, ihm höflich zunickten. Eine Weile genoss er die Stille der Bäume und die Frische, die der neue Morgen mit sich brachte, doch dann machte er sich wieder auf den Weg zu seinem Vater. Er wollte es nicht länger vor sich hinschieben und er traf ihn in der großen Eingangshalle, wo er gerade einigen Gardisten Anweisungen gab die Grenzposten zu verstärken. Auf Legolas’ Gesicht bildete sich ein melancholisches Grinsen und er blieb in einigem Abstand stehen um seinen Vater nicht zu unterbrechen. Dieser hatte ihn jedoch bemerkt uns schickte die Gardisten hinaus um sich seinem Sohn zuwenden zu können.
„Legolas, wie fühlst du dich?“
„Gut, danke. Du verstärkst die Grenzwachen?“
„Ja. Neuerdings treibt sich wieder einiges Getier in der Nähe der Wälder umher.“
Legolas nickte wissend. Auf dem Weg hierher hatte er von Zeit zu Zeit seltsame Geräusche vernommen.
„Ich wollte dich sprechen. Ich-...“
„Du wirst heute schon nach Minas Tirith aufbrechen“, unterbrach ihn Thranduil. „Wenn du dir dessen sicher bist, will ich dich nicht aufhalten.“
Er blickte seinem Sohn fest in die Augen, bevor er fortfuhr.
„Lass dir Zeit, doch nicht zu allzu lange! Du weißt das ich dich brauche.“
Er legte zur Bekräftigung seiner Worte seine Hand auf Legolas Schulter und dieser erwiderte den Gruß und nickte kurz.
„Danke Vater. Ich werde unverzüglich aufbrechen.“
Thranduil nickte.
„Pass auf dich auf.“
Legolas hob leicht eine Braue. Klang da ein besorgter Unterton in der Stimme seines Vaters mit? Er versuchte zu erkennen was sein Vater dachte, doch ließ dieser es nicht zu und so sagte er nur:
„Das werde ich. Námarie adar.“
„Atenio, ion nin.“
Legolas nahm nicht viel mit auf seine Reise. Er hatte seinen Köcher mit Pfeil, Bogen und seinen zwei Kurzschwertern umgebunden und einige Lembas mit sich - Wasser würde er an Quellen finden. Als er zu Arod ging, wusste das Pferd, dass es auf eine Reise ging, denn es tänzelte aufgeregt hin und her als Legolas aufsaß. Er ritt auf die Lichtung am Eingang der Hallen und blickte noch einmal zurück. Er wusste, dass sein Vater seine Abreise beobachten würde. Zum Gruß, nickte er noch einmal und ritt Arod durch den Wald in Richtung Minas Tirith.
~~*~~
Zwei Tage ritt er nun und hatte den Wald schon hinter sich gelassen. Schnell ritt er und machte nur dann und wann nötige Pausen, hielt sich am Laufe des Anduin und genoss es bei Sonnenschein durch die Lande zu reiten. Er ritt mit der Strömung und die Geräusche des, auf Felsen prallenden, Wassers drangen an sein Ohr. Sein Geist wanderte wieder zum Meer. Zu dem Schreien der Möwen, dem Tosen der Brandung und den leichten Bewegungen der Wellen. Nie hätte er gedacht, dass etwas sein Herz so in Verzückung führen könnte.
Er wurde bei seinen Gedankengängen unterbrochen, als Arod plötzlich stehen blieb. Legolas war zuerst etwas verdutzt, da er nicht wusste, was passiert war und er trieb Arod an, doch das Pferd bewegte sich kein bisschen von der Stelle, sondern ging einige Schritte rückwärts. Erst jetzt sah Legolas in die Umgebung. Sie war fast nur von niedrigen Büschen besiedelt. Hier und da standen vereinzelt Bäume und nur am Flussufer wuchs hohes Gras, welchem er mit seinem Blick folgte. Auf einmal hielt er inne. An einer Stelle war das Gras nieder getreten und ein kleines Loch tat sich auf. Legolas sprang vom Pferd und ging näher, jeden Moment bereit, seine Dolche zu ziehen, denn Arod blieb nicht ohne Grund stehen. Er näherte sich Schritt für Schritt der Kuhle und als sich nichts bewegte, machte er einen Satz, sprang darauf zu und hielt verwundert inne. Eine Weile stand er nur da und sah auf das herunter, was sich zu seinen Füßen befand, doch dann bildete sich ein wissendes Lächeln auf seinem Gesicht und er konnte sich ein Lachen nur schwer verkneifen. Was dort zu seinen Füßen im Gras lag, war nichts anderes als Gimli, Gloins Sohn, der es sich in den großen Grasfarnen bequem gemacht hatte und ein Nickerchen hielt. Legolas betrachtete seinen Freund, wie er da lag, mit einer leichten Staubschicht im Gesicht und die Hände am Griff seiner Axt, was ihm nicht viel nützte, da er so tief schlief, dass er nichts um sich herum wahrnahm. Sie hatten sich vor einigen Tagen getrennt und der Zwerg war ebenfalls dem direkten Verlauf des Anduin gefolgt. Legolas spielte mit dem Gedanken ihn zu wecken, doch verwarf er diesen direkt wieder, da es nicht sehr angenehm war, mit einem mürrischen Zwergen zu reisen, der zu wenig geschlafen hatte und alleine weiter reiten würde er, jetzt da er ihn gefunden hatte auf keinen Fall. So ging er wieder zu Arod, führte ihn nahe an den Fluss damit er etwas Wasser saufen konnte und setzte sich daneben. Auch er war durstig und schöpfte etwas Wasser in der hohlen Hand. Eine Zeit lang genoss er es, das Wasser durch seine Finger sprudeln zu lassen und das kühle Nass zu spüren, dass sich samtweich seinen Weg über seine Haut suchte. Er seufzte, stand auf und setzte sich an einen Findling der verlassen in der Nähe des Ufers stand. Legolas lauschte den Klängen des Baches, wie sie in einer sanften Melodie dahin flossen und ihn überkam abermals die Sehnsucht. Er geriet in tiefes Nachdenken, wodurch ihn Müdigkeit übermannte und unterstützt von den Geräuschen des Wassers, fiel er in eine leichte Meditation.
~~*~~
Golden glitzerten die Wände, die durch den Schein der Fackeln erhellt wurden. Gimli blieb stehen und betrachtete die Kristallrinnen in der Felswand. Er war zwar ein erfahrener Zwerg, doch noch nie hatte er solche großen und wunderschönen Kristallvorkommen gesehen. Er strich behutsam mit der Hand über das kostbare Gestein. Auf einmal ging ein Licht davon aus, das immer heller wurde und er kniff die Augen zum Schutz davor zusammen. Aber das Licht brannte auf seinem Gesicht und schien ihm durch die geschlossenen Augen, so dass es bereits schmerzte. Mit einem leisen Schrei und um sich schlagend, wachte Gimli auf und öffnete die Augen. Er saß aufrecht im Gras, das so hoch war, dass er nur mit Mühe darüber hinweg sehen konnte. Ein leichter Schweißfilm hatte sich auf seiner Stirn gebildet und er atmete heftig ein und aus.
„Na toll! Da träumt man von glitzernden Kristallen in tiefen Höhlen und was man bekommt ist die Sonne, die einem permanent ins Gesicht scheint.“
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Heiß heute...und weit. Ich hätte reiten lernen und mir ein Pferd anschaffen sollen, anstatt meine müden Füße wund zu laufen.“
Murrend stand er auf und streckte seine steifen Gliedmaßen. Erst jetzt konnte er über das hohe Gras hinwegsehen und betrachtete sich die Gegend. Kahl war sie, bis auf das Grün, welches am Flussufer wuchs. Im Gegensatz zum Rest der Landschaft wirkte dieses Grün wie das reinste Paradies, weshalb sich Gimli nicht wunderte, dass das Pferd sich dort zum weiden nieder gelassen hatte.
„Pferde und ihre gefräßigen Mäuler…wenn man nicht aufpasst landet man selbst unter ihnen.“
Gimli schüttelte den Kopf und wandte sich um, doch dann erstarrte er.
„Pferd?“
Er wirbelte herum und betrachtete das Tier, als würde Sauron selbst vor ihm stehen. Dann kratzte er sich am Kopf.
„Ein Pferd! Gimli träumst du noch oder wurden deine Gebete erhört? Pferde laufen nicht einfach so in dieser Gegend herum!“
Er hielt sich die Hand an die Stirn und blickte zur Sonne.
„Ein Sonnenstich?“
In dem Moment hob das Pferd den Kopf und kam ein Paar schritte auf Gimli zu.
„Nein kein Sonnenstich...zumindest kein gehender.“
Das Pferd blickte ihn aus ruhigen Augen an, doch bald verlor es sein Interesse an dem Zwerg und widmete seine Aufmerksamkeit wieder dem Gras zu.
Gimli kniff die Augen zusammen. Irgendwoher kam ihm dieses Pferd bekannt vor. Ein großer Schimmel, kräftig gebaut und doch von edler Statur. Er atmete tief durch und ging ein wenig auf das Pferd zu. Als er sah, dass es sich nicht bewegte, ging er noch etwas näher, so dass er es genau betrachten und ihm den Hals streicheln konnte. Das Pferd hob nun den Kopf und stupste ihn seicht an.
„He, lass das!”
Doch dann traf es ihn wie der Blitz!
„Das ist doch Arod!“
Das Pferd schnaubte und fing an wieder friedlich zu grasen.
„Aber wenn du hier bist, dann kann dieser Elb nicht weit sein.“
Gimli richtete sich auf und schaute in die Umgebung, doch keine Spur von seinem Freund.
„Viele Stellen gibt es nicht, wo er sich verstecken kann. Die Gegend ist so kahl wie der Kopf eines Orks!“
Das Geräusch von sprudelndem Wasser drang wieder an sein Ohr.
„Er wird doch nicht...obwohl zuzutrauen wäre es ihm.“
Gimli ging langsam in Flussnähe, darauf vorbereitet, seinen Freund darin wieder zu finden, doch als er das Ufer erreicht hatte und auf das Wasser blickte, sah er nirgendwo einen blonden Haarschopf aus dem Wasser ragen.
„Elben...unauffindbar wenn man sie braucht und immer in der Nähe wenn sie stören! Wo ist er denn jetzt schon wieder?“
Er ging am Ufer entlang und schaute sich immer wieder nach seinem Freund um.
„Er wird doch nicht ertrunken sein?“
Ein klein wenig Unruhe breitete sich in Gimli aus. Er schaute noch einmal zurück um sich zu vergewissern, dass das Pferd doch nicht die Erscheinung eines Sonnenstichs war, aber es stand noch genau an derselben Stelle wie eben. Seufzend setzte er seine Suche fort. Vor ihm tauchten ein paar Findlinge auf, die vereinzelt in der Gegend standen und er wollte gerade wieder umkehren, als er im Licht der Sonne etwas Helles aufleuchten sah. Als er näher ging, fand er seinen Verdacht bestätigt, denn das Helle dort war eine Haarsträhne seines Freundes. Jetzt erkannte Gimli auch die Umrisse des Kopfes des Elben, doch schien es, als würde er mit seinen Gedanken wo anders weilen.
„Der wird doch nicht schlafen?“, murmelte Gimli.
Er ging nun auch um den letzten Findling und blickte auf den am Boden sitzenden Freund hinab. Seine Augen waren zwar nicht geschlossen, doch reagierte er nicht auf das Kommen des Zwerges.
„Elben schlafen zwar mit offenen Augen, aber er wird mich doch gehört haben.“
Verwirrt betrachtete er sich den Elben.
„Er wird mir doch nicht krank? Das ist jetzt-...“
„Elben leiden nicht an Krankheiten, Gimli. Du brauchst dir also keine Sorgen zu machen.“ Legolas schaute auf und sah seinen Freund aus klaren, blauen Augen an. Gimli war bei den Worten von Legolas leicht zurück gesprungen, weil er nicht damit gerechnet hatte, dass der Elb seine Grübeleien mitbekommen hatte.
„Sorgen? Als wenn ich mich um einen Elben sorgen würde. Wie lange hast du mich schon belauscht, hä? Das nennst du die feine Art? Hinterlistig nenne ich das! Betrug! Und so was schimpft sich Freund...“
Gimli redete sich so in Rage, dass Legolas gespielt die Augen verdrehte, aufstand und behutsam seine Hand auf des Zwergen Schulter legte. Gimli verstummte und sah ihn an.
„Verzeih mir bitte Herr Zwerg! Es war nicht meine Absicht dich zu belauschen, aber da du dich so aufregst, kommt mir der Verdacht, dass du etwas zu verbergen hast, wenn du nicht möchtest, dass ich höre was dir so durch den Kopf geht.“
„Huä? Jetzt wirst du auch noch frech? Ich hätte mir wirklich einen anderen Freund, als ein Spitzohr suchen sollen. Die machen nur Ärger!“
„Ich bin aber beruhigt, dass du mich noch einen Freund nennst.“
„Wenn du mich noch einmal belauschst, wird sich das ganz schnell umkehren.“
Damit drehte er sich um und ging zu dem Platz zurück, auf dem er eben noch geschlafen hatte. Legolas folgte ihm mit einem Kopfschütteln. Zwerge! So leicht reizbar und so schnell zu verwirren. Aber im Grunde war er froh über die Torheit von Gimli. Wenn er es sich eingestand, hatte er ihn wirklich erst bemerkt, als sich ein Schatten über sein Gesicht gebeugt hatte. Normalerweise hörte er seine Freunde, wenn sie sich ihm näherten. Selbst Aragorn konnte sich nicht ohne weiteres an ihn heranschleichen, ohne dass er es bemerkte. Er schalt sich selbst. Was wäre, wenn das eben nicht Gimli, sondern jemand anderes, jemand unwillkommenes gewesen wäre. Er wäre ihm hilflos ausgeliefert gewesen. Erschöpfung war nicht der Grund, er hatte genug Pausen gemacht. War er so tief in Gedanken versunken gewesen, dass er nichts mehr um sich herum mitbekam? Das durfte nicht passieren und er befahl sich selber den Rest der Reise wachsamer zu sein.
„Was ist? Kommst du jetzt endlich oder sollen wir hier Wurzeln schlagen?“
Legolas musste schmunzeln. Ein Gutes hatte es, wenn er Herr von Düsterwald wäre. Er müsste diesen Zwergen und seine Kommentare nicht den ganzen Tag ertragen, wobei er Gimli mittlerweile ab und zu einfach überhörte. Auf der anderen Seite wollte er die Gesellschaft des Zwerges nur ungern missen. Mit einem Seufzer schwang er sich auf Arod
und zog Gimli hinter sich aufs Pferd.
„Ein falsches Wort über Elben und ihre, deiner Meinung nach, unbequeme Reitweise und du kannst auf deinen eigenen Beinen nach Minas Tirith laufen!“
Bevor Gimli auch nur den Ansatz einer Bemerkung loswerden konnte, hatte Legolas Arod schon in den Galopp gebracht und Gimli hielt den Mund er hatte genug damit zutun, sich auf dem Pferderücken zu halten.
Zweites Kapitel
Die Sonne kroch gerade über die Dächer der Häuser und löste das Zwielicht von seinem Platze ab. In den Gassen war es noch dunkel und nur vereinzelt war der Schrei eines Hahnes zu vernehmen. Die Menschen in Minas Tirith lagen noch in ihren Betten, bis auf die ersten Markthändler die schon unterwegs waren, um den besten Platz für ihren Stand zu ergattern. Nichts konnte dieses friedliche Bild trügen, bis auf einmal ein Schrei durch die Gassen gellte, der aber so schnell wieder verstummte wie er gekommen war.
Merry rannte um verschiedene Ecken und Gassen. Das war Pippin der da eben geschrieen hatte.
&Mac226;Da lässt man diesen Tunichtgut mal einen Moment aus den Augen und was ist? Schon steckt er in Schwierigkeiten.’
Merry beschleunigte seine Schritte und erreichte endlich die Gasse, aus der, der Schrei gekommen war. Als er sah, was den Schrei ausgelöst hatte, blieb er stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und blickte mit einem tadelnden Blick auf seinen Freund. Pippin saß auf dem Boden, hielt seinen Fuß mit beiden Händen umklammert und wimmerte vor sich hin. Äpfel lagen auf dem Boden und ein dicker, vollbärtiger Mann beugte sich besorgt über ihn, sein Pferd am Zügel haltend und Merry konnte sich denken, was seinen Freund zu so einem Verhalten trieb. Er nahm sich ein Herz und beschloss den armen Händler zu beruhigen, der langsam doch anfing nervös zu werden, weil Pippin nicht aufhörte zu wimmern.
„Mein Junge...sag doch, kann ich etwas für dich tun?“
„Mit Verlaub mein Herr“, unterbrach ihn Merry. „Aber die jämmerliche Gestalt vor Euch ist kein Junge, sondern ein Hobbit und zählt schon über zwanzig Jahre.“
Der Händler, überrascht von dem plötzlichen Auftauchen Merrys, zuckte kurz zusammen, musterte ihn und fuhr ihn dann etwas unwirsch an.
„Ein Hob...bb...mir egal was er ist, aber er braucht Hilfe...hört gar nicht mehr auf zu winseln. Ist um die Ecke gestürmt und einfach in mein Pferd gerannt. Warum er jetzt aber so wimmert weiß ich nicht.“
„Weil dieses Ungeheuer mir auf den Fuß getreten ist“, meldete sich jetzt Pippin erstmals zu Wort.
Merry hob eine Braue. Mehr nicht? Nur weil ein Pferd ihm auf seinen haarigen Fuß getreten ist, machte er so ein Theater? Er warf einen Blick zu dem Tier und ließ ihn hinunter wandern, zu den Hufen des Pferdes. Als Merry diese sah, ging er hin und hämmerte kurz mit der Hand gegen die Hufsohle und versuchte dann den Huf hoch zu heben, was ihm allerdings gänzlich misslang und er ihn unter einem Stöhnen wieder losließ. Zum Schluss stellte er sich noch ganz eng an die Schulter des Pferdes und hielt seinen Fuß neben den des Tieres. Nach einigen Augenblicken und einem abschätzenden Blick, verzog er gespielt schmerzhaft das Gesicht.
„Oh, das muss wehgetan haben!“
Der Händler und mittlerweile auch Pippin hatten Merry bei seiner Tätigkeit mit Verwirrung beobachtet und der Mann verlor die Geduld, ging zu seinem Pferd, nahm es und ging mit gemurmelten Flüchen und einem letzten verdutzten Blick auf die Hobbits von dannen.
Merry sah ihm nach und wandte sich dann an Pippin, der zwar aufgehört hatte zu wimmern, seinen Fuß aber immer noch umklammert hielt. Merry sah die Äpfel und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Geschieht dir recht, wenn du schon wieder Äpfel klaust! Wir sind hier zu Gast beim König, da kannst du nicht einfach in die königlichen, ich wiederhole, königlichen Gärten laufen und die Äpfel klauen.“
Merry hatte sich, mit vor der Brust verschränkten Armen, vor ihm aufgebaut und sah ihn tadelnd an, was seinem Gegenüber allerdings nur einen verständnislosen Blick entlockte und ihn verächtlich schnauben ließ.
„Wenn du jetzt nicht Merry wärst, der hier vor mir stünde, sondern jemand anders, dann würde ich dir recht geben, aber nicht Merry! Da will mir jemand ein schlechtes Gewissen machen, der gestern beim Brot klauen in der königlichen, ich wiederhole, königlichen Bäckerei erwischt wurde.“
„Das ist doch was ganz anderes. Außerdem habe ich sie nicht gestohlen! Ich habe sie lediglich geborgt...ausgeliehen...“
Pippin hatte sich inzwischen auf die Füße gemüht und versuchte den Fuß auf zusetzen, doch tat es höllisch weh und er verzog schmerzhaft das Gesicht.
„Ich fühle mich, als wenn zehn, wenn nicht sogar mehr Orks über meinen Fuß getrampelt wären.“
Jetzt ließ Merry doch einen besorgten Gesichtsausdruck erscheinen und machte sich daran die verstreuten Äpfel aufzuheben und betrachtete sie gutachtend.
„Ich finde aber, dass, wenn die schon mal hier rumliegen, man sie auch direkt mitnehmen kann. Viel zu schade zum liegen lassen...kannst du laufen?“, wandte er sich mit einem Blick wieder Pippin zu, doch als er sah, wie der Freund sich damit abrang so zu tun, als würde ihm der Fuß nichts ausmachen, verwarf er diesen Gedanken direkt wieder.
„Weißt du was ich denke?“, fragte er ihn. „Ich denke, dass du in die Häuser der Heilung gehen solltest!“
„Und was soll ich sagen? Beim klauen vors Pferd gelaufen?“
„Tust du nur so oder bist du so dumm? Das musst du denen doch nicht sagen...sag...du bist ausgerutscht.“
Pippin hob eine Braue. „Und wo drauf?“
„Auf...auf...Bier!“
„Merry! Es ist gerade so früh am Morgen, dass die Sonne aufgeht.“
„Na und? Wir sind ja auch Hobbits und keine Menschen!“
Pippin verdrehte die Augen. „Kannst du mir neben deinen tollen Einfällen vielleicht helfen mich wenigstens dahin zubringen?“
„Jaja...und wie soll ich das machen? Soll ich dich Huckepack nehmen?“
Pippin sah ihn an und seine Augen begannen zu glänzen.
„Geht das nicht was schneller?“
Pippin saß auf Merrys Rücken und hatte einen der Äpfel in der Hand den er gerade genüsslich verputzte, während bei Merry langsam der Schweiß ausbrach und er nur genervt die Augen verdrehte. Das würde er diesem Einfaltspinsel schon noch zurückzahlen, ihn als Reittier zu missbrauchen. Und er hatte auch noch zugesagt. Umso erleichterter war er, als er die Häuser der Heilung erblickte und er seine Schritte folglich vergrößerte.
„Na endlich“, kam es von Pippin. „Und ich hatte gedacht, ich müsste noch längere Zeit auf deinem Rücken verbringen.“
„In Ordnung, das reicht!“, murmelte Merry. Er bäumte sich auf, ließ Pippin los und auf die Erde fallen.
„Hey, was soll denn das jetzt?“
Merry drehte sich um und sah auf ihn herab. „Ich bin dein Pferd und dein Pferd hat keine Lust mehr seinen Reiter zu tragen und hat ihn abgeworfen!“
Er drehte sich um und ging davon.
„Und wie soll ich jetzt bis da vorne kommen?“, rief Pippin ihm nach, erntete aber nur ein Schulterzucken von seinem Freund.
„Na toll!“
Er sah sich um, doch der Platz war wie leer gefegt um diese frühe Stunde. Missmutig schmiss er die Kitsche seines Apfels weg, die er immer noch in der Hand gehalten hatte, rappelte sich auf und humpelte zu den Häusern.
Als er sie erreichte und einer der Heiler zu ihm kam, zeigte er ihm den Fuß und dieser trug ihn in eines der Zimmer um ihn zu kühlen und zu verbinden. Als er ihn dann gerade wieder entlassen wollte und Pippin schon fast wieder aus der Türe gehumpelt war, rief er ihm noch nach: „Wie habt Ihr es eigentlich geschafft, Euch den Fuß so zu beschädigen?“
„Ich...äh...bin ausgerutscht auf...Bier!“
~~*~~
Mittlerweile war der Morgen weiter fortgeschritten und Frodo und Sam saßen mit Aragorn, Arwen und Éomer zusammen in der großen Halle und nahmen gemeinsam das Frühstück ein. Der König von Rohan hatte seinem würdigen Vertreter, dem Heerführer der Rohirrim, für die Zeit, die er nicht zugegen war, sein Königreich anvertraut. Die Hobbits waren vor zwei Tagen angekommen und hatten sich schon wieder in Minas Tirith eingelebt. Faramir und Éowyn waren ebenfalls schon eingetroffen, doch waren sie schon früh aufgewesen, da sie einen ausgedehnten Spaziergang machen wollten, um die Frische des Morgens zu genießen und nicht zugegen. Gandalf hatte Aragorn mit den Worten vertröstet, dass er bis zum Feste eintreffen würde.
Sie waren alle in Gespräche bezüglich des Festes vertieft, bis Sam die Abwesenheit von Merry und Pippin auffiel.
„Na wo sind die denn? Wenn sonst etwas zu essen auf dem Tisch steht, sind sie doch kaum noch zu bremsen. Sollte man sich Sorgen machen?“
Die anderen horchten auf. Auch für sie war das Ausbleiben der Freunde sehr ungewöhnlich, doch sie schenkten dem nicht groß Beachtung. Es schadete den beiden nicht, wenn sie mal ein Frühstück ausließen. Nach einiger Zeit jedoch öffnete sich die große Tür und herein kam ein geschafft aussehender Merry. Er grüßte die Freunde, setzte sich an den Tisch und nahm sich etwas von dem Brot. Die Anwesenden schauten zur Türe, doch als kein Pippin hinterher kam, wandten sie sich fragend an Merry.
„Sag mal Merry, wo hast du denn deinen gefräßigen Komplizen gelassen?“, fragte Éomer.
Merry hob eine Braue, kaute zuende und entgegnete dann: „Der wird schon irgendwann hier eintreffen. Wir haben einen kleinen Stop in der Häusern der Heilung eingelegt, weil dem Herrn ein Pferd auf den Fuß getreten ist.“
Die Freunde konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wussten sie doch, wie tollpatschig Pippin sein konnte.
Nachdem sie das gemeinsame Frühstück beendet hatten, gingen sie alle zusammen in den Garten um sich vor dem, bestimmt anstrengend werdenden Tag, zu erholen - soviel musste noch erledigt werden. Nun saßen sie unter Bäumen zusammen und die Hobbits und Aragorn zogen genüsslich an ihren Pfeifen, bis Frodo einen Laut von sich gab.
„Wir reden die ganze Zeit vom bevorstehenden Fest, dabei sind doch noch gar nicht alle da! Was ist mit Gimli und Legolas, Aragorn?“
Aragorn zog noch einmal langsam an seiner Pfeife und atmete den Qualm in kleinen Kringeln aus, bevor er antwortete und sein Blick in die Ferne wanderte.
„Legolas sagte mir, dass er versuchen wollte, zwei Tage vor Beginn des Festes einzutreffen, also müsste es nach Plan heute noch geschehen, aber da er mit Gimli zusammen reist, könnte es auch gut sein, dass sie morgen erst ankommen.“
Aragorn sah Frodo an und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, was auch Frodo dazu verleitete leise zu lachen. Zu gut konnte er sich die beiden vorstellen, wie sie sich gegenseitig freundschaftlich gemeinte Gemeinheiten an den Kopf warfen.
Arwen, die den Gesprächen gelauscht hatte, hob den Kopf und sah sich um.
„Pippin kommt.“
Sie warteten bis Pippin es geschafft hatte zu ihnen zu humpeln und sich hin zusetzen, bis sie ihn dann neugierig musterten.
„Da ist ja unser Pferdeflüsterer“, kam es von Éomer, der sich beherrschen musste nicht laut aufzulachen, als er Pippins Gesicht sah.
Pippin begegnete ihm mit einem giftigen Blick, sagte jedoch nichts, da Sam schon angefangen hatte zu sprechen.
„Wir haben uns schon fast Sorgen gemacht, als du das Frühstück ausgelassen hast!“
„Mir war der Hunger vergangen. Erst tritt mir ein Pferd auf den Fuß und dann wird man noch von seinem besten Freund im Stich gelassen, als man verwundet am Boden liegt. Ich bin froh, dass ich es überhaupt bis hierhin geschafft habe!“
Alle Blicke wanderten zu Merry, der jedoch abwehrend die Hände hob.
„Was würdet ihr machen, wenn ihr als Reittier missbraucht würdet und euch dann noch von jemandem, der, weil er Äpfel klauen war und vor ein Pferd gelaufen ist, anhören müsstet, dass ihr zu langsam sein würdet? Das böse Pferd hat seinen Reiter schließlich abgeworfen und ist zu seinem Hafer am Frühstückstisch getrabt!“
Die Blicke der Freunde wanderten abwechselnd zwischen Pippin und Merry hin und her - nach einiger Zeit konnte selbst Arwen ihre Selbstbeherrschung nicht mehr wahren und alle brachen in schallendes Gelächter aus.
~~*~~
Die noch jungen Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg durch die Zweige der Bäume und warfen verschieden, Gold schimmernde Farbspiele auf den Waldboden. Noch etwas morgendlicher Tau lag auf dem Boden und leichte Nebelschwaden standen in der Luft.
Faramir und Éowyn lagen auf einer Lichtung und ließen sich von der Sonne bescheinen. Es war so ein friedlicher Morgen und Éowyn kuschelte sich ganz nah an ihren Mann, während er verträumt mit den Fingern in ihren Haaren spielte. Er seufzte einmal tief und sah auf seine Frau, die, die Ruhe genoss.
„Es war eine gute Idee, diesen kleinen Ausflug zu machen“, meldete sie sich zu Wort.
Faramir strich ihr über die Wange.
„Mhm...stimmt. Manchmal habe ich solche Geistesblitze.“
„Was meinst du...sollen wir überhaupt noch mal zurückkehren? Es ist so schön hier draußen.“
„Was meinen Teil betrifft, würde ich sagen, dass wir doch noch einmal zurückkehren sollten und ich würde es bereuen wenn du mich nicht begleiten würdest...ich würde dich immer hier im Wald besuchen müssen, wenn ich dich sehen wollte. Zudem würde das Volk, bestimmt bald denken, dass du dich in eine Hexe verwandelt hättest und jetzt bei den Kröten im Sumpf wohnen würdest.“
Éowyn richtete sich auf, kniff ihren Mann in die Seite und blickte ihn schelmisch an.
„Wenn dem so wäre, würde ich dich in einen von diesen Fröschen verwandeln, dich küssen und darauf hoffen, dass du dich in einen unsagbar schönen König verwandeln würdest, nicht so ein einfacher Truchsess der kein Anrecht auf den Thron hat.“
„Also, das ist ja jetzt...du hast es nicht anders gewollt.“
Er nahm ihre Arme, rollte sich herum, so dass er nachher auf ihr lag. Er sog noch einmal ihren hilflosen Blick auf, bevor er zur Tat über ging und sie von oben bis unten durch kitzelte. Éowyn versuchte verzweifelt dem Griff ihres Mannes zu entgehen und wehrte sich vergebens. Schließlich bekam sie kaum noch Luft vor lauter Lachen und endlich ließ Faramir seinen Griff erschlaffen und ließ von ihr ab.
„Du hast mich überzeugt“, gab Éowyn sich geschlagen. „Ich denke, ich würde dich nach Minas Tirith begleiten...schließlich sind Hexen ja auch nicht die schönsten und ich möchte keinen Buckel und eine Nase wie ein Ork haben.“
„Und selbst dann würde ich dich noch lieben!“
Er senkte seine Lider und küsste sie zärtlich, woraufhin sie seinen Kuss gefühlvoll erwiderte.
Sie blieben noch lange auf der Lichtung und genossen es einfach beisammen zu sein und bemerkten gar nicht wie die Zeit verging. Éowyn wollte noch Beeren sammeln, die sie dann zu Marmelade verarbeiten würde und als sie schließlich mit einem vollen Säckchen zurück kam, fand sie ihren Mann schlafend auf der Lichtung wieder.
„Dieser alte Faulpelz...“
Sie ging zu ihm hin und betrachtete ihn. Er war schon ein außerordentlich schöner Mann. Mit einem Schmunzeln legte sie die Beeren beiseite und gesellte sich zu ihm. Erschlaffende Sonnenstrahlen fielen ihr auf das Gesicht und durch das friedliche Schnarchen ihres Mannes und dem vergnügten Zwitschern der Vögel fiel auch sie in einen leichten Schlaf.
~~*~~
„Wie lange brauchen wir denn noch?“
Legolas verdrehte die Augen.
„Du hast die weiße Stadt doch schon gesehen, Gimli. Und das war, bevor wir in diesen Wald geritten sind, also kann es nicht mehr weit sein.“
„Ja, ja...du hast ja Recht, aber Zwerge sind nun mal keine Reiter und mein Gesäß würde sich freuen, endlich wieder auf einem weichen Kissen Platz nehmen zu dürfen-…“
„Sei still!“, kam es auf einmal von Legolas. Der Elb hatte sich aufgerichtet und lauschte angestrengt in die Umgebung. Nach einigen Augenblicken in denen nichts geschah, trieb er Arod an und ritt ihn langsam durch den Wald.
„Was ist denn?“, kam es leise von Gimli.
„Ich habe etwas gehört! Ein Geräusch das von keinem Tier kam!“
Gimli spannte sich augenblicklich an. Sie ritten weiter, bis sie eine kleine Lichtung erblickten.
Der Elb ritt darauf zu und als sie in Sichtweite kamen entspannte er sich und hielt Arod an.
„Was ist? Siehst du was? Was ist denn da vorne?“
„Nichts Gimli. Nichts wovor man sich fürchten müsste!“
Legolas trieb Arod nun zu der Lichtung und als sie den freien Kreis zwischen den Bäumen erreichten, bildete sich ein Schmunzeln auf seinem Gesicht.
„Müssen denn immer alle schlafen, wenn ich in ihre Reichweite komme?“
Gimli lugte hinter ihm hervor und als er sah, was sie gehört hatten, konnte er nicht an sich halten und fing schallend an zu lachen.
Éowyn schreckte hoch. Geweckt, von einem lauten Lachen, das an ihr Ohr drang. Blitzschnell saß sie aufrecht und schaute zuerst auf ihren Mann, der allerdings noch friedlich schlief, und dann in die Umgebung. Als sie das Pferd und die zwei Gestalten erblickte, machte ihr Herz einen kleinen Hüpfer und im Nu war sie auf den Beinen und zu Legolas und Gimli gerannt.
„Gimli! Legolas! Wie schön euch zu sehen. Wir hatten mit eurer baldigen Ankunft gerechnet.“
Gimli, der inzwischen vom Pferd gestiegen war, warf einen flüchtigen Blick auf Faramir.
„Na wohl nicht ganz alle, oder?“
„Ich muss zugeben, dass wir nicht erwartet hatten euch hier zu treffen. Doch sagt, wie geht es euch?“, entgegnete ihm Éowyn fragend.
Legolas war inzwischen ebenfalls abgestiegen und deutete Arod zu den anderen Pferden zu gehen.
„Uns geht es gut. Wir sind lange gereist, doch mit der Aussicht auf ein schönes Fest, verging die Zeit schnell“, antwortete er.
„Wo wir gerade davon sprechen“, sagte Éowyn und blickte zu ihrem Mann. „Ich glaube wir sollten langsam zur Stadt aufbrechen. Der Tag neigt sich dem Ende und bald ist es dunkel.“
Sie ging zurück zu Faramir und weckte ihn sacht. Als er aufwachte und ebenfalls die beiden Ankömmlinge sah, war er zuerst verwundert, doch begrüßte er sie herzlich.
Sie packten ihre Sachen und gemeinsam brachen sie auf zur Stadt und erreichten noch vor dem Sonnenuntergang die großen Tore.
Als sie durch das siebte und letzte Tor ritten, kam ihnen schon ein hoch erfreuter König entgegen, der von ihrem Kommen bereits unterrichtet worden war. Mit ihm kam Arwen und Frodo mit Sam. Pippin hatte es vorgezogen sich den Rest des Tages nicht zu bewegen und Merry hatte beschlossen, ihm mit einer kleinen Mahlzeit Gesellschaft zu leisten - so verpassten sie das Ankommen der Freunde.
„Legolas! Gimli! Wie schön auch euch endlich begrüßen zu können!“
Stallknechte nahmen ihnen die Pferde ab und brachten sie in den nahegelegenen Ställen unter.
„Mae govannen, mellon nin!“, sagte Legolas und die beiden umarmten sich herzlich. Als Gimli die freundliche Begrüßung sah, musste er schmunzeln. Man sah den beiden förmlich an, dass sie sich gegenseitig vermisst hatten und sie eine tiefe Freundschaft verband. Aber auch Gimli wurde herzlich begrüßt und gemeinsam gingen sie ins Innere der Feste um noch gemeinsam zu speisen und sich die Neuigkeiten zu erzählen, die jeder mitbrachte.
Pippin und Merry waren, als sie in der großen Halle am Tische saßen, auch anwesend ein Essen nicht auslassend - und als Legolas Pippins, auf einem Stuhl hochgelegten Fuß sah, musste er unwillkürlich leise lachen. Pippin entging dies allerdings nicht und er zog beleidigt die Stirn in Falten, als auch er die beiden begrüßte.
„Lasst mich euch eines sagen“, begann Pippin, bevor jemand anderes auch nur ein Wort in den Mund legen konnte. „Bevor jemand anders wilde Geschichten erzählt...mir ist ein Pferd auf den Fuß getreten und ich habe große Schmerzen zu erdulden, während alle anderen nichts besseres zu tun haben als sich darüber zu belustigen. Und nun... Willkommen!“
Nach längerer Zeit und einem ausreichendem Mahl, erhob sich Aragorn und lud seine Freunde in einen gemütlicheren Raum, wo es sich besser reden ließ. Das Zimmer war nicht sehr groß und doch sehr bequem eingerichtet, mit einem Kamin und einer großen Sitzgruppe, die darum stand und es dauerte nicht lange, da waren alle in ausgedehnte Gespräche vertieft - von den Hobbits kam ab und zu schallendes Gelächter.
Legolas unterhielt sich gemeinsam mit Aragorn und Éomer über die Königreiche und ihre Entwicklung seit dem Ringkrieg. Viel Gutes war geschehen und nur selten gab es Aufstände, so dass Ruhe in den Landen eingekehrt war. Sam und Frodo gesellten sich ebenfalls zu ihnen und während Frodo zuhörte und ebenfalls in die Gespräche einstieg, lehnte Sam sich zurück, beobachtete seine Freunde und stieß dann einen langen Seufzer aus. Frodo blickte zu ihm hinüber und sah seinen äußerst zufriedenen Gesichtsausdruck.
„Woran denkst du gerade, Sam? An Rosie?“
„Das auch. Ich vermisse sie...“
„Warum hat sie dich denn nicht begleitet?“, wollte jetzt Legolas wissen.
„Ach, weißt du, sie fühlte sich nicht so wohl, schließlich erwarten wir Zuwachs!“, bei diesen Worten bekamen Sams Augen einen besonderen Glanz. „Sie wollte sich schonen und hat beschlossen so lange zu ihren Eltern zu ziehen. Es dauert mir noch viel zulange, bis endlich das Kind da ist! Schließlich sind es noch fünf Monate. Aber was mich seufzen ließ, war eigentlich etwas ganz anderes. Ich finde es so schön, dass wir uns alle treffen, ohne einen schwerwiegenden Grund.“
„Also, ich finde das Fest schon schwerwiegend!“, warf Aragorn mit einem Schmunzeln ein.
Sam winkte ab.
„Du weißt genau, wie ich das meine! Ich meine, wir treffen uns, verbringen schöne Tage zusammen, feiern und gehen dann wieder. Kein Unheil oder sonstiges!“
„Da muss ich dir recht geben. Wollen wir nur hoffen, dass es lange so bleibt“, sagte Aragorn und zog an seiner Pfeife. Jetzt setzte Frodo sich auf.
„Du hast noch wenig erzählt Legolas. Sag, was tut sich im Düsterwald alles?“
Legolas, der die ganze Zeit über mehr den Gesprächen der anderen gelauscht hatte, sah jetzt auf und blickte in erwartungsvolle Gesichter. Er zögerte kurz, bevor er knapp, die wichtigsten Geschehnisse schilderte. Das Gespräch mit seinem Vater und den daraus entstandenen Folgen ließ er aus, da er nicht darüber sprechen, sondern es für so lange wie möglich verdrängen wollte. Aragorn beobachtete seinen Elbenfreund. Er sprach für seine Begriffe etwas stockend vom Düsterwald und ihm schien es, als wollte er das Gespräch schnell beenden, denn er lenkte Frodo auf ein neues Thema, auf das der Hobbit auch direkt einging. Sollte er sich Sorgen um seinen Freund machen? Aragorn schüttelte innerlich den Kopf und schallt sich selbst, dass er in jedem direkt ein nahendes Unheil sah.
Sie saßen noch lange zusammen, bis sich Aragorn schließlich erhob, die Runde auflöste und allen eine erholsame Nacht wünschte.
Als Legolas wenig später in seinem Gemach war, legte er sich auf das Bett und starrte an die Decke. Er hatte Aragorns forschenden, misstrauischen Blick auf sich gespürt, als er Frodo berichtet hatte. Er wusste nicht warum, aber es war ihm schwer gefallen über den Düsterwald zu sprechen. Immer wieder musste er dabei an das Gespräch mit seinem Vater denken und er bekam ein unheimliches Fernweh, was sich immer mehr steigerte, je länger er darüber nach sann. Schließlich hielt es Legolas nicht mehr aus, stand auf und ging in den königlichen Garten. Als er im Freien stand und den Himmel über sich spürte, seufzte er hörbar. Er hatte ein zunehmendes Gefühl der Enge verspürt, als er in seinem Zimmer gelegen hatte, doch jetzt hier im Garten, war es verflogen und er genoss die frische Brise die ihm ums Gesicht wehte. Es war eine schöne Nacht, klar und doch nicht kalt. Keine Wolke war am Himmel zu sehen und der Mond warf Schatten auf das Gras. Legolas ging zu einem großen Baum, setzte sich auf einen tief hängenden Ast und lehnte sich gegen den starken Stamm. Hier fühlte er sich wohl und er ließ seinen Blick zu den Sternen schweifen, die klar und hell leuchteten. Warum fiel es ihm so schwer sich mit seiner Zukunft als König abzufinden? Er als Prinz, war mit dem Gedanken aufgewachsen, irgendwann den Thron zu besteigen und es hatte ihm nicht viel ausgemacht. Warum jetzt? Es quälte ihn und er würde alles dafür geben, das Gefühl der inneren Ruhe wieder zu erlangen, dass er schmerzlich vermisste. Tief in seinem Herzen wurde ein Kampf ausgefochten. Sich dem Thron entziehen und ins Exil gehen, was bedeutete, dass er ein ganzes Königreich gegen sich hätte, nicht zuletzt der Schmerz, dem er seinem Vater bereiten würde, wenn er nach dem Tod seiner Frau auch noch seinen einzigen Sohn verlieren würde. Legolas dachte nach. Seine Mutter - er vermisste sie oft, auch wenn er sich mit ihrem Ableben abgefunden hatte. Die andere Möglichkeit war, den Thron zu besteigen und seiner Freiheit zu entsagen. Mit dieser Wahl, würde er die Würde des Königshauses aufrechterhalten und niemand, außer sich selbst in tiefes Unglück stürzen. Würde er sich daran gewöhnen Herr über ein Land zu sein, so wie er sich daran gewöhnt hatte, ohne eine Mutter aufzuwachsen?
Der Morgen dämmerte schon leicht und Legolas beschloss, sich zurück zu seinem Gemach zu begeben. Er wollte Aragorn keine Möglichkeit geben, sich doch noch Sorgen um ihn zu machen. Als er den Garten durchquerte, merkte er plötzlich, dass sich etwas gegen das Licht stellte, das die kleinen Laternen oben auf der Veranda des Königsgemaches warfen. Er schaute auf und sah Arwen die dort stand und zu ihm hinunter blickte. Sie stand regungslos da und sah ihn nur an. Legolas erwiderte den Blick, sah sie jedoch entschlossen an und ging dann ohne ein weiteres Wort ins Innere zu seinem Gemach.
Arwen sah ihm noch lange nach, bevor auch sie sich abwandte und den Balkon verließ.
~~*~~
Der nächste Morgen kam warm und freundlich. Überall war geschäftiges Treiben auf den Straßen und im Palast. Das große Fest rückte näher, die Freunde boten sich helfend an und so waren alle irgendwo in der Stadt verteilt. Die Hobbits liefen in der ganzen Stadt umher und brachten dem einen oder anderen Händler Nachrichten von Aragorn. Éowyn half Arwen bei den Verzierungen und dem Aufhängen der Girlanden. Bald bekamen sie Unterstützung von Faramir und Gimli, doch stellte sich bald heraus, dass die Männer eher auf ein Schlachtfeld gehörten. Éomer und Legolas saßen mit Aragorn zusammen in seinem Arbeitszimmer und halfen ihm, lästigen Papierkram zu erledigen.
Der Mittag kam und noch immer saßen sie vor einem Berg von Blättern, als Aragorn aufsah.
„Ich muss den Wachen am Tor eine Nachricht zukommen lassen...wo sind die Hobbits? Sie sollen hingehen!“
„Die kommen so schnell nicht wieder. Ich habe sie vorhin in eine Gaststätte verschwinden sehen“, sagte Éomer.
„Hobbits!“, Aragorn musste lächeln. „Wo auch sonst?!“
„Lass sie nicht rufen, sie laufen schon den ganzen Tag. Ich werde gehen...ich brauche etwas frische Luft.“
Legolas nahm die Botschaft von Aragorn und machte sich auf den Weg zu den unteren Ringen. In einem Flur traf er auf Arwen und er entsann sich der gestrigen Nacht, wo sie ihn mitleidig beobachtet hatte.
„Machst du eine Pause?“
„Ich erledige einen Botengang für Aragorn, da die Hobbits wieder ihren üblichen &Mac226;Geschäften’ nachgehen.“
„Oh, ich weiß. Ich will dich nicht aufhalten...du siehst erschöpft aus!“ Sie musterte ihn aus ihren warmen Augen. Legolas versteifte sich etwas, als er ihren forschenden Blick auf sich spürte.
„Ich bin ein wenig müde. Der Raum ist etwas stickig.“
Mit diesen Worten ging er ins Freie und als er vor den Türen der Feste stand, hielt er inne, sog die frische Luft in seine Lungen und fühlte sich mit einem Mahle etwas ausgeruhter. Er machte sich auf den Weg durch die sieben Tore und erntete vereinzelt neugierige Blicke. Nicht oft waren die schönen Wesen, die Elben, zu Besuch in der weißen Stadt und schon gar nicht ein Prinz. Doch er achtete ihrer nicht und ging, eine elbische Melodie summend, die Straßen entlang. Als er den letzten Ring passierte und zum Tor kam, übergab er der Wache die Nachricht und wollte sich gerade wieder abwenden, als eine kleine Aufruhr sein Gehör erreichte. Wachen riefen sich Anweisungen zu und knarrend wurde das Tor geöffnet.
„Hoher Besuch ist eingetroffen! Öffnet das Tor! Hoher Besuch für den König!“
Legolas blieb stehen und blickte neugierig auf das, sich langsam öffnende, Tor. Zwei Pferde kamen hindurch und auf ihnen ritten zwei Männer. Aufrecht saßen sie auf ihren Rössern und edel und stolz wirkten sie. Ihre langen dunklen Haare wehten im leichten Wind, elegant waren ihre schönen Gesichter aus denen dunkle Augen strahlten. Einer der beiden blickte sich um und als er Legolas sah, stieß er einen Freudenruf aus. Die beiden stiegen von ihren Pferden, übergaben sie den Stallknechten und gingen zu ihm.
„Legolas! Wie schön dich hier zu sehen!“
„Es ist auch schön euch wieder zu sehen, Elladan! Elrohir!“
Sie begrüßten sich auf Elbenart und Legolas sah sie abschätzend an.
„Euer Besuch ist unerwartet. So weit ich weiß, rechnet Aragorn nicht mir eurem Erscheinen.“
„Das stimmt. Estel weiß nichts von uns, doch konnte Elrond uns entbehren und schickte uns, um ihn zu vertreten, wenn er schon nicht kommen konnte.“
Gemeinsam schlugen sie den Weg zur Feste ein und tauschten Nachrichten aus. Das letzte Mal als Legolas sie gesehen hatte, war er mit Gimli während seiner Wanderschaft in Bruchtal gewesen und er freute sich über ihre Anwesenheit, da er sie im Laufe der Jahrhunderte und durch Aragorn als Freunde gewonnen hatte und nicht missen wollte. Die Leute auf den Straßen warfen jetzt ehrfürchtige Blicke auf diese drei Gestalten, ein Prinz und zwei Fürsten, wie sie in ihrer Schönheit und Anmut die Straßen hinaufschritten, sich fröhlich unterhaltend und hier und dort eine freundliche Geste zeigten.
Legolas ging mit ihnen zu Aragorns Arbeitszimmer und steckte den Kopf durch die Tür um nichts von dem Besuch zu verraten.
Aragorn saß dort noch immer über seinem Schreibtisch und Éomer hatte es sich in einem Sessel bequem gemacht.
„Ich habe den Wachen die Botschaft überbracht und eine für dich entgegengenommen!“
Aragorn sah ihn interessiert an und als Legolas die Tür ganz öffnete, wandelte sich dieser Blick zuerst in Verwunderung und Erstaunen und dann in pure Freude.
„Elladan! Elrohir!“ Aragorn war aufgesprungen und auf seine Elbenbrüder zugegangen und begrüßte sie herzlich.
„Warum ist mir von eurer Ankunft nicht unterrichtet worden?“
„Wir haben es den Wachen untersagt, dich über unser Eintreffen zu informieren! Unser Kommen ist spontan und so wollten wir dich überraschen“, entgegnete Elrohir, der jüngere Zwilling.
„Das ist euch gelungen! Wie geht es Vater?“
„Er war leider zu beschäftigt um selbst her zu kommen, doch lässt er die besten Grüße an dich und Arwen senden.“
„Sie wird sich sicher auch freuen euch wieder zu sehen. Sie vermisst euch!“
„Das wollen wir doch hoffen“, sagte Elladan. „Wo ist sie, dann gehen wir unsere kleine Schwester ebenfalls begrüßen.“
„Oh, sie hilft bei der Verschönerung des Festes. Éowyn, Faramir und Gimli helfen ihr dabei!“
„Gimli?“, fragte Elladan. „Ein Zwerg hilft bei der Verschönerung eines Saales... wir erleben noch Zeiten und Wunder!“
Legolas lachte. „Warten wir ab ob er eine Hilfe ist oder nicht nachher selbst als Dekoration endet!“
Allein die Vorstellung reichte und alle brachen in Gelächter aus.
~~*~~
„Ich bin für so etwas nicht geschaffen“, stöhnte Gimli, der gerade versuchte, einige Knoten in einer Girlandenkette zu lösen, die sich in einander verfangen hatte.
„Mach dir nichts draus Gimli!“ Faramir, der ihn einige Zeit beobachtet hatte, und sich nun neben ihn setzte, seufzte: „Ich auch nicht!“
„Oh, Männer!“, sagte Éowyn. „Können nichts, es sei denn sich gegenseitig die Köpfe einschlagen!“
„Solche Worte aus deinem Munde, wehrte Frau, sind doch sehr verwunderlich! Soweit ich mich erinnere, warst du diejenige, die nicht im sicheren Heim bleiben wollte, als die mutigen Männer damals in die Schlacht zogen. Nein, du musstest dich ja widersetzten und dich mit einem Hexenkönig abgeben, der dich, glaube ich, nicht so gut leiden konnte.“
Faramir sah seine Frau herausfordernd an und beobachtete mit Genugtuung das Mienenspiel, das sich in ihrem Gesicht darbot. Sie schien nach einer passenden Antwort zu suchen, die sie ihm entgegen bringen konnte, doch musste sie einsehen, dass er mit allem was er gesagt hatte, recht behielt. In ihrer Wehrlosigkeit, nahm sie die Girlande, die sie in der Hand hielt und warf sie auf Faramir, der mit so etwas gerechnet hatte und sich schnell zur Seite warf um nicht damit eingewickelt zu werden. Das machte Éowyn allerdings noch wütender und sie lief zu ihrem Mann, doch dieser fing sie ab, nahm ihre Arme, so dass sie sich nicht mehr bewegen konnte und lächelte sie nur an, bevor er ihr einen Kuss aufdrang, den sie allerdings ohne Murren erwiderte. Als sich sein Griff jedoch lockerte, reagierte sie blitzschnell und schlug ihm liebevoll, wenn auch hart, ihre Faust in den Bauch und er verkniff sich ein Stöhnen.
„Was habe ich mir mit dir nur angetan?“
Arwen, die diese Szene stillschweigend verfolgt hatte, sah jetzt auf und bemerkte zum ersten Mal, dass sich die große Türe geöffnet hatte und Besucher eingetreten waren. Sie erkannte sofort um wen es sich handelte. Aragorn, Legolas, Éomer und sie riss die Augen auf Elladan und Elrohir! Mit wenigen Schritten war sie bei ihnen und fiel ihnen um die Hälse.
„Man mathach! Ihr hier! Was für eine Freude! Ich misste euch oft!“
„Wir dich auch kleine Schwester!“, sagte Elladan. „Du bist noch schöner geworden!“
Arwen senkte leicht den Blick und Aragorn erhob das Wort.
„Genug der Schmeicheleien! Ihr wollt mir meine Frau doch nicht abtrünnig machen?“
Die Zwillinge hoben abwehrend die Hände.
„Ihr wollt euch sicherlich ausruhen. Ich weise Diener an, euch Gemächer zu zubereiten, damit ihr euch ein wenig erholen könnt.“
„Und während eure Gemächer vorbereitet werden, werdet ihr, Legolas und ich, hinaus in den Garten gehen und uns unterhalten. Wir haben uns soviel zu erzählen unter Elben!“
Damit nahm sie Legolas’ Hand und zog ihn hinter sich her, hinaus in den Garten, die beiden Zwillinge brauchten keine Aufforderung, um ihrer Schwester zu folgen.
Zurück ließen sie ihre, etwas verwirrt drein blickenden Freunde.
„Ich sage es ja immer wieder, mein Freund!“, misstönte Gimli. „Elben! Versuche erst gar nicht ihre Denk- und Lebensweisen zu verstehen und such dir schon gar nicht eine als Frau. Das kann nicht gut gehen!“ Zur Bekräftigung seiner Worte lehnte er sich an Aragorn und schüttelte seufzend den Kopf.
„Nun denn!“, sagte Aragorn. „Ich will mich den Anweisungen meiner Frau fügen und Zimmer für diese beiden stolzen Elben, bei denen ich aufwachsen durfte, herrichten lassen. Und euch rate ich, euch ebenfalls eine Pause zu gönnen! Ihr seid schon den ganzen Tag damit beschäftigt mir zu helfen. Geht essen und erholt euch etwas, aber betretet bloß nicht den Garten die Elben wollen unter sich sein!“
~~*~~
Legolas hatte sich nur widerwillig von Arwen mitziehen lassen. Er hatte versuchen wollen, ihr bestmöglich aus dem Weg zu gehen, da er ahnte, dass sie sich unbegründete Sorgen um ihn machte und den Grund dafür erfahren wollte. Nun saß er bei den drei Elben und lauschte ihren Gesprächen über Bruchtal, aber auch über das Leben hier in Minas Tirith und je länger er zuhörte, desto mehr überkam ihn die Gewissheit, dass er die nächsten Jahrhunderte wohl nicht sehr genießen würde.
„Vater sollte nicht soviel Arbeiten!“, sagte Arwen. „Das hat Aragorn sicher von ihm gelernt!“
Elladan schmunzelte.
„Ja das könnte sein, doch kann ich mir vorstellen, dass das Leben als König nicht gerade einfach ist und entsprechend viel Arbeit mit sich bringt.“
„Man sollte sich einmal das Leben der Frau ansehen, die ihm zur Seite steht. Für SIE ist das Leben nicht einfach!“
Elrohir schaute seine Schwester belustigt an.
„Soweit ich mich erinnere, hast du dir das selbst zu zuschreiben, oder hattest du nicht die Wahl damals...?“
„Du hast Recht! Und ich bereue es um keinen Tag! Meine Entscheidung war die richtige!“ Sie machte eine Pause. „Er sollte nur ein wenig mehr auf sich Acht geben. Er ist jetzt der König und kein einfacher Waldläufer mehr. Er kann nicht unbehelligt durch die Lande reisen und hoffen, dass ihn keiner erkennt. Zu viele Gefahren lauern da draußen immer noch!“
„Ich fürchte, das wirst du ihm in diesem Leben nicht mehr austreiben können. Du musst versuchen damit umzugehen. Und bis jetzt ist ihm ja noch nichts passiert. Ist er denn so oft fort, dass du dich so sorgen musst? Dann werde ich ein ernstes Wort mit ihm reden, wenn er so eine hübsche Elbe einfach auf sich warten lässt!“, witzelte Elrohir.
„Nein! In letzter Zeit gar nicht mehr. Zuviel Arbeit wird ihm aufgelastet. Er verbringt manchmal Tage in seinem Arbeitszimmer und der Papierstapel vor ihm wird trotzdem nicht kleiner. Manchmal frage ich mich, wie er das alles bewältigen kann, ohne irgendwann zusammen zu brechen an der Arbeit. Viel schlimmer sind allerdings die teilweise auftretenden kleineren Rangeleien unter den Menschen in der Stadt. Oft muss er dort eingreifen und um Ruhe sorgen und trotzdem findet er immer noch Zeit für sich selbst. Es ist wie ein Wunder.“
„Jaja.“, seufzte Elladan. „Da kannst du beruhigt sein Legolas. Du wirst König über Elben sein und nicht über Menschen. Da musst du dich nur mit den Bergen aus Papier rumschlagen, die dich eh über Jahrhunderte in Beschlag nehmen, du musst nicht auch noch darauf achten, dass dein Volk sich nicht selbst umbringt.“
Legolas hatte während der ganzen Unterhaltung stumm vor sich hin gesehen und sein Körper hatte sich unweigerlich immer mehr angespannt. Er hatte vorgehabt hier in Minas Tirith diesem Druck noch ausweichen zu können und nicht ständig daran erinnert zu werden, dass er selbst bald König sein sollte. Jetzt, da Elladan das Wort an ihn gerichtet hatte, sah er abrupt auf und in die Gesichter der anderen. Für Arwen eine Spur zu schnell...
„Wie lange gedenkt dein Vater noch, selbst zu herrschen?“, fragte Elrohir.
„Ich weiß es nicht“, gab Legolas zu - dass es bald sein konnte, wollte er nicht hinzufügen. Legolas fühlte sich im Moment sehr unwohl in seiner Haut und am liebsten wäre er aufgesprungen und davon gegangen, doch damit hätte er nur wieder erreicht, dass sich alle um ihn sorgten. Arwen bemerkte Legolas’ Körperhaltung und, dass er nicht weiter darüber sprechen wollte und lenkte ihre Brüder auf ein anderes Gespräch, in dem sie die beiden nach Glorfindels Befinden fragte. Die Zwillinge stiegen darauf ein und Legolas war dankbar für Arwens Ablenkung. Sie hatte gemerkt, dass sie ihn an einem wunden Punkt getroffen hatte, einem Punkt mit dem er selbst noch nicht im reinen war.
Arwen hatte ihn bestimmt aufmuntern wollen, aber dadurch, dass er sich die Gespräche der anderen Elben anhören musste, kam das gerade verdrängte Gefühl der Enge wieder in ihm hoch und es wollte ihn zerdrücken. Hätte Arwen das gewusst, hätte sie ihn bestimmt nicht mitgenommen, oder doch? War es Unwissenheit oder Absicht von ihr gewesen? Ahnte sie was in ihm vorging und wollte sie, dass er darüber sprach, indem sie die ganze Zeit über das Königreich sprachen und über Bruchtal? Oder hatte sie ihn mitgenommen, um ihn zu beobachten, seine Züge, wie er sich verhielt, ob sie ihm in die Seele blicken konnte? Ein Gefühl überkam ihn - ein Gefühl, dass sich wie Wut anfühlte, Wut und Enttäuschung, dass sie so etwas an ihm verübte. Er versuchte dieses Gefühl zu verdrängen, doch bahnte es sich unaufhörlich seinen Weg in seine Gedankengänge, bis er es nicht mehr aushielt. Mit einem Satz war er auf den Beinen, entschuldigte sich, dass er noch etwas erledigen müsste und ging dann schnellen Schrittes durch den Garten ins Innere der Feste.
Als er in einen der vielen Flure gelangt war, lehnte er sich erschöpft an die kalte Wand, legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen, während er tief Luft holte. Sein Herz hatte sich zugeschnürt, als er bei den Elben gesessen und in seine Gedanken versunken gewesen war. Sie hatten ihm wehgetan vielleicht ohne es zu wissen und nicht äußerlich, aber seine Seele hatte gelitten, während er sie unbekümmert reden gehört hatte. Langsam begann sich die Hitze, die sich in ihm ausgebreitet hatte wieder zu senken und er fasste wieder klare Gedanken. Wo sollte er jetzt hingehen? Er beschloss Gimli aufzusuchen. Der Zwerg hatte eine Gabe ihn von trüben Gedanken abzulenken, außerdem hatte er ihn heute kaum gesehen. Zu Aragorn wollte er nicht, falls Arwen irgendetwas zu ihm gesagt hatte. Er löste sich von der Wand und machte sich auf die Suche nach seinem Zwergenfreund, doch keiner der Bediensteten konnte ihm sagen, wo er sich befand. Resignierend stieß Legolas die Luft aus und als er umkehrte, um auf den Marktplatz nach ihm zu suchen, vernahm er Stimmen. Sie kamen aus Aragorns Arbeitszimmer und so wie es sich anhörte, war auch Aragorn zugegen, sowie die Hobbits. Legolas zögerte, als er seine Hand auf den Türknauf legte. Wollte er nicht gerade eine Begegnung mit Aragorn vermeiden? Wollte er nicht lieber ihm und Arwen aus dem Weg gehen? Zweifel stiegen in ihm auf und er ließ die Hand von dem Knauf sinken und wandte sich zum gehen, als er inne hielt und sich langsam wieder umdrehte.
„Nein!“, sagte er sich selbst. „Ich mache mich noch selber verrückt. Ich will diese Tage genießen und nicht vor meinen eigenen Freunden davon laufen!“
Entschlossen trat er vor, klopfte vorsichtig und betrat den Raum in dem sich seine Freunde befanden.
~~*~~
Arwen blickte Legolas noch lange nach und war betrübt über seine Reaktion, das hatte sie nicht gewollt, dass er so davon stürmte.
„Er verbirgt etwas!“, holte Elladan sie aus ihren Gedankengängen.
Sie nickte.
„Ja, aber er lässt uns nicht zu ihm durchdringen. Er verschließt sich schon die ganze Zeit, die er hier ist und er weicht mir aus!“
„Wenn er nicht möchte, dass du zu ihm vordringst, kann ich das verstehen, aber meinst du nicht, Aragorn sollte mit ihm reden? Die beiden pflegen eine so intensive Freundschaft, dass er sich doch wenigstens ihm öffnen müsste“, sagte Elrohir.
„Nicht Legolas! Er handelt alles mit sich alleine aus und lässt dann selbst Aragorn nicht an sich heran, doch werde ich versuchen ihn nicht mehr so zu konfrontieren. Ich wollte meinen Verdacht nur durch euch bestätigt wissen.“
Die drei blieben noch eine Zeit lang sitzen und redeten wieder über fröhlichere Themen, bevor auch sie sich hinein begaben. Der Tag neigte sich dem Ende und das Essen wurde bald aufgetischt.
Beim Abendmahl, fand ein fröhliches Beisammensein statt und Arwen war froh, als sie sah, dass auch Legolas anwesend war und neben Aragorn saß. Sie genossen den Abend und waren alle in großer Vorfreude auf das morgige Fest, was den ganzen Tag andauern würde, so dass sie bald erschöpft, von den Arbeiten des Tages, zu Bett gingen.
Legolas lag noch lange wach und blickte abermals zur Zimmerdecke. Bei dem geselligen Abendessen hatte er seine düsteren Gedanken bestmöglich verdrängen können, doch nun in der Dunkelheit und der Stille, die ihn umgab, brach alles wieder über ihm zusammen und er zwang sich an etwas Schöneres zu denken. An blühende Wiesen und den Duft des Waldes, den die Bäume ausströmten, doch das Gefühl der Enge holte ihn wieder ein und er musste seine ganze Selbstbeherrschung einsetzen, um nicht aus dem Zimmer zu laufen. Er wollte nicht innerlich zu Grunde gehen, wollte seine Seele nicht so leiden lassen, sondern sich mit der Situation abfinden und, dass sie unabänderlich war, ob er sich dagegen sträubte oder nicht. Nur wenn er sich sträubte, war es schwerer zu ertragen. Seine Hände gruben sich in die leichten Decken, des Bettes und er versuchte ruhig zu atmen und sich daran zu hindern, dem Drang nachzugeben und wieder hinaus in den Garten zugehen. Er wollte die Zimmerdecke nicht mehr sehen und verfluchte den Zustand, dass Elben nicht viel Schlaf benötigten und mit offenen Augen schliefen. Er begann leise eine elbische Melodie zu singen und nach, für ihn, unendlich langer Zeit, zeigte sich Wirkung und er glitt in einen traumlosen, erlösenden Schlaf.
Arwen lag neben Aragorn in ihrem Ehebett und blickte zur Wand. Legolas ging ihr nicht aus dem Kopf und auch nicht der Rat, den ihr Elrohir gegeben hatte, obwohl sie ihm gesagt hatte, dass es nichts nützen würde. Schließlich wandte sie sich zu Aragorn um und stellte fest, dass er gar nicht wie vermutet schlief, sondern sie beobachtete. Leicht überrascht zog sie die Augenbrauen hoch.
„Über was sorgst du dich?“, fragte er, der ihre Grübeleien sehr wohl bemerkt hatte.
Sie seufzte leise.
„Über Legolas!“
Aragorn setzte sich auf und wartete bis seine Frau ihm von dem gemeinsamen Beisammensein berichtete und Legolas’ Reaktion, wie er aufgesprungen und weggegangen war und sich äußerlich abschirmte.
Nun war es Aragorn der seufzte.
„Ich habe es am Anfang bemerkt, doch habe ich mir Samweis’ Reden zu Herzen genommen und nicht in jedem direkt das nahende Unheil sehen wollen. Da habe ich es! Mein bester Freund geht innerlich zu Grunde und ich bemerke es noch nicht einmal.“
„Wir wissen doch gar nicht, ob es wirklich so schlimm ist, aber ich hätte die Bitte an dich, mit ihm zu reden. Von Freund zu Freund! Ich spüre dennoch, dass er leidet und er ist zerbrechlich, Aragorn empfindlich in der Seele!“
Aragorn nickte und gab seiner Frau einen Kuss, bevor er sich nieder legte und versuchte zu schlafen, doch es gelang ihm erst nach geraumer Zeit. Zu groß, war die Sorge, dass er seinen Freund vernachlässigt und seinen Seelenschmerz übersehen hatte.
Drittes Kapitel
Der nächste Tag war genauso sonnig und schön, wie die letzteren und stand ihnen in sofern in nichts nach. Die Händler waren schon in aller Frühe damit beschäftigt ihre Stände aufzubauen und ihre Wahren anzupreisen. Die Stadt war bis auf die letzte Gasse sauber und es sah eher so aus, als würde man einen König empfangen wollen. Überall standen Blumen, Banner wehten im Wind und der Duft von frisch Gebackenem steuerte zur gelungen Atmosphäre bei. Die Leute waren so gut gelaunt wie schon lange nicht mehr und erfreuten sich des Festes. Überall hörte man die Bierkrüge gegeneinander schlagen und lautes Gelächter setzte dann und wann ein. Die Frauen hockten alle bei dem großen Springbrunnen und man konnte ihnen die Vorfreude auf den Abend, der in der großen Halle stattfinden sollte, förmlich ansehen. Sie waren aufgeregt, in die Hallen des Königs zu dürfen und die schönsten Kleider anzuziehen, die die meisten extra für diesen Anlass geschneidert hatten und konnten es gar nicht erwarten bis sich der Tag dem Ende neigte.
Aragorn und die Gefährten aßen heute Morgen nicht zusammen im großen Saal, wie üblich, sondern mischten sich unter das Volk und aßen hier und da einen Happen bei einem netten Pläuschchen. Aragorn wollte die Distanz zum Volk überwinden und eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Nur so konnte eine friedliche Herrschaft vonstatten gehen und das Volk gewann Vertrauen zu ihrem König.
So kam es, dass Aragorn noch keine Gelegenheit hatte mit Legolas zu sprechen. Zu sehr nahmen ihn die Bewohner ein und der Elb war auch nicht auffindbar. Er hatte ihn heute morgen zwar kurz gesehen, als er sich mit einem Bauer über die Bestellung der Felder unterhalten hatte, und der Elb mit Gimli zu einem der Stände strebte, aber im nächsten Moment, waren die beiden schon in der Menschenmenge verschwunden. Doch dieser kurze Augenblick hatte Aragorn gereicht, um sich bekräftigt zu fühlen, mit dem Elben zu sprechen. Er hatte blass ausgesehen, blasser als er es gewöhnlich war und irgendwie müde. Er redete sich zwar ein, dass er nichts überstürzen sollte, aber er machte sich Sorgen, dass musste er sich eingestehen.
Die Hobbits hatten sich zu einer Runde von Männern hinzugesetzt, die sie zuerst etwas neugierig beäugt, ob ihrer Größe, und sie für Kinder gehalten hatten. Als sie dies jedoch vehement bestritten und ihnen etwas aus ihrem Leben berichtet hatten, hatten die Männer bald festgestellt, dass es sich um die Hobbits aus dem Ringkrieg handelte. Nun waren sie ganz Ohr, lauschten den Erzählungen und wollten soviel über den Ringkrieg wie nur irgend möglich erfahren. Frodo erzählte nur spärlich von den Erlebnissen ihm war das ganze noch zu nahe und nur ungern wurde er wieder daran erinnert. Pippin und Merry hingegen, waren ganz in ihrem Element und plauderten fröhlich drauf los, während Sam einfach nur daneben saß und genüsslich an seiner Pfeife zog.
„Und ihr habt wirklich Ents gesehen...und...und es überlebt?“, fragte ein Mann ganz verwundert.
„Natürlich!“, sagte Merry mit, vor Stolz geschwellter Brust. „Und es überlebt! Und wenn ich euch einen Rat geben darf, euch allen, dann urteilt nicht über welche die ihr nicht kennt...es sei denn über Orks!“
Die Menge lachte auf.
„Sie sind wirklich harmlos, wenn sie nicht zornig sind und haben dazu beigetragen, dass wir den Krieg gewonnen haben!“
„Und uns haben sie zu mehr Größe verholfen!“, mischte sich Pippin ein, sprang auf und stellte sich gerade hin. Er war tatsächlich etwas größer als Sam und Frodo.
„Und mit ihnen haben wir die Orks zu Mus gewalzt. Sehr erbärmliche Geschöpfe, wenn ihr mich fragt!“
„Dafür, dass sie so erbärmlich sind, haben sie es aber verstanden Hobbits gefangen zu nehmen und ihre Freunde über Tage hinter ihnen her rennen zu lassen!“
Alle drehten sich nun der fremden Stimme entgegen, die da gesprochen hatte und erkannten Gimli, der mit Legolas vorbei gegangen war und das Gespräch gehört hatte, ansonsten hätte er die Hobbits wahrscheinlich übersehen.
„Und wer seid Ihr?“, fragte ein Mann.
„Ich bin der Freund, der hinter ihnen hergelaufen ist, zusammen mit Aragorn und meinem Freund, Legolas hier“, brummte Gimli und zeigte auf den Elben, der sich etwas im Hintergrund gehalten und zu Frodo und Sam gesetzt hatte. Jetzt warfen einige, verwirrte Blicke zwischen dem Zwerg und dem Elben hin und her und wunderten sich über solch eine Freundschaft, wussten doch die meisten, dass Elben zu Zwergen keine guten Beziehungen hatten, wie umgekehrt. Gimli bemerkte diese Blicke und auch Legolas, doch ging dieser nicht weiter darauf ein, sondern unterhielt sich mit Frodo über die Geschehnisse im Auenland. Gimli beugte sich zu den Männern hinunter und raunte ihnen zu.
„Ja ich weiß, diese Freundschaft mag ungewöhnlich erscheinen, aber wenn man sich an ihre Besserwisserei gewöhnt hat und es gelegentlich überhört, kann man mit diesen Spitzohren wunderbar Freund sein.“
„Und wenn die Spitzohren immer auf die Zwerge Rücksicht nehmen und auf Besserung ihres Verstandes hoffen, kann man es auch mit ihnen aushalten“, gab Legolas zurück, der Gimlis leise gesprochenen Worte dennoch gehört hatte.
„Warum müsst ihr auch so gut hören können?“, fragte er Legolas, der darauf hin nur mit den Schultern zuckte und zu den Männern gewand fuhr Gimli fort: „Da sag ich es ja! Wissen es immer besser!“
Die Männer, von diesem freundschaftlichen Streitgespräch, sichtlich erheitert, luden Gimli jetzt in ihre Mitte ein und gaben ihm ein kühles Bier, worauf sich der Zwerg dazu nieder ließ und nun gemeinsam mit Merry und Pippin die verschiedensten Ereignisse aus dem Ringkrieg erzählte. Legolas, Frodo und Sam konnten sich ein Schmunzeln ab und zu nicht verkneifen, da die drei einen Hang zum Unmöglichen hatten. Manchmal fragten sie sich, ob die drei zwischenzeitlich noch in einem anderen Krieg beteiligt gewesen waren.
~~*~~
Der Mittag wandelte sich in frühen Abend und Sam und Frodo beschlossen noch etwas umher zu wandern. Legolas schloss sich ihnen schließlich an, da Gimli nicht den Anschein machte, als würde er sich in der nächsten Zeit noch erheben. Sie machten sich auf die Suche nach den anderen und fanden sie schließlich auch, wie sie auf einer Mauer eines kleinen Rasenstückes Platz genommen hatten. Éowyn hatte gerade eine kleine Rangelei mit ihrem Bruder, da sie ihn immer neckte, dass er noch keine Frau gefunden hatte und er verwuschelte ihr die langen Haare, so dass sie nachher ganz zerzaust aussah.
„Ich hoffe, du kämmst dich noch, bevor wir heute Abend auf das Fest gehen. So will ich mich nicht mit dir sehen lassen!“, neckte Faramir sie auch noch und erntete dafür einen leichten Schlag in die Magengegend, was allen Angehörigen ein Lachen entlockte.
Arwen war ebenfalls bei den Freunden, saß neben Aragorn auf der Mauer und lachte über die Geschehnisse. Legolas hielt einen Moment inne, die Gespräche von gestern kamen ihm wieder in den Sinn, doch besann er sich schnell eines Besseren. Er wollte das jetzt vergessen und sich nicht weiter daran stören, obwohl er tief in seinem Inneren immer noch über Arwens Verhalten verunsichert war. Er setzte sich neben sie und sie lächelte ihn warm an, was er erwiderte. Als sie zu sprechen beginnen wollte, bedeutete er ihr still zu sein und schüttelte nur den Kopf in einer abwehrenden Geste. Arwen verstand und sagte so nicht, dass sie sich für ihr gestriges Verhalten - wenn es ihn gekrängt haben sollte - entschuldigen wollte. Sie würde es ein andern Mal tun und als sie Legolas neben sich sah, fröhlich mit den anderen unterhaltend, bekam sie das Gefühl, dass er sich wieder gefangen hatte und war insgeheim froh, dass Elladan und Elrohir momentan nicht zugegen waren. Legolas hätte sich eventuell vor den dreien nicht zu verhalten gewusst und wäre so dem Gespräch mit seinen Freunden aus dem Weg gegangen.
Schließlich erhob sich Aragorn.
„Ich schlage vor, dass wir uns nun für das Feste vorbereiten, damit wir auch angemessen dort erscheinen. Damit meine ich insbesondere dich Éowyn, du siehst schon ein wenig aus wie eine Vogelscheuche.“
Éowyn, die sich gerade wieder mit Faramir versöhnt hatte, sprang mit einem Ausruf auf und rannte mit wilden Flüchen hinter Aragorn her, der nun tunlichst das Weite suchte.
„Ich erwarte euch in der Halle“, rief er den anderen noch zu, bevor er und Éowyn in der Menge verschwanden.
„Ich möchte nicht in seiner Haut stecken, wenn sie ihn in die Finger bekommt“, schmunzelte Faramir und schüttelte den Kopf.
~~*~~
Der Vorplatz vor der Feste war gefüllt mit Leuten in ihren schönsten Gewändern. Sie alle warteten darauf in die großen Hallen eingelassen zu werden und einen Abend wie ein König oder eine Königin zu leben.
Aragorn kam gerade von einem Bad und sah Arwen, die in einem bezaubernden Abendkleid vor ihrer Kommode saß und sich die Haare glatt kämmte. Ein verliebter Ausdruck trat auf sein Gesicht und er ging zu ihr, legte ihr die Hände auf die Schultern und sah sie im Spiegel an.
„Ich bin gesegnet, mit so einer Frau wie dir, vermählt zu sein!“
„Du schaffst es sogar, mich zum erröten zu bringen, Aragorn.“
„Dann beruht es auf Gegenseitigkeit?“
Arwen drehte sich um und gab ihm einen langen Kuss, bevor sie zu ihm aufsah.
„Ich liebe dich!“
Aragorn gab ihr noch einen Kuss und wandte sich dann wieder daran, sich weiter anzukleiden - momentan trug er bloß eine Hose. Als er durch das Zimmer und dabei an seinem Schreibtisch vorbei ging, sah er darauf verschiedene Rollen und Pergamente.
„Danksagungen und Anteilnahmen...die hatte ich ganz vergessen.“
Er wühlte ein bisschen in dem kleinen Berg, der sich auf seinem Sekretär gebildet hatte und hielt schließlich eine kleine Schriftrolle in der Hand, die ein königliches Siegel trug.
„Das Wappen von Düsterwald, hm...“
Er zerbrach das Siegel und entrollte das Pergament. Arwen hatte sich zu ihm umgedreht und sah in neugierig an und als Aragorn ihren Blick auf sich ruhen fühlte, gab er ihr das Schriftstück, nachdem er es gelesen hatte.
„Er schreibt, dass er es bedauert, nicht selbst und zusammen mit Legolas hergekommen zu sein, wünscht uns aber ein angenehmes Fest und, dass wir uns bei einem anderem, besonderen Anlass einmal wieder sehen.“
Arwen nickte und legte das Pergament dann, in Gedanken versunken, vor sich auf die Kommode.
„Du hast gehofft, er würde etwas über Legolas schreiben ,oder?“, fragte Aragorn.
„Ja das habe ich.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass es ihm nicht so gut geht, wie er es vorzugeben scheint. Hast du schon mit ihm gesprochen?“
„Nein, ich hatte bis jetzt noch nicht die Gelegenheit und ich werde es auch erst Morgen tun. Ich möchte das Fest genießen und er auch! Doch lass uns jetzt kein Trübsal blasen, sondern unsere Gäste empfangen!“
Gemeinsam verließen sie ihr Gemach und machten sich auf den Weg zur großen Halle, in der schon viele Menschen versammelt waren um das große Fest zu feiern.
~~*~~
Die Halle war erfüllt von Stimmengewirr, das die Menschen an den großen Tischen verursachten, während sie alle gemeinsam speisten. Die Freunde saßen zusammen bei dem Königspaar etwas erhöht am Kopfende der Halle und verfolgten dieses rege Treiben vor sich.
Éowyn strahlte über das ganze Gesicht, so schön fand sie die Idee, das Volk an diesem Abend teilhaben zu lassen und ihm die Möglichkeit gegeben zu haben, dies in den Mauern des Königs zu tun. Faramir verdrehte schon leicht genervt die Augen, doch seine Frau ignorierte dies geflissentlich. Nach geraumer Zeit wurden die Tische in Windeseile zur Seite gestellt und eine große Tanzfläche sichtbar. Die Musik wurde etwas lauter und alle hatten sich um das große Rund versammelt. Nun blickten alle zu dem König, wie er seine Gemahlin zum Tanze aufforderte und auf die Fläche bat. Es wurde eine langsame Melodie gespielt und das Königspaar tanzte alleine auf der großen Fläche. Sie strahlten einen Glanz aus, dass sich einige Frauen die Hand vor die Münder hielten, zu schön war es. Pippin beobachtete es von seinem Platz aus und verfluchte den Umstand, dass sein Fuß immer noch nicht verheilt und er noch nicht richtig auftreten konnte. Éowyn schaute ihren Mann mit großen Augen an, doch dieser schaute demonstrativ in eine andere Richtung, nach Tanzen war ihm momentan nicht zumute. Éowyn seufzte laut hörbar und machte eine Schmollmiene, doch ehe sie sich versah, stand Merry bei ihr, kniete neben ihr nieder und fragte sie höflich, ob sie gewillt sei, mit ihm zu tanzen, es wäre ihm eine Ehre. Éowyn nahm ihn bei der Hand und gemeinsam gingen sie auf die Tanzfläche und begannen fröhlich zu tanzen, was von Faramir und Pippin mit ernsten Blicken begutachtet wurde und das Volk wieder aus ihrer Starre löste. Jetzt trauten sich einige wenige auf die Tanzfläche, amüsiert und ermutigt von der Maid und dem Halbling und binnen weniger Minuten war die Fläche gefüllt mit Röcken, die durch die Luft wirbelten.
Legolas beobachtete dieses Geschehen stillschweigend, bis er von Gimli unterbrochen wurde.
„Was ist Legolas? Willst du nicht auch tanzen gehen? Ich wette, die Mädchen würden sich darum reißen, mit dir zu tanzen!“
Legolas bedachte Gimli nur mit einem mitleidigen Blick.
„Nein Danke, Gimli. Ich fühle mich nicht in der Verfassung, mich heute mit Mädchen abzugeben, die einen bewundern, weil man einen Titel trägt oder spitze Ohren hat.“
„Verzeiht, mein Prinz! Ich wollte Eure Durchlauchtheit nicht mit meinen schnöden Ideen belästigen!“
„Das tut ihr nicht, Hofnarr! Ich lasse Euch durch einen Boten zukommen, wenn ich Eure Gesellschaft nicht mehr benötige!“
Gimli musste leise lachen, hatte er doch auf so etwas gewartet, als ihm plötzlich wieder einfiel, was er seinem Freund seit geraumer Zeit schon sagen wollte.
„Aragorn hat mir eben mitgeteilt, dass er eine Botschaft von deinem Vater bekommen hat!“
Legolas’ Kopf schnellte herum.
„Was hat er geschrieben?“, fragte er etwas überstürzt, sodass Gimli etwas die Augenbrauen zusammen kniff und seinen Freund kurz musterte, der seinen Ausbruch bemerkt hatte und sich wieder seine vorherige Haltung aneignete.
„Was soll er schon gesagt haben? Er wünscht uns allen ein schönes Fest und bedauert, dass er nicht hier sein kann, wünscht aber, dass wir uns auf einem anderen Feste alle wieder sehen werden. Was hast du denn gedacht?“
Legolas wandte den Blick ab und brauchte einige Zeit, bis er bemerkte, das Gimli ihm eine Frage gestellt hatte.
„Nichts! Ich habe nichts gedacht!“
Gimli sah ihn kurz an, beließ es aber dann dabei.
Aragorn und Arwen kamen gerade zusammen mit Éowyn und Merry zurück zu dem Tisch, an dem die Freunde saßen, so dass Aragorn gerade noch das Gespräch von Gimli und Legolas mit anhörte und leicht geschockt von der plötzlichen Reaktion des Elben war. Irgendetwas war mit seinem Vater und ihm nicht im reinen und er würde morgen solange auf den Elben einreden, bis er ihm mitteilte, was ihm so Kopfzerbrechen bereitete - und wenn er zu Gewalt greifen müsste, er würde es tun.
Legolas beobachtete die Menschen, die dort fröhlich auf der Fläche tanzten. Gedanklich aber, war er nicht in der Halle, sondern weit weg, bei seinem Vater.
&Mac226;Er wünscht, dass wir uns auf einem anderen Feste alle wieder sehen!’
Diese Worte kreisten fortwährend durch seinen Kopf.
&Mac226;Auf einem anderen Feste...’
Legolas kam die unangenehme Gewissheit, zu wissen, von welchem Feste er sprach und es traf in wie ein Schlag.
„Er spricht von meiner Krönung!“
Seine Lippen formten diese Worte, ohne dass sie sie verließen.
&Mac226;Von meiner Krönung! Wenn er jetzt schon Vorrausdeutungen macht, kann es nicht mehr lange dauern, bis ich meine Freiheit verliere! Bis ich an mein Königreich und meinen Palast gebunden bin! Dann wird es noch in diesem Jahrhundert geschehen. Meine letzte Hoffnung, dass er noch lange hier verweilen würde, wurde mir genommen! Dieses Jahrhundert...’
Legolas überkam ein Gefühl der Übelkeit. Die Menschen die sich in ihren bunten Kostümen auf der Tanzfläche drehten, verursachten Schwindel in seinen Augen und kleine Schweißperlen bildeten sich an seinen Schläfen. Er nahm die Außenwelt gar nicht mehr war, zu sehr war er in seinem Wahn gefangen dem Wahn der inneren Angst.
Übergangslos stand er auf, ging am Tisch entlang und verschwand in der Menge.
„Was war denn das gerade?“, fragte Frodo, der die ganze Szene beobachtet hatte.
„Hm?“ Gimli drehte sich zu ihm um, der gar nicht mitbekommen hatte, dass Legolas aufgestanden war.
„Er wird wohl meinem Rat gefolgt und doch noch tanzen gegangen sein... Elben!“
Frodo nickte, gab sich aber mit dieser Antwort nicht ganz zufrieden. Legolas hatte so einen komischen Ausdruck im Gesicht gehabt. Er beschloss den Elben am nächsten Tag darauf anzusprechen und wandte sich wieder Pippin zu, der sich mit ihm über Pfeifenkraut unterhalten hatte.
Aragorn hatte Legolas’ Ausbruch ebenfalls bemerkt und nicht nur, dass er hektisch aufgestanden und schnell davon gegangen war, sondern auch, dass er die Augen zusammen gekniffen hatte, als wolle er etwas abwehren, was sich in seinen Kopf eingraben wollte. Er warf einen kurzen Blick zu Arwen, doch dieser genügte um ihm zu sagen, dass er den Elben aufsuchen und ihn zur Rede stellen sollte ihr Blick sprach Bände. Er wartete allerdings noch, bis Sam seinen Bericht über die Gärten hier in Minas Tirith beendet hatte, um die anderen nicht zu beunruhigen und entschuldigte sich dann, dass er sich etwas erfrischen müsste. Als er für die am Tisch sitzenden in der Menge verschwunden und außer Blickkontakt war, machte er sich auf die Suche nach dem Elben - er konnte sich vorstellen, wohin er sich zurückgezogen hatte.
Es war nicht leicht für Aragorn sich seinen Weg durch die Menge zu bahnen. Überall musste er Hände schütteln und Dank für dieses großartige Fest entgegen nehmen. Als er dann endlich dort ankam, wo er hin wollte, in den königlichen Garten, hielt er einen Moment inne, sog er tief die Luft in seine Lungen und ließ seinen Blick durch den Garten schweifen. Die Nacht bahnte sich an und die Sonne verschwand zusehends hinter den großen Bergen, die hinter Minas Tirith lagen. Seine Augen suchten jeden Winkel nach dem Elben ab, bis sie ihn schließlich fanden auf einer Brüstung der Mauer sitzend und an die Wand gelehnt, den Blick gen Himmel gerichtet. Aragorn strafte sich noch einmal und trat dann behutsam zu seinem Freund. Er hatte ihn noch nicht ganz erreicht, als er auch schon seine Stimme vernahm.
„Was führt dich hierher, mellon nin? Solltest du nicht im Saal sein?“
„Ich brauchte etwas frische Luft und sah dich. Allerdings habe ich gehofft, ich würde mich ungesehen nähern können.“
„Ich habe dich schon gehört, als du den Garten betreten hast. Du wirst ungeschickt, Aragorn!“, sagte Legolas ohne den Blick dabei vom Himmel abzuwenden. Der Anblick der, von ihm so geliebten, funkelnden Sterne, die schon vereinzelt am Himmel auftauchten, beruhigte ihn und ließ ihn wieder klar denken. Ein Lächeln bedeckte nun sein Gesicht.
„Ich habe diese Beleidigung überhört!“, sagte Aragorn lachend, doch dann wurde seine Stimme ernst. „Legolas...ich bin tatsächlich nicht gekommen, weil ich frische Luft brauchte, sondern wegen meinem Freund!“
Legolas’ Lächeln erstarb, doch wandte er den Blick nicht ab.
„Ich sehe, dass du dich quälst, Legolas!“
Er machte eine Pause und beobachtete die Reaktionen des Elben, der allerdings keine Regung in seinem Gesicht zuließ. Er wollte schon gerade wieder ansetzen, als Legolas leise auflachte.
„Vor dir kann selbst ich nichts verheimlichen, oder?“ Jetzt endlich wandte er seinen Blick ab und sah ihm direkt in die Augen und Aragorn sah den Schmerz, der in ihnen lag. Er setzte sich ihm gegenüber auf die Mauer.
„Leider noch viel zu häufig, mein Freund. Ich sehe, dass dich etwas bedrückt und doch weiß ich nicht, was es seien könnte. Willst du es mir nicht sagen?“
Legolas blickte ihm lange in die grauen Augen und als er nach endloser Zeit den Kopf abwandte und auf den Boden sah, glaubte Aragorn schon, er würde keine Antwort mehr bekommen, bis der Elb schließlich leise seufzte und dann zu erzählen begann, den Blick immer noch auf den Boden gerichtet.
„Bevor ich nach Minas Tirith geritten bin, habe ich Düsterwald besucht und meinen Vater.“ Er machte eine Pause.
„Wir hatten uns viel zu erzählen und ein Gespräch stand noch zwischen uns, welches wir auch führten.“
Legolas hob den Kopf, sah Aragorn direkt in die Augen und atmete tief ein. Er kämpfte um seine Selbstbeherrschung, das sah Aragorn und es zerriss ihm das Herz den sonst so stolzen Elben, so bedrückt und leidend zu sehen.
„Er möchte, dass ich bald das Amt des Königs übernehme!“
Aragorn sah seinen Freund an, doch dieser wandte wieder den Blick ab und Aragorn tat es ihm gleich. Er blickte vor sich auf den Boden und lies seine Gedanken kreisen.
Legolas würde König werden, Herr von Düsterwald! Zuerst hatte sich Aragorn für seinen Freund gefreut, doch da er sah, dass der Elb darunter litt, versuchte er es aus seinen, Legolas’, Augen zu sehen. Er kannte Legolas nun schon lange und wusste, dass er die Freiheit liebte - einfach los zureiten, wenn es ihm danach beliebte und soviel von der Welt zu sehen, wie es ging. Doch hatte er irgendwann damit gerechnet, dass sich Legolas’ damit konfrontiert sehen würde. Aragorn musste ungewollt schmunzeln. Elben sehen die Dinge aus einer anderen Sicht, sie nehmen die Zeit meist gar nicht war, sie überdauern sie und machen sich keine Gedanken um ihre Zukunft, sie leben in den Tag hinein. Legolas hatte die Situation, irgendwann König zu werden, ganz verdrängt gehabt und sah sich nun damit konfrontiert, sein Leben anders zu leben, als er es bisher getan hatte.
„Er nimmt mir meine Freiheit, Aragorn!“, sagte der Elb leise neben ihm und blickte weiterhin starr auf den Boden. „Die Reise zu euch nach Minas Tirith wird vorerst meine Letzte sein. Ich werde in den Düsterwald zurückkehren und lernen, über ein Volk die Verantwortung zu tragen.“
Aragorn sah seinen gequälten Gesichtsausdruck und wollte etwas tröstendes sagen, doch wollte ihm nicht das Richtige einfallen.
„Warum hast du mir das nicht erzählt, Legolas?“, fragte er nur, obwohl er den Elben schon so kannte, dass er alles mit sich selbst ausmachte und keinen an sich heran ließ.
„Warum? Ich wollte dieses letzte Fest genießen und nicht, dass ihr euch um mich sorgt, so wie du es gerade tust. Ich wollte mich damit abfinden, doch wurde ich in fast allen Gesprächen daran erinnert und es traf mich jedes Mal tief. Ich kann das nicht Aragorn!“
Seine letzten Worte hörten sich wie Hilferufe in Aragorns Ohren an und er wollte schon etwas sagen, aber Legolas’ eigene Barriere schien zu fallen und der Elb erzählte weiter.
„Ich werde dann an den Wald und den Palast gebunden sein und mich um die Sorgen meines Volkes kümmern müssen, bis ich es so gelernt habe, dass ich zum König gekrönt werde und dann werde ich mich für mein Reich opfern müssen. Ich werde den Bund eingehen müssen, ein König ohne eine Elbe an seiner Seite wird nicht erwünscht sein, dabei fühle ich mich noch zu jung um die Ehe zu schließen, noch nicht bereit dazu, mein Leben mit jemand anderem zu teilen. Und dabei vermisse ich Es so!“
Aragorn horchte auf.
„Es? Was ist Es?“
Legolas Blick wanderte die Berge entlang, hinunter zum Anduin und zu den Möwen, die ihr Wehklagen hinaus schrieen.
„Das Meer!“ Seine Worte waren nicht mehr als ein Flüstern gewesen und dennoch hatte Aragorn sie verstanden.
„Das Meer, Aragorn! Der Wind der dir durch die Haare weht, der Geruch von Salz im Wasser und in der Luft, das Tosen der Brandung und... diese Weite. Diese Weite die ich unter den Bäumen die ich so liebe, nicht besitze. Die Weite, die mir die Bäume so eng und aufdringlich werden lässt. Die Weite, die einem die Gewissheit gibt, nicht zu wissen, was dahinter liegt Galadriel hatte Recht gehabt. Seit ich das Meer und das Schreien der Möwen erblickt habe, sehne ich mich danach und finde nicht den Frieden unter den Bäumen, den ich einst so geliebt habe. Wenn ich König bin, werde ich es nie wieder sehen!“
„Ich kann nachvollziehen, was du denkst, doch weiß ich nicht wie ich dir helfen kann, ich-...“
„Gar nicht! Du kannst mir nicht helfen! Niemand kann das! Es ist mein Schicksal, das ich auf mich nehmen muss. Ich bin der Sohn eines Königs und muss mich damit abfinden!“, sagte Legolas leicht aufgebracht um dann wieder leiser zu werden. „Und doch kann ich es nicht!“
Aragorn legte seine Hand auf den Arm des Elben und suchte seinen Blick, den er dann festhielt.
„Ich kann dir helfen, in dem ich für dich da bin. Du kannst immer zu mir kommen, wenn du meinen Rat benötigst auch wenn du das eh nicht tun wirst...“
„Wie hast du dich damit abgefunden?“, fragte Legolas unvermittelt.
„Womit?“
„Damit, dass du ein König bist! Ich weiß, dass dir das nicht leicht gefallen ist. Du bist ein Waldläufer, Aragorn. Du besitzt ebenso den Drang in der Gegend umher zu ziehen und du kannst es jetzt nicht mehr, weil du deinen Platz nicht verlassen kannst.“
Aragorn schluckte. Was Legolas sagte, stimmte ohne Zweifel. Ihm war die Entscheidung, König zu werden, nicht leicht gefallen und er hatte lange mit sich ringen müssen um diese Wahl zu treffen. Doch letztendlich hatte er sie angenommen. Nicht zuletzt durch den Ringkrieg, der es ihm in gewissem Maße aufgezwungen hatte, und wegen Arwen. Doch wollte er Legolas’ Zuversicht und ihm die Situation, nicht noch schwerer machen.
„Es stimmt, wenn du sagst, dass ich lange gebraucht habe um meinen Weg zu erkennen und doch habe ich es geschafft, meiner Bestimmung zu folgen und ich lebe glücklich momentan, als König. Ich habe es getan, damit in Mittelerde Friede einkehrt und das ist geschehen. Damit kann ich leben!“
Legolas schaute ihn aus seinen eisblauen Augen an und Aragorn meinte ein zorniges Funkeln in ihnen zu sehen.
„Du bist nicht nur wegen dem Frieden König geworden, Aragorn! Zuerst hast du an dich gedacht, oder? Du durftest Arwen erst zur Gemahlin nehmen, als du König warst, einer der Gründe war Sie, oder?“
„Werde nicht unfair, Legolas! Du weißt, dass das nicht stimmt. Ja, ich durfte sie erst zur Frau nehmen, als ich König war, aber ich habe es auch aus anderen Gründen getan. Es ist meine Bestimmung und auch mein Wille, König von Gondor zu sein und für Frieden zu sorgen! Und was Arwen angeht, so bin ich froh, dass ich die Wahl, des König sein, gewählt habe. Sie ist eine besondere Elbe und ich lege viel auf ihren Rat.“
„Dann war sie es, die dich zu mir geschickt hat?“
Aragorn sah seinen Freund mit offenem Mund an, er konnte nicht glauben, dass das ihm gegenüber Legolas war, der so aggressiv mit ihm redete.
„Dann hat sie dich geschickt, nach dem ihr Versuch nicht geglückt ist. Ein Versuch von ihr, der es noch schlimmer für mich gemacht hat, als es schon war!“
„Gib nicht Arwen die Schuld an deinem Zustand Legolas! Lass sie da raus!“, sagte Aragorn nun etwas aufgebracht, weil Legolas Arwen mit hinein zog, die es eigentlich nur gut mit ihm gemeint hatte.
„Legolas, wir wollen dir nur helfen!“, sagte er jetzt schon etwas ruhiger, doch der Elb schien das nicht zu hören.
„Ihr wollt mir helfen, indem ihr es mir noch schwerer macht?“
„Legolas! Was soll das? Würdest du dich nicht so von der Außenwelt abschotten, und uns erzählen, was mit dir los ist, hätten wir so manchen Fehler vielleicht gar nicht begannen. Weißt du eigentlich was du da redest?“
„Ich wollte nicht, dass ganz Minas Tirith von diesem Umstand erfährt. Kannst du das nicht verstehen?“
„Nein!“, sagte Aragorn kühl. „Im Moment kann ich dich gar nicht verstehen! Ich bin gekommen um dir zu helfen, dir die Last, die du trägst, ein bisschen zu erleichtern, aber anstatt Dank, wirfst du mir Dinge an den Kopf, die so nicht stimmen!“
„Spricht da der Freund oder der König?“
„Legolas! Ich wollte dir helfen, doch sehe ich keinen Weg! Du wirst dein Schicksal akzeptieren müssen, so oder so. Auf welchem Wege, das entscheidest du allein. Du kannst dich dagegen sträuben, wodurch du es dir schwerer machst oder du kannst dich damit abfinden und dein Leben unbeschwert genießen! Das ist der Rat den ich dir geben kann!“
„Ich danke dir, für deinen &Mac226;Rat’, doch hast du eine Kleinigkeit übersehen. Ich bin ein Elb, ich lebe ewig! Ich bin kein einfacher-...“. Er biss sich auf die Zunge. Soweit hatte er nicht gehen wollen, er wollte Aragorn nicht so verletzen, doch es war geschehen.
„Was? Wolltest du sagen, ein einfacher, dummer, sterbender Mensch oder wolltest du etwas anderes sagen?“. Aragorn war aufgestanden und seine Stimme merklich lauter geworden.
„Aber eins will ich dir sagen! Wir einfachen Menschen sind nicht solche Sturköpfe, die sich einfach nicht damit abfinden können, welches Schicksal sie ereilen wird und sich nicht helfen lassen, weil sie zu stolz und hochmütig sind, Hilfe anzunehmen!“
„Hochmütig sagst du? Du hast dich verändert Aragorn! Du bist mehr ein König, denn ein Freund! Wo ist die Unbeschwertheit, die du im Ringkrieg hattest? Wo ist sie geblieben?“, fragte Legolas ruhig, doch diese Ruhe in seiner Stimme, hegte in Aragorn immer größeren Missmut.
„Ich habe mich verändert? Das stimmt! Wie du schon sagtest, Legolas, ich bin ein einfacher, sterblicher Mensch und meine Lebensspanne ist viel zu kurz, auch wenn ich ein Dúnadan bin! Ich verändere mich schneller in deinen Augen, weil du die Zeit doch gar nicht wahr nimmst! Du sagst, ich sei mehr ein König, denn ein Freund? Du bist momentan in meinen Augen mehr ein sturer Prinz, als der Elb den ich so lange kannte und den ich so mochte, weil er sein Leben gelebt hat. Der Legolas, den ich jetzt sehe, ist nicht mehr als eine Schale, deren Kern verschwunden ist. Du verlierst dich, Legolas! Deine Seele wird zerbrechen, wenn du dich nicht wieder in den Griff bekommst, Arwen hat es gesehen!“
„Arwen...“, sagte Legolas langsam. „Was denkst du? Oder lässt du dich von deiner Frau leiten? Regiert sie und du bist nur die Marionette in ihrer Hand? Oder kannst du mir auch sagen, was DU siehst?“
Aragorn atmete tief ein Legolas ging zu weit und Aragorn spürte die Wut in sich aufsteigen, die der Elb in ihm hervorrief und er zwang sich ruhig zu bleiben. Er sah, dass er mit dem Elben in seinem Wahn nicht reden konnte und es nur noch schlimmer machen würde, je länger er hier bleiben würde.
„Geh! Geh jetzt Legolas!“, sagte er. „Geh mir aus den Augen und werde wieder klar im Kopf! So wie du jetzt bist, möchte ich dich nicht wieder sehen!“
Legolas sah ihn an.
„Was siehst du? Du hast gerade bewiesen, dass du keine eigene Meinung hast, sondern immer direkt zu deiner Frau rennst, um sie um Rat zu fragen, ein Rat, der nicht immer teuer ist. Arwen hat einen zu starken Einfluss auf den Geist eines Mens-...“
Ein Knall hallte durch die Luft und Legolas kam nicht dazu, seinen Satz zu beenden. Noch, bevor er dieses Wort zu Ende gesprochen hatte, hatte Aragorn ihm mit der Handfläche ins Gesicht geschlagen, so dass sein Kopf herum geschnellt und ein roter Striemen auf seiner Wange zurück geblieben war. Er verharrte einige Zeit so, bis er seinen Kopf hob und Aragorn anblickte, der sichtlich geschockt auf seine Hand starrte, als könne er nicht fassen, was er da gerade getan hatte. Als er den Elben mit offenem Mund anstarte, blickte er in kalte Augen. Ohne ein weiteres Wort erhob sich Legolas und ging an Aragorn vorbei, in Richtung der Halle. Aragorn vermochte nichts zu sagen und stand dort wie eine Statue. Plötzlich gab es ein lautes Krachen und der Himmel färbte sich in gelb und rot Tönen ein Feuerwerkskörper kam von der Ebene vor der Stadt und tauchte die beiden Gestalten in bunte Farben. Es sah unwirklich aus, wie sie da standen und sich nicht regten, sondern einfach nur in den Himmel schauten. Eine zweite Rakete stieg empor und einige Menschen kamen aus der großen Halle, hinaus in den Garten um sich dieses Schauspiel anzusehen.
„Seht! Gandalf ist gekommen!“
„Das ist sein Zeichen! Gandalf ist gekommen!“
Immer mehr Menschen strömten in den Garten und Legolas warf Aragorn einen letzten Blick zu, bevor er sich abwandte und in der Menschenmenge verschwand.
Aragorn lehnte an der Brüstung, auf der der Elb eben noch gesessen hatte und schaute auf die Ebene, von der die Raketenkörper aufstiegen. Es stimmte, Gandalf war gekommen.
„Er kommt immer, wenn man ihn nicht erwartet“, murmelte er vor sich hin und erkannte den Reiter, der sich von der dunklen Ebene weiß ab hob, aber er nahm Gandalfs farbenfrohe Ankunft gar nicht wirklich wahr. Zorn erfüllte ihn, Zorn über seinen einst besten Freund. Er war schockiert über das Verhalten Legolas’ und über die Worte, die er gesagt hatte. Er wusste um das Seelenleiden des Elben, doch konnte er jetzt nicht verzeihen. Zu tief hatten ihn die Worte verletzt, er wollte es nicht zugeben, doch er spürte diesen Schmerz in seinem Inneren und wollte Legolas die nächste Zeit nicht mehr zu Augen bekommen. Die Wut würde ihn übermannen und er könnte noch Dinge tun, die er nicht beabsichtigen würde. Er bemühte sich um eine würdige Haltung und strafte seine Schultern. Fast die ganze Halle war in den Garten getreten, um sich dieses Freudenwerk am Himmel anzusehen und immer wieder drangen „Oh“ und „Ah“ Laute an sein Ohr. Als er sich umdrehte sah er, dass auch seine anderen Freunde raus und, als sie ihn erblickten, auf ihn zu kamen.
„Gandalf ist gekommen!“, rief Frodo. „Er überrascht mich doch immer wieder!“
Die Hobbits lehnten sich über die Mauer und beobachteten das Farbenspiel am Himmel. Gimli sann darüber nach, wie schön der Anblick in einer Höhle, die bestückt mit Edelsteinen ist, wäre - überall würden die Lichter reflektieren.
„Diesen Anblick könntest du aber nur kurz genießen Gimli!“, wandte Faramir ein. „Spätestens nach ein paar Minuten müsstest du hinaus rennen, weil du ansonsten eine Rauchvergiftung bekommen würdest!“
Arwen trat neben Aragorn und sah ihm tief in die Augen.
„Wo ist Legolas?“
„Ich möchte nicht über ihn sprechen!“, war alles, was Aragorn sagte und Arwen beschloss, ihn später noch einmal auf den Elben anzusprechen.
„Kommt, lasst uns Gandalf begrüßen gehen!“, rief Frodo und schlug den Weg zu den Stadttoren ein, die anderen hinter sich herwinkend.
Als die Freunde das letzte Tor erreichten, kam der Zauberer gerade hereingeritten und begrüßte sie alle herzlich.
„Ich freue mich dich zu sehen, Gandalf!“, sagte Frodo und umarmte den Zauberer. „Ich hatte schon gedacht, du würdest gar nicht mehr kommen, aber ich hätte mir denken können, dass du spät, aber umso größer ankommen würdest.“
Gandalf lachte. „Ich wurde aufgehalten und bin, vor nicht langer Zeit, erst aufgebrochen. Dank Schattenfell habe ich den Weg schnell hinter mich bringen können und da ich Aragorn versprochen hatte, zum Feste zu erscheinen, ich es aber fast verpasst hätte, dachte ich mir, ich könnte wenigstens einen Nutzen aus meinem späten Kommen machen und Minas Tirith mit einem kleinen Feuerwerk beglücken!“
„Das ist dir gelungen, mein Freund!“, sagte Aragorn und klopfte ihm auf die Schulter. „Doch komm! Die Stallknechte sollen Schattenfell versorgen und du mit uns gehen und was essen. Selbst du müsstest nach so einem Ritt hungrig sein und das Volk brennt darauf, dich zu sehen. Da verwette ich meine Krone drauf!“
„Oh, lieber nicht. Sie steht dir viel besser als sie mir stehen würde“, lachte Gandalf und zwinkerte vergnügt.
Sie machten sich auf den Weg zurück durch die sieben Stadtringe zur Feste und als Gandalf neben Gimli ging, fragte er den Zwergen nach dem Befinden von Legolas und ob er nicht zugegen sei, doch der Zwerg antwortete ihm nur mit einem Schulterzucken und einem Grinsen im Gesicht.
„Ich denke ich habe es geschafft, den Herrn Elben für ein wenig Freude zu begeistern. Wahrscheinlich tanzt er gerade mit einem Mädchen und sie verliebt sich hoffnungslos in ihn. Er hat wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, dass du eingetroffen bist!“
„Aha!“, war alles, was Gandalf dazu sagte. So ganz schenkte er den Worten Gimlis keinen Glauben, dafür kannte er den Elben zu gut, als dass er glauben würde, Legolas würde die Ankunft eines Freundes nicht mitbekommen. Er beschloss dennoch, erst einmal etwas zu essen und das Fest zu genießen, anstatt sich Sorgen zu machen!
~~*~~
Legolas schob sich durch die Menschenmenge, die hinaus in den Garten strömte und war froh, keinem der anderen zu begegnen. Er wüsste nicht, wie er sich ihnen gegenüber verhalten sollte und wollte im Moment alleine sein. Er hatte es nicht so weit kommen lassen wollen, sich mit Aragorn zu streiten, doch der Mensch hatte Dinge gesagt, die den Elben aus der Fassung gebracht hatten und es ihm immer noch den Zorn ins Gesicht trieb, wenn er an sie dachte. Unbemerkt lenkten ihn seine Schritte zu seinem Gemach und als er vor der Türe stand, hielt er einen Moment inne, trat dann ein und legte sich auf sein Bett. Er verspürte Grell gegenüber Aragorn und fühlte sich, durch den Schlag ins Gesicht, in seiner Würde verletzt. Unbewusst fuhr seine Hand an seine Wange und strich darüber - sie war immer noch warm von dem Schlag. Wie hatte er es wagen können? Er konnte ihm jetzt nicht mehr unter die Augen treten, das würde er nicht aushalten und er wollte verhindern, dass er sich in seiner Beherrschung verlor. Wo war seine Selbstbeherrschung geblieben, seine Unbekümmertheit? Er konnte sich nicht daran erinnern, je mit Aragorn so gestritten zu haben und er wusste nicht, wie er sich jetzt verhalten sollte. Legolas war sauer auf sich selbst, dass er sich nicht besser unter Kontrolle gehabt hatte, doch die Wut nagte noch immer an ihm. Was würde geschehen, wenn er ihm wieder gegenüber stehen würde? Würde er sich wieder beruhigt haben oder ihn ignorieren? Er konnte und wollte ihn nicht sehen! Nicht vor all den anderen! Zu tief hatten auch Aragorns Worte ihn verletzt! Binnen weniger Sekunden fasste er einen Entschluss er würde fort reiten. Er würde in sein Königreich reiten und sein Leid hinnehmen und König werden und vielleicht, wenn er denn König wäre, Aragorn wieder unter die Augen treten von König zu König! Er stand auf und schulterte Köcher und Bogen er wollte die Zeit der Ablenkung nutzen und jetzt los reiten. Noch einmal hielt er inne, als ob er überlegen würde, doch dann verließ er entschlossenen Schrittes sein Gemach und ging in Richtung der Pferdeställe. Die Nacht war nun schon fast herein gebrochen und in dem immer schwächer werdenden Zwielicht stahl er sich an Häuserwänden hinunter zum Stall, gut darauf bedacht nicht gesehen zu werden - für Erklärungen hatte er jetzt keine Zeit. Als er die Ställe erreichte, nahm er den vertrauten Geruch von Stroh und Hafer wahr und ging leise zu Arod, um die dösenden Pferde nicht aufzuschrecken. Das Pferd schnaubte leise, als es seinen Herrn sah. Legolas ging zu ihm und streichelte ihm die weiche Nase.
„Wir werden jetzt schon aufbrechen, Arod. Nach Hause!“
Das Pferd wieherte leise und als Legolas es aus der Box führte, vernahm sein feines Elbengehör Schritte, eines Pferdes und eines Menschen. Schnell führte er Arod aus dem hinteren Ausgang des Stalles, schwang sich auf ihn und ritt so leise wie möglich am Stall vorbei, wobei er noch die lieben Worte eines Pflegers hörte und sich denken konnte, welches Pferd gerade eingetroffen war. Aber auch das hielt ihn nicht zurück. Er trieb Arod an und unbemerkt gelangten sie zum untersten Tor an dem Wachen standen. Zu seiner Überraschung fand er das Tor geöffnet vor sich und ahnte, dass die Wachen vor die Mauern gegangen waren, um sich die letzten Reste des Feuerwerkes anzuschauen.
„Noro lim, Arod!“, sagte er leise aber eindringlich. Das Pferd galoppierte aus der Stadt und Legolas blickte sich nicht mehr nach den verwunderten Wachen um, die zu erstaunt über den schnellen Reiter waren, als das sie ein Wort hervorbringen konnten er wollte nicht zurück schauen und zwang sich seinen Blick nach vorne zu richten.
~~*~~
Als die Freunde die Halle betraten, war sie schon wieder gefüllt mit Stimmengewirr und lauter Menschen, die von draußen wieder hineingekommen waren. Als sie Gandalf sahen applaudierten sie teilweise und nickten dem &Mac226;Zauberer’ freundlich zu.
„Siehst du Gandalf! Ich hätte die Wette gewonnen!“, scherzte Aragorn und die Freunde verteilten sich allmählich wieder im Saal. Èowyn hatte es geschafft Faramir zum tanzen zu überreden. Sie konnte sich aber denken, dass er nur dem Hobbit nicht noch eine Chance lassen wollte mit seiner Frau zu liebäugeln und nun bewegten sie sich glücklich, wenn auch etwas ungeschickt, durch den Saal.
Aragorn saß zusammen mit Gandalf, Frodo und Sam am Tisch, hörte dem Zauberer, bei einer Pfeife, bei seinen Erzählungen zu und Aragorn vertrieb auch die letzten Gedanken des Trübsal aus seinem Kopf.
Arwen war zuerst mit Gimli und den anderen Hobbits in der Halle umhergewandert, doch das Essen hatte die drei angezogen und während sie sich über die köstlichen Speisen hermachten, unterhielt sie sich mit den Gästen und wünschte manchen bereits eine gute Nacht, die sich schon entschlossen hatten zu gehen.
Das Fest dauerte noch lange an und erst spät erhob sich Aragorn von seinem Platz um den Abend, für beendet, zu erklären.
„Liebes Volk von Minas Tirith. Ich möchte mich bedanken, dass ihr so zahlreich in meinen Hallen erschienen seid. Ich muss das Fest aber leider für beendet erklären, da der Morgen schon bald naht. Denjenigen, denen dieser Umstand allerdings nichts abverlangt, für die wird auf dem Platz vor der Feste mit ein bisschen Wein aufgewartet und sie können dort noch feiern, wie es ihnen beliebt. Nun denn, ich wünsche eine erholsame Nacht!“
Der König und seine Frau erhoben sich und schritten gemeinsam, dicht gefolgt von ihren Freunden aus der Halle und hinter ihnen leerte sich allmählich der Saal. Die meisten nahmen das Angebot wahr und feierten noch vor dem Hof, einschließlich der Hobbits, die bei dem Wort „Wein“ sich nicht zurückhalten konnten und beschlossen, ebenfalls noch etwas aufzubleiben. Die anderen Freunde jedoch, zogen das Bett vor und es dauerte nicht lange, da waren alle von der Erschöpfung des schönen, aber anstrengenden Tages eingeschlafen.
Viertes Kapitel
Zarte Sonnenstrahlen fielen auf Aragorns Gesicht und genüsslich drehte er sich zu seiner Frau um. Er legte einen Arm um sie, doch die Art und Weise, wie sich ihr Brustkorb hob und senkte, zeigte ihm, dass sie längst wach war. Verschlafen blinzelte er und blickte in zwei wunderschöne Augen, die ihn warm ansahen. Ehe sie etwas sagen konnte, gab er ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Guten Morgen Undomíel! Bist du schon lange wach?“
„Nein Liebster! Erst seit dem die Sonne aufgegangen ist.“
„Elben! Ich hätte mir eine andere Frau suchen sollen…eine die neben mir erwacht, wenn Ich schon wach bin und nicht so lange so tut, als würde sie schlafen, bis auch ich meine Augen öffne!“
Arwen setzte einen unschuldigen Blick auf.
„Entschuldige...ich werde mich demnächst geschickter anstellen und es dich nicht merken lassen“.
„Elben!“, war das einzige was Aragorn dazu sagte.
„Wenn wir gerade von Elben sprechen...“, sie machte eine Pause. „Aragorn, warst du gestern abend bei Legolas?“
Aragorn hielt in seiner Bewegung inne und drehte sich dann zur Seite, so dass sein Blick gegen die Decke gerichtet war.
„Ich möchte nicht darüber reden!“
„Hast du ihn gestern gesehen?“, bohrte Arwen weiter.
Aragorn gab keine Antwort und nach einer Weile fragte Arwen wieder nach.
„Aragorn, hast du mit ihm gesprochen?“
„Ich möchte nicht darüber reden, wie ich schon gesagt habe! Genauso wenig will ich, dass er mir noch einmal unter die Augen kommt! Unsere Freundschaft ist zerbrochen und wenn er es wagt, sich noch einmal vor mir blicken zu lassen, weiß ich nicht was ich tun werde!“, fuhr er sie an.
„Aragorn! Das-...“
„Doch es ist mein Ernst. Du warst nicht dabei, bei dem Gespräch!“
Arwen sah ihn lange an, sagte aber nichts weiter. Momentan würde es nichts bezwecken.
„Und jetzt lass uns mit den anderen gemeinsam frühstücken gehen!“, sagte er nun schon etwas ruhiger und zur Bekräftigung seiner Worte gab er ihr noch einen Kuss, bevor er sich aus dem Bett schwang und begann, sich anzukleiden.
Es war schon spät am Morgen, als Aragorn und Arwen sich gemeinsam mit Elladan und Elrohir, die sie getroffen hatten, zum Frühstückstisch gesellten. Gandalf, Éowyn und Frodo waren ebenfalls anwesend und Aragorn stellte zu seiner eigenen Verwunderung fest, dass er es als Freude sah, dass Legolas nicht zugegen war. Frodo berichtete, dass die anderen Hobbits noch schliefen und Èowyn sagte, dass die Männer wohl das gleiche taten.
Während des Frühstücks wurden Pläne für den Tag geschmiedet, der wahrscheinlich so verlaufen würde, dass sie alle beschäftigt sein würden, die Spuren des Festes zu beseitigen.
Später kamen auch Faramir und Èomer zusammen in die Halle und nahmen die wohltuende Mahlzeit ein und nach einer geschlagen Stunde später trafen auch die restlichen Hobbits mit Gimli ein, den sie auf dem Flur aufgegabelt hatten. Sie sahen doch noch etwas mitgenommen aus und zur Überraschung der anderen Anwesenden, verspürten sie auch nicht den Drang zu Essen, sondern verzogen angewidert das Gesicht, als sie den dicken Käse und das Brot vor sich sahen. Nur an ein paar Weintrauben knabberten sie und fanden es gar nicht gut, heute schon mit dem Aufräumen zu beginnen. Davon stehlen und nicht helfen, wollten und konnten sie sich dann aber auch nicht. Sam gähnte herzhaft.
„Also wenn ich mich hier so umsehe, muss ich schon sagen, dass ihr mal besser ausgesehen habt!“, stellte er mit einem Grinsen fest. „Dabei meine ich lange geschlafen zu haben. Nur die Dame Arwen ist richtig wach wie mir scheint. Wenn man feiern möchte, sollte man wirklich ein Elb sein die müssen ja kaum schlafen oder Legolas?“
Als keine Antwort kam hielt Sam inne und bemerkte erst jetzt, dass der Elb gar nicht anwesend war.
„Na wo ist er denn? Er ist doch sonst schon immer so früh auf - wenn er überhaupt schläft...“
Sam blickte in die Runde, sah jedoch nichts ahnende Gesichter. Pippin hatte kurz den Kopf gehoben, den er auf seinem Platz abgelegt hatte und schaute etwas desorientiert drein. Merry, schien das Fehlen des Elben immer noch nicht aufgefallen zu sein und Gimli winkte mal wieder mit der Hand ab.
„Auch Elben brauchen ein bisschen Schlaf! Wer weiß, was unser Herr Elb gestern getrieben hat...?“
Sam reichte dies als Antwort. Frodo jedoch war ein wenig beunruhigt, zu gut konnte er sich an das merkwürdige Verhalten des Elben am Tisch erinnern und er blickte unsicher zu Gandalf, aber dieser hatte ihn seit seiner Ankunft noch nicht gesehen. Als sein Blick weiter zu Aragorn huschte, sah er in ein finsteres Gesicht und war ein wenig erschrocken darüber. Aragorn schien mit diesem Thema nicht konfrontiert werden zu wollen und blickte die andern nicht an.
„Weißt du wo Legolas ist, Aragorn?“, fragte er vorsichtig und sah, dass der Mensch kurz die Augen zusammen kniff und sich mit der Hand über die Stirn fuhr, bevor er aufsah.
„Nein, ich weiß nicht wo er ist und ich weiß nicht ob ich es überhaupt wissen will!“
Damit stand er auf und verließ ohne ein weiteres Wort die Halle.
Die am Tisch sitzenden blickten ihm, mit teils geöffneten Mündern nach - auch als er schon aus der Halle verschwunden und die große Türe zurück ins Schloss gefallen war - bevor sie sich einander zuwandten und sich fragend, ob des Ausbruches Aragorns, ansahen.
„Habe ich etwas falsches gesagt?“, war alles was Frodo zustande brachte und die anderen schüttelten ahnungslos die Köpfe. Elladan und Elrohir blickten zu Arwen, in deren Gesicht sie sehen konnten, dass sie eine leise Ahnung hatte und sie beschlossen sie später unbeobachtet darauf anzusprechen. Eine schwere Stille lastete über den Freunden, bis Gandalf diese unterbrach.
„Heute wartet noch viel Arbeit auf uns und ich würde vorschlagen, dass wir sie nicht länger hinauszögern, sondern uns direkt ans Schaffen begeben!“
„Das ist eine gute Idee, Gandalf!“, meldete sich Arwen zu Wort. „Doch bedenkt, dass ihr unsere Gäste und nicht zum Arbeiten hier seid. Ich danke euch schon für das Helfen, beim herrichten der großen Halle und verlange nicht von euch, dass ihr den Unrat auch noch beseitigt.“
„Danke Arwen. Wir werden auf dich hören und uns nicht überarbeiten, aber ein bisschen zur Hand gehen, werden wir alle“, sagte Éowyn.
Alle erhoben sich und nur Arwen, Elladan, Elrohir und Gandalf blieben zurück. Als sie sich vergewissert hatten, dass man ihre Gespräche nicht mehr hören würde, blickte Gandalf zwischen den dreien hin und her.
„Ich würde mich freuen, könnte mich jemand aufklären. Irgendetwas stimmt hier nicht und mir macht es den Anschein, als hättet ihr drei wenigstens eine leise Ahnung warum...“, sagte er mit fester Stimme und Arwen stützte ihren Kopf auf ihre Hände.
„Ich muss dich enttäuschen Gandalf! Auch wir wissen nichts um das Verhalten von Aragorn. Doch glaube ich, dass es meine Schuld ist!“
Nun sahen sie sechs ungläubige Augen an. Niemand sagte etwas, sondern wartete, bis sie weiter sprach.
„Legolas war verändert, als er hier ankam. Man hat es nicht bemerkt, doch schien er eine Last mit sich zu tragen und hat sich ein wenig distanziert. Ich sah ihn eines Abends im Garten auf einem Baum und er wirkte verloren. Er sah mich auf dem Balkon stehen... seitdem hatte er sich vor mir zurückgezogen.“
„Als Elrohir und ich dann angekommen sind, haben wir vier uns zusammengesetzt und über belanglose Dinge gesprochen, bis er auf einmal aufgesprungen und davon gestürmt ist“, erzählte Elladan.
„Da bin ich zu Aragorn gegangen und bat ihn, mit Legolas zu sprechen. Heute Morgen als er erwachte, erzählte er mir, dass er dies getan hätte. Er schien sehr erbost und wollte nicht darüber sprechen. Etwas Schlimmes muss zwischen den beiden geschehen sein. Er sagte, dass ihre Freundschaft zerbrochen sei und er nicht wolle, dass Legolas ihm noch einmal unter die Augen träte!“, sagte Arwen und senkte den Kopf. Wieder herrschte Stille in dem Saal.
„Ich mache mir Vorwürfe!“, sagte sie dann leise.
„Das ist Unsinn, Arwen!“, sagte Elrohir. „Du hast dir Sorgen gemacht und wolltest helfen. Noch wissen wir nicht, was zwischen den beiden vorgefallen ist.“
„Du solltest noch einmal mit Aragorn sprechen, Arwen“, sagte Gandalf. „Und ich werde zu Legolas gehen. Ich bin die neutralste Person, mich hat er noch nicht gesehen. Doch wollen wir sie noch ein bisschen in Ruhe lassen und den anderen bei der Arbeit zur Hilfe gehen. Kommt, und Arwen du trägst keine Schuld an dem was vorgefallen ist. Was passiert ist, ist passiert und wir können daran nichts mehr ändern!“
~~*~~
Der Morgen verging, wandelte sich schnell in den Mittag und die meisten gingen jetzt ihren eigenen Beschäftigungen nach. Éowyn, Faramir und Éomer waren mit Pippin und Merry hinunter in ein Gasthaus gegangen und Elladan und Elrohir waren zusammen mit Arwen dabei, einen Brief an Elrond zu schreiben um zu sagen, dass die beiden Elben noch etwas in der Stadt verweilen würden. Sie schrieben nicht den wahren Grund, nämlich, dass sie Arwen momentan nicht alleine lassen, sondern, dass die anderen Freunde auch noch ein wenig bleiben würden und sie noch ein paar unbeschwerte Tage genießen wollten. Sie logen ihren Vater zwar nicht gerne an, schon alleine aus dem Grund, weil er sie meistens eh immer durchschaute, aber sie wollten ihn auch nicht beunruhigen - er hatte ebenfalls unbeschwerte Tage verdient, besonders nachdem ihn die geschäftlichen Angelegenheiten in letzter Zeit so in Anspruch genommen hatten. Gimli schlenderte mal wieder mit Frodo und Sam durch Minas Tirith und sie sprachen über belanglose Dinge. Legolas, wie auch Aragorn hatte man den ganzen Tag über nicht mehr gesehen und Sorge breitete sich in den Köpfen der Freunde aus. Sie versuchten diese aber weitmöglich zu verdrängen und sich mit anderen Dingen abzulenken. Sie mussten abwarten wie es sich entwickeln würde und dachten sich, dass momentan wahrscheinlich keiner etwas für sie tun könnte, zu nah waren die Ereignisse für beide.
Gimli lauschte den Gesprächen von Frodo und Sam nur noch mit einem Ohr, immer drehten sich seine Gedanken um seinen elbischen Freund. Wie lange wollte sich Legolas noch in seinem Gemach verstecken? Er spielte öfters mit dem Gedanken das Zimmer des Elben aufzusuchen und ihn zur Rede zu stellen, aber er wusste, dass wenn der Elb ein Problem hatte, er alles andere tun würde, als es ihm zu erzählen. Wenn er es sich auch nicht eingestehen wollte, fürchtete er sich auch ein bisschen das Gemach aufzusuchen, da er nicht wusste, wie der Elb sich verhalten würde.
Als Gimli auf eine Frage von Frodo gar nicht mehr antwortete, sondern nur vor sich hin starrte, stieß der Hobbit ihn vorsichtig an der Schulter an und schaute ihm in die Augen.
„Hat sich Legolas immer noch nicht blicken lassen?“, fragte er vorsichtig.
„Nein! Er sitzt wahrscheinlich in seinem Gemach und verharrt völlig regungslos, über Tage...“
„Hat er denn einen Grund dazu?“, fragte Sam und schallt sich Sekunden später selbst für diese unsinnige Frage.
„Ich weiß doch auch nicht, was zwischen den beiden vorgefallen ist, doch werde ich das Gefühl nicht los, dass es etwas Ernstes ist!“
„Willst du nicht mal nach ihm schauen gehen, als sein engster Freund?“, fragte Frodo.
„Nach ihm schauen? Dem Spitzohr zeigen, dass sich ein Zwerg Sorgen um ihn macht? So weit kommt es noch!“
Doch Gimli sah in die ruhigen Augen des Hobbits und sah die Ernsthaftigkeit in ihnen.
„Du hast Recht, ich sollte nach ihm schauen. Ich schäme mich dafür es zuzugeben, doch eigentlich habe ich mich nur davor gefürchtet, wie er reagieren würde.“
„Ich glaube eher, dass er sich freuen würde, dass es schon so weit gekommen ist, dass ein Zwerg nach einem Elben schaut!“
„Du hast Recht! Ich werde sofort gehen! Gimli, Gloins Sohn, hat sich vor einem Spitzohr gefürchtet, so tief bin ich schon gesunken!“
Mit ein par gemurmelten Flüchen machte er sich auf den Weg zurück zum Palast und zu Legolas.
Auf dem Weg zu dem Gemach des Elben begegnete er Niemand, was allerdings auch verständlich war - draußen herrschte strahlender Sonnenschein. Als er dann endlich vor Legolas’ Zimmer stand, hielt er kurz inne und lauschte aufmerksam am Holz der Türe - kein Laut drang an sein Ohr.
„Na bitte, ich habe ja gesagt, dass der Elb wahrscheinlich irgendwo sitzt und sich nicht rührt!“, murmelte Gimli.
Vorsichtig drückte er die Klinke hinunter und öffnete langsam die Türe, um den Elben nicht zu erschrecken, sollte sein Geist wirklich in anderen Gefilden weilen. Der Zwerg steckte seinen Kopf durch die Tür und mit Erstaunen stellte er fest, dass der Elb nicht im Zimmer war.
„Legolas?“, fragte er leise und betrat den Raum, doch keine Antwort kam.
Das Zimmer war gemütlich eingerichtet und neben dem Bett hatte es eine Kommode und eine kleine Sitzecke an einem Kamin. Die, durch die Fenster eindringenden Sonnenstrahlen, schufen eine warme Atmosphäre, aber der Elb war nicht zu sehen.
„Na wo ist er denn?“
Gimli ging zum Bett und erwartete im geheimen, dass der Elb auf dem Boden liegen würde, doch dem war nicht so und auch in keinem Sessel saß er. Überhaupt sah es in dem Zimmer nicht so aus, als hätte es in letzter Zeit jemand bewohnt.
„Sehr merkwürdig. Vielleicht ist er ja im Garten und sitzt hoch oben auf einem Baum?“
Gimli machte kehrt und ging eiligen Schrittes aus dem Zimmer, wollte er doch endlich wissen, wo sein Freund abgeblieben war. Auf dem Weg durch die zahlreichen Gänge begegnete er Gandalf, der ihm entgegen kam.
„Ah, Gimli. Gut das ich dich sehe! Ich war gerade auf dem Weg zu Legolas-...“
„Das kannst du dir sparen!“, unterbrach ihn der Zwerg. „Er ist nicht in seinem Gemach, ich komme gerade daher!“
Etwas verwundert hob Gandalf die Augenbrauen.
„Hast du ihn heute denn schon gesehen, Gimli?“
„Nein, und ich war gerade auf dem Weg in den Garten. Vielleicht sitzt er mal wieder auf einem Baum...“
„Nein, das schließe ich aus, ich sah Aragorn eben dort sitzen und denke nicht, dass sich die beiden momentan am gleichen Ort aufhalten werden.“
„Na wenigstens weiß man wo Er sich rumtreibt. Und wo könnte der Elb sonst sein?“
„Hast du schon in den Stallungen nachgesehen? Ist Arod da?“, fragte Gandalf.
„Meinst du er ist ausgeritten? Zuzutrauen wäre es ihm. Ich gehe mal hin!“
„Gut und tu mir den Gefallen und sage mir nur, ob ich Recht hatte mit meiner Vermutung, er habe einen Spaziergang gemacht.“
Gimli schlenderte durch die Straßen von Minas Tirith, auf dem Weg zu den Pferdeställen. Sie befanden sich nicht im Ring der Feste, sondern im sechsten, dem davor und Gimli musste erst einen Moment Ausschau halten, bevor er sie erspähte. Sie lagen zum Wohle der Pferde etwas abseits vom Treiben, damit sie sich nach schnellen und langen Ritten möglichst gut erholen konnten.
Als er die Ställe betrat, stieg ihm der Geruch von Hafer in die Nase und begann seine Schleimhäute zu reizen. Dies hatte zur Folge, dass er Sekunden später niesen musste, in seine Augen Tränen traten und er sie sich mit dem Handrücken wegwischen musste, um wieder etwas sehen zu können.
„Warum weinst du denn?“, kam es auf einmal sehr besorgt.
„Huäh?“ Gimli sah auf und blickte in das leicht schmutzige Gesicht eines jungen Pferdeknechts.
„Hör mir mal gut zu, Bursche!“, begann er wütend. „Ich bin ein erwachsener Zwerg und Zwerge weinen nicht! Mir ist lediglich der Hafer in die Nase gestiegen! Verstanden?“
„Jawohl Sir!“, sagte der Junge und salutierte gespielt vor dem Zwerg, der daraufhin nur die Augen verdrehte und ein gemurmeltes „Menschen!“ von sich gab.
„Weshalb ich hier bin ist aber eigentlich, weil ich mich erkundigen wollte, ob ein bestimmtes Pferd in den Ställen ist. Ein großes weißes mit langer Mähne!“
„Große weiße gibt es viele hier. Es wäre einfacher wenn Ihr mir sagen würdet, wem es gehört!“
„Es gehört so einem elenden Spitzohr, der sich irgendwo rumtreibt. Sein Name ist Legolas Grünblatt!“
„Ach, Ihr meint das Elbenpferd! Das steht eigentlich dort hinten, aber es ist schon den ganzen Tag nicht da. Er wird wohl ausgeritten sein!“
„Habe ich es mir doch gedacht! Danke, Bürschchen!“
Gimli drehte sich um und verließ die Ställe, wobei er hinter sich noch ein gemaultes „Ich bin kein Bürschchen mehr!“ hörte und es ihm ein befriedigendes Schmunzeln ins Gesicht trieb.
Auf der Suche nach Gandalf, lief Gimli erst zum Palast, doch die Wachen berichteten ihm, dass der weiße Zauberer nicht zugegen, sondern in die Stadt gegangen sei. Murrend machte Gimli kehrt und trottete zurück, Richtung der unteren Ringe, um nach Gandalf zu suchen. Er fand ihn lange Zeit nicht und als er es schon gerade aufgeben wollte, hörte er eine Stimme, die nach ihm rief und als er sich umdrehte, erkannte er Pippin, der ihm aufgeregt mit den Armen zuwinkte.
„Ich habe dich gerade noch gesehen, wie du an uns vorbei gegangen bist und mir gedacht, du hättest vielleicht Lust, dich zu uns zu setzen! Wir sitzen in einem Hof des Gastwirtes. Es ist wirklich schön und das Essen ist vorzüglich!“
Pippin redete ohne Punkt und Komma, aber Gimli folgte ich. Er fand, dass er schon lange genug nach Gandalf gesucht hatte und so wichtig war es dann auch wieder nicht, dass Legolas ausgeritten war. Als er durch eine Tür in den Hof der Schenke getreten war, sah er die anderen Freunde, die schon am Mittag beschlossen hatten, sich hier nieder zu lassen. Jetzt waren auch Sam und Frodo bei ihnen und zu Gimlis Erstaunen auch Gandalf, was ihn einmal laut die Luft ausatmen ließ.
„Hier hält sich der Zauberer also auf, wenn er jemandem befehligt ihm Auskunft zu geben und dieser jemand sich dabei die Hacken ausläuft, weil er den Zauberer nicht findet!“
Gandalf zog noch einmal genüsslich an seiner Pfeife und blies den Dampf in großen Kringeln aus bevor er antwortete.
„Verzeih mir Gimli! Ich wollte eigentlich zu dir gehen, aber ein diverser Hobbit hat mich davon abgehalten und mich in diesen Hof gezehrt. Und ich muss sagen, dass Ausreden nicht mehr von Nützen sind Peregrin Tuk! Dein Fuß ist verheilt, nicht mehr angeschwollen und du kannst laufen wie ein Wiesel!“, sagte er mit einem strengen Blick zu Pippin, aber dann wandte er sich wieder Gimli zu. „Ich dachte mir, dass, wenn du hier vorbei gehen würdest, dir das gleiche widerfahren würde...“
„Es ist mir widerfahren, allerdings erst nachdem ich mich halb tot gelaufen habe.“
„Was für eine Auskunft wolltest du denn Gandalf?“, fragte Merry, der das Gespräch verfolgt hatte und nun seine Neugierde nicht mehr zurück halten konnte. Gimli hatte sich derweil einen Stuhl genommen und ließ sich nun langsam auf diesem nieder.
„Nichts besonderes, junger Hobbit!“, sagte er dann, als er gemütlich saß. „Ich sollte Gandalf lediglich sagen, dass Arod nicht im Stall ist und Legolas somit wahrscheinlich einen Ausritt unternommen hat!“
Frodo blickte unmerklich zu Gandalf, doch dieser zeigte keine Reaktion, sondern zog weiter genüsslich an seiner Pfeife, als wäre das Thema hiermit nun für ihn beendet und so wollte Frodo auch nicht weiter darauf eingehen.
Es wurde noch eine Weile erzählt, bis man schließlich beschloss sich zu erheben und noch ein wenig zu ruhen, bevor das Abendmahl aufgetischt wurde.
~~*~~
Aragorn hatte den Rest des Tages alleine verbracht. Er wollte momentan keine Erklärungen für sein Verhalten am Morgen abgeben und so hielt er sich die meiste Zeit über, in seinem Arbeitszimmer auf. Gegen Nachmittag verließ er es und schlenderte durch den Garten. Er brauchte jetzt frische Luft um wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Seine Freunde machten sich wahrscheinlich die wildesten Gedanken über die Gründe seines Ausbruchs und warum Legolas nicht erschienen war. Er war sehr froh darüber gewesen, dass der Elb es vorgezogen hatte, nicht zu erscheinen seine &Mac226;Worte’ hatten wohl gewirkt. Er wollte nicht mehr an ihn denken, die Wut beherrschte ihn noch immer und er konnte sich nicht konzentrieren. Egal was er auch versuchte, immer wieder musste er an die Worte denken, die Legolas ihm an den Kopf geworfen hatte.
Mit einem langen Seufzer ließ er sich an einem Baum nieder sinken und tat für einen Augenblick gar nichts einfach nur dasitzen und alles auf sich ruhen lassen. Er versuchte seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken und an etwas für ihn momentan angenehmeres zu denken. Die vergangene unruhige Nacht, die schon leicht untergehende Sonne und die vergnügt zwitschernden Vögel taten ihr übriges und Aragorn fiel in einen leichten Schlaf, der ihn von seinen Gedanken ablenkte und in andere Gefilde führte, so dass er auch nicht mehr bemerkte, dass er beobachtet wurde.
„Es beschäftigt ihn sehr, nicht wahr?“
Elrohir war neben Arwen getreten, die am Fenster stand und in den Garten hinaus blickte. Auch Elrohir sah hinaus und bemerkte, dass Aragorn friedlich, an einem Baumstamm gelehnt, eingeschlafen war. Arwen nickte auf diese Frage hin nur mit dem Kopf und konnte ihren Blick nicht abwenden.
„Arwen komm mal her“, kam es jetzt vom Bett, auf dem Elladan saß und gerade den Brief versiegelte.
Langsam ging Arwen auf ihn zu und er zog sie zu sich hinunter, damit sie neben ihm saß und er ihr in die Augen schauen konnte.
„Es bereitet mir Kummer dich so zu sehen. Mach dir nicht so viele Gedanken!“
Arwen sah ihren Bruder einen Moment lang an, bevor sie ihren Blick abwandte.
„Es wird ihn sein Leben lang begleiten und es wird an ihm nagen. Ich sehe, dass er sich quält und versucht, seine Gedanken auf etwas anderes zu richten, weil er nicht mehr daran denken möchte, was passiert ist. Und weil er nicht mehr an Legolas denken möchte, was mich noch viel mehr verletzt.“
Sie richtete ihren Blick wieder auf Elladan. Elrohir war weiterhin am Fenster stehen geblieben, lauschte dem Gespräch allerdings konzentriert.
„Legolas ist sein bester Freund! Sie haben Gefahren gemeinsam gemeistert und er hat ihm schon oft das Leben gerettet, wie auch umgekehrt, auch wenn sie davon manchmal gar nicht wussten. Ich kann nicht glauben, dass sie sich so verstritten haben, dass keine Versöhnung in Betracht kommt. Ich sorge mich um beide dass sie sich verlieren in ihrem Zorn oder ihrer Trauer!“
Elladan legte tröstend einen Arm um ihre Schulter und strich ihr sanft durch die Haare.
„Du wirst sehen, soweit wird es nicht kommen. Wir werden nicht zulassen, dass dies passiert! Möchtest du, dass ich mit ihm rede, nur als Bruder-...“
„Nein! Lass mich lieber mit ihm reden. Ich möchte es!“
„Aber mach es nicht vor dem Essen!“, meldete sich jetzt Elrohir zu Wort der immer noch am Fenster gestanden und Aragorn beobachtet hatte. „Er scheint friedlich zu schlafen und ich denke, es wäre besser, wenn er etwas isst, er vergisst dies nämlich schnell, wenn er sich aufregt oder Sorgen macht!“
Aragorn wandelte durch einen Garten der Sonne und genoss die Farbenvielfalt der verschiedenen Blumen und die geheimnisvolle Stille, die diesen Garten umgab. Das einzige was er jetzt noch brauchte, war, Arwen an seiner Seite zu haben und mit ihr gemeinsam diese Schönheit bewundern zu können. Auf einmal glaubte er eine Stimme zu hören, die näher kam und ihr Klang war so schön und hell, dass er nur von einer Person kommen konnte Arwen. Sie kam näher und war schließlich ganz nahe an seinem Ohr, bis er sie richtig verstehen konnte.
„Aragorn, Aragorn...“, flüsterte sie ihm zu. „Aragorn, Liebster, wach auf! Es ist spät und das Essen wartet. Wach auf und komm mit mir!“
Zuerst konnte Aragorn diese Worte nicht einordnen, doch nach einiger Zeit, verstand er ihre Bedeutung und auch, dass ihn jemand aus seinem Schlaf holen wollte. Er blinzelte, öffnete die Augen und sah Arwen, die vor ihm kniete, ihm mit ihren Händen durch die Haare fuhr und aus lieben Augen ansah. Erst jetzt wurde er richtig wach und sah seine Frau lange einfach nur schweigend an, bis sie das Wort wieder an ihn richtete.
„Komm, Aragorn! Lass das Essen nicht warten.“
Aragorn lächelte bei diesen Worten, erhob sich und bevor sie gemeinsam zum Palast gingen, gab er ihr noch einen Kuss und lächelte sie zufrieden an momentan störten keine bösen Gedanken seinen Geist und er erfreute sich an der Tatsache, einfach nur dazustehen und seine Frau in den Armen zu halten.
In dem Saal waren nur Gandalf und Éomer schon anwesend, die beide genüsslich eine Pfeife rauchten und in Gedanken versunken waren.
Als Aragorn und Arwen den Raum betraten, beschlich den Menschen ein unangenehmes Gefühl, dass er seinem Ausbruch am Morgen zuschrieb und er jetzt nicht wusste, wie seine Freunde auf ihn reagieren würden. Arwen bemerkte die Verspannung, die von Aragorn Besitz ergriff. Sie nahm seine Hand in die ihre und ging gemeinsam mit ihm zu ihren Plätzen, doch zu Aragorns Erleichterung, fragte ihn keiner nach seinem Befinden und Niemand machte ihm einen Vorwurf. Auch nicht, als die anderen nach und nach dazu kamen und gemeinsam speisten. Gespräche wurden geführt, wie eh und je, doch blieb der leere Platz neben Gimli nicht unbemerkt und im geheimen fragte sich jeder, wo Legolas sich aufhielt. Aragorn war etwas verwundert, dass der Elb sich immer noch nicht blicken lassen hatte, passte dies doch nicht zu ihm, dem stolzen Prinzen des Düsterwaldes. Er schob diese Gedanken aber wieder beiseite und widmete sich anderen Gesprächen.
Es wurde spät und die Mägen waren gefüllt. Alle saßen noch zusammen in dem gemütlichen Kaminzimmer in den bequemen großen Sesseln. Der einzige der sich nicht wohl zu fühlen schien war Gimli, der sich immer öfter aus den Gesprächen zurückzog und seinen Gedanken nachhing. Die anderen bemerkten dies, ließen ihn aber in Ruhe, bis er plötzlich aufstand und aus dem Zimmer ging. Bevor er die Tür erreichte, rief ihn eine Stimme zurück.
„Wo gehst du hin? Gehst du schon schlafen?“, fragte Merry und Gimli drehte sich langsam um.
„Ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich gehe jetzt meinen Freund suchen, der sich irgendwo rumtreibt höchstwahrscheinlich in einem Baum sitzt und die Sterne betrachtet!“
Ohne ein weiteres Wort abzuwarten ging Gimli hinaus und ließ seine Freunde allein.
Im Zimmer herrschte ein bedrückendes Schweigen und jeder sann über Gimlis Worte nach, doch wusste jeder, auch Gimli, dass sie sich alle die Frage stellten, wo Legolas sein könnte und warum er den Tag alleine verbracht hatte. Ein paar Blicke wanderten zu Aragorn, der jedoch sein Interesse den Kacheln auf dem Boden gewidmet hatte und nicht zu ihnen aufsah. Sie wussten, dass Aragorn damit etwas zu tun hatte und dass sie sich wahrscheinlich gestritten hatten. Doch warum und worüber? Sie mussten wohl geduldig sein und warten, bis einer der beiden bereit war, darüber zu reden. Doch wann würde das sein? Diese Frage geisterte Gandalf schon den ganzen Tag durch den Kopf und er hatte eine böse Ahnung, warum Legolas den ganzen Tag nicht auffindbar gewesen war. Mit der Kunde von Gimli, dass er Elb und Arod nicht da waren, wurde sie nur bestärkt. Er fasste einen Entschluss, stand auf und entschuldigte sich, dass er müde sei und sich zur Ruhe legen wollte.
Als er die Türe hinter sich geschlossen hatte, schlug er allerdings die andere Richtung ein und folgte Gimli, der, wie er sich denken konnte, den ersten Weg zu den Ställen eingeschlagen hatte. Als er jedoch die Stufen der Feste hinunter ging, hörte er den Zwergen hinter sich, nach ihm rufen.
„Gandalf! Wo gehst du hin?“, rief ihm Gimli hinterher und Gandalf wartete, bis der Zwerg ihn eingeholt hatte.
„Gimli! Wir alle sind ratlos, warum Legolas den ganzen Tag nicht bei uns war und wir alle machen uns Gedanken. Ich für meinen Teil möchte nachsehen, ob Arod wieder bei uns ist, doch nehme ich an, du warst schon dort...“
„Nein! Ich sagte doch, dass ich ihn in einem Baum vermutete und so war ich zuerst im Garten nachsehen, habe ihn dort aber nicht gefunden ...“
„Aber Gimli!“, unterbrach ihn Gandalf. „Legolas ist ein Waldelb und versteht sich darin, sich vor unliebsamen Augen zu verstecken. Wenn er nicht gesehen werden möchte, ist es ein leichtes für ihn in einer Baumkrone.“
Gimli musste wohl oder übel dem Zauberer recht geben. Gandalf ahnte, dass die Sorge den Zwergen blind für solche Einfälle gemacht hatte.
„Doch nun komm! Wir wollen in den Ställen nachsehen.“
Als sie die Ställe erreichten, kam auch schon ein Pferdewirt auf sie zu, und alle drei beäugten sich ein wenig wundernd.
„Was machst du denn noch zu so später Stunde in den Ställen?“, sprudelte es aus Gimli hinaus.
„Ihr schon wieder, Herr!“, sagte der junge Mann an den Zwergen gerichtet. „Ich bin hier, weil eine der Stuten eine Kolik hat und man sie in so einem Zustand nicht alleine lassen sollte, aber mich würde es genauso interessieren, was Euch schon wieder hierher führt.“
„Wir haben lediglich eine Frage!“, übernahm jetzt Gandalf das Wort.
„Ist ein Elbenpferd heute hier wieder eingetroffen? Ein Schimmel mit langer Mähne?“
„Hmm...nein! Warum ist es bloß so wichtig?“
„Weißt du, seit wann es fehlt?“, fragte der Zauberer weiter, ungeachtet der gestellten Frage.
„Es ist schon den ganzen Tag nicht da gewesen, soviel weiß ich, weil ich schon seit dem Morgengrauen hier bin, aber ich könnte Imhor fragen ob er weiß, seit wann es nicht mehr hier ist. Er hatte gestern Nachtwache!“
Damit ging der Junge die Stallgasse entlang und verschwand dann in einer der Boxen. Gandalf und Gimli blickten ihm nach, bis nach einiger Zeit ein anderer Junge zurückkam.
„Wer bist du denn?“, fragte Gimli, doch der Jung beachtete diese Frage nicht weiter, sondern sah Gandalf an und als er ihn erkannte, hob er die Brauen.
„Ihr seid es, Herr! Ich glaube ich weiß, seit wann das Pferd fort ist. Gestern Abend als ich Euer Pferd versorgte, glaubte ich Pferdegetrappel zu hören, was sehr ungewöhnlich war, zu so später Stunde. Ich meine es wäre zu der Zeit des Feuerwerkes gewesen, was mich noch mehr verwundert hatte und so habe ich gedacht ich hätte mir das nur eingebildet. Als ich das Pferd dann aber schließlich in eine der Gästeboxen gebracht hatte, sah ich, dass die Box, in der das Elbenpferd gestanden hatte, leer war. Allerdings meine ich mich erinnern zu können, dass, bevor ich Euer Pferd entgegen nahm, es noch da gewesen wäre. Es könnte also sein, dass es das gesuchte Pferd gewesen ist. Warum wollt Ihr das denn wissen?“
Gimli grummelte irgendetwas in seinen Bart, bevor er sich an den Pferdewirt wandte.
„Ihr jungen Stallburschen seid entschieden zu neugierig, aber habt dennoch Dank, wir werden jetzt wieder gehen!“
„Und jetzt?“, fragte Gimli als sie die Ställe wieder verlassen hatten.
Gandalf stand einige Momente nur da und hing seinen Gedanken nach, das, was er vermutet hatte, war bestätigt worden.
„Nun Gimli, Legolas ist des Nachts davon geritten und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem ihn wohl niemand gesehen hat das Feuerwerk hat alle Augen zum Himmel gelenkt.“
„Aber wenn er nicht mehr in der Stadt ist, muss er durch das große Tor geritten sein und dort stehen Wachen. Sollen wir nicht fragen, ob sie ihn gesehen haben?“
„Ich weiß nicht Gimli. Ich könnte mir denken, dass sie uns nichts Neues sagen können!“
„Aber man kann wenigstens nachfragen. Ich für meinen Teil werde jetzt darunter gehen und fragen ob jemand ein verstandloses Spitzohr herausreiten gesehen hat.“
Mit diesen Worten setzte sich Gimli auch schon in Bewegung, hinunter in die untersten Ringe. Gandalf folgte ihm mit einem leisen Seufzer.
„Habt ihr gestern, während des Feuerwerks, einen Elben hinausreiten sehen?“
Sie waren am Haupttor angekommen und Gimli war schnurstracks auf die Wachen zugegangen. Diese jedoch schüttelten zuerst nur die Köpfe, bis einer meinte sich erinnern zu können.
„Wir haben alle zum Himmel aufgesehen, aber dann meinte ich ein Geräusch von schnellen Hufen zu hören und sah mich um und da war es auch schon an mir vorbei. Aber ich meine so ein weißes Pferd erkannt zu haben, mit einem Reiter, dessen Haar hell schimmerte. Aber es preschte so schnell an uns vorbei, als wäre eine Orkarmee hinter ihm her, deshalb bin ich mir nicht sicher ob meine Augen mir nicht etwas vorgespielt haben!“
„Danke, das reicht uns!“, sagte Gandalf und wandte sich zum gehen. Als sie weit genug vom Tor entfernt waren, so dass sie keiner der Wachen mehr hören konnte, konnte Gimli seinen Unmut nicht mehr zurück halten.
„Und jetzt? Sag mir was du denkst Gandalf! Ist er jetzt endgültig davon geritten? Versteckt er sich jetzt irgend wovor?“
„Ich möchte jetzt noch nicht darüber sprechen, warte, bis wir in der Feste sind. Ich habe jetzt lange genug gewartet und werde dieses Spiel nicht mehr mitspielen! Aragorn wird uns einiges erklären müssen!“
Schnell erreichten sie die Feste und begaben sich auf den Weg zu dem Kaminzimmer, indem sie die Freunde verlassen hatten. Stimmengewirr verriet ihnen, dass sie sich noch immer dort aufhielten. Gandalf stieß energisch die Türen auf und trat ein, dicht gefolgt von Gimli. Die anderen sahen die beiden etwas erstaunt an und wunderten sich, dass Gandalf noch einmal wieder gekommen war.
„Wolltest du dich nicht zur Ruhe legen Gandalf?“, fragte Pippin.
„Später!“, antwortete der Zauberer etwas mürrisch. „Doch zuvor bin ich Gimli gefolgt und wir haben interessante Neuigkeiten, die Legolas betreffen!“
Stille herrschte in dem Zimmer und alle sahen erwartungsvoll zu Gandalf, nur Aragorn verspannte sich leicht, als er den Namen des Elben hörte.
„Er ist weg!“, war dann das Einzige was Gandalf sagte und er sich in einem Sessel niederließ, was Gimli ihm umgehend gleich tat.
„Was heißt, er ist weg?“, fragte Elrohir.
„Er ist weg, heißt, er ist weg! Davon geritten und er wird nicht wieder kommen!“, sagte Gandalf.
Aragorn versteifte sich bei diesen Worten noch etwas mehr er war gefangen in einem Gefühl zwischen Erleichterung und Wehmut. Sollte er sich freuen, dass der Elb das Weite gesucht hatte und er ihn nicht mehr sehen musste oder sich doch fragen, ob er sich nicht falsch verhalten hatte?
„Woher wollt ihr wissen, dass er nicht mehr wieder kommt? Vielleicht ist er ja doch nur ausgeritten und wird Morgen wieder kommen?“, fragte Èowyn.
„Er ist gestern Nacht davon geritten, zur Zeit des Feuerwerkes, als alle Augen gen Himmel blickten und niemand ihn gesehen hat, selbst die Wachen haben nur flüchtig einen Reiter gesehen, weil das Pferd an ihnen vorbei geprescht ist, als sei der Balrog hinter ihm her. Er wollte nicht, dass wir etwas davon wissen, er hat nicht einmal Gimli davon erzählt!“
„Ich habe in seinem Gemach nach ihm gesucht“, meldete sich Gimli zu Wort. „Er war nicht dort und jetzt fällt mir wieder ein, dass sein Bogen und seine Schwerter ebenfalls verschwunden waren.“
Die Worte hingen für einige Zeit in der Luft, bis Gandalf sich in seinem Sessel aufrichtete und seinen Blick zu Aragorn wandern ließ, der ihn jedoch nicht ansah.
„Ich für meinen Teil bin überrascht, dass Legolas in einer Nacht und Nebelaktion davon geritten ist, zudem noch an einem Freudentag und ich glaube, dass er seine Gründe hatte.“ Sein Blick haftete immer noch auf Aragorn und dieser hob jetzt den Kopf, sich bewusst, dass der Zauberer ihn meinte. Er sah seine Freunde an, die ihn ebenfalls musterten und dann zu Arwen, die ihn aus ruhigen Augen ansah. Er blickte wieder zu Gandalf und sah seine entschlossene Miene, ehe er den Blick wieder abwandte und auf den Boden sah.
„Schaut mich ruhig alle an. Ja ich bin es Schuld, dass der Elb weg ist!“, er machte eine Pause und sah auf. „Und dennoch tut es mir nicht leid!“
„Es sollte dir aber leid tun!“, brauste Gimli auf. „Wegen irgendetwas ist mein bester Freund einfach davon geritten und ich weiß nicht, ob ich ihn überhaupt noch einmal wiedersehe!“
„Hüte deine Zunge Gimli!“, herrschte Aragorn ihn an.
„Ruhe!“, rief Gandalf. „Hört auf mit diesem Unfug! Aragorn, was ist geschehen?“
„Willst du das wirklich wissen? Dann will ich es erzählen!“ Aragorn atmete einmal tief aus um sich ein wenig zu beruhigen. „Falls es jemand von euch aufgefallen sein sollte, so hat sich...der Elb…seit seiner Ankunft in Minas Tirith anders benommen. Er war immer in Gedanken versunken und sprach wenig, zumindest noch weniger als sonst. Arwen, Elladan und Elrohir hatten schon versucht, mit ihm zu sprechen, doch ist er nicht darauf eingegangen. Ich beschloss als sein...best-...als sein Freund mit ihm zu reden - an dem besagten Abend - weil es ihm nicht gut zu gehen schien. Es endete in einem großem Streit, den ich nicht noch einmal wiedergeben möchte!“
„Es würde aber helfen es zu verstehen!“, wandte Gandalf ein.
„Warum?“, fragte Aragorn. „Reicht es nicht?“
„Nein!“, sagte der Zauberer entschlossen. „Ich kenne Legolas ebenfalls gut, länger als ihr alle. Er übertrifft euch in eurem Alter um ein tausendfaches und hat viel erlebt. So weiß ich, dass er nicht einfach davon rennt. Etwas muss ihn tief getroffen haben!“
„Es hat mich auch tief getroffen! Er hat Dinge gesagt, die nicht verziehen werden können und ich sie auch nicht verzeihen will, da sie nicht stimmen, aber dennoch sehr schmerzen! Wollt ihr wissen, warum er sich so merkwürdig verhalten hat? Er wird König!“
Alle sahen erstaunt zu Aragorn. König?
„Aber das ist doch schön für ihn!“, wandte Sam ein.
„Aber nicht für einen, der sich nach der Welt sehnt. Ihr wisst, dass Legolas nichts lieber tut, als in den Tag hineinzuleben und in der Welt umher zu wandeln. Die Reise nach Minas Tirith war seine letzte. Jetzt muss er lernen, für sein Volk zu Sorgen - in einem Wald, der ihm nicht mehr den Schutz und die Geborgenheit bietet, wie er sie einst empfunden, bis er das Meer erblickt hatte. Galadriel hatte ihm prophezeit, dass, wenn er das Meer erst einmal gesehen hatte, er unter den Bäumen keinen Frieden mehr finden würde!“
Arwen, Elladan und Elrohir sahen sich an. Das hatten sie ja gut hinbekommen, als sie bei dem Gespräch, über das Leben in Bruchtal und Minas Tirith geredet hatten.
„Aragorn, ich würde dir um eine Versöhnung raten!“, sagte Gandalf ruhig um den Menschen nicht aufzuregen. „In erster Linie als Freund, ich kann nicht glauben, dass du ihn einfach so aufgeben kannst und in zweiter Linie um des Friedens Willen. Ich kann mir denken, dass er genauso erzürnt und verletzt ist, weshalb auch immer und es tut den Königreichen nicht gut, wenn die Könige in einem Streit, zwischen einander, herrschen.“
„Du brauchst mich nicht zu belehren, Gandalf! Ihr könnt mich nicht verstehen, aber wäret ihr dabei gewesen, dann vielleicht schon. Ich kann das nicht einfach auf mir sitzen lassen und so tun als wäre nichts gewesen und wenn ihr nichts dagegen habt, so werde ich mich jetzt zurückziehen!“ Mit diesen Worten stand er auf, doch bevor er den Raum verließ, hörte er Gandalf noch sagen: „Wo ist der Waldläufer geblieben, den ich einst kannte?“
Aragorn biss sich auf die Zähne und verkniff sich einen Kommentar. Er drückte entschlossen die Klinke nach unten und ließ hörbar hinter sich die Türe ins Schloss fallen.
„Legolas wird König“, murmelte Gimli in seinen Bart hinein.
„Ich kann nicht glauben, was alles passiert ist“, entfuhr es Èowyn.
„Daran können wir jetzt nichts mehr ändern., Wir können nur abwarten, was die Zeit bringt!“, sagte Gandalf. „Und ich schlage vor, dass wir uns jetzt ebenfalls zur Ruhe begeben, es ist schon spät!“
Gandalfs Worte bewirkten, dass alle sich der Uhrzeit bewusst wurden und die Müdigkeit über sie kam, so dass sie seinen Vorschlag mit Vorliebe annahmen und sich in ihre Gemächer begaben. Nur Arwen, Elladan und Elrohir gingen noch etwas in den Garten, da sie nicht viel Schlaf benötigten und ihn momentan auch nicht verspürten. Dort saßen sie unter einem großen Baum und hingen ihren Gedanken nach und sprachen manchmal noch von unbeschwerten Kindertagen, bis Arwen sich dann doch verabschiedete und sich schlafen legte und die beiden Zwillinge alleine ließ.
Als sie sich sicher waren, dass ihre Schwester sie nicht mehr hören konnte, begannen sie wieder zu sprechen.
„Ich fühle, dass dir Gedanken durch den Kopf gehen, Elrohir.“
„Ich will es nicht denken, doch kommt es mir immer in den Sinn. Ich hoffe nur, dass Estel für den Thron schon bereit war und ihn sein Verstand nicht verlässt.“
„Das darfst du auch nicht denken, Bruder! Estel weiß, was er tut und war bereit für den Thron!“
„Ich weiß und ich bereue diese Gedanken auch, aber kann ich trotzdem nichts dafür, dass sie mir erscheinen!“
„Du hast ja Recht“, sagte Elladan. „Komm, ich bin jetzt müde und will auch ein wenig ruhen.“
~~*~~
Als Arwen die Tür zu ihren Gemächern öffnete, wunderte sie sich, ihren Mann an einem der offenen Fenster, tief in seinen Gedanken zu sehen sie hatte vermutet, er wäre direkt zu Bett gegangen. Er sah nicht auf, als sie eintrat und zeigte auch keine Regung, als sie zu ihm ging und sich neben ihn stellte.
„Arwen“, sagte er in einem leisen Flüstern. „Was soll ich tun?“
Überrascht über solch eine Frage drehte sie Aragorn zu sich herum und sah ihm tief in die Augen, Augen die von Schmerz gezeichnet waren.
„Du kennst meine Meinung, Aragorn...“, sagte sie ruhig und hoffte, dass sie sich mit dieser Äußerung nicht wieder den Zugang zu ihm verbauen würde. Als er nichts sagte, wagte sie sich noch einen Schritt weiter.
„Meine Meinung ist, dass du versuchen solltest, diese Sache aus der Welt zu schaffen, ehe du unter ihrer Belastung zusammenbrichst. Ich sehe, dass es dich quält und ich sehe auch, dass tief in dir drin noch etwas ist, dass Platz für Legolas lässt. Das ihn nicht aufgibt.“
„Dieser Platz schwindet von Tag zu Tag und bald wird er erloschen sein.“
„Warum? Ich bitte dich, erzähle mir warum! Ich kann dir nicht helfen-...“
„Nein!“, unterbrach er sie. „Ich kann nicht.“
„Und ich kann auch nicht mehr! Ich halte es nicht aus, einen Ehemann zu haben, der wegen seinem Stolz, sich und andere ins Verderben stürzt. Mir fällt es auch nicht leicht, damit zu leben und damit, wie du dich benimmst! Ich habe meine Unsterblichkeit für einen Mann aufgegeben, der weise, gerecht und liebevoll ist, doch vermisse ich ihn momentan schmerzlichst!“ Ihre Worte hatten ein wenig scharf geklungen, zeigten aber ihre Wirkung, denn Aragorn nahm sie in seine Arme und drückte sie fest an sich, als wäre eine große Last von ihm abgefallen.
„Es tut mir leid, Arwen! Es tut mir leid, wenn ich dir Unbehagen bereitet habe!“
Sie sah ihn lange an, bevor sie antwortete.
„Ich verzeihe dir, Aragorn! Komm, wir wollen uns setzen.“
Keinen Widerstand duldend, zog sie ihn Richtung Bett und setzte sich ihm gegenüber.
„Jetzt erzähl mir was vorgefallen ist!“
Aragorn rang mit sich selbst. Er wollte ihr sagen, was alles geschehen ist, doch immer, wenn er ansetzen wollte, versagte ihm die Stimme und er brauchte einige Anläufe um einen Ton heraus zu bekommen.
„Wie du gesagt hast, bin ich ihn suchen gegangen und fand ihn auch, im Garten. Er war so stur und ich konnte kaum mit ihm reden. Ich bin als Freund zu ihm gegangen, nicht als König, hörst du Arwen, als Freund. Er hat mir dann erzählt, was ihn so beschäftigt, du weißt ja jetzt was, er soll König werden. Er war so in seinem Unmut versunken, dass er ungerecht wurde.“
Aragorn machte eine Pause, doch Arwen wartete geduldig.
„Er hat Dinge gesagt, die mich sehr verletzt haben. Er hat mich beschuldigt, nur aus Selbstsucht König geworden zu sein. Er hat auf die Menschen herab gesehen, die einfachen Menschen, und er hat gesagt, ich hätte mich verändert. Vom Freund zum König. Ich wäre sein König und er hat...“
Aragorn hörte auf zu sprechen und wandte den Blick ab. Arwen fasste ihn sanft mit ihrer Hand am Kinn und sorgte dafür, dass er ihr wieder in die Augen sah.
„Was hat er?“
„Er hat das Fass zum überlaufen gebracht, indem er das, was mir am meisten bedeutet in meinem Leben, beschuldigt hat aus mir das gemacht zu haben, was ich jetzt bin. Er...er hat behauptet, du würdest mich nur als Marionette benutzen und mich wie deinen Hund hierhin und dorthin schicken und...das wir es ihm alle nur noch schwerer gemacht hätten! Ich kann das nicht verzeihen. Ich kann nicht zulassen, dass jemand Sachen über dich erzählt die-...“
Arwen legte ihm behutsam ihre Finger auf die Lippen.
„Nein, Aragorn, denke nicht so! Ich habe Legolas wahrlich nicht geholfen, doch war ich unwissend und ahnte nicht, was ich für einen Schaden anrichten würde. Du jedoch darfst nicht so handeln. Ich fühle mich geehrt, dass du mich in Schutz nimmst, doch vermag ich es auch selbst. Ich werde auch noch mit Legolas reden, mich bei ihm entschuldigen und ihn auf Dinge ansprechen, die nicht stimmen!“
„Du wirst mit ihm sprechen? Wie?“
Arwen senkte betrübt den Blick.
„Spätestens, wenn die beiden Königreiche sich im Streit gegenüber stehen, doch hoffe ich nicht, dass es so weit kommen wird.“
„Was verlangst du von mir, Arwen?“
„Ich verlange nichts...nur eines: Höre auf dein Herz und nicht auf deinen Verstand. Reite ihm nach und rede mit ihm. Ihr besitzt eine Bindung, die man nicht so leicht trennen kann!“
Aragorn schwieg lange. In seinem Kopf kreisten die wildesten Gedanken.
„Weißt du, was du von mir verlangst?“
„Ja, das weiß ich!“
„Ich...ich kann nicht! Ich...ich habe...habe etwas getan,...etwas dass ich selbst noch nicht begreifen kann...dass ich es getan habe.“
„Sag mir was du getan hast!“
„Ich habe ihm seine Würde genommen! Es war aus dem Reflex heraus! Ich war so wütend und dann hat er dich beschuldigt und ich habe ihn geschlagen...ins Gesicht.“
„Bereust du diese Tat?“
„Wie meinst du das?“
„Es ist schlimm, und man kann es nicht ungeschehen machen, aber man kann helfen es zu vergessen!“
Aragorn überlegte lange und wog jede Möglichkeit ab, bevor er wieder begann.
„Er hat Dinge gesagt...über dich...“
„Ich für meinen Teil kann verzeihen und die Dinge vergessen! Aragorn, lege deinen Stolz ab und reite ihm nach. Auch wenn du ihm nicht ganz verzeihen kannst, kläre die Dinge. Er ist gedemütigt worden, von dem König von Gondor. Ich kann verstehen dass er verletzt ist und genauso kann ich verstehen...“, fügte sie schnell hinzu als sie sah, dass Aragorn etwas erwidern wollte. „...dass der Zorn deine Hand geführt hat und nicht du. Auch du bist verletzt, aber ich bitte dich, um der Freundschaft und des Friedens Willen, klärt diese Dinge. Das wäre weise!“ fügte sie leise hinzu, erhob sich und ließ ihren Mann alleine am Bett zurück.
Aragorn warf sich in der Nacht im Schlaf unruhig hin und her, die Worte von Arwen vermischten sich mit seinen eigenen Gedanken, Gefühlen und ließen ein Gewirr von Stimmungen in ihm zurück, zwischen denen zu entscheiden er nicht vermochte.
&Mac226;Reite ihm nach!’, sagte die eine Stimme.
&Mac226;Nein, tu das nicht! Du weißt, was er gesagt hat.Du weißt, wie sehr er dich verletzt hat!’
&Mac226;Aber auch du hast ihn verletzt und ihr habt beide im Zorn gehandelt!’
&Mac226;Du darfst ihm dies nicht verzeihen! Er ist davon gelaufen, wie ein räudiger Hund und ist zu feige sich dir zu stellen!’
&Mac226;Um des Friedens Willen, reite ihm nach!’
&Mac226;Er hat Arwen mit hineingezogen-...’
&Mac226;Arwen kann verzeihen! Du kannst es auch!’
&Mac226;Du bist ein Mensch, ein schwacher Mensch und wirst in seinen Augen auch immer ein Mensch bleiben!’
&Mac226;Du bist kein einfacher Mensch! Du kannst verzeihen und lieben und du weißt, dass er immer noch dein Freund ist und deiner bleiben wird, auch wenn du es nicht wahrhaben willst!’
&Mac226;Du bist der König! Ein König rennt nicht hinter einem her, der davon läuft! Du bist der König-...’
&Mac226;Du bist ein guter König! Ein weiser König! Du bist mehr als ein König! Du bist ein Freund!’
&Mac226;Du bist König, du musst urteilen! Du musst urteilen!’
&Mac226;Du bist ein Freund, ein eigenständiger Mensch! Ein Freund, ein Freund, ein Freund...’
Aragorn wachte auf und saß im nächsten Moment kerzengrade in seinem Bett. Schweiß hatte sich auf seiner Haut gebildet und er brauchte einen Moment um sich bewusst zu werden, dass er sich in seinem Gemach in den Mauern des Palastes befand, in Gondor, in den Hallen des Königs. Er blickte zu Arwen, die friedlich an seiner Seite ruhte und er fasste einen Entschluss. Behände schwang er sich vom Bett, stieg in seine Waldläufergewandungen, gürtete sein Schwert und küsste Arwen sacht auf die Stirn, bevor er das Zimmer verließ und in die Ställe eilte. Sein Pferd, als es ihn sah, scharrte ungeduldig mit den Hufen und nach ein paar beruhigenden Worten, führte er es neben sich her zu einer abgelegenen Stelle an einer der Mauern. Vorsichtig öffnete er eine verborgene Tür, von der nur die wenigsten wussten. Außerhalb der Stadtmauern, schwang er sich auf den Rücken des Tieres und eilte im schnellen Galopp über die weite Ebene.
Fünftes Kapitel
Arwen erwachte am nächstem Morgen, bei den ersten Sonnenstrahlen und als ihre Hand zu dem Platz neben ihr wanderte, fühlte sie Leere, kein warmer Körper, der neben ihr lag und ein zufriedenes Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht.
~~*~~
Die Sonne schien unerlässlich auf die Felder. Ein leichter Wind wirbelte den Sand auf und hüllte Pferd und Reiter zeitweise ein.
Legolas war nun schon lange geritten und der Tag neigte sich langsam dem Ende. Am Anfang war er noch darauf bedacht gewesen schnell zu reiten, doch je näher er Düsterwald kam, desto langsamer wurde Arod. Er ritt nun im Schatten des Nebelgebirges, jedoch nicht zu nah an den Hängen. In der Nähe von Mordor hausten immer noch Kreaturen, denen er nicht begegnen musste. Als er die Stadt verließ, hatte er vor der Wahl gestanden: dem Anduin so lange folgen, bis er in den Wald eindringen konnte oder sich an den Bergen halten und den Weg über die Ebene antreten. Er hatte sich die Entscheidung bis zur Wegscheide aufbewahrt, doch an der Brücke angekommen, war ein Entschluss schnell gefasst er würde die Bergseite nehmen! Schon aus weiter Ferne versetzte ihm das Geräusch von sprudelndem Wasser einen Stich ins Herz. Er wollte sich mit seinem Schicksal abfinden, akzeptieren, dass er König werden würde. Er wollte er nicht wieder an das Meer erinnert werden und doch noch Zweifel über seine Entscheidung bekommen.
Arod schnaubte leise, während er im Zwielicht der aufkommenden Nacht über die Ebene trabte. Sein Reiter saß unbeweglich auf seinem Rücken und weilte geistlich in anderen, fernen Gefilden. Sie hatten sich nur bedingt Pausen gegönnt und Legolas machte sie auch nur dann, wenn er fühlte, dass Arod Wasser und Futter brauchte, so wie es jetzt der Fall war. Er kehrte, im Geiste, zurück in die irdische Welt und deutete seinem Pferd stehen zu bleiben. Als er ihm den Hals klopfte, bemerkte er den Schweiß auf dem Fell Arods und den Dampf, der langsam aufzusteigen begann.
„Ruh dich aus! Wir werden heute nicht weiter reiten, wir müssen morgen noch viel hinter uns bringen, aber zuerst suchen wir einen Lagerplatz!“
Er ritt Arod etwas weiter von den Hängen der Berge weg - er wollte es nicht wagen, so nahe an ihnen zu nächtigen und fand schließlich eine kleine Bucht von Steinen, die sie vor dem aufsteigenden Wind schützen würde. Er stieg ab, kletterte auf einen der großen Findlinge und spähte in die Umgebung, um auch wirklich sicher zu sein, dass keine unerwünschten Besucher auftauchen würden. Beruhigt, dass dem nicht so war, stieg er von seinem Beobachtungsposten hinab und setzte sich in die &Mac226;Bucht’ auf den Boden. Arod, der noch ein wenig Gras gefressen hatte, kam herbei getrottet und ließ sich neben seinem Herrn auf den Boden nieder, so dass dieser sich mit dem Rücken an das warme Fell des Tieres lehnen konnte. Legolas lächelte und streichelte dem treuen Pferd das weiche Maul.
„Was würde ich nur ohne dich tun, hm?“
Arod schnaubte leise, stütze sein Kinn auf dem Boden ab und begann vor sich hin zu dösen. Der ruhige Atem des Pferdes ließ Legolas sich entspannen und seinen Gedanken freien Lauf. Leider kehrten sie dorthin zurück, wo er lieber vermieden hätte, dran zu denken und er fasste sich unwillkürlich an seine Wange Aragorn.
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In einer der zahlreichen Höhlen, die es noch in den Bergen gab, regte sich etwas. Schritte! Mehrere, die den Boden erzittern ließen. Schnell kamen sie daher und ehe man sich versah, waren sie wieder verschwunden. Sie rannten, rannten so schnell sie konnten, bis sie einen Ausgang erreichten und dort blieben sie stehen. Die schwarzen Gestalten, die dort nun unter dem Sternenzelt standen, hechelten. Ein par setzten sich einfach auf den Boden und verharrten dort. Es waren Orks, ungefähr zehn an der Zahl.
„Und jetzt?“, grunzte einer. „Die drüben haben noch alle unsere Sachen! Wir müssen-...“
„Hör auf zu winseln! Da wird man ja taub!“, herrschte ihn ein anderer, etwas größerer mit breiten Schultern und hängenden Armen, an. „Du willst umkehren? Dann tu es doch! Lauf zurück zu denen und lass dich umbringen, so wie sie Aschgnûck getötet haben!“
„Unsere Anführer ist tot!“, knurrte wiederum ein anderer. „Und wir haben nichts zu essen und können auch nicht wieder in die Höhlen zurück, so wie wir vertrieben worden sind! Und was ist, wenn die Sonne aufgeht? Das halte ich nicht aus!“
„Schnauze!“, brüllte der große mit den breiten Schultern. „Wenn ihr weiter so einen Krach macht, werden sie schon jetzt kommen und uns umbringen, aber die sind jetzt erst mal beschäftigt - haben unsere Sachen! Deren Anführer wird noch irgendwann Rache widerfahren! Los jetzt! Wir suchen uns eine andere Höhle und sehen dann, wie wir mit denen weiter verfahren!“
Unter Murren und Protesten setzte sich die kleine Gruppe in Bewegung, immer dicht am Gebirge, bis auf einmal ein kleinerer der Orks stehen blieb und seine Nase in die Luft hielt.
„Riecht ihr das?“
„Was?“, fragte ein anderer.
„Schweiß! Viel Schweiß und...Fleisch!“
Es bedurfte keiner weiteren Aufforderung und die Orks rannten dem Geruch entgegen, gierig auf eine Mahlzeit, die sie, seit sie durch die Stollen geirrt waren nicht bekommen hatten. Mit Ausnahme des Fleisches von einem Ork, den sie getötet hatten als der Hunger zu groß wurde. Nur das Gebrüll des sich selbst ernannten neuen Führers, der größte der zehn Kreaturen, ließ sie kurz innehalten.
„Wenn ihr weiter, wie eine Herde von wildgewordenen Mûmakil hier herum rennt, könnt ihr euch die warme Speise direkt wieder aus dem Kopf schlagen! Die ist bis dahin über alle Berge!“
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Legolas’ Blick richtete sich gen Himmel, zu den Sternen die er so liebte. Er würde später im Düsterwald jede Nacht auf den höchsten Baum klettern und sie sich betrachten. Er würde sich damit abfinden! Er war ein großer Krieger und kein verweichlichter Mann, der vor etwas wegrannte. Doch was tat er denn? Er war weggerannt! Weggerannt, vor dem Mann, der sich seinen Freund nannte. Aber er hatte ihn dazu aufgefordert und der Mensch hatte ihn nicht mehr als Freund gewollt! Der Schlag hatte dies nur zu deutlich bewiesen und das war es, was den Elben am meisten verletzt hatte! Ihm war seine Würde genommen worden, von seinem besten Freund und er hatte Hass in diesen Augen gesehen. Legolas konnte nicht verleugnen, dass auch er eine unendliche Wut verspürt hatte, eine Wut die ihn beherrscht hatte und nach deren Willen er gehandelt hatte. War es falsch gewesen? &Mac226;Nein!’, kam die direkte Antwort, doch Zweifel stiegen in ihm auf. Er hatte Dinge gesagt, von denen er nie geglaubt hätte, sie jemals überhaupt zu denken. Er hatte Arwen vorgeworfen, Aragorn als eine Marionette, zu missbrauchen. War dem so? &Mac226;Nein!’, kam es schon wieder. Er entsann sich des Beginn ihres Gespräches. Aragorn hatte wissen wollen, was mit ihm los gewesen war als Freund! Und er? Er hatte ihm nur Anschuldigungen an den Kopf geworfen! Waren sie berechtigt gewesen? War es sein Recht gewesen, Aragorn als schlechten König zu bezeichnen? Legolas hatte ihm von seinen Sorgen berichtet und der Mensch hatte ihm helfen wollen - zu Anfang, doch dann hatte er ihn geschlagen, etwas getan, was er niemals hätte tun dürfen! Legolas dachte zurück, an längst vergangene Tage noch vor dem Ringkrieg. Das erste Mal, dass er ihn getroffen hatte, war er ein heranwachsender junger Mann gewesen, noch verspielt und unwissend. Legolas hatte schon damals von seiner Bestimmung erfahren. Als er ihn dann wieder traf, waren Jahre vergangen und er war zu einem Mann herangewachsen. Bei den seltenen Besuchen in Bruchtal war Legolas oft bei dem Menschen gewesen und sie hatten sich viel erzählt. Aragorn war dann zu den Waldläufern aufgebrochen und hielt sich oft nahe des Auenlandes auf. Eine Freundschaft war dennoch zwischen Mensch und Elb entstanden, die zu trennen schwierig war. Soviel hatten sie schon erlebt und überstanden...und nun? Ein Gefühl der Leere erfüllte den Elben und ließ sein Herz schwer werden. Was hatte er getan? Er hatte den Menschen verletzt, mit dem er sich so verbunden gefühlt hatte, da auch er die Bestimmung hatte, ein König zu sein. Legolas ballte die Hände zu Fäusten, er hätte nicht davon laufen sollen! Wenn er schon König werden sollte, dann wenigstens mit guten Freunden an seiner Seite. Mit Freunden, vor denen er davon gelaufen ist, weil er zu stolz gewesen war. Er würde zurück reiten, zurück nach Minas Tirith, sich Aragorn entgegenstellen und um Entschuldigung bitten! Gleich am morgigen Tag, doch Legolas hielt inne, etwas sträubte sich in ihm den Rückweg anzutreten. Etwas sagte ihm, dass er es nicht tun sollte, er würde seine Würde endgültig verlieren! Erst der Schlag ins Gesicht und dann noch zurück kriechen wie ein Bettler, das war kein König! Die Stimme redete penetrant auf den Elben ein und er konnte es schon nicht mehr ertragen.
&Mac226;Aber wenn ich davon laufe, dann bin ich feige! Nicht, wenn ich mich stelle und zurück reite!’
&Mac226;Sie werden sich über dich lustig machen!’
Legolas wollte nicht mehr, wollte, dass diese Stimme seinen Geist verließ. Er wollte nicht mehr auf sie hören. Auf einmal bemerkte er, wie Arod begann unruhig die Nüstern zu blähen und sich aufrichten wollte. Die Stimme in seinem Kopf verschwand und er wandte sich dem Pferd zu, um es zu beruhigen - dann hörte er es auch.
~~*~~
Die Orks folgten dem Geruch von Schweiß und je stärker er wurde, desto schneller bewegten sie ihre haarigen Beine. Die Fährte führte sie weg von den Berghängen und hin zu abseits gelegenen Findlingen. Dort war der Geruch so stark, dass sie anhielten und einer sich weiter vorwagte, um die Beute nicht zu erschrecken. Er kletterte auf einen der Steine und spähte den Wall hinunter. Was er sah, ließ seine Augen größer werden. Schnell rannte er zurück zu der Gruppe und berichtete ihnen.
„Ein Pferd! Ein ganzes Pferd! Und Fleisch ist an ihm! Zartes, leckeres Fleisch! Nur...“
„Nur was?“, herrschte ihn einer an.
„Bei ihm sitzt ein Reiter! Und es ist einer von diesem bääh - garstigen Spitzohren!“
Für einen Moment herrschte Ruhe in der Gruppe, doch dann begann wieder einer zu fragen.
„Ist er denn bewaffnet?“
„Natürlich ist er bewaffnet!“, antwortete ihm der neue Führer. „Er wäre dumm, wenn er es nicht wäre, aber er ist alleine und wir sind zehn!“
„Unterschätze diese Kreaturen nicht! Sie sind todbringend!“, sagte ein kleinerer.
„Ja, er hat Recht!“, gab ihm ein anderer Unterstützung.
„Wollt ihr wohl still sein? Seid ihr Feiglinge oder Orks? Es dürfte ein Kinderspiel sein ihn zu überwältigen! Aber wenn ihr nicht wollt, ich mag dieses pah - Elbenfleisch sowieso nicht! Mir reicht das Pferd! Und nun vorwärts, sonst ist das Essen weg!“
Langsam tasten sie sich voran und es war zu ihrem Vorteil, dass der Wind gegen sie stand. Ihr Opfer hatte sich in einen Halbkreis aus Steinen zurückgezogen und so nur bei den Orks, die durch die Öffnung auf es zukamen, die Möglichkeit zur Flucht. Immer enger zogen sie ihren Kreis und es schien, als würde der Elb nichts von dem nahenden Unheil bemerken, aber das Pferd wurde auf einmal nervös und da bemerkte auch sein Herr die herankommenden Gestalten.
Legolas sprang auf und starrte auf die Ebene vor ihm. Sein schnelles Elbenauge zählte zehn dieser dunklen Gestalten, es konnte aber durchaus sein, dass sich noch mehr in dieser Gegend herumtrieben. Hastig blickte er zu den großen Findlingen, die ihn umgaben und stellte mit Erleichterung fest, dass dort anscheinend keine weiteren mehr lauerten. Er musste sich aber auch eingestehen, dass er ums kämpfen nicht herum kam, da sein einziger Ausweg, der, bei den Orks war. Blitzschnell hatte er Pfeil und Bogen in der Hand und zielte auf seine Angreifer, die zu seiner Verwunderung stehen blieben und abwarteten. Arod hatte sich erhoben und stand hinter Legolas, so dass er sich um Angriffe aus dem Hinterhalt nicht zu kümmern brauchte.
„Was wollt ihr?“, fragte er dann, nachdem sich die Orks immer noch nicht bewegt hatten.
„Wonach sieht es denn aus?“, fragte einer grinsend.
Legolas ließ sich nicht beirren und hielt den Bogen weiterhin gespannt und auf den größten unter ihnen gerichtet, mit der Vorahnung, dass dies der Anführer sein müsste, der sich jetzt auch ein paar Schritte auf ihn zu bewegte.
„Meine Leute haben Hunger und mir geht es genauso, wenn ich ehrlich bin. Aber ich mache dir einen Vorschlag...“
Legolas, nun leicht irritiert, da Orks normalerweise mehr mit Waffen als mit Worten &Mac226;verhandelten’, sah ihn an und versuchte mit Erfolg, das Erstaunen zu verdrängen, das von diesem Verhalten hervorgerufen wurde.
„Gib uns dein Pferd und wir lassen dich am Leben!“
Als hätte Arod die Worte verstanden, schnaubte er aufgeregt hinter dem Elben und Legolas flüsterte ihm beruhigende Worte zu, den Blick stets nach vorne gerichtet.
„Woher weiß ich, dass du mich nicht belügst?“, fragte er ruhig zurück.
„Weil ich Elbenfleisch nicht mag und meine Männer mit einem Pferd zufrieden sind! Na?“
Legolas spannte sich an. Er würde Arod niemals zum Fraße hergeben. Zu weit hatte das treue Tier seinen Herrn schon getragen und Legolas liebte das Pferd. Außerdem könnte er es sich nie verzeihen, einen Freund geopfert zu haben, damit sein Leben geschützt wurde. Nicht so kurz, nachdem er schon einen verloren hatte - das würde sein Herz nicht verkraften. Zudem schenkte er den Worten des Orks keinen Glauben und hatte er es nicht schon des öfteren mit einer weit aus größeren Zahl von Gegnern auf sich genommen? Er drehte sich zu Arod um und flüsterte ihm etwas zu, bevor er sich wieder den Orks widmete.
„Nein!“, war alles was er sagte.
„Bist du dir sicher?“, fragte der Anführer nach. Als von dem Elben keine Antwort kam, schien er die Geduld zu verlieren.
„Na gut, Bürschchen. Du hast es nicht anders gewollt! Dann wirst du eben auch sterben! Auf ihn!“
Legolas reagierte blitzschnell und schlug Arod auf die Flanke. Das Pferd preschte los und geradewegs auf die Orks zu, die erschrocken, von der Reaktion des Tieres, zur Seite sprangen. Nur einem gelang es noch sein Schwert zu heben und das Pferd an der Seite zu streifen, so dass ein blutiger Riss entstand. Arod holte rechtzeitig mit den Hinterläufen aus und traf seinen Angreifer am Kopf, so dass dieser direkt tot zusammensackte und sich nicht mehr rührte. Mit einem Wiehern galoppierte das Pferd davon, unerreichbar für die Orks und Legolas sah sich neun grimmig drein blickenden Orks gegenüber, die auch so gleich zum Angriff übergingen. Der Elb verschoss seine Pfeile und näherte sich dabei immer weiter den Findlingen, um sie als Schutz im Rücken zu haben. Vier der Orks fielen durch seine todbringenden Geschosse, doch dann waren sie zu nahe und Legolas ließ den Bogen fallen, griff hinter seinen Rücken und zog seine zwei Kurzschwerter, um sich mit ihnen weiter zu verteidigen. Die Orks, jetzt nur noch zu fünft, bildeten weiter einen Halbkreis um ihre Beute und drängten ihn gänzlich an die Felswand. Legolas wartete ab was geschehen würde. Im nächsten Moment sprang einer der Orks vor und griff ihn an. Der Elb blockte geschickt ab, sprang nach vorne zur Lücke hin, die jetzt frei war und stieß einem anderen Ork sein Kurzschwert in den Nacken, der daraufhin lautlos in sich zusammen sank. Legolas, nun aus der Gefahrenzone hinaus, wartete abermals, bis einer ihn angreifen würde. Die Orks hatten jedoch gelernt und griffen ihn jetzt nicht mehr ziellos an. Wieder versuchten sie ihn einzukreisen und Legolas malte sich gute Chancen aus, relativ unbeschadet aus der Situation hinaus zu kommen. Nun versuchten sie es, indem zwei auf einmal den Elben angriffen und es schien, als würden sie es schaffen. Während Legolas mit dem einen kämpfte, stahl sich der andere immer weiter hinter seinen Rücken, um ihn von dort aus anzugreifen. Legolas bemerkte dies und in einem unbedachten Moment, stieß er eines der Schwerter nach vorne und eines nach hinten und schlitze ihnen beiden so die Bäuche auf, dass sie unter Zucken und Stöhnen zu Boden sanken. Die anderen beiden waren nicht müßig gewesen und so hatte Legolas keine Möglichkeit zu reagieren, ehe auch schon ein Ork auf seinen Rücken sprang und ihn zu Boden riss. Etwas benommen, von dem unvorhergesehenen Sturz rollte sich der Elb auf die Seite und blickte in ein entschlossenes, dreckiges, von Narben übersätes Gesicht. Der Gestank, der davon ausging, raubte ihm für einen kurzen Moment den Atem. Dicke Hände hatten sich um seinen Hals gelegt und drückten ihm die Luft ab. Legolas röchelte und versuchte mit beiden Händen den Ork von sich zu stoßen, bis er sich wieder gewahr wurde, dass seine Schwerter, die ihm aus der Hand geglitten waren, noch immer neben ihm lagen und schnell griff er nach ihnen und rammte eines dem Ork in die Seite, der daraufhin losließ und auf Legolas nieder fiel. Dieser sog einige Male tief die Luft in seine Lungen, die ihm eben so schmerzhaft genommen wurde und rollte den Ork von sich hinunter, bis er sich wieder gewahr wurde, dass einer noch am Leben sein musste. Er schaute auf und sah gerade noch eine Klinge auf sich hinab sausen. Schnell schmiss er sich auf die Seite und entging so nur knapp der Gelegenheit, aufgespießt zu werden. Mit einem Satz war er wieder auf den Beinen, griff nach seinem, am Boden liegenden, Schwert und sah sich dem Anführer der Gruppe gegenüber.
„Sehr beeindruckend, aber jetzt ist Schluss!“, knurrte dieser und ging zum Angriff über. Er stürzte auf Legolas zu und schwang seine Klinge. Der Elb war schneller und sprang auf einen der Findlinge, der neben ihm gestanden hatte und lief auf ihnen weiter von ihm weg. Immer wieder hielt er nach Arod Ausschau, hatte das Pferd es geschafft oder lungerten noch mehr von diesen Viechern in der Gegend.
„Was wird das? Davon laufen?“
Legolas hielt inne und wandte sich langsam zu seinem Gegenüber um, ein kaltes Aufblitzen in seinen Augen.
„Oh nein! Ich laufe nicht davon!“ Von neuem Ehrgeiz gepackt, sprang Legolas auf den Ork zu und ließ sein Schwert tanzen. Immer und immer wieder fuhr es auf den Ork nieder, der nach einiger Zeit sichtliche Probleme hatte den Hieben Stand zu halten und dabei selber welche auszuführen. Auf einmal sprang Legolas vor und stellte dem Ork ein Bein, der auch unbedacht darüber fiel und mit einem Schlag auf dem Boden lag. Legolas fackelte nicht lange und rammte ihm sein Schwert in die Brus - ein letztes Aufkeuchen und das Ungeheuer war tot. Der Elb stand emotionslos vor seinem Opfer und wischte das Blut seiner Klinge an den Fetzen Kleidung, die der Ork trug, ab. Ein leichter Schweißfilm hatte sich auf seiner Haut gebildet, sein Atem brauchte einige Zeit um wieder ruhig zu werden und er hatte verschiedene kleinere Schnittwunden davon getragen. Er wandte sich ab und hielt wieder nach Arod Ausschau, doch von dem Pferd war nichts zusehen. Es beunruhigte ihn ein wenig, denn normaler Weise war das Pferd immer in der Nähe. Legolas ging zu den Steinen, wo er seinen Bogen hatte fallen lassen und hob ihn auf irgendwo war auch noch eines seiner Messer, das er in der Schnelle nicht mehr hatte greifen können. Er blickte über die Einbuchtung und über die ganzen Orkleichen - es würde lange brauchen, bis sie vollständig verwest sein würden. Endlich sah er feines Mithril aufglänzen - das Schwert steckte noch in dem Ork, der auf ihm gelegen hatte. Er ging zu ihm hinüber, steckte seinen Bogen und das andere Schwert hinter sich auf den Rücken und griff nach dem, das in dem Ork steckte - auf einmal fuhr ein heftiger Schmerz durch seine rechte Seite.
Der todgeglaubte Ork hatte blitzschnell das Messer genommen und es dem Elben in die Seite gerammt, als dieser sich zu ihm hinunter gebeugt hatte. Das Schwert war bei dem Angriff des Elben nicht in den Orkkörper eingedrungen, sondern an seiner festen Panzerrüstung abgeprallt und die Kreatur war nur durch den Schock überwältigt gewesen.
Legolas’ Augen weiteten sich und ein unterdrückter Schrei entrann seiner Kehle. Wie im Traum glitt seine Hand zu der Wunde in der noch immer das Schwert steckte, das der Ork in seinen Händen hielt. Mit großer Anstrengung riss er daran und nach einiger Zeit gelang es ihm das Metall aus seinem Körper zu ziehen und es fallen zulassen. Allerdings hatte der Ork dagegen gehalten und so war die Eintrittsstelle noch um einiges größer geworden. Legolas blickte zu dem am Boden liegenden Ork und zu der Fratze, die er zog und keine Sekunde später hatte der Elb mit seiner ihm verbliebenen Kraft einen Stein aufgehoben und ihn auf den Kopf des Orks niederfahren lassen - der Kopf war gespalten und der Ork direkt tot.
Legolas starrte, schwer atmend, auf die Kreatur am Boden und sank in die Knie. Er fühlte die warme Flüssigkeit die sich einen Weg aus seinem Körper suchte und er fasste ungläubig mit seinen Händen danach, konnte er noch nicht begreifen, was soeben geschehen war. Seine zittrigen Hände fuhren zu seinem Schwert, das auf dem Bauch des Orks geruht hatte und er steckte es zurück in die Scheide hinter seinem Rücken. Ein Schmerz durchfuhr seine Seite, ein Schmerz, wie er ihn noch nie verspürt hatte. Der Schock ließ nach und er brach neben dem Ork zusammen.
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Aragorn ritt nun schon lange und die Sonne war schon längst aufgegangen. In Gedanken war er bei Arwen und er hoffte, dass sie wusste, warum er so überstürzt davon geritten war. Er hielt sich am Laufe des Anduin - dies war der direkte Weg in Richtung Düsterwald. Legolas hatte ungefähr eineinhalb Tage Vorsprung und führ gewöhnlich ritt der Elb im raschen Tempo, doch, dachte sich Aragorn, könnte es sein, dass er ihn noch unterwegs treffen würde. Schließlich hatte der Elb es vermeiden wollen, zurück in den Düsterwald zu kehren und er ritt eventuell etwas langsamer. Im geheimen erhoffte Aragorn sich dies, wäre es doch einfacher für ihn, dem Elben gegenüber zu treten, wenn er nicht in seinem Königreich wäre und für beide die gleichen Vorraussetzungen gelten würden. Sein Pferd schnaubte zufrieden und Aragorn tätschelte ihm den Hals - Brego war froh wieder einmal auf einer Reise zu sein.
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Dunkelheit umfing Legolas. Er schwebte in einer schwarzen Leere, die ihn umfing. War er Tod? Kehrte er jetzt in Mandos Hallen? Nein! Er fühlte wie ihn etwas sacht berührte und ihn an der Schulter anstieß. Sein Bewusstsein kehrte zurück und mit ihm der immer stärker werdende Schmerz. Die Sonne war schon aufgegangen und er vermochte nicht zu sagen, wie lange sie schon am Himmel stand. Sein Blick war auf eine Orkleiche gerichtet und auf dem Boden lag überall Blut, sein Blut, wie er Sekunden später feststellte. Er drehte den Kopf in die andere Richtung und sah verschwommen etwas großes, weiß strahlend, dass ihn immer wieder anstieß. Er kniff die Augen zusammen und jetzt erkannte er, dass es ein Tier war, ein Pferd.
„Arod?“, fragte er, aber nur ein Flüstern entrann seiner Kehle. Das Pferd schnaubte und blies ihm durch seine Nüstern warmen Atem ins Gesicht. Er musste unwillkürlich lächeln, bezahlte dies aber mit einem pochenden Schmerz in seinem Kopf. Legolas blickte an sich hinunter, so gut es ging und sah, wie das Blut immer noch aus der Wunde sickerte zwar war es schon weniger geworden, aber wenn er sich das viele Blut auf dem Boden betrachtete, war es erschreckend, wie viel er schon verloren hatte. Ungläubig fuhr seine Hand zu der Stelle und berührte die wunde Haut, zog sich aber abrupt wieder zurück, als ein Stechen davon ausging. Er rang nach Luft und der Schweiß brach ihm aus. Für einen Moment schloss er die Augen und konzentrierte sich darauf, nicht wieder bewusstlos zu werden. Arod ließ sich neben ihm auf den Boden sinken und als Legolas die Augen wieder öffnete, war sein Entschluss gefasst wenn er denn sterben sollte, dann gewiss nicht hier, zwischen Orkleichen. Lieber wollte er mit einem Balrog kämpfen. Zögerlich griff seine Hand in die dicke Mähne des Pferdes und suchte nach Halt. Arod rutschte noch etwas näher an seinen Herrn heran und legte sich flacher auf den Boden um ihm das Aufsteigen zu erleichtern. Legolas griff auch noch mit der anderen Hand in die Mähne und zog sich mühsam auf den Pferderücken. Die Schmerzen drohten ihn zu übermannen, doch er kämpfte sich verbissen vorwärts. Nach einiger Zeit hatte er es geschafft, sich halbwegs auf den Pferderücken zu schwingen. Arod stand vorsichtig auf, darauf bedacht, dass er seine Last nicht wieder verlieren würde. Legolas’ Kopf ruhte auf dem Hals des Tieres, und seine Augen waren geschlossen. Völlig erschöpft und entkräftet kämpfte er darum sein Bewusstsein nicht zu verlieren und nicht hinunter zurutschen. Arods sonst so helles Fell war blutdurchtränkt von Legolas’ und seinem eigenem Blut, was aus dem schon fast wieder geheilten Schnitt perlte, den der Ork dem Tier zugefügt hatte. Langsam setzte es sich in Bewegung, fort von dem unheilvollen Platz und die Klugheit des Pferdes bewies sich, da es nicht den langen Weg zum Düsterwald antrat, sondern Richtung Minas Tirith trottete - es lag wesentlich näher. Legolas, auf ihm, bekam davon allerdings nichts mit. Es kostete ihn alle Kraft auf dem Pferderücken zu bleiben. Das Blut rann jetzt wieder schneller aus seinem Körper und er spürte, dass mit jedem Tropfen auch ein Stück Leben aus ihm wich.
Ab und zu verfiel er in eine Art Halbschlaf und besaß überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Die Kräfte verließen ihn und jede Bewegung des Pferdes verursachte eine Welle von Schmerzen. Er hob den Kopf und sein verschwommener Blick nahm den etwas grüner bewachsenen Boden wahr. Einige Steine lagen hie und dort und er vernahm das Geräusch von fließendem Wasser.
&Mac226;Das Meer!’, dachte er und in dem Moment wichen alle noch verbliebenen Kräfte aus ihm. Er fiel wie ein Stein vom Pferd und blieb regungslos am Boden liegen.
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Aragorn kniete ihm seichten Wasser eines kleinen Ausläufers des Anduin, löschte seinen Durst und gönnte dem Pferd eine kleine Pause. Das Wasser war erholsam für seinen erwärmten Körper und er genoss das Gefühl, das kühle Nass über seine Finger gleiten zu lassen. Er tauchte seinen Kopf ins Wasser und warf anschließend seine nassen Haare in den Nacken. Das Pferd war satt gesoffen und er konnte seinen Weg fortsetzten jetzt etwas erfrischter, war es um einiges erträglicher. Er trieb sein Pferd nicht an, Brego lief von alleine in einem relativ schnellen Tempo und er ritt den ganzen Tag weiter ohne eine weitere Pause.
Als der Abend dämmerte, hatte er schon ein beachtliches Stück Weg hinter sich gelassen und döste ein wenig auf seinem Pferd. Umgehend wurde er wach, als es ein helles Wiehern ausstieß. Sofort blickte er sich im Sattel nach allen Richtungen um, konnte aber auf den ersten Blick nichts ausmachen. Sein Pferd begann derweil unruhig unter ihm zu tänzeln und er blickte in die Richtung, in welche es schaute und strengte seinen Blick an um etwas zu erkennen. Und ja, dort in weiter Ferne erkannte er einen weißen Fleck. Er bewegte sich nicht und Aragorn war sich nicht sicher ob seine Augen ihn betrogen und es nur ein großer Felsen war. Sein Pferd blähte die Nüstern auf und nach einigem Überlegen ließ Aragorn ihm seinen Willen. Er hatte sein Schwert dabei und konnte sich verteidigen, würde es ein ungebetener Gast sein. Je näher er kam, desto deutlicher wurden die Umrisse der Gestalt und bald konnte er erkennen, dass es sich um ein Pferd handelte. Aber warum stand es dort wie ein Felsen im Meer? Er kürzte die Zügel, ließ sein Pferd langsamer werden und zum Schritt durch parieren - er wollte das andere Pferd nicht verschrecken. Als ihn nur noch ungefähr zehn Meter von dem Tier trennten, bemerkte er auf einmal das viele Rot, dass sich über eine Seite zog und erst da bemerkte er den Schnitt in der Seite. Das Pferd stand immer noch vollkommen ruhig und ließ seinen Blick auf dem fremden Reiter ruhen, bis Aragorn endlich begriff, um welches Tier es sich handelte.
„Arod!“, stieß er aus und sprang aus dem Sattel, eine ungute Ahnung habend. Er ging auf das Pferd zu, aber es ließ ihn nicht an sich heran, sondern tänzelte auf der Stelle, so dass Aragorn ein wenig zurück weichen musste. Er ließ sich nicht beirren und ging wieder langsam auf das Tier zu, jetzt beruhigende elbische Worte murmelnd. Nach einer für ihn endlos erscheinenden Zeit, beruhigte es sich und ließ ihn schließlich näher kommen. Aragorn berührte sanft die Schnauze des Tieres und begann es am Hals entlang zu streicheln, immer wieder elbische Worte sprechend. Schließlich war er an der Wunde, die sich über die Seite hinzog angekommen und betrachtete sie sich eingehend. Sie war nicht sehr tief und somit auch nicht lebensbedrohlich für das Pferd, doch das viele Blut, was in seinem Fell klebte, irritierte den Menschen. Soviel konnte nicht aus der Wunde geflossen sein, zudem es sich auch bis auf den Rücken ausgebreitet hatte. Sein ungutes Gefühl übernahm die Oberhand wo war der Elb? Er blickte sich um, konnte aber in dem schwächer werdenden Licht nichts ausmachen.
„Wo ist dein Herr?“, fragte er das Tier, doch dieses bewegte sich immer noch nicht. „Legolas?“, rief er jetzt, erhielt aber keine Antwort. Vorsichtig wollte er an dem Pferd vorbei gehen, aber es wich zurück und versperrte ihm wieder den Weg. Es bedurfte abermals einige Zeit, bis er es beruhigt hatte und es ihn an sich vorbei ließ.
&Mac226;Verdammter Elb, wo bist du?’, dachte er sich innerlich und strengte seine Augen an, um in dem Abendlicht etwas zu erkennen, das auf den Elben hindeutete. Steine lagen vereinzelt auf dem Boden und das Rauschen des Flusses war bis hier hin zu hören.
Als er zwischen den Steinen umherging, sah er ihn auf dem Boden liegend, die Augen geschlossen. Sofort lief er zu ihm und ließ sich neben ihm auf den Boden sinken. Wieso hatte der Elb die Augen geschlossen? Seine Augen weiteten sich mit Entsetzten als er das Blut sah, dass Tunika und Boden rot färbte.
„Was ist geschehen?“, flüsterte er leise.
Dass der Elb die Augen geschlossen hatte, war kein gutes Zeichen. Zitternd legte Aragorn ihm die Hand auf die Brust und ließ sie dort ruhen. Einen Moment lang hielt er die Luft an und wagte es nicht sich zu bewegen, doch dann atmete er erleichtert auf er lebte noch, sein Puls war schwach, aber er zeigte ihn noch. Vorsichtig rüttelte er ihn an der Schulter, rief immer wieder seinen Namen und dann endlich öffnete Legolas schwach die Augen und sah den Menschen an. Aragorn war sich nicht sicher, ob er ihn erkannte, denn in den Augen des Elben zeigte sich Angst und Verzweiflung und er wollte versuchen sich der Berührung zu entziehen.
„Bleib ruhig, mein Freund, bleib ruhig! Ich bin es! Aragorn! Aragorn ist hier! Ich werde dir helfen!“
Der Elb entspannte sich ein wenig und er begann unter Aragorns Händen wieder zu erschlaffen. Der Blick des Menschen wanderte zu der Tunika die Legolas trug. Vorsichtig zog er die Stoffe auseinander, was bei Legolas jedoch erneut eine Welle von Schmerzen auslöste und er schwer atmend den Kopf zur Seite legte und die Augen wieder schloss. Er hatte keine Kraft sich zu wehren und kämpfte so nur wieder dagegen an, nicht erneut das Bewusstsein zu verlieren.
Ein kurzer Blick reichte Aragorn um zu sehen, dass es nicht gut um den Elben stand und er so schnell wie möglich Hilfe benötigte, wenn er nicht verbluten wollte. Aragorn schallt sich selbst, dass er keine Kräuter bei sich hatte, die er auf die Wunde legen konnte, welche sich wahrscheinlich durch den ganzen Staub schon entzündet hatte. So riss er nur ein Stück Stoff aus seinem Hemd und band es so vorsichtig wie nur möglich um die Seite des Elben, um die Blutung annähernd zu stoppen. Das allerdings hielt Legolas nicht aus und mit einem erstickten Schrei glitt er erneut in die schwarze Leere, die ihn von den Schmerzen befreite. Aragorn sah dies mit wachsender Unruhe. Er konnte den Elben auch nicht durch rufen seines Namens zurückholen. Vorsichtig hob er ihn vor sich aufs Pferd und ritt langsam, um ihn vor Erschütterungen zu bewahren, zurück Richtung Minas Tirith. Arod folgte ihm auf dem fuße.
Es war schon früher Morgen, als Aragorn sein Pferd zügelte und eine Rast einlegte. Er musste eine Pause machen, auch wenn ihm dieser Gedanke sehr missfiel. Er stieg vom Pferd und legte Legolas vorsichtig auf den Boden, um die Blutung nicht wieder zu provozieren. Sein Pferd schickte er mit Arod los, auf dass sie sich selbst etwas zu Fressen suchten.
Legolas war immer noch bewusstlos und als Aragorn seine Hand auf die Stirn des Elben legte, stellte er beunruhigt fest, dass sich ein Fieber in Legolas auszubreiten begann.
„Dann hat sie sich entzündet!“, murmelte er leise vor sich hin.
Er nutzte die Bewusstlosigkeit des Elben und besah sich die Wunde auf ein Neues. Das Stück Hemd, das als Verband gedient hatte, war längst wieder rot gerfärbt und die Ränder um die Wunde hatten ein dunkles Rot angenommen. Mit einem geflüsterten Fluch riss sich Aragorn erneut ein Stück Stoff von seinem Hemd ab und band es um den Elbenkörper. Als er sich Legolas anschließend besah und seine eingefallenen Wangenknochen sichtlich hervorstachen, fiel ihm ein, dass der Elb Nahrung zu sich nehmen musste um wieder zu Kräften zu kommen. Wenigstens, um die Rückreise nach Minas Tirith hinter sich zu bringen. Er bezweifelte jedoch, dass er im Stande war, auch nur ein Stückchen Brot hinunter zuschlucken, doch ein wenig trinken, das musste er. Vorsichtig versuchte Aragorn erneut ihn zu wecken, aber es gelang ihm nicht und er gab es vorerst auf. An Schlaf war für ihn nicht zu denken - es könnte immer noch etwas hier draußen sein, das sie angreifen würde. Er beschloss die Pferde zurück zu pfeifen und nahm schließlich den Wasserschlauch von Brego und trank einige Schlucke. Als er wieder zu Legolas sah, stieg Angst in ihm auf. Angst, seinen langjährigen Freund zu verlieren und alles was gewesen war, war vergessen. Es zählte nur noch die Sorge um seinen Freund. Plötzlich sah er, wie der Elb sich leicht bewegte und er eilte sofort an seine Seite.
Legolas kehrte erneut aus der Bewusstlosigkeit zurück. Seine Schmerzen hatten nicht mehr zugenommen, doch beruhigte ihn dies keinesfalls. Er wusste, dass er eine Menge Blut verloren hatte und auch, dass es nicht gut um ihn stand. Auf einmal hörte er eine Stimme die immer wieder seinen Namen rief und er meinte sich an diesen Klang erinnern zu können, auch wenn er sie im Moment nicht zuordnen konnte. Er öffnete die Augen und nachdem sich sein Blick etwas geklärt hatte, sah er die Umrisse eines Gesichts. Das Gesicht eines Mannes mit dunklen Haaren und er versuchte sich zu erinnern, doch gelang es ihm momentan nicht. Er drehte sein Gesicht zur Seite, aber er kam nicht weit. Er wurde festgehalten und schon wieder stieg die Angst in ihm hoch, dass er sich doch nicht in Sicherheit befand und versuchte sich erneut der Berührung zu entziehen.
Aragorn sah, wie der Elb versuchte, sich ihm zu entziehen und sah auch, dass er ihn nicht erkannte. Er flüsterte ihm erneut beruhigende Worte zu, doch halfen sie immer weniger. Der Elb wurde schließlich immer langsamer in seinem Bewegungen. Die Kraft verließ ihn, er schaffte es nicht, sich der Berührung zu erwehren und schloss die Augen wieder. Aragorn bemerkte, wie Legolas’ Lippen Worte zu formen begannen und beugte sich ganz nahe an ihn herunter, aber sie kamen so schwach aus seinem Mund, dass er nur Bruchstücke vernahm. Es waren elbische Worte und sie schienen zum Vertreiben von bösen Geistern zu dienen. Aragorn wurde immer nervöser.
„Ich bin da Legolas! Ich helfe dir! Siehst du das nicht? Hilfe kommt!“
Legolas Körper wurde wieder schlaffer in seinen Händen und Aragorn wusste, dass er sich beeilen musste. Er stand auf, setzte Legolas wieder vor sich auf sein Pferd und ritt weiter nach Minas Tirith. Diesmal gab er seinem Pferd jedoch die Sporen er spürte, wie das Leben den Körper des Elben verließ.
~~*~~
Den ganzen Tag ritt Aragorn, ohne eine einzige Pause zu machen. Sein Pferd dampfte vor Schweiß und seine Sprünge wurden schwerer, aber es galoppierte weiter, als wüsste es, dass es sich beeilen musste. Aragorn hielt Legolas’ leblosen Körper vor sich und drückte ihn eng an sich. Er spürte, wie der Elb immer kälter wurde. Es war ein anstrengender Ritt, doch gegen Abend sah er die hohen Türme von Minas Tirith vor sich auftauchen. Sein Pferd beschleunigte seine Sprünge noch ein letztes Mal, umso schnell wie möglich in seine Box zu kommen und sich am Hafer gütlich zu tun. Aragorn versuchte erneut, mit Legolas zu sprechen, doch der Elb reagierte immer noch nicht auf seine Worte, aber so lange der Mensch den Puls des Elben spüren konnte, war er ein wenig um den Zustand des Elben beruhigt - er würde es noch bis zur Stadt schaffen.
Das große Tor kam immer näher. Es war geöffnet, doch bald, wenn die Nacht herein brechen würde, würden sie es schließen. Als sie den schnell nahenden Reiter auf sich zu kommen sahen, stellten sie sich ihm in den Weg. Aragorn wunderte sich nicht, schließlich war er ohne Jemand zu unterrichten davon geritten. Zudem trug er seine Waldläuferkleidung und hatte eine leichte Staubschicht am Körper, doch als er nahe genug war, erkannten auch sie ihn und ließen ihn gewähren.
„Verzeiht König, dass wir Euch nicht erkannten. Seid gegrüßt!“
Aragorn antwortete mit einem Kopfnicken, hielt jedoch nicht an, sondern ritt weiter durch das Tor. Über seine Schulter zurück rief er noch, dass einer der Wachen einen Heiler schnellmöglichst zum Palast schicken solle, es eile! Die Wachen, die den Elben vor ihrem König sehr wohl gesehen hatten zögerten nicht lange und bald rannte einer zu den Häusern der Heilung, um nach dem Heiler zu schicken.
Aragorn ritt derweil im Trab weiter die Straßen entlang, durch die sieben Ringe der Stadt und nahm hie und da erschrockene Ausrufe wahr, um die er sich allerdings nicht weiter kümmerte. Ein leichtes Schmunzeln bildete sich kurz auf seinem Gesicht. Viele der Leute erkannten ihren König in seiner Aufmachung gar nicht oder wenn, dann erst als er schon vorbei geritten war und sie länger über den Reiter nachgedacht hatten. Einige, die vor ihren Häusern waren, sahen ihm mit Blicken nach, in denen Neugierde aber auch Entsetzten zu sehen war. Alle hatten gesehen, dass vor ihm eine zweite Person gesessen hatte und das Pferd, das hinterher trottete, über und über mit Blut beschmiert war. Teils fragten sie sich, ob der Frieden womöglich vorbei sei...
Endlich hatte Aragorn den letzten Ring passiert und ritt auf die Feste zu. Als er die Treppen emporstieg, den bewusstlosen Legolas in seinen Armen haltend, kamen ihm auch schon seine Freunde entgegen, Arwen an der Spitze. Als sie Aragorn sahen, blieben sie abrupt stehen und sahen auf den leblosen Körper, den er in seinen Armen hielt. Gimli sprang mit einem Schrei auf ihn zu und stellte sich ihm fast schon in den Weg.
„Legolas! Was...was ist geschehen?“, fragte er aufgebracht, doch Aragorn antwortete ihm nicht, sondern wandte sich den anderen beiden Elben und dem Istari zu.
„Elladan, Elrohir und Gandalf, ihr kommt mit mir! Ich werde eure Hilfe brauchen und wenn der Heiler ankommt, schickt ihn sofort zu mir!“
Damit ging er auch schon weiter, gefolgt von Elladan, Elrohir und Gandalf und ließ die anderen auf der Treppe zurück, die sich alle nur geschockt ansahen. Ihre Blicke wanderten zu den Pferden, die die Stallknechte hinter sich her führten und zu dem vielen Blut, dass an Arods Fell klebte.
Arwen schloss die Augen und hielt sich an der Brüstung fest. Was war nur geschehen? Éomer hielt Gimli fest und ihn so davon ab, hinter den anderen her zu laufen - sie brauchten jetzt Ruhe. Auf einmal räusperte sich eine Stimme, die Arwen wieder zurück holte und sie sah auf. Als sie den Heiler erkannte, deutete sie ihm schnell, ihr zu folgen und verschwand ebenfalls mit ihm im Palastgebäude.
„Lasst uns in die große Halle gehen und warten, bis sie wieder kommen!“, sagte Faramir und zog Gimli mit sich. Sie alle waren erschrocken darüber, was sie gesehen hatten. Legolas’ unnatürlich blasse Haut und das Blut, dass auch an seiner Tunika geklebt hatte. Als sie am Tisch saßen und warteten bis sie irgend etwas erfahren würden, kehrte Stille ein und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, bis Sam sich auf einmal vorsichtig räusperte und das aussprach, mit dem alle in Gedanken zu kämpfen hatten.
„Es war nicht Aragorn...oder?“
Sechstes Kapitel
Aragorn ging schnellen Schrittes durch die vielen Gänge des Palastes, dicht gefolgt von den Elben und Gandalf. Auf die Frage von Elrohir, was geschehen sei, hatte der Mensch nur mit einem „Ich weiß es nicht!“ geantwortet. Nach, für Aragorn unendlich lang erscheinender Zei,t hatten sie die Gemächer der Freunde erreicht und strebten auf das von Legolas zu. Elladan hielt ihm die Tür auf, der Legolas behutsam auf das Bett nieder ließ und abermals nach seinem Puls fühlte, der immer schwächer wurde.
„Er hat viel Blut verloren! Seht!“
Vorsichtig öffnete er die provisorischen Verbände und die Tunika des Elben und entblößte seinen Oberkörper. Die anderen sogen geräuschvoll die Luft ein, als sie die tiefe Wunde in der rechten Seite sahen, aus der immer noch ein wenig Blut sickerte.
„Sie hat sich entzündet, die Ränder sind ganz dunkel gefärbt! Zudem denke ich, das ihn ein Fieber befallen hat!“
Gandalf legte behutsam eine Hand auf des Elben Stirn und bestätigte Aragorns Vermutung - sie war unnatürlich warm.
„Wir brauchen Wasser, Verbände und Kräuter! Elladan, du besorgst Königskraut! Elrohir, du holst Wasser und frische Tücher! Beeilt euch!“
Die Zwillinge ließen sich das nicht zweimal sagen und eilten aus dem Raum. Als sie die Tür erreichten, trat Arwen, gefolgt von dem Heiler ein, der schnell an das Bett ging und sich den Kranken ebenfalls besah. Nachdem er ihn sich betrachtet hatte, murmelte er nur noch: „Das sieht nicht gut aus! Die Wunde muss gereinigt werden!“
„Ich habe alles dafür vorbereiten lassen!“, wandte Aragorn ein.
Arwen hatte etwas abseits gestanden und trat jetzt an das Bett heran, auf dem Legolas ruhte. Langsam berührte sie seine vom Fieber erhitze Haut und strich ihm durch die Haare, dabei elbische Worte murmelnd. Es versetzte ihr einen Stich ins Herz, den stolzen Krieger, den sie schon über Jahrhunderte hinweg kannte, in so einem Zustand zu sehen. Endlich kamen auch Elladan und Elrohir wieder und brachten die erforderlichen Mittel mit sich. Aragorn bat Arwen das Zimmer zu verlassen, sie brauchten jetzt Platz und Ruhe. Die Worte die er zu ihr sagte, schienen ihm selbst ungewohnt hart, doch seine Frau verstand ihn. Bevor sie ging, griff sie noch nach den Waffen, die Aragorn abgelegt hatte und nahm sie mit sich sie gehörten jetzt nicht hierher.
Der Heiler begann vorsichtig die kleinen Dreckstücke zu entfernen, die in der Wunde hinter blieben waren. Aragorn wagte es nicht, er war zu aufgewühlt, als dass er eine ruhige Hand gehabt hätte. Legolas schien sich selbst in der Bewusstlosigkeit gegen die Berührungen wehren zu wollen. Die beiden Elben hielten ihn sanft fest und versuchten so auch, einen Teil ihrer elbischen Kraft auf ihn übergehen zu lassen. Aragorn hatte eines der Tücher in kühles Wasser getaucht und bestrich die Stirn des Elben immer wieder, um ihm ein wenig Linderung zu verschaffen. Gandalf half dem Heiler und tupfte immer wieder die Wunde ab. Viel Zeit verging, bis auch das letzte Stück Unreinheit aus der Wunde entfernt war der Dreck hatte sich, durch den langen und schnellen Ritt, teils tief in das Fleisch eingegraben und nach der Behandlung, hatte die Wunde erneut stärker zu bluten angefangen. Aragorn stellte dies mit Besorgnis fest der Elb hatte doch schon viel zu viel Blut verloren.
„Elladan, hast du das Königskraut?“
Der Elb deutete ihm, dass er es auf dem kleinen Tisch abgelegt hatte und Aragorn nahm es, tauchte es in einen Kessel heißen Wassers und ließ es einige Augenblicke ziehen, bevor er sich wieder Legolas zu wandte. Der Heiler machte ihm Platz und Aragorn tauchte die Verbände tief in das Wasser, bis sie sich mit der duftenden Flüssigkeit vollgesogen hatten und nahm sie dann einzeln hinaus. Er deutete Elladan und Elrohir den Elben gut festzuhalten und legte den ersten Verband auf die gesäuberte Wunde. Legolas’ Körper bäumte sich unter dem brennenden Schmerz kurz auf und sank dann in die Kissen zurück. Gandalf tastete schnell nach dem Puls des Elben, doch ein Nicken seinerseits bedeutete Aragorn mit der Behandlung fort zu fahren. Er legte schnell die anderen Verbände ebenfalls an und wusch sich, nachdem er mit seiner Arbeit fertig war, den Schweiß von der Stirn.
„Nun heißt es warten...“, sagte der Heiler und räumte die restlichen Verbände ein. „Ich werde öfters vorbei schauen und gegebenenfalls die Verbände erneuern“, sagte er, doch Aragorn hielt ihn auf.
„Ich danke Euch, aber ich werde mich um die Verletzungen kümmern!“
„Sehr wohl mein Herr! Die Hände des Königs sind heilende Hände!“, sagte der Heiler und verschwand durch die Türe.
Elladan legte Aragorn eine Hand auf die Schulter.
„Komm! Du kannst jetzt nichts mehr tun. Ruh dich ein wenig aus!“
„Nein!“, sagte Aragorn entschlossen. „Noch nicht. Bitte lasst mich alleine!“
Gandalf deutete den Zwillingen ihm zu folgen. Sie verließen leise das Gemach und ließen Aragorn bei Legolas zurück. Bevor Gandalf die Tür hinter sich schloss, sah er noch einmal zu Aragorn.
„Er wird es schaffen! Er ist ein Kämpfer!“
~~*~~
Die Freunde saßen voller Ungeduld in der großen Halle. Zuerst hatten sie Elladan und Elrohir vorbei laufen sehen, aber keiner der Beiden hatte ihnen geantwortet und später war Arwen zurück gekommen, Legolas’ Waffen tragend. Auch sie hatte keine Auskünfte gegeben, was Gimli umso mehr erzürnt hatte.
Jetzt saßen alle wieder an dem Tisch und warteten, wann sie endlich etwas zu hören bekamen. Es dauerte lange, bis sie Fußtritte vernahmen und Gandalf, gefolgt von Elladan und Elrohir die Halle betraten. Anstatt die drei mit Fragen zu überhäufen, kehrte Stille ein und alle warteten, bis sie sich gesetzt hatten. Gimli hielt es schließlich nicht mehr aus.
„Und? Was ist mit ihm? Was ist passiert?“
Gandalf seufzte laut, bevor er zu erzählen begann.
„Was passiert ist, vermag ich nicht zu sagen, allerdings steht es nicht gut um ihn. Er hat eine tiefe Wunde in der rechten Seite und eine Menge Blut verloren, für meinen Geschmack schon beinahe zu viel Blut. Sie hat sich entzündet und ein Fieber ist ausgebrochen. Jetzt müssen wir warten...“
„Ich möchte zu ihm!“, sagte Gimli.
„Nein!“, sagte Gandalf bestimmt. „Morgen, Gimli! Aragorn ist momentan bei ihm.“
„Der soll mir nicht mehr unter die Finger kommen! Wenn er nicht gewesen wäre, wäre dieses Spitzohr gar nicht erst davon geritten. Er ist Schuld daran! Und ich werde jetzt nach Legolas schauen gehen!“ Damit verschwand er auch schon aus der Halle. Elrohir wollte ihm nach, doch Gandalf hielt ihn zurück.
„Lass ihn. Er ist erzürnt und weiß nicht, was er sagt! Zudem lässt sich ein Zwerg sowieso nicht aufhalten...“
~~*~~
Aragorn saß an Legolas’ Bett und hielt die Hand des Elben in der seinen. Immer wieder wusch er ihm den, von dem Fieber entstandenen Schweiß von der Stirn und kontrollierte seinen Atem, der zwar momentan ruhig aber dennoch sehr flach ging. Der Elb war noch immer bewusstlos. Aragorn sah ihm die Schmerzen dennoch an und er konnte sich nicht helfen, er fühlte sich schuldig. Wäre das alles nicht gewesen, der Streit, dann wäre es nie geschehen, dann müsste sein Freund jetzt nicht um sein Leben kämpfen.
„Verzeih mir“, flüsterte er leise und bemerkte, dass sich die Türe öffnete und ein Kopf zum Vorschein kam Gimlis Kopf. Aragorn wandte seinen Blick wieder zu Legolas. Gimli kam leise an das Bett heran und betrachtete das Bild das sich ihm bot voll Kummer. Er setzte sich auf die andere Seite des Bettes und betrachtete seinen Freund, mit dem er schon so viel erlebt hatte.
„Du dummer Elb!“, entfuhr es ihm. „Du dummer sturer Elb! Warum bist du davon geritten?“ Er hob seinen Blick und sah dem Menschen in die Augen. „Ich will jetzt wissen was geschehen ist, aus direkter Hand!“ Erwatungsvoll sah er Aragorn an, doch dieser schien nicht sicher zu sein, was er antworten sollte. Er setzte mehrmals an, bis er zum Schluss die richtigen Worte fand.
„Ich fand ihn…auf dem Boden liegend…zuvor sah ich Arod, das Fell rot von Blut…und dann fand ich ihn, ebenfalls blutend und er…es ging ihm nicht gut...er…er hat mich für einen Feind gehalten und nicht erkannt. Er hat viel Blut verloren und ich bin schnell mit ihm zurück geritten.“
Gimli nickte und sah wieder zu seinem bleichen Elbenfreund. Ohne Aragorn anzusehen sprach er weiter.
„Ich möchte wissen, warum er davon geritten ist und ich glaube, du kannst es mir sagen. Was ist vorgefallen?“ Es war mehr ein Befehl ihm zu antworten, als eine Frage und Aragorn wollte zuerst etwas erwidern, fügte sich aber dann und erzählte Gimli den Stand der Dinge aus seiner Sicht - den Streit und warum er so sauer reagiert hatte, ließ aber aus, dass er den Elben geschlagen hatte. Das wollte er mit ihm selbst besprechen wenn er wieder gesund war, wenn… Gimli schüttelte leicht den Kopf.
„Was ist in euch gefahren? Ein großer König und ein fast dreitausend Jahre alter Elb, verrennen sich so in ihrem Zorn, dass sie sich gegenseitig nein, das kann ja nicht mehr sein…“
„Was kann nicht mehr sein? Was meintest du damit, dass sie sich gegenseitig…?“
Gimli beäugte Aragorn misstrauisch, was dem Menschen sehr missfiel.
„Gimli...“, sagte er ruhig und der Zwerg wusste, dass, wenn der Mensch diesen Tonfall übernahm, man nicht mit ihm spaßen sollte.
„Nun, da du dich ein wenig merkwürdig verhalten hast, seit…diesem Streit und nicht gerade gut über Legolas geredet hast und wir ja auch nicht wissen, woher der Elb diese Wunde hat, steht der Verdacht,…dass du... unüberlegt gehandelt hast.“
Aragorns Unterkiefer klappte nach unten. Man traute ihm zu, seinen Freund fast umgebracht zu haben? Er sah zu Legolas, dessen bleiches Gesicht kaum von der Farbe der Kissen zu unterscheiden war und dann kurz zu Gimli, bevor er aufsprang und hastig das Zimmer verließ.
Eilig lief er durch die vielen Gänge, Richtung der großen Halle, wo er seine Freunde vermutete. Die Freunde, die ihn eines versuchten Mordes beschuldigten. Ohne noch einmal innezuhalten, schwang er die großen Türen auf und trat ein. Wie vermutet, fand er die anderen. In ihren Gesichtern stand Freude, dass sie endlich Antwort erhalten würden, aber auch Sorge über das plötzliche Erscheinen Aragorns. Bevor auch nur irgendeiner den Mund öffnen konnte, sprach Aragorn auch schon.
„Egal was ihr auch denken mögt, ich war es nicht. Ich wäre der Letzte, der seinem Freund ein Messer in die Brust rammen würde!“ Er ging auf sie zu und zog sein Schwert. Alle hielten die Luft an er würde doch nichts Unbedachtes tun? Aragorn warf sein Schwert auf den Tisch, so dass jeder es sehen konnte.
„Seht ihr? Die Klinge ist unbefleckt und kein Elbenblut haftet an ihr!“
Tatsächlich wies die Klinge keine Spuren von Blut auf. Arwen erhob sich langsam und zog Aragorn auf einen Stuhl, setzte sich neben ihn und fasste seine Hand.
„Niemand beschuldigt dich! Wir sind nur so verwundert und nach allem was vorgefallen ist…“, sie machte eine Pause. Aragorn hatte seinen Blick auf die Verziehrungen des Tisches gewandt und schien mit seinen Gedanken weit weg zu sein. „Erzähle uns was vorgefallen ist!“ Arwens Worte waren sanft aber bestimmend und sie ließ seine Hand los. Aragorn schaute weiterhin auf den Tisch und wandte seinen Blick auch nicht ab, als er zu sprechen begann. Er erzählte, wie er nachts heimlich los geritten war um ihn zu suchen und wie er Arod gefunden hatte. Mit rotem Fell und schließlich Legolas und dass der Elb ihn nicht erkannt hatte. Nachdem er geendet hatte, kehrte Stille in die Halle ein und alle verarbeiteten das soeben gehörte.
„Aber es sind Zeiten des Friedens…“, sagte Frodo auf einmal. „Seit langem schon gibt es keinen Krieg mehr und dunkle Gestalten halten sich nur noch in den Bergen von Mordor auf!“
Aragorn sah auf und durch seine plötzliche Reaktion, waren alle Blicke auf ihn gerichtet. Er schien einige Gedankengänge in seinem Kopf zu verarbeiten, bis er sich wieder an die Freude wandte.
„Ich bin den Anduin entlang geritten, der schnellste Weg zu Thranduil. Der Weg zu Arod führte jedoch näher an das Nebelgebirge heran... Wo ich jetzt darüber nachdenke, ist der Elb mit größter Wahrscheinlichkeit nicht auch am Anduin, sondern an den Bergen von Mordor entlang geritten. Orks gibt es immer noch, aber sie greifen nicht mehr auf weiter Flur an. Es sei denn, ihr Leben ist davon bedroht, was seit dem Krieg nicht mehr vorgekommen ist, eher metzeln sie sich selbst nieder.“
„Aber warum sollte Legolas dieses Risiko eingegangen sein? Warum hat er nicht den sicheren Weg gewählt?“, fragte Faramir und Aragorn sah ihn an.
„Er wollte das Wasser meiden! Er wollte nicht wieder an das Meer erinnert werden, dass er so liebt und es ihm so schwer macht, den Thron zu besteigen.“
„Aber du hast nichts von Orkleichen erwähnt“, sagte Èowyn, was alle wieder zum Schweigen brachte.
„Es stimmt, dort waren keine!“, murmelte Aragorn „Und in der umliegenden Gegend auch nicht!“
Diese Feststellung ließ die Freunde wieder nachdenklich werden, bis Gandalf sich räusperte.
„Seine Waffen! An ihnen müsste der Beweis von Orks erkennbar sein!“ Er reichte Aragorn Legolas’ Köcher mit den zwei Schwertern und hörte noch wie Sam murmelte: „Es muss ein ganzes Heer von Orks gewesen sein, wenn sie es geschafft haben, Legolas zu verwunden…“
Aragorn zog ohne Umschweife die beiden Messer hervor. Eines war vom Schmutz befreit, doch an dem anderem klebte noch ein wenig Blut. Aragorn nahm das Messer und betrachtete es sich genauer. Er fühlte das Blut, das allerdings schon zum Großteil getrocknet war und sah sich seine Farbe genau an. Schließlich roch er noch an dem Messer, um sich sicher zu gehen, dass es sich um das Blut eines Orks handelte, doch während seiner Untersuchungen verfinsterten sich seine Gesichtszüge immer weiter, bis es schließlich nur noch das Messer anstarrte.
„Und?“, fragte Éomer vorsichtig.
Aragorn sah auf. „Es ist kein Orkblut-…“
„Aber was ist es dann?“, platzte Pippin hervor.
„Es ist sein eigenes!“
Éowyn hielt sich die Hand vor den Mund. „Wie kann das sein? Ich meine er wird doch nicht-…?“, brachte sie noch hervor. Aragorn stütze seine Ellbogen auf und legte den Kopf in seine Hände.
„An der Klinge ist Elbenblut und als ich ihn fand, waren weit und breit keine Orks zu sehen. Er würde niemals seine Waffen außer Acht lassen und das andere Messer ist nicht beschmutz. Es bleibt gar keine andere Wahl…und ich war es auch nicht!“, fügte er noch bestimmt hinzu.
„Wir glauben dir, Aragorn!“, sagte Arwen ruhig, doch in Aragorn war momentan alles verwüstet. Hatte sich Legolas umbringen wollen? Wegen ihm? War er Schuld daran, dass ein unsterbliches Wesen nicht mehr leben wollte? Seine Nerven waren am Ende und er erhob sich wie in Trance.
„Ich werde Gimli wieder ablösen gehen!“, sagte er. Ohne einen weiteren Blick auf das Messer, verließ er die Halle.
Als Aragorn wieder Legolas’ Zimmer betrat, fand er einen schnarchenden Zwerg in einem Stuhl neben dem Bett vor. Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht, doch dann verschwand es wieder.
„Dir muss es wirklich nicht gut gehen, wenn du selbst davon nicht geweckt wirst!“, sagte er an Legolas gewandt.
Er hob Gimli hoch und musste feststellen, dass er schwerer war, als gedacht hatte. Leise trug er ihn aus dem Zimmer in sein eigenes, bevor er zurück kehrte und seinen Platz neben dem Elben wieder einnahm.
„Was hast du getan?“
~~*~~
Gimli wachte am nächsten Morgen auf und hatte zunächst einige Schwierigkeiten festzustellen, wo er sich befand. Als er dann begriff, dass ihn jemand in sein eigenes Gemach gebracht haben musste, war er sofort auf den Beinen und eilte an Legolas’ Tür. Als er eintrat fand er einen müde wirkenden Aragorn und die beiden Zwillinge vor, die ihm halfen die Verbände neu zu wickeln.
„Und... ist er aufgewacht?“, fragte er, doch ein Kopfschütteln Elrohirs bestätigte ihm das Gegenteil. Als sie die Behandlung beendet hatten, setzte sich Aragorn mit einem Stöhnen hin und Gimli sah besorgt, dass es so nicht weiter gehen konnte.
„Aragorn, du musst dich ein wenig ausruhen. Du siehst schlimmer aus als ein Ork!“
„Erwähne sie bloß nicht, Gimli. Mit denen habe ich momentan genug zu tun.“
Der Zwerg zog die Augenbrauen in die Höhe und sah sich fragend um. Die Zwillinge bedeuteten ihm, ihnen hinaus zu folgen, da Aragorn sich sowieso nicht bewegen würde und berichteten ihm draußen, was sich gestern Abend noch ereignet hatte.
„Dieses Spitzohr hat doch nicht…nein, das kann nicht sein! Wenn er wieder aufwacht, soll er sich wünschen, ganz schnell wieder einzuschlafen!“, brummte er dann.
~~*~~
So vergingen Tage und der Zustand Legolas’ verschlechterte sich zusehends. Das Fieber wollte nicht sinken, oft lag er in Fieberträumen und Aragorn versuchte ihn zu beruhigen, wenn sein Atem wieder schnell ging und der Schweiß ihm wieder ausbrach. Zudem begann die Wunde sich nur langsam zu schließen. Aragorn war ratlos, sie hatten alles in ihrer Macht stehende getan und sie so gut es ging versorgt. Auch bei einem solchen Ausmaß müsste sie besser verheilen, besonders bei einem Elben, dem die schnelle Heilung von Wunden gegeben war. Er war sich allerdings nicht sicher, ob der hohe Blutverlust, den Heilungsprozess verlangsamte... Zudem war der Elb immer noch nicht zu sich gekommen und seine Wangenknochen immer mehr eingefallen, so dass er bald mehr wie ein Gespenst aussah. Er musste etwas Nahrung zu sich nehmen und wenn er nicht bald zu sich kam, sah Aragorn sich gezwungen sein Messer zu gebrauchen und es ihm durch den Hals zuzufügen. Aragorn hielt sich seither in dem Zimmer des Elben auf und die anderen bekamen ihn kaum zu Gesicht. Auf allen lastete ein Schatten, der nicht vergehen wollte. Sie versuchten so gut es ging, dem Alltag nachzugehen und auch, wenn schon einige Tage seit dem Fest vergangen waren, brach keiner auf, erst wollten sie sich sicher sein, dass es Legolas wieder gut ging. Frodo saß öfters bei Aragorn, der sich nicht von dem Krankenbett bewegen wollte und auch Gimli war die meiste Zeit anwesend. Sie führten lange Gespräche über früher Geschehenes aber auch das Jetzige.
Gimli hatte es geschafft, Aragorn dazu zu überreden, sich Ruhe zu gönnen - er würde diese Nacht Wache halten. Aragorn war dennoch lange wach und saß an seinem Schreibtisch, hinter Bergen von Papier. Arwen beobachtete ihn mit einem besorgten Gesichtsausdruck.
„Du solltest schlafen gehen!“, sagte sie leise, aber Aragorn sah nicht einmal auf.
„Wenn ich jetzt schlafen gehe, wartet morgen dieser Berg von Papier auf mich“, sagte er nur und schrieb weiter an einem Brief um den Streit zwischen zwei Bauern zu schlichten.
„Du kannst dich doch gar nicht mehr konzentrieren, ich sehe es dir an und morgen Früh wirst du wieder bei Legolas wachen!“
Aragorn sah auf und betrachtete seine Frau. Wieder wurde ihm bewusst, dass sie Recht hatte.
„Was würde ich nur ohne dich machen?“, fragte er, stand auf und ging zu ihr hinüber.
„Dich in einem Grab von Papier sehen!“, sagte sie ernst und sah ihn lange an. „Was stört deine Gedanken?“
„Es ist…ich kämpfe mit mir Thranduil zu informieren.“
Arwen nickte langsam. „Er hat ein Recht es zu erfahren.“
„Und was soll ich ihm sagen?“, er sah seine Frau hilflos an. „Soll ich ihm sagen, dass der Prinz von Düsterwald versucht hat sich das Leben zu nehmen?“
„Wir wissen nicht, ob es wirklich so gekommen ist!“, sagte Arwen behutsam.
„Gibt es noch eine andere Möglichkeit? Ich sehe keine! Dort waren keine Orks und auch sonst Niemand. Aber an seinem Messer war allein sein Blut!“
„Aragorn!“, sagte Arwen bestimmt. „Verliere dich nicht in deinem Fluss! Was geschehen ist, kann man nicht ändern! Du musst es hinnehmen, doch lass dir nicht mehr allzu viel Zeit, was deine Entscheidung bezüglich Thranduil anbelangt!“
Aragorn nickte, sie hatte Recht, er musste sich mehr zusammen nehmen und logischer an diese Sache heran gehen.
~~*~~
Legolas schwebte in einer schwarzen Leere, einer Dunkelheit, die ihm fast den Atem nahm. Wie lange er sich nun schon in ihr befand, vermochte er nicht zu sagen. Er kämpfte gegen sie an, wollte sich nicht von ihr bezwingen lassen, wollte, dass sie verschwinden würde, aber sie wurde immer größer und dunkler und ihn verließ zusehends die Kraft sich ihrer zu erwehren. Ihm war heiß, schrecklich warm und spürte aber zugleich, wie sich etwas Kaltes um seinen Brustkorb zu ziehen schien. Wo war er? Da war jemand gewesen, war es ein Feind? Er hatte auf einmal einen brennenden Schmerz in seiner rechten Seite gespürt und gedacht, er müsse sterben es hatte so fürchterlich gebrannt und er hatte sich diesem Brennen entziehen wollen, aber er war festgehalten worden. Warum hatte man ihn festgehalten? Hatten die Feinde ihn aufgespürt? Das Brennen kam wieder, in Abständen. Was war es? Er war immer noch in dieser Dunkelheit gefangen, die ihn zu erdrücken drohte. War er tot? Fühlte es sich so an? War es dies, was die Menschen so fürchteten? Nein, das konnte nicht sein! Wenn ein Elb stirbt, kehrt er in Mandos Hallen, zu denen nur Elben der Zutritt gewehrt ist. War er auf dem Wege dorthin? War er im Begriff zu sterben? Er wollte nicht sterben! Wollte leben, wollte aus dieser Dunkelheit! Die Hitze kehrte zurück und mit ihr auch dieses Gefühl der Kälte, das sich unbarmherzig seinem Herzen näherte, es haben wollte, es zerdrücken wollte. Sein Körper fühlte sich an, als würde er verbrennen und er wollte schreien, aber kein Laut kam von seinen Lippen. Nur die Schwärze, von der er geglaubt hatte, sie sei das dunkelste, was er je verspürt hatte zog sich enger um ihn. Er wollte sich wehren, sie nicht an ihn heranlassen, doch sie wurde noch düsterer und er konnte an nichts mehr denken.
~~*~~
Elrohir ging am nächsten Morgen den Flur entlang und blieb verdutzt stehen, als er ein Geräusch hörte. Es hörte sich an wie ein Schnarchen!
„Zwerge!“, murmelte er nur und begab sich zu dem Zimmer, aus dem er das Geräusch gehört hatte, um den Zwergen zu wecken.
Leise betrat er das Gemach und sah zu seinem Vergnügen, wie der Zwerg neben dem Bett in seinem Sessel saß und schlief. Es hätte nicht mehr lange gedauert, da wäre er von ihm hinunter gefallen, dessen war sich Elrohir sicher. Bevor dies passieren würde, sollte er ihn lieber wecken gehen, doch dann erstarrte er und blickte auf Legolas. Der Elb war bleicher als die Laken auf denen er ruhte und sein Körper war gebadet in Schweiß. Elrohir beobachtete dessen Brustkorb, doch selbst sein scharfes Elbenauge vermochte kaum zu sehen, dass er sich hob und senkte. Schnell sprang er auf das Bett zu und hielt seine Hand vor Legolas’ Mund. Zu seinem Schrecken stellte er fest, dass er den Atem kaum spüren konnte. Er tastete nach dem Puls und auch er war gefährlich niedrig.
„Gimli!“, rief er und der Zwerg erwachte so erschrocken, dass er doch noch fast aus dem Suhl gefallen wäre.
„Was ist denn?“, fragte er den Elben.
„Du bist mir eine tolle Wache…Legolas Zustand hat sich verschlechtert! Bleibe bei ihm, ich hole Hilfe!“
Elrohir rannte aus dem Zimmer und die Treppen hinunter. Wo war Aragorn? Die Sonne stand schon etwas höher - sicher hatte Arwen ihn überzeugen können, etwas zu sich zu nehmen. Schnell lenkten ihn seine Schritte zu der großen Halle und zufrieden hörte er auch schon die Stimmen der anderen.
~~*~~
Aragorn hatte sich von Arwen zum Essen überreden lassen, merkte er doch mittlerweile selbst, dass er etwas zu sich nehmen musste. Es tat gut bei den anderen zu sitzen, die versuchten, ihn ein wenig abzulenken. Er hörte sich belustigt an, wie Merry, Pippin letzte Nacht im Schlaf seinen Arm umgelegt und sich an ihn gekuschelt hatte, woraufhin Pippin verzweifelt versucht hatte, sich dem Griff zu entziehen und sicherheitshalber die restliche Nacht auf dem Boden verbracht hatte.
„Wo ist Elrohir, Elladan?“, fragte Éowyn dann.
„Er wollte jetzt kommen, er hat noch kurz-…“, doch weiter kam er nicht, weil ein aufgeregter Elb in die Halle gelaufen kam.
„Estel! Schnell! Legolas! Er-…“, doch mehr brauchte er nicht zu sagen. Aragorn war aufgesprungen und rannte hinaus, hoch zu den Gemächern. Elladan und Gandalf waren ebenfalls aufgesprungen.
Als Aragorn in dem Zimmer ankam, fand er Gimli, der dem Elben den Schweiß von der Stirn wusch.
„Aragorn!“, sagte Gimli. „Er stirbt!“
„Nein!“, sagte Aragorn laut und lief zum Bett hin, wo er sich ebenfalls davon überzeugen musste, dass das Leben von dem Elben wich. „Nein! Nein! Legolas du darfst nicht sterben! Nein! Du stirbst nicht!“, schrie er den Elben an, doch dieser rührte sich nicht. Gandalf untersuchte schnell die Wunde, aber diese hatte sich nicht wieder geöffnet. Er öffnete mit den Fingern nacheinander Legolas’ Augen und besah sie sich, bis er schließlich erschöpft auf einen Stuhl sank.
„Er hat aufgehört zu kämpfen!“
~~*~~
Legolas wandte sich in der Dunkelheit. Das Feuer, das seinen Körper umgab, fraß ihn auf, es war unerträglich und dieser kalte Ring der sich um sein Herz legte und ihm die Seele entziehen wollte, ließ ihn in seinen Bewegungen schwer werden. Bewegte er sich wirklich oder dachte er es nur? Die Dunkelheit lastete schwer auf ihm und drohte ihn zu erdrücken. Licht! Alles was er jetzt wollte, war Licht - sich dieser Schwärze entziehen! Was musste er tun um ihr zu entkommen? Er hörte eine Stimme, eine hässliche Stimme und sie flüsterte ihm zu.
„Du bist schwer verwundet! Mandos Hallen! In ihnen ist Licht, viel Licht! Stirb und du bist befreit!“ Die Stimme wurde wieder leiser, doch Legolas wollte nicht auf sie hören, er wollte nicht sterben. Als er das dachte, wurde es wieder dunkler und er wünschte sich, dass es verschwinden würde, aber es ging nicht. Er dachte an die Stimme. Sollte er aufhören zu kämpfen? Sich ergeben? War sie dann verschwunden? Wieder hörte er Stimmen, die ihn dazu bewegten, immer wieder hörte er sie und der kalte Ring, der sich um sein Herz schnürte, zog sich schmerzlich fest. Plötzlich war dort ein Punkt! Ein heller Punkt in der Finsternis und Legolas griff nach ihm, wollte zu ihm, zum Licht und gab den Kampf auf.
~~*~~
Aragorn hatte eine Hand auf dem Puls des Elben gelegt und hielt sein Gesicht vor den Mund Legolas’ um den Atem zu kontrollieren. Immer wieder flüsterte er ihm elbische Worte zu, aber dann auf einmal fühlte er keinen Puls mehr und auch kein Atem streifte seine Wange.
Er sah auf, um gleich wieder nach dem Puls zu fühlen.
„Nein! Legolas! Das kannst du nicht tun! Du bist ein Kämpfer! Du stirbst nicht! Wach sofort auf!“, doch nichts geschah. Aragorn starrte auf Legolas, wie er blass auf seinem Bett ruhte seinem Totenbett. Ohne dass er es wirklich bemerkte, ging er in die Knie und vergrub das Gesicht in seinen Händen, sein Körper bebte. Gimli sah zwischen dem Zauberer und dem König hin und her. Was hatte Aragorn gesagt? Gandalf war aufgestanden und fühlte nun ebenfalls nach dem Puls, doch auch er konnte ihn nicht mehr finden. Er befühlte die Stirn und wandte sich dann traurig den Elben und Gimli zu.
„Er ist tot!“
„Nein!“, sagte Gimli laut. „Das kann er nicht tun! Das darf er nicht tun! Er-…“, doch seine Stimme versagte und er ergriff die Hand des Elben. Der Schweiß, der auf ihr gelegen hatte, begann zu trocknen. Er legte seinen Kopf auf die Hand - Tränen rannen daran hinunter und benässten das Bettlaken. Elladan ging zu Aragorn, der immer noch auf dem Boden saß und sein Gesicht vergrub. Er hockte sich neben ihn und drückte ihn ganz feste an sich, wie er es früher immer getan hatte. Er konnte den Schmerz nachvollziehen der Mensch hatte seinen besten Freund verloren. Er selbst konnte nicht fassen, was er gerade gesehen hatte, aber er versuchte sich zu beherrschen, um es leichter zu machen. Vorsichtig versuchte er ihn hoch zu ziehen, aber Aragorn bewegte sich nicht.
„Komm…“, sagte er ruhig und zog ihn bestimmt in die Höhe. Als Aragorn wieder auf seinen Füßen stand und Legolas sah, drehte er sich mit einem Mal um und ging schnellen Schrittes aus dem Zimmer. Draußen hörten sie ihn schreien. Sie nahmen Gimli und verließen das Zimmer ebenfalls. Gemeinsam schritten sie zur Halle und als sie sie betrate,n sahen sie ihre Freunde, die sie verschreckt ansahen.
„Was ist geschehen?“, fragte Arwen, die aufgestanden war. „Ich vernahm einen Schrei!“
Gimli sah nicht auf, noch immer rannen Tränen aus seinen Augen. Er setzte sich ohne etwas zu sagen auf einen Stuhl und starrte auf den Boden.
„Er hat es nicht geschafft“, sagte Gandalf leise und vermied es in die Gesichter der Freunde zu sehen. „Er hat die Verletzung nicht überlebt!“
„Das ist nicht wahr!“, kam es aus Frodos Mund.
„Doch!“, bestätigte ihm Gimli. „Ich habe es gesehen!“
Arwen ging zum Fenster und blickte hinaus. Elladan und Elrohir gingen zu ihr. An ihrer Wange liefen Tränen hinab und sie nahmen sie in den Arm um sich gegenseitig Kraft zu geben. Faramir hielt Éowyn, der ebenfalls Tränen aus den Augen quollen. Frodo saß einfach nur da und konnte sich nicht rühren. Legolas sollte tot sein? Der Elb, der ihn auf seiner gefährlichen Reise damals beschützt hatte, und unverletzbar schien, sollte nicht mehr leben? Sein Verstand weigerte sich dies zu glauben.
„Warum?“, sagte er auf einmal, ohne dass er sich wirklich gewahr wurde, dass er es wirklich gesagt hatte. „Elben sind nicht zum Sterben geboren! Sie sind unsterblich!“
„Dieses Spitzohr war schon immer ein Angeber!“, sagte Gimli mit einem sarkastischen Lächeln. „Wahrscheinlich fiel ihm nichts anderes mehr ein um angesehen zu werden. Da freundet sich ein Zwerg mit einem Elben an und muss sich unzählige Hänseleien anhören und was ist? Der Elb stirbt! Dabei sollte ich zuerst! Wie soll ich mich denn jetzt rächen?“, fragte er hilflos und alle sahen den Zwergen mitleidig an.
„Wo ist Aragorn?“, fragte Arwen.
~~*~~
Aragorn wusste nicht wo er hin sollte. Er rannte orientierungslos umher, bis er sich in seinem Arbeitszimmer wieder fand. Er schloss die Türe hinter sich, rutschte an ihr hinunter und blieb dort sitzen. Er wollte es nicht wahrhaben, wollte es nicht glauben. Er hatte eben dabei zusehen müssen, wie sein bester Freund gestorben war! Und das alles war seine Schuld! Wäre er nicht gewesen, wäre Legolas nicht davon geritten und hätte sich nicht…er wollte es nicht weiter denken. Ohne dass er es bemerkte, liefen ihm Tränen die Wangen hinunter. Er fühlte sich elend, fühlte sich schuldig für den Tod des Elben. Aragorn entsann sich früherer Zeiten, bevor er König gewesen und der Ringkrieg ausgebrochen war. Wie Legolas ihm seine Freundschaft angeboten hatte, ihm, einem sterblichen Menschen... aber beide verstanden sich ohne Worte, trugen doch beide dasselbe Schicksal Königskinder zu sein. Er war schon einer, doch Legolas sollte keiner mehr werden. Legolas musste glücklich sein, er war von der Bürde befreit worden.
&Mac226;Aber nicht auf so einem Wege!’, dachte er sich. &Mac226;Nicht so!’
Das blasse Gesicht des Elben erschien vor seinem Auge und erneut traf ihn eine Welle von Schmerz und Schuldgefühlen, die er nicht abzulegen vermochte. Er musste sich mit diesem Schicksal abfinden, musste einsehen, dass er nicht mehr am Leben war. Plötzlich stand er auf, er wollte noch einmal zu ihm, alleine, nur sie zwei.
Als er Legolas’ Gemach betrat, hielt er noch einmal kurz inne, trat aber dann ein und ging zu seinem Bett. Er wollte es nicht zugeben, aber im geheimen hatte er gehofft, dass wenn er wieder kommen würde, der Elb noch am Leben sein würde. Jetzt blickte er auf ihn hinab und das Bild war das gleiche, wie, als er das Zimmer verlassen hatte. Er setzte sich und nahm die Hand des Elben die Wärme hatte ihn schon fast verlassen.
„Warum hast du das getan?“, fragte Aragorn, immer noch fassungslos.
~~*~~
Legolas fand sich umgeben von hellem Licht wieder und lange dauerte es, bis sich seine Augen an die Helligkeit gewöhnten. Als er etwas sehen konnte, fand er sich in einem Raum wieder, nein, einer Halle - sie war wunderschön. Ein Bächlein schlängelte sich quer hindurch und Bäume wuchsen an den Seiten. Die Wände waren überrankt mit Efeu und Blumen sprossen aus dem Boden. Der Platz strahlte eine angenehme Wärme aus und jetzt erst spürte er, dass das Brennen aufgehört hatte und auch die Kälte gewichen war. Er schaute an sich herunter und sah, dass die Wunde verschwunden war. Langsam begann er durch den Raum zu wandern und betastete die alte Rinde der Bäume.
„Legolas!“, vernahm er plötzlich eine Stimme und er wandte den Blick in die Richtung, aus der er sie vernommen hatte. Ihm gegenüber stand eine Frau eine Elbe! Ihre langen blonden Haare fielen glatt bis zu ihren Hüften und ihre blauen Augen schauten Legolas warm und herzlich an.
„Mutter?“ Es war nur ein Flüstern gewesen, doch die Frau nickte langsam und ging auf ihn zu. Legolas tat es ihr gleich und als sie sich schließlich gegenüber standen, hob Legolas vorsichtig seine Hand und berührte seicht ihre Wange aus Angst, es wäre nur ein Trugbild. Ein Trugbild, wie er es früher in seinen Träumen hatte, aber sie verschwand nicht, sondern lächelte ihn warm an.
„Ja, ich bin es wirklich!“, sagte sie, ging auf ihn zu und nahm ihn in die Arme. Nach einigem Zögern erwiderte Legolas die Umarmung. Er spürte, wie ein Beben durch seinen Körper ging, als er wieder die Wärme, die von ihr ausging und die er so lange nicht gehabt hatte, spürte. Schließlich entließ sie ihn aus ihrer Umarmung und setzte sich nieder, ihm bedeutend es ihr gleich zu tun. Sie nahm seine Hände - er zitterte am ganzen Leibe.
„Bin…bin ich…ist es ein Traum?“, fragte er zögerlich.
„Nein! Es ist war! Du bist tot!“
Legolas zuckte zusammen. Er war wahrhaftig davon geschieden? Die Worte hörten sich absurd an in seinen Ohren.
„Sind wir in-…?“
Sie nickte als Antwort und sah ihn dann traurig an.
„Warum ist das alles passiert?“
Legolas sah sie ruhig an, erwiderte jedoch nichts.
„Du gehörst nicht hierher! Für dich ist es noch nicht an der Zeit zu gehen!“
„Für dich war die Zeit auch noch nicht gekommen! Ich habe dich vermisst und dein Tod war schwer, auch für Vater!“
„Ich weiß, aber ich musste es annehmen... für dich ist die Zeit noch nicht gekommen, zu viel wartet noch auf dich! Du musst den Thron besteigen!“
Legolas wandte den Blick ab.
„Ich will ihn nicht…ich will ihn nicht besteigen!“
Seine Mutter sah ihn ruhig an, dann streichelte sie ihm durchs Haar.
„Warst du schon immer hier?“, fragte er plötzlich unvermittelt.
„Ja, seit ich die Hallen betreten habe wandle ich durch diesen Raum!“
Legolas sah sich erneut um und wieder beschlich ich ein Gefühl der Leichtigkeit. Die Möglichkeit alle Sorgen loszuwerden, wenn er hier verweilen würde und die Chance bei seiner Mutter zu sein, die ihm vor langer Zeit genommen wurde.
„Es ist schön hier“, sagte er dann.
„Oh ja, aber du darfst nicht hier bleiben!“
Er sah sie an und in ihren Augen stand Trauer geschrieben, aber auch Bestimmtheit.
„Du musst zurückkehren und deinem Schicksal entgegen gehen!“
„Ich kann nicht! Ich würde bald wiederkehren!“
„Wo ist der Sohn, den ich zur Welt gebracht habe und der sich nie entmutigen ließ?“
„Ich habe Angst!“, sagte er plötzlich und machte eine Pause, bevor er weiter sprach. „Eingeengt zu sein und-…“, er konnte nicht weiter sprechen.
„Komm!“, sagte seine Mutter und hielt ihm die Hand hin. Er folgte ihr zu dem kleinen Bach und sie bedeutete ihm, in das Wasser zu schauen.
Zuerst sah er nur die Wasseroberfläche, aber nach einiger Zeit entstand ein Bild. Erst verschwommen und dann immer klarer sah er ein Zimmer und eine Person, die an einem Bett saß. Aragorn und dann sah er sich selbst, auf dem Bett ruhend. Der Mensch hielt seine Hand und hatte seinen Kopf auf dem Laken abgestützt.
„Aragorn!“, entfuhr es ihm.
„Ja, er hat dich gefunden und versucht, dir das Leben zu retten…“
Dann verschwamm das Bild und er sah seine Freunde, wie sie bekümmert bei einander saßen und Gimli, wie ihm eine Träne die Wange hinunter rollte. Das Bild verschwamm abermals und jetzt sah er einen blonden Elben, der betrübt in Richtung Süden schaute, seinen Vater. Die Bilder verschwanden und zurück blieb die sprudelnde Oberfläche.
Legolas Blick blieb weiterhin auf das Wasser gerichtet, seine Gedanken überschlugen sich in seinem Innern. Sie trauerten um ihn - es hatte ihm fast das Herz zerrissen.
„Siehst du jetzt, dass du nicht hierher gehörst?“, hörte er wieder die ruhige Stimme seiner Mutter und er sah sie lange an.
„Aber ich kann nicht mehr zurück. Ich bin doch…“
Er sah sie fragend an, doch sie schüttelte nur lächelnd den Kopf. „Du kannst! Du wirst wiedergeboren werden! Es ist kaum einem Elben bestimmt, in die Welt zurück zu kehren, aber einige werden zurück geschickt. Glorfindel kämpfte bei der Belagerung von Gondolin gegen den Balrog und fiel, doch wurde er zurück geschickt, zum Hause Elronds und ist ein mächtiger Elbe.“
Legolas hob die Brauen. Glorfindel war wiedergeboren worden?
„Glorfindel ist in der Schlacht gefallen?“
„Ja und wenn die Zeit gekommen ist, wird er mit Elrond zu den grauen Anfurten ziehen und Mittelerde verlassen. Dir ist dasselbe bestimmt, du kehrst zurück!“
Legolas war verwirrt. Er war gestorben um dann wiedergeboren zu werden? Anstatt ein Gefühl der Freude zu empfinden stahl sich die Leere in sein Herz.
„Und du?“, fragte er, obwohl er sich die Antwort denken konnte.
„Mir ist es bestimmt hier zu verweilen!“
Legolas nickte.
„Meine Seele spricht zu dir Legolas, ebenso wie deine! Unsere Körper weilen in Mittelerde. Meiner ruht unter der Last der Welt, aber deiner wartet darauf, wieder von dir erfüllt zu werden!“
Legolas nickte abermals und sah er seine Mutter an.
„Ich habe Jahrtausende damit verbracht mich mit deinem Tod abzufinden und dir damals an deinem Grabe Lebewohl gesagt…Jetzt soll ich es wieder tun? Ich soll dich wieder aufgeben und lernen zu akzeptieren? Ich kann das nicht...“
Sie nickte und als er etwas erwidern wollte, bedeutete sie ihm still zu sein und erneut auf die Oberfläche zu schauen. Wieder brauchte es einige Zeit bis ein Bild entstand, allerdings kannte er es. Es war das Bild von Aragorn, wie er neben seinem Totenbett weilte. Legolas verstand nicht, was seine Mutter ihm sagen wollte. Er kannte das Bild und wieder war es ihm unangenehm seinen Freund so traurig zu sehen. Aragorn hatte ihn gefunden, er hatte ihn retten wollen, trotz des Streites…
„Du siehst, du bist nie alleine, auch wenn du das bisher geglaubt hast! Der Bach zeigt es mir! Er zeigt mir, wie es dir ergeht.“
„Du kannst mich in ihm sehen?“
„Genauso wie ich dich jetzt sehe, als leere Hülle, auf einem Bett ruhend! Du siehst, du bist nicht so alleine wie du glaubst und ein Teil von mir wird immer bei dir sein. Ich sehe oft in das Wasser und glaube mir, auch für mich ist es nicht leicht, zusehen zu müssen, wenn mein Sohn leidet und vor Schmerz vergeht. Aber ich wende den Blick nicht ab, weil ich dir Kraft spenden will!“
Legolas sah ihr tief in die Augen und ein leichtes Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Sie nahm ihn in ihre Arme und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Geh nun!“, flüsterte sie und alles begann vor seinen Augen zu verschwimmen. Er wollte sie festhalten, konnte es aber nicht. Die Farben begannen zu weichen und er spürte, wie er erneut auf das Dunkel zudriftete. Er sah sich um, nach seiner Mutter, doch sie war nicht mehr da. Sie war verschwunden und die Dunkelheit umfing ihn wieder. Diesmal aber, war es keine bedrohliche, drückende Schwärze, sondern ein warmes Dunkel, das ihn auffing und ihn trug. Der kalte Ring war verschwunden und mit einem Mal fühlte er das Leben in sich zurück kehren. Es durchflutete seinen ganzen Körper und es stieg an, immer weiter, bis es aus seinem Körper wieder heraus zu kommen drohte. Auf einmal fuhr ein Blitz durch seinen Körper und holte ihn endgültig zurück. Er lebte! Er war in seinen Körper zurückgekehrt und er spürte Wärme!
Siebtes Kapitel
Aragorn wusste nicht mehr, wie lange er schon an dem Bett saß, ohne dass etwas geschehen war. Immer noch hielt er Legolas’ Hand und überlegte gerade, wie er Thranduil erklären sollte, dass sein Sohn nicht mehr am Leben war, dass der Düsterwald keinen Thronfolger hatte. Und warum? Weil Er ihn umgebracht hatte! Ja, Aragorn hatte ihn umgebracht! Er hatte ihn in seiner Verzweiflung und seinem Wahn noch tiefer verletzt, so tief, dass er sich selbst… Er konnte diesen Gedanken nicht zu Ende bringen, er konnte es nicht für möglich halten. Seine Tränen waren versiegt und er fühlte sich nur noch unendlich leer. Er bemerkte, wie der Schlaf ihn erlösen wollte. Seine Hand umschloss die des Elben nicht mehr fest, sondern lag nur noch unter ihr und seine Augen wurden so unsagbar schwer. Er wollte sich dem Schlaf schon hingeben, doch etwas hielt ihn davon ab. Berührungen - seine Hand! Jemand drückte seine Hand, leicht, aber den Schlaf störend. War jemand in das Zimmer getreten? Er hob seinen Kopf und erwartete Jemand anzutreffen, aber dort war niemand. Er war alleine in diesem Zimmer, aber seine Hand war fest umschlossen und als er zu ihr hinunter blickte, hielt er den Atem an. Legolas’ Hand hatte seine umfasst und Wärme ging von ihr aus. Aragorn berührte sie mit der anderen Hand, zog sie jedoch augenblicklich wieder zurück da war Wärme in der Hand! Er schaute zu dem Elben, der immer noch regungslos auf den Laken ruhte, doch was war das? Seine Brust hob und senkte sich, immer wieder und in einem gleichmäßigen Rhythmus. Vorsichtig, hob er seine zittrige Hand und hielt sie dem Elben vor den Mund Atem streifte seine Handfläche.
„Bei Ilûvatar!“, entfuhr es ihm und er wagte nicht zu glauben was er dort sah. Er fuhr sich über die Augen, aber es änderte sich nichts - der Elb hatte wieder zu atmen begonnen, gleichmäßig und Wärme durchströmte ihn.
„Wie ist das möglich?“, brachte er heiser hervor. Langsam befreite er seine Hand aus Legolas Griff und stand auf. Abermals sah er, dass seine Brust sich hob und senkte.
„Gandalf!“, flüsterte er. „Gandalf muss kommen!“
Er lief aus dem Raum und die Flure entlang. Wo waren sie? Wo waren sie alle? Seine Schritte führten ihn zur großen Halle und dort fand er sie beieinander sitzen. Alle Augenpaare waren auf ihn gerichtet, als er in die Halle gestürmt kam.
„Gandalf!“, rief er. „Legolas! Er…er…“
Gandalf stand auf und ging zu ihm, legte ihm einen Arm um die Schultern und sah ihn mitleidig an.
„Ja, wir wissen er-…“
„Ist am Leben!“, unterbrach Aragorn ihn.
Gandalf hob die Brauen und sah ihn an. Aragorn bestätigte seine Worte.
„Er lebt! Er ist nicht tot!“
Gandalf wechselte einen Blick mit Arwen, die ihn nur traurig ansah. Hatte ihr Gatte jetzt den Verstand verloren? Aragorn sah diesen Blick sehr wohl und konnte ihn auch deuten.
„Wir wissen, dass es schwer ist-…“, begann Gandalf erneut, doch Aragorn unterbrach ihn wieder.
„Ich bin nicht verrückt! Ich sah es mit eigenen Augen, er hat meine Hand genommen und atmet!“
Gandalf schloss die Augen und wandte sich von ihm ab. Aragorn sah Hilfe suchend zu den beiden Zwillingen, die ihn verwirrt ansahen. Irgendwann regte sich Elladan.
„Ich werde ihn mir ansehen, Aragorn, aber versprich dir nicht zuviel…“
Aragorn hob eine Braue. Hielten sie ihn alle für verrückt?
Gemeinsam mit Elladan schritt er erneut zu Legolas’ Gemach. Als sie das Bett erreichten, hielt Elladan den Atem an - Legolas atmete!
„Bei Eru…wie kann das sein?“
Er prüfte den Puls und Atem und sah zu Aragorn. Der Mensch erkannte eine kleine Träne in den Augen des Elben. Es erstaunte ihn - die beiden Brüder vermieden es, Gefühle zu zeigen. Elladan besah sich auch noch die Wunde, aber sie hatte sich nicht wieder geöffnet, sondern war auf dem Weg der Heilung.
„Bleibe hier!“, sagte er dann. „Ich werde die Trauerstimmung dort unten aufheben gehen.“
Gimli war gekommen um sich des Wunders selbst gewahr zu werden. Als er erneut drohte einzuschlafen, schickte ihn Aragorn aus dem Zimmer und bat ihn morgen wieder zu kommen. Er weilte die ganze Nacht an dem Bett und lauschte dem friedlichen Atem des Elben. So fiel er in einen leichten Halbschlaf, doch in den frühen Morgenstunden wurde er durch eine Bewegung hellwach.
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Legolas erwachte aus der Dunkelheit die ihn umfing und nahm Gerüche wahr. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er dies die ganze Zeit über nicht getan hatte. Es roch nach Stein und Kräutern - langsam öffnete er die Augen. Sein Blick brauchte einige Zeit um klar zu werden, doch dann sah er eine Steinwand und hatte im Moment Schwierigkeiten sie einzuordnen. Er drehte den Kopf langsam und sah in ein Gesicht Aragorns Gesicht, das ihn aus müden Augen prüfend ansah, als ob er nicht sicher wäre, dass Legolas wirklich vor ihm läge. Legolas öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch Aragorn hob abwehrend die Hand.
„Mae govannen, mellon nin! Rede nicht, sondern ruh dich aus, es wird später noch Gelegenheit geben!“
Ein Lächeln erschien auf dem Gesicht des Mannes und Legolas erwiderte es schwach, bevor er wieder in das Reich der Träume glitt.
Aragorn sah auf seinen Freund nieder, der wieder zurück in die Kissen gesunken war. Diesmal jedoch mit der Gewissheit, dass er wieder erwachen würde und so ließ er ihm seine Ruhe und verließ leise das Zimmer.
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Weitere Tage vergingen und Legolas wurde immer kräftiger, hatte jedoch die Anweisung das Bett noch nicht zu verlassen. Die Freunde kamen, um nach ihm zu sehen und die Hobbits hatten ihm ursprünglich einen Kuchen mitbringen wollen, aber die Küche hatte ihnen verweigert einen zu backen. Sich hinein zu mogeln, hatten sie nicht geschafft, aber Legolas war froh - er hätte eh nichts essen können. Er war wortkarg und oft in Gedanken, so dass die anderen nicht lange blieben. Nur Gimli schüttete ihm immer wieder sein Herz aus, wie froh er doch war, dass er noch lebte und so etwas gefälligst nie wieder tun solle. Der Zwerg drohte ihm, ihn umzubringen, doch dann wurde er sich seiner Worte bewusst und erwähnte es nicht wieder. Legolas war froh, dass Gimli bei ihm war. Alle waren da gewesen mit Ausnahme von Aragorn. Ihn hatte er nur gesehen, als er das erste Mal aufgewacht war - seitdem hatte er sich nicht mehr blicken lassen. Legolas war traurig darüber, hatte er gehofft, mit dem Menschen reden zu können. Er durfte das Bett noch nicht verlassen und wieder begann er darüber nachzusinnen, ob Aragorn ihn immer noch hasste.
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Aragorn kämpfte mit sich. Irgendetwas hielt ihn davon ab, zu Legolas zugehen und er ertappte sich öfters dabei, dass er vor der Türe stand und dann doch nicht eintrat, sondern wieder zurückging, des Nachts das Zimmer des Elben betrat und neben ihm saß, während er schlief.
Jetzt saß er an seinem Arbeitstisch und grübelte vor sich hin. Er suchte nach einer Antwort, warum er sich nicht überwinden konnte, zu ihm zu gehen.
&Mac226;Wie lange soll das denn jetzt noch so weiter gehen? Er kann mir verzeihen!’, dachte er sich. &Mac226;Sei kein Narr! Du hast schon gegen Nazgûl gekämpft und jetzt scheust du dich davor, zu deinem Freund zu gehen?’
„Nein!“, sagte er laut und erhob sich. Er war kein Feigling! Wütend über sich selbst schleuderte er den Papierberg auf seinem Schreibtisch auf den Boden, so dass er übersäht mit Schriftrollen war. Es kümmerte ihn nicht und er schritt entschlossen aus dem Raum zu Legolas. Vor der Türe hielt er noch einmal inne, aber dann schüttelte er den Kopf, als wolle er auch den letzten schlechten Gedanken beiseite räumen und trat leise ein. Sobald er die Türe hinter sich geschlossen hatte, blieb er jedoch wie angewurzelt stehen. Der Elb lag nicht in seinem Bett. Aragorn sah sich im Raum um, aber nirgends war eine Spur von ihm zu sehen. Beunruhigt über Legolas’ Abwesenheit, schritt er durch den Raum und blieb schließlich am Fenster stehen und schaute in den Garten. Dort sah er ihn, auf der Brüstung sitzend, mit dem Rücken an die Wand gelehnt und in den Himmel schauend.
~~*~~
Legolas hatte es nicht mehr ausgehalten in diesem Zimmer zu liegen und unablässig gegen die Zimmerdecke zu starren. Ein schöner Tag war angebrochen und es war noch früh am Morgen, doch die Sonne hatte bereits ihre Strahlen in die Zimmer geschickt und Vögel hatten gesungen. Legolas war vorsichtig aufgestanden und nachdem er sich vergewissert hatte, dass seine Beine unter seinem Gewicht nicht nachgaben, war er vorsichtig zum Fenster hinüber gegangen und hatte die frische Luft des heran brechenden Tages in sich aufgesogen. Der Garten lockte ihn und die Bäume zogen ihn an. Er war in seine Kleider geschlüpft und hinaus gegangen, wohl darauf bedacht, nicht gesehen zu werden. Er wollte sich keine Predigten darüber anhören müssen, dass er sein Bett verlassen hatte. Nun saß er wieder auf der Brüstung und genoss es, die Sonne auf seinem Gesicht zu spüren und den Wolken zuzusehen, wie sie leicht dahin zogen und ihrer Wege gingen.
„Du solltest das Bett noch nicht verlassen!“, hörte er auf einmal eine freundliche Stimme, doch der leise Gang, zu laut für einen Elben, aber zu leise für einen gewöhnlichen Menschen, ließ ihn direkt erkennen, dass es sich um den Waldläufer handelte. Er blickte ihn an und wartete, bis er sich ihm gegenüber auf die Brüstung gesetzt hatte.
„Es erinnert alles an unser letztes Treffen!“, sagte er und Aragorn nickte langsam.
„Legolas…“, begann er. „Ich…ich muss mich bei dir entschuldigen! An dem Tag, an dem… ich war nicht mehr ich selbst und ein Wort gab das andere. Ich bereue die Worte die ich zu dir sagte und noch mehr bereue ich, dass ich keine Gewalt mehr über mich hatte.“ Er machte eine Pause. „Als ich dich gefunden habe und du dann gestor-…“, er brach ab. „Mir ist klar geworden, dass du durch nichts zu ersetzten und mir wichtig bist. Ich will so eine Angst nicht noch einmal verspüren.“
Legolas antwortete nicht direkt. Er hatte gehofft, solche Worte zu höre und sah wieder zum Himmel.
„Ich sah meine Mutter, Aragorn!“, sagte er dann. „Ich habe sie gesehen, so wie sie immer war und wie sie jetzt ist!“
Eine Stille kehrte ein, bevor Aragorn das Wort wieder erhob.
„Bist du wegen ihr gegangen?“, Aragorn holte noch einmal Luft, bevor er aussprach, was ihn schon die ganze Zeit bedrückte. „Hast du dir wegen ihr das Leben genommen?“
Legolas sah ihn verwirrt an. „Was meinst du mit `das Leben genommen`?“
Aragorn hob die Brauen und wusste zuerst nicht, was er sagen sollte, bevor er dann schließlich zu schildern begann.
„Als ich dich gefunden habe, warst du alleine auf der Ebene und als wir deine Waffen sahen…ein Messer ungebraucht und an dem anderen klebte Blut…dein Blut!“
„Ihr habt gedacht ich hätte das selbst getan? Ich hätte mich umbringen wollen?“
Aragorn nickte vorsichtig und der verwirrte Ausdruck auf Legolas’ Gesicht wandelte sich zu einem schockierten Blick.
„Was ihr mir zutraut!“, sagte er dann sarkastisch. „Nein, ich wollte mir nicht das Leben nehmen, das wollte jemand anders…“. Er erzählte Aragorn von den Orks, dem Kampf und dem hinterhältigen Angriff des tot geglaubten Orks.
„Ich wusste, das es schlecht um mich stand und als ich dann auch…in Mandos Hallen war, fand ich es schön. Ich war glücklich, befreit von der Last... und ich habe meine Mutter wieder gesehen, aber sie zeigte mir die Wirklichkeit und dass meine Zeit noch nicht gekommen sei. Sie schickte mich wieder zurück.“ Er machte eine Pause. „Und als ich sah, wie du neben meinem Totenbett gewacht hast, fühlte ich mich schrecklich. Ich bitte dich, mir meine Worte, die auch ich eins gesagt habe zu vergeben. Ich wusste nicht was ich sprach. Ich für meinen Teil kann vergessen!“
Aragorn nickte. „Ich habe dir vergeben!“, sagte er und nahm den Elben in die Arme. Als er ihn wieder entließ, rieb dieser sich schmerzend die rechte Seite.
„Verzeih! Ich vergaß-…“
„Es geht schon wieder!“, sagte der Elb und lächelte ihn an. Eine Stille kehrte ein, bis Aragorn sich räusperte.
„Legolas…wie gedenkst du jetzt vorzugehen…Ich meine-…“, er brach ab und es schien, als müsste der Elb überlegen, was er auf diese Frage antworten sollte.
„Ich werde…“ begann er dann. „Ich werde in den Düsterwald zurückkehren…zu meinem Vater… und ihn nicht enttäuschen. Ich werde mein Schicksal annehmen und weiß, dass ich es schaffen kann. Ich habe Freunde, wie sie kein anderer hat, auf die ich mich immer verlassen kann und die mir immer zur Seite stehen. Sie will ich nicht missen.“
Er schaute zum Himmel auf und fügte leise hinzu: „Und wenn mein Vater über das Meer gehen sollte…ich werde nicht alleine sein!“